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Oberösterreich: fossile Hölzer des Ottnangiums
oliverOliver:
Fossile Hölzer des Ottnangiums (mittleres Untermiozän), vor allem aus dem Inn- und Hausruckviertel
Anscheinend ziemlich weit verbreitet, aber doch relativ wenig bekannt, sind Überreste holziger Gewächse aus dem Ottnangium Oberösterreichs (zu den geologischen Grundlagen allgemein sh. unter anderem: Faupl und Roetzel 1990; Rupp u.a. 2008). Sie stammen sowohl aus dem Schlier (Holzreste, Blattabdrücke, Zapfen und andere Samen) als auch aus den Grobsanden (Holz selten in Kiesel- und häufiger in Phosphatiterhaltung, Zapfen).
Zu den Grobsanden zählen auch die sogenannten „Phosphoritsande“ (eigentlich Phosphatite mit überwiegend Phosphaten der Apatit-Gruppe – vgl. Faupl und Roetzel 1990, 159). Diese kommen vor allem im Hausruckviertel vor, zum Teil aber auch am südlichen Rand des Mühlviertels – dort ist Holz aber meines Wissens selten.
Die bekanntesten Fundstellen in den „Phosphoritsanden“ sind bzw. waren die Sandgruben bei Prambachkirchen (Hausruckviertel) und in Plesching bei Linz (Mühlviertel). In ihnen waren sowohl die „Linzer Sande“ des Egeriums (Oligozän, = Linz-Melk-Fm), als auch die Phosphoritsande des unteren bis mittleren Ottnangiums (Plesching-Fm) aufgeschlossen. Die Pleschinger Grube ist allerdings schon lange aufgelassen und mittlerweile ein Naturschutzgebiet, und in den Gruben bei Prambachkirchen ist das Sammeln – soviel ich weiß – nicht mehr gestattet.
Auf die botanischen Überreste der Phosphoritsande wurde man bereits früh aufmerksam. Während des Abbaus in der ersten Hälfte des 20. Jhs. wurden tausende Holzreste aufgesammelt bzw. händisch aussortiert, die von E. Hofmann bearbeitet und publiziert wurden (Hofmann 1944; Dies. 1952).
Durch die Auflassung vieler Gruben und Betretungsverbote in den verbliebenen sind die Fundchancen in den Phosphoritsanden und den Grobsanden heute stark gesunken (Arthofer 1993; Danninger 2011; Reiter und Berning 2012).
Aus meiner eigenen Sammlung kann ich zu den Ottnangium-Hölzern nicht viel herzeigen – einige Mini-Splitter aus den 1980er-Jahren aus Plesching sollten in OÖ noch irgendwo im Keller liegen, die müsste ich aber erst mal raussuchen – und sie sind wahrscheinlich die Mühe nicht wert. Sie sehen nicht besser aus als diese hier:
http://webs.eduhi.at/bio/hpim4153.jpg
Beachtenswerte Stücke liegen aber in der Sammlung von Wolfgang Danninger (Chlamys), besonders hervorzuheben sind die Palmen:
http://laurinsgarten.jimdo.com/fossilien-aus-dem-ottnangien/fossiles-holz/
http://austria-forum.org/af/Wissenssammlungen/Fossilien/Palmenholz
aber auch Hölzer bzw. Holzreste mit Bohrspuren von Teredinidae und anderen Organismen sowie Holz mit Balanidenaufwuchs:
http://laurinsgarten.jimdo.com/fossilien-aus-dem-ottnangien/bohrlöcher/
http://austria-forum.org/af/Wissenssammlungen/Fossilien/Teredo
http://austria-forum.org/af/Wissenssammlungen/Fossilien/Nototeredo
Diese wurden von Chlamys teilweise bereits im Thema „bescheidene Hölzer …“ (AW # 18, 70, 73, 82, 83, 85, 86) vorgestellt.
