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Autor Thema: Granat? / ja  (Gelesen 9351 mal)

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Offline Erik

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Granat? / ja
« am: 04 Dec 03, 13:42 »
Hallo,

Habe hier einen Granat (~0,6cm) in vulkanischem Tuff von der "Strütt"/Kleinostheim/Spessart. Scheint sich um einen bis jetzt einzigartigen Fund zu handeln, jedenfalls war auch  J.Lorenz nichts über solche Funde bekannt. Habt ihr vielleicht eine Vermutung zur Varietät, bzw läßt sich irgendwie erkennen ob er primär vulkanischen Ursprungs ist oder ob er durch die vulk. Tätigkeit aus dem Kristallin gelöst wurde ???
Man beachte die "Schmelzstrukturen" ??? an den Flächen!

Granatvarietäten lassen sich in den meisten Fällen doch nur durch chemische Analysen bestimmen, oder liege ich da falsch?

Gruß,Erik
« Letzte Änderung: 26 May 16, 11:51 von oliverOliver »

Offline McSchuerf

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Re:Granat?
« Antwort #1 am: 04 Dec 03, 20:39 »
Hallo Erik,

also ich würde schon auf einen Spessartin tippen; könnte sich natürlich auch um einen später durch Erosionskräfte herausgelösten Andradit (Calcium-Eisen-Granat) handeln.
Ich habe ja selbst letztes Jahr im Dezember am Bahnhof von Kleinostheim schöne und z.T. recht beachtlich große Staurolithfunde getätigt, wobei einige dieser Stufen neben Cyanit (Disthen) auch schöne blutrote Granat-xx aufwiesen. Allerdings nur mikroskopisch klein aber noch unter der Lupe gut zu erkennen; ungefähr im selben Farbton wie Dein Granat und teilweise in genauso attraktiver Ausbildung.. ;)..

..eine typisch metamorphe Mineralparagenese, wobei ich den Granat von der Entstehung her jünger einschätze als z.B. die Staurolith-XX oder den Cyanit..

Gruß Peter
« Letzte Änderung: 04 Dec 03, 20:43 von Peter »

Offline wolfi

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Re:Granat?
« Antwort #2 am: 04 Dec 03, 20:41 »
Servus Erik,
Granat ist kein typisches Vulkanit-Mineral. Es gibt ihn wohl in Basalten/Tuffen, z.B. in der Eifel oder auch am Kaiserstuhl, die sind meines Wissens aber schwarz (hoher Titan-Gehalt, = Melanit). Granat ist ein typisches Mineral der Pegmatite und auch der metamorphen Gesteine (Gneis, Glimmerschiefer, Eklogit, Serpentinit usw.). Hier kommt er dann bevorzugt als rote Kristalle vor, als da wären Pyrop, Almandin und Spessartin. Ein roter Granat in basaltischem Tuff ist auf jeden Fall ungewöhnlich. Von der Farbe her glaube ich nicht, dass es ein Almandin ist, die sind dunkler, gehen ins violette bis fast schwarze, sie verwittern auch relativ leicht (Eisengehalt!). Bei deinem Kristall tippe ich auf Pyrop. Die haben eher diese Transparenz, werden auch bevorzugt zu Schmucksteinen verschliffen (der bekannte "Böhmische Granat" z.B. ist Pyrop). Dass die Flächen rundlich sind, ist für den Granat nicht ungewöhnlich. Das kommt aber sicherlich nicht von vulkanischen Aktivitäten.
Servus + Glück auf
Wolfi

Offline Conny3

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Re:Granat?
« Antwort #3 am: 04 Dec 03, 20:45 »
Hallo Erik,
im Rhyolith (Porphyr) des Thür. Waldes gibt es auch eine fast unbekannte Fundstelle mit Granat-Pyrop. Es ist also auf keinen Fall ausgeschlossen, dass es sich hierbei um Granat (Andradit, Pyrop möglicherweise sogar Spessartin etc.) handelt.

Herz. Grüße

Der Conny
« Letzte Änderung: 04 Dec 03, 20:46 von Conny3 »

Offline McSchuerf

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Re:Granat?
« Antwort #4 am: 04 Dec 03, 20:52 »
Hallo Wolfi,

vom Herrchenberg bei Burgbrohl in der Eifel habe ich z.B. transparente und sehr gut ausgebildete, helle, gelblichbraune xx von Andradit auf Kluftlava bzw. aus dem Basalt. ;)..d.h. dass es auch von vulkanischen Vorkommen nicht nur Melanite gibt (schwarze Granate wie vom Kaiserstuhl z.B.), sondern auch hellere Granate..

..ich glaube aber auch, dass es sich bei den Spessart-Granaten - wie der Name ja auch schon sagt - um Spessartin handelt, dessen Typolokalität der Spessart darstellt.
Die typisch braunroten Almandin-XX im Glimmerschiefer sind vor allem aus dem Zillertal in Tirol und in Südtirol besonders bekannt.

Granate sind primär ganz typische Vertreter metamorpher Bildung/Entstehung.

Anderes Beispiel: Rhodolithe (Pyrop-Almandin-Mischkristalle) kommen dagegen von der Westküste Sri Lankas ('Ex-Ceylon'), die ich dort selbst schon 1985 geborgen hatte..., usw...

Gruß Peter
« Letzte Änderung: 04 Dec 03, 20:55 von Peter »

Offline wolfi

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Re:Granat?
« Antwort #5 am: 04 Dec 03, 21:12 »
Servus Peter, servus Conny, servus alle,
geht der Spessarter Spessartin nicht mehr ins orange? Dass er in dieser Farbe auch vorkommt ist klar (z.B. Serifos). Ich dachte aber wie gesagt, dass diese von der Typlokalität ins orange gehen. Aber wie du, Erik, richtig erkannt hast, kann wohl nur eine Analyse genaue Klarheit erbringen. Granat ist ja ein sehr farbenreiches Mineral. Allein in Bayern gibt es alle Farben (allerdings wie sonst auch kein blau).
Servus + Glück auf
Wolfi

Offline Erik

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Re:Granat?
« Antwort #6 am: 05 Dec 03, 08:55 »
Hallo zusammen,

Nicht jeder Granat im Spessart ist auch Spessartin, vor allem die "gesteinsbildenden" Granate in Glimmerschiefer, Staurolithgneis, Granatgneisen etc. sind Almandine.
Die Farbe der Spessartine ist hier relativ variabel, von rosa über orange bis kräftig rot und braunrot, also wahrscheinlich kein Kriterium.
Was mich auch eher zu Spessartin tendieren läßt ist die Tatsache, daß im umliegenden Gneis (Muscovit-Biotit-Gneis) keine solch großen