Hallo zusammen,
bei uns in der Lithothek gibt es Arbeitstreffen, bei denen wir uns anschauen, was in unserer Sammlung von einem Fundort in der Sammlung vorliegt. Üblicherweise sind wir etwa fünf Leute, die sich Stück für Stück anschauen, bewerten, Bestimmungen hinterfragen. Für eine Fundstelle kann es auch mal zehn Treffen brauchen, bis wir durch sind. Wohlgemerkt, die Sammlungsstücke snd aus unterschiedlichen Quellen, d.h. von unterschiedliche Personen und eventuell auch Ketten von Personen, in die Sammlung gekommen: Spenden, Sammlungsauflösungen, Zukäufe, Exkursionen unseres Vereins...
Das, was wir an Stufen bekommen, trägt meist schon eine Bezeichnung/Bestimmung. Und die wird eben in den Treffen hinterfragt - wobei wir versuchen, immer auch Spezialisten mit einzuladen - und jetzt wird es interessant: wir stellen immer wieder fest, dass viele Bestimmungen gar nicht sicher sind - nicht einmal die Gruppenbezeichnung - durchaus auch bei Allerweltsmineralien.
Das mag z.B.ein Stück sein, was als Isokit bezeichnet ist (den es am Fundort gibt) - weiß jemand aus der Gruppe, wie Isokit aussieht? Ist das Stück interessant? Was ist die Paragenese? Lohnt sich eine Analyse? Wenn ja - verstehen wir das Ergebnis? Haben wir vom richtigen Material etwas zur Analyse gegeben? Weiss dann der Fotograf, was er Aufnehmen soll?
In einem anderen Fall war die Stufe mit Aurichalcit bezeichnet (Geschenk von einem Spender außerhalb der Gruppe). Am zugehörigen Fundort wird Aurichalcit genannt, aber Zweifel kommen auf: Malachit? Serpiert/Devillin? Da gibt es nicht eine Gruppenbezeichnung. So passiert es im übrigen häufig. (P.S.: Analyse ergab Serpiert).
In wieder einem anderen Fall liegt ein Strengt bezeichnetes Mineral vor. Interessante Paragenese - uns unbekannt. Nebenbei stellt sich dann heraus, dass es kein Strengit war sondern Preisingerit.
Und Bismutit ist wahrscheinlich nicht so häufig, wie es auf den Etiketten steht…
Was tun? Die ursprünglichen Bezeichnungen kommen meist nicht von uns, wir übernehmen zunächst die Stufen so, wie wir sie bekommen…
Also ein erstes Fazit der Arbeit:
1) 10 Augen sehen mehr als zwei, auch die interessante Paragenese neben dem eigentlichen Mineral…
2) Gruppennamen helfen nicht. Und auch zehn Augen können irren.
3) Jemand muss wissen, was wir unter der Bezeichnung XY auf der Stufe sehen sollten - und der Fotograf sollte wissen, welche Stelle auf der Stufe er fotografieren muss…
4) Auch wenn wir das richtige Material zur Analyse gegeben haben, müssen wir (und auch der mit der Analyse Beauftragte) dann wissen, was das Ergebnis bedeutet (klingt trivialer als es ist). Es mag auch gelegentlich vielleicht etwas neues dabei sein. Und dann?
5) Schließlich müssen die Ergebnisse irgendwie irgendwo publiziert werden, und wenn man das als „Laie“ macht, wo geht man damit hin? (Nein, bitte jetzt nicht auf Magazine mit bunten Mineralienbildern hinweisen)
Insofern finde ich es garnicht so schlecht, Dinge hier einzustellen und dann eben das Plenum zu haben, das hoffentlich die richtigen Fragen stellt.
Grüße, Martin
P.S. Ich wollte nur mal wieder auf de Idee hinweisen, dass Bilder von Referenzstufen (also inclusive Analysen) vielleicht hilfreich wären, manches Missverständnis aufzuklären.