Aber auch andere oberösterreichische Sammler haben teils beachtliche Funde aus dem Ottnangium vorzuweisen, so etwa Adolf Aichinger (Phosphatithölzer, Blattabdrücke etc.):
http://mininfo.am-web.com/galerie/prambachkirchen/index.html
http://mininfo.am-web.com/galerie/prambachkirchen2/index.html
http://mininfo.am-web.com/neufund_pram1.php
Ebenfalls extra hervorzuheben sind die fossilen Koniferen-Zapfen. Diese wurden schon von Hofmann (1944) und von Arthofer (1993) beschrieben bzw. erwähnt, weitere befinden sich z.B. in der Sammlung von Wolfgang Danninger (Chlamys) – sh. den obigen Link (Laurinsgarten), und:
http://austria-forum.org/af/Wissenssammlungen/Fossilien/Zapfen
E. Hofmann hat 1944 aus Prambachkirchen eine sehr abwechslungsreiche Flora beschrieben, aufgrund der alten Bestimmungen müsste diese aber neu bearbeitet werden. Folgende Familien (zu ergänzen wäre dann: -artige oder -gewächse) bzw. Gattungen werden von ihr angeführt:
Taxodioxylon (Sumpfzypresse), Cupressinoxylon (Zypresse), Cedroxylon (Zeder), Piceoxylon (Fichte, auch Zapfen), Pinuxylon (Föhre, auch Zapfen), Casuaroxylon (Kasuarinengewächse), Betuloxylon (Birke), Alnoxylon (Erle), Carpinoxylon (Haselnuss), Fagoxylon (Buche), Quercoxylon (Eiche), Ulmoxylon (Ulme), Guttiferoxylon (Clusiaceae oder Guttiferengewächse), Pomoxylon (Rosaceae /Apfel), Leguminoxylon (Leguminosenholz / Fabaceae), Rhizophoroxylon (Rhizophoragewächse), Aceroxylon (Ahorn), Cealstrinoxylon, Ebenoxylon (Ebenholzgewächse), Tectonoxylon (Eisenkrautgewächse), Fraxinoxylon (Esche), Palmoxylon (Palmen, Blattabdruck: Flabellaria), Juglans (Nussbaum, Früchte), Celastraceae (Spindelbaumgewächse) und Anisophylleaceae.
Bezugnehmend auf ältere Arbeiten von Schadler folgt Steininger (1969, 45 und 48) klar der Annahme, dass die Phosphatitknollen samt eines hohen Anteils (v. a.) der (pflanzlichen) Fossilien allochthon sind und ursprünglich nicht aus dem Ottnangium stammen, sondern aus dem Älteren Schlier (Egerium / Oberoligozän) umgelagert sind. Faupl und Roetzel kommen 1990 aufgrund der Schwermineralanalysen ebenfalls zu dem Schluss, dass ein größerer Anteil von Sedimentbestandteilen der Phosphoritsande eventuell aus älteren Sedimenten wie den Linzer Sanden umgelagert sein könnte, formulieren dies aber deutlich vorsichtiger.
Ob es dazu aktuellere, speziell auf diese Problematik gerichtete Untersuchungen gibt, ist mir nicht bekannt. Es muss also beim derzeitigen Forschungsstand durchaus damit gerechnet werden, dass ein (beträchtlicher) Teil der in den Phosphoritsanden des Ottnangiums enthaltenen fossilen Hölzer älter ist und ursprünglich bereits im Egerium (Oligozän bis tiefstes Untermiozän) - oder auch erst im Eggenburgium - fossilisiert wurde. Ob das nicht nur auf die phosphatierten, sondern auch auf die verkieselten Pflanzenreste zutreffen könnte, sei dahingestellt.
Sicher dem Ottnangium gehören jedoch die Pflanzenreste aus dem Schlier (Robulus-Schlier, Ottnang-Formation, etc.) an, sie sind nur synchron allochthon verlagert und nicht umgelagert, sofern ihre Fundschichten sicher datiert werden können und auszuschließen ist, dass es sich dabei nicht um vor-ottnangiumzeitliche Pelitablagerungen (etwa Älterer-Schlier-Fm / Egerium, Hall-Fm / Eggenburgium) handelt.
LITERATUR:
• Arthofer 1993: Peter Arthofer, Mineralogische und paläontologische Besonderheiten der Phosphoritlagerstätte Prambachkirchen, OÖ. OÖ- Geonachrichten 8, 1993, 13 ff.
• Danninger 2011: Wolfgang Danninger, Die Pectinidenfauna der Innviertler Schichtenserie im Bezirk Schärding. http://www.steinkern.de/fundorte/austria/120-die-pectinidenfauna-der-innviertler-schichtenserie-im-bezirk-schaerding.html
• Faupl und Roetzel 1990: Peter Faupl & Reinhard Roetzel, Die Phosphoritsande und Fossilreichen Grobsande: Gezeitenbeeinflußte Ablagerungen der Innviertler Gruppe (Ottnangien) in der oberösterreichischen Molassezone. Jb. Geol. B.-A. 133/2, 1990, 157 ff.
• Hofmann 1944: Elise Hofmann, Pflanzenreste aus dem Phosphoritvorkommen von Prambachkirchen in Oberdonau, Teil 1. – Palaeontographica (Abt. B), 88, 1-86.
