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Oberösterreich: fossile Hölzer des Ottnangiums
oliverOliver:
Das beiden nächsten sind gut verkieselte Fragmente. Stück Nr. 5 ist leider nur ein schmaler Splitter, weist aber einen winzigen Zweigabgabg auf (die ersten beiden Fotos).
Stück Nr. 6 ist etwas massiver und zeigt noch sehr gut die Holzstruktur (die beiden letzten Fotos).
oliverOliver:
Ottnangium – „Phosphoritsande“ – zur Frage der Umlagerung/Resedimentation von (vor allem botanischen, aber auch anderen) Fossilien.
Ist die Phosphorit-Umlagerungstheorie aktuell ?
Wie oben schon kurz erwähnt, ist in der Literatur immer wieder einmal die Rede davon, dass die Phosphorit- (Phosphatit-)Knollen der "Phosphoritsande" aus dem Ottnangium aus älteren aufgearbeiteten Sedimenten stammen - samt eines Teils der in den Sanden enthaltenen Fossilien. Meist werden als primäre Quelle Ablagerungen des Oberoligozäns bis tiefsten Untermiozäns (Egerium) vermutet, zum Teil auch solche des Eggenburgiums.
Wie ist eure Meinung zu dieser Theorie ?
Und gibt es da eventuell neuere Untersuchungen / aktuelle Literatur dazu ? (bei meinen www-Recherchen hab ich nichts Neues gefunden).
Eventuell weiß ja Geomaxx als „direkt benachbarter“ Geologe was dazu ? (die Phosphoritsande ziehen ja – wenn auch nicht obertage aufgeschlossen – entlang der böhmischen Masse bis nach Südostbayern, vgl. z.B. Fuchs 1968, 50; Faupl und Roetzel 1990, 158).
Oder Chlamys, der sich von den hier vertretenen Kollegen wohl am intensivsten mit den oberösterreichischen Ottnangium-Fossilien auseinandergesetzt hat ?
Die Frage ergeht aber natürlich auch an alle anderen, die etwas dazu beitragen können !
Mit Erich Reiter hatte ich im April 2013 ein kurzes Gespräch darüber. Seiner Meinung nach ist das nach wie vor unklar, er kennt auch keine neueren Ergebnisse, und er meinte dass sich da anscheinend noch niemand eine Neubearbeitung des sehr komplexen Themas zugetraut hat, obwohl das sowohl paläontologisch wie auch geologisch und mineralogisch interessant und wichtig wäre. Soweit das im Gespräch rüberkam, dürfte er eher zu der Ansicht tendieren, dass da vom Fossilinhalt nicht all zu viel umgelagert ist, obwohl mit einem geringeren Anteil umgelagerter älterer Fossilien natürlich in entsprechenden Situationen – küstennahe Grobsande bis Brandungszonen (Plesching !) immer zu rechnen ist.
Steininger 1969 sowie Faupl und Roetzel 1990 (komplette Zitate oben im ersten Beitrag) beziehen sich betreffs der Umlagerung jeweils auf die Arbeiten von Schadler und Fuchs, ergänzen deren Beobachtungen aber durch eigene Forschungsergebnisse, so dass in Summe doch recht deutliche Hinweise auf eine Resedimentation zumindest der Phosphoritknollen, aber auch anderer Sedimentkomponenten vorliegen. Bevor ich dies langwierig erläutere, lieber einige Originalzitate:
Steininger 1969, 45:
„Da nach Schadler (1934, 1944, 1945) die Schiefertone [ = älterer Schlier] als Muttergestein der in die miozänen Phosphoritsande umgelagerten Phosphorite und den darin enthaltenen Pflanzenresten angesehen werden müssen, …“
47-48:
„Charakteristisch sind die von Schadler erstmals 1932 beschriebenen, wahrscheinlich aus dem oberoligozänen Schieferton umgelagerten, schwarz bis hellbraun gefärbten, metallisch glänzenden, unregelmäßig geformten, meist zwischen 4 bis 15 cm großen Phosphoritknollen, die besonders an der Transgressionsbasis („Knollenlesedecken" — nach Schadler, 1945) angehäuft sind.“
Faupl und Roetzel 1990, 174:
„Es ist daher vorstellbar, daß ein bedeutender Teil von Zirkon und Apatit in den Phosphoritsanden nicht alleine auf primäre Zufuhr aus der Böhmischen Masse zurückzuführen ist, sondern daß beträchtliche Mengen aus der Aufarbeitung von solchen Zirkon- und Apatit-dominierten Sandserien auch aus dem liegenden der Phosphoritsande stammen. Hinweise auf intensive Fossilumlagerungen (Schadler 1944; Fuchs 1968) stützen diese Vorstellung.“
177:
„Durch eine ebenfalls deutliche Zirkon-Apatit-Dominanz in den oligozänen Linzer Sanden ist es jedoch auch vorstellbar, daß ein beträchtlicher Teil der Grobsande des Ottnangiens nicht nur durch direkte Zufuhr von der Böhmischen Masse entstand, sondern durch Aufarbeitung älterer Sandserien aus dem Liegenden der Phosphoritsande gebildet wurde. Diese Annahme wird auch durch die zahlreichen umgelagerten älteren Fossilreste bekräftigt.“
Primäre Phosphoritknollen-Vorkommen sind in Oberösterreich im Älteren Schlier – die angeführte Literatur zusammenfassend – gut belegt:
- mehrere Aufschlüsse im Gebiet von Eferding und Waizenkirchen (Schadler 1934)
- am Trefflinger Sattel bei Linz (Schadler 1934)
- mehrere Fundorte im Gallneukirchner Becken (Grill 1935, 41 f.)
