https://www.mineralbox.bizhttps://www.juwelo.dehttp://www.phillisverlag.de/Kalender-Shop/Mineralienkalender/

Autor Thema: Es müssen nicht immer Muschelkalk-Seelilien sein ...  (Gelesen 4244 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

amaltheus

  • Gast
Seelilien aus dem mittleren Schwarzen Jura (Pliensbachium)

Wenn man hier im Süden im Schwarzen Jura sammelt, bleibt es nicht aus, dass man immer wieder kleinere, unbedeutende Seelilienreste (vorallem Stiel- und Armglieder) findet. Stellenweise sind ganze Blöcke mit kleinen Armgliedern übersäht, so dass viele Sammler solche Funde schon gar nicht mehr beachten.

Manchmal findet man diese Anhäufungen in Verbindung mit plattgedrückten Treibhölzern. Meist endet jedoch die Anhäufung nach wenigen Dezimetern wieder. Aus den sog. Holzmaden-Schiefern (Lias Epsilon oder Toarcium) sind komplette Seelilien-Funde ja allseits bekannt -  auch wenn nur die wenigsten Kollegen Ihr "gutes Stück" selber gefunden haben (Grund: Grabungsschutzgebiet).

Aber aus dem Lias Gamma (Unteres Pliensbachium) jedoch nicht .... mit 2 Ausnahmen. Vor einigen Jahren habe ich bei der Erschließung eines Wohngebietes den abgebildeten Fund gemacht (Breite des Handstücks ca. 20cm, es ist die Vorder- u. Rückseite dargestellt) und den Fund daraufhin ins Staatl. Museum f. Naturkunde in Stuttgart gemeldet.
Glücklicherweise war es kein isolierter Einzelfund sondern eine gut erkennbare
Linse mit ca. 10cm Dicke und unbekannter Ausdehnung.
In einer 4 wöchigen Grabung wurden Platten mit einer Fläche von ca. 100qm geborgen - wobei ungenügend verhärtete und zu dünne Randbereiche der Linse nicht geborgen wurden (heute steht eine Garage und ein Haus darauf  - zum Glück ohne Keller !) Der Fund ist - wohl einer der größten Seelilienfunde überhaupt - und sicherlich der größte im Pliensbachium.
Das besondere ist jedoch weniger die Größe sondern die 3D-Erhaltung (die in Holzmaden ja fehlt). So kann man in einzigartiger Weise Skelettelemente erkennen, die sonst verborgen oder verdrückt sind. Gut zu erkennen sind auch bei meinem Fund z.B. dornenartige Fortsätze an der Kelchbasis. Die hatte man bisher in dieser Form noch nicht beobachtet. Es handelt sich wohl um eine Seiocerinus sp. Ob es sich um eine neue Art handelt ist wohl noch nicht geklärt.

Vielleicht kann man Teile des Fundes irgendwann einmal in Stuttgart im Löwentormuseum anschauen - momentan wird der Fund wohl noch mit Sandstrahltechnik präpariert. Ob es bereits eine Veröffentlichung darüber gibt, weiß ich nicht.

Ach ja ... die 2 Ausnahme habe ich nicht erwähnt.
Durch den ersten Fund angespornt hat ein Sammlerkollege, einige Kilometer entfernt von der ersten Fundstelle, auf einem abgeregneten Dreckhaufen einige Brocken mit schönen Kelchen gefunden. Da die Baugrube schon angefüllt war, konnten keine Nachforschungen im Anstehenden vorgenommen werden ... sonst wäre vielleicht eine 2. Sensation möglich gewesen. Und 100m weg davon hab ich auch noch einen isolierten Kelch - auf einer Tonplatte - gefunden.

Als Ansporn für alle Sammler sei also gesagt: Man kann 30 Jahre im selben Gebiet sammeln - es ist ab und zu doch was Neues dabei. ;D

Vielleicht hat ja jemand einen ähnlichen Fund in einer Schicht gemacht ... die nicht unbedingt für komplette Seelilienfunde bekannt ist ... ?
Nix wie her mit den Bildern !!


- Thomas -

Offline Conny3

  • Sponsor 2024
  • *
  • Beiträge: 4.908
  • Seit 2002 im Atlas.
    • Geologie, Mineralogie und Fossilfunde im Raum Jena
Re: Es müssen nicht immer Muschelkalk-Seelilien sein ...
« Antwort #1 am: 30 Nov 04, 19:06 »
Hallo Thomas,

mein Fund, den ich vor 3 Jahren auch eher zufällig machte, ist zwar wieder aus dem Muschelkalk (wir haben hier keine Juraablagerungen) aber im unteren Muschelkalk (nicht Schaumkalk!) doch eher selten gewesen. Die Bilder findet man auf meiner Seite Fossilien. Leider blieb es bis jetzt nur bei diesem Einzelfund. Obwohl ich regelmäßig in diesem alten Steinbruch mal reinschaue, blieben Neufunde bisher aus.
Es war wohl damals im Sommer 2001 ein absoluter Zufallsfund.

Conny

Offline Joachim

  • *****
  • Beiträge: 991
  • Sammlungsgebiet: Fossilien/Ceratiten

 

Mineralienatlas - Fossilienatlas - Info-Center

Neueste Beiträge Neueste Beiträge