• Hofmann 1952: Elise Hofmann, Pflanzenreste aus dem Phosphoritvorkomen von Prambachkirchen in Oberösterreich, Teil 2. – Palaeontographica (Abt. B), 92, 121-183.
• Reiter und Berning 2012: Erich Reiter & Björn Berning, Kleiner Exkursionsführer zu ausgewählten Aufschlüssen in der Molassezone Oberösterreichs. In: 18. Jahrestagung ÖPG Linz, Berichte Geol.B.-A., 94, 2012, 25 ff.
• Rupp u. a. 2008: Christian Rupp u. a., Geologische Karte der Republik Österreich 1 : 50000, Erläuterungen zu Blatt 47 Ried im Innkreis. Wien 2008.
• Steininger 1969: Fritz Steininger, Das Tertiär des Linzer Raumes. – In: Katalog Geolog. & Paläont. Linzer Raumes, 35 ff., Taf. 1-4, 1 Tab., Linz 1969.
Zu den Sedimenten des Ottnangiums und deren Verbreitung ist auch noch folgende Publikation empfehlenswert:
• Kohl und Krenmayr 1997: H. Kohl, H. G. Krenmayr u. a., Geologische Karte der Republik Österreich 1 : 50000, Erläuterungen zu Blatt 49 Wels. Wien 1997.
oliverOliver:
Ottnangium-Kieselholz aus Feinsanden
Kieselholz des Ottnangiums kommt in Oberösterreich nicht nur in den fossilreichen Grobsanden inklusive der Phosphoritsande vor, sondern ist - vereinzelt - auch aus anderen Formationen bekannt, so der Atzbach-Formation (Atzbacher Sande) der Innviertel-Gruppe (Selmeier 1970).
Diese Sande datieren ins Untere Ottnangium, stratigrafisch liegen sie zwischen Vöckla-Fm und Ottnang-Fm (Kohl und Krenmayr 1997, 12; Rupp u. a. 2008, 9 und 12 ff.). Die Atzbacher Sande werden nicht zu den Grobsanden gerechnet, sie bestehen überwiegend aus Feinsanden (Faupel und Roetzel 1990, bes. 166).
Zur Atzbach-Fm allgemein siehe: Faupl und Roetzel 1987; sowie nur für speziell interesierte: Faupl u. a. 1988.
Literatur (so noch nicht oben enthalten):
FAUPL & ROETZEL 1987: FAUPL, P. & ROETZEL, R., Gezeitenbeeinflußte Ablagerungen der lnnviertler Gruppe (Ottnangien) in der oberösterreichischen Molassezone. - Jb. Geol. B.-A., 130/4, 415-447,30 Abb., 3 Tab., Wien 1987.
FAUPL u. a. 1988: FAUPL, P., ROHRLICH, V. & ROETZEL, R., Provenance of the Ottnangian Sands as Revealed by Statistical Analysis of their Heavy Mineral Content (Austrian Molasse Zone, Upper Austria and Salzburg). - Jb. Geol. B.-A., 131/1, 11-20, 5 figs., 5 tabls., Wien 1988.
SELMEIER 1970: SELMEIER, A., Ein verkieseltes Ilex-Holz, Ilicoxylon austriacum n.sp., aus den Atzbacher Sanden (Ottnangien) von Gallspach. - Neues Jahrb. Geol. Paläont. Mh. 1970/11: 683 - 700, 12 Abb., Stuttgart.
oliverOliver:
Einige Hölzer aus den Phosphoritsanden von Prambachkirchen, die ich von Erich Reiter bekommen habe.
Teils verkieselt, teils in Phosphatit / Apatit fossilisiert. Alle relativ klein, aber nette Belegstücke, und deutlich besser als meine damaligen (absolut miesen) Eigenfunde vom Ende der 1970er bzw. Anfang der 1980er-Jahre.
Das erste (Fotos 1+2) zeigt dicht an dicht die ausgefüllten Bohrgänge von Teredinidae.
Das zweite Stück (Fotos 3+4) weist ebenfalls Bohrlöcher auf. Eine Zuordnung derselben traue ich mich in diesem Fall nicht zu; siehe die Diskussion im Thema Bescheidene Hölzer
( http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,7054.msg237509.html#msg237509 ).
oliverOliver:
Das dritte steckt(e) in einer größeren „Phosphorit“knolle, ist aber wie die meisten anderen rezent gebrochen, da die Stücke über die Siebanlage gelaufen sind (gerade die Phosphatit-Hölzer sind leider sehr bruchempfindlich). Auch hier wieder Bohrlöcher.
oliverOliver:
Beim vierten wiederum verfüllte Bohrgänge, wobei eine der Verfüllungen herausgebrochen und damit die Hohlform sichtbar ist.
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