- allgemein in der Ebelsberg-Fm (Rupp und Ćoric 2012, 68)
- allgemein im Älteren Schlier: Fuchs 1968, 49 (ff.)
Die Wahrscheinlichkeit, dass die Phosphorit-/Phosphatithölzer aus dem Älteren Schlier umgelagert wurden, ist also als relativ hoch einzustufen.
Verkompliziert wird die Situation aber noch dadurch, dass im betreffenden Gebiet auch die Sedimente des Eggenburgiums wieder erodierten, und zumindest teilweise anscheinend ebenfalls bereits im Ottnangium aufgearbeitet wurden. Eventuell sind also in den Phosphoritsanden – sowohl im eigentlichen Sediment, als auch im Fossilinhalt – auch Komponenten des Eggenburgiums enthalten. Steininger (1969, 47) erwägt dies aufgrund des Vorkommens abgerollter Fragmente einer bestimmten Pecten-Spezies und eines Wirbeltierzahns in den Phosphoritsanden.
Mit den in der angeführten Literatur angegebenen Fossillisten kann ich bezüglich dieses Themas mangels ausreichender eigener biostratigrafischer Kenntnisse nicht viel anfangen, sprich: nicht beurteilen wieweit die Eingrenzung bestimmter Arten auf spezielle Zeitabschnitte des Tertiärs dem heutigen Forschungsstand entspricht. Ich nehme aber mal an, dass das im Großen und Ganzen noch halbwegs passt.
Beim Kieselholz aus den Phosphoritsanden sind allerdings auch die abweichenden Fossilisationsbedingungen zu berücksichtigen. Kieselholz braucht in der Regel (seltene Ausnahmen bestätigen diese) ein körniges / grobporiges Sediment zur Entstehung (damit die Kieselsäure-Lösung zirkulieren kann) – die verkieselten Hölzer stammen also wohl eher nicht aus dem aufgearbeiteten Anteil des Älteren Schliers. Möglich ist jedoch, dass sie (teilweise ?) aus älteren Sanden (Egerium bis Eggenburgium ?) verlagert wurden. Desgleichen ist aber auch eine primäre Zuordnung zu den Ottnangium-Sanden nicht auszuschließen.
Klar ist jedenfalls, dass es eine Diskordanz gibt – die Sedimente des Eggenburgiums fehlen (wie schon erwähnt) hier weiträumig, wurden also wieder aufgearbeitet, und – zumindest bereichsweise bzw. was deren jüngere Anteile betrifft – anscheinend auch Sedimente des Egeriums (Älterer Schlier und Sande), besonders direkt am Südrand bzw. im Südteil der böhmischen Masse – dort finden sich heute offenbar nur mehr geringe Erosionsreste.
Andererseits sind Sedimente des Ottnangiums mit sicher primär gelagerten Phosphatitknollen anscheinend unbekannt (?), sichere Nachweise für die Bildung von solchen Knollen liegen aber für ältere Sedimente vor: in OÖ eben für den älteren Schlier bzw. die Ebelsberg-Fm (z.B. Schadler 1934; Rupp und Ćoric 2012, siehe oben), in Deutschland – um hier mal „über den Tellerrand“ zu blicken bzw. überregional den allgemeinen Entstehungszeitraum mit einzubeziehen – z.B. für die Böhlener Schichten (Espenhain; Rupelium / Oligozän).
Fazit: alles erscheint etwas unklar, aber der Fossilinhalt der Phosphoritsande ist möglicherweise ein Palimpsest, zumindest eine geringe Vermischung scheint sicher (Steininger 1969), eine hochgradige ist nicht unwahrscheinlich. Bezüglich der Hölzer könnten die phosphatisierten Stücke durchaus aus umgelagerten oligozänen bis tiefst-untermiozänen Sedimenten stammen, während für die verkieselten auch eine Zeitstellung ins Eggenburgium oder eben ins Unter-Ottnangium (dann wären sie nicht asynchron) möglich scheint.
Literatur (soweit nicht schon oben angeführt):
• FUCHS, W., 1968: Die Sedimente am Südrande und auf dem kristallinen Grundgebirge des westlichen Mühlviertels und des Sauwaldes. - In: FUCHS, G. & THIELE, O.: Erläuterungen zur Übersichtskarte des Kristallins im westlichen Mühlviertel und im Sauwald, Oberösterreich. - 43-58, 1 Taf., Wien (Geol. B.-A.) 1968.
• GRILL, R., 1935: Das Oligocänbecken von Gallneukirchen bei Linz a. D. und seine Nachbargebiete. Mitt. Geol. Ges. 28, Wien, 37 ff.
• RUPP, Ch., und ĆORIĆ, St., 2012: Zur Ebelsberg-Formation, Jb.Geol.BA 152, 2012, 67-100.
• SCHADLER, J., 1934: Weitere Phosphoritfunde in Oberösterreich. — Verh. Geol. Bundesanst. 1934, 58 - 60. Wien.
• SCHADLER, J., 1944: Fundumstände und geologisches Alter der Pflanzenreste aus dem Phosphoritvorkommen von Prambachkirchen in Oberdonau. - In: HOFMANN, E.: Pflanzenreste aus dem Phosphoritvorkommen von Prambachkirchen in Oberdonau. - Palaeontographica, 88, Abt. B, 3-10, Abb. 1-2, Stuttgart 1944.
• SCHADLER, J., 1945: Das Phosphoritvorkommen Plesching bei Linz a. d. Donau. — Verh. Geol. Bundesanst. 1945, 70 - 77. Wien.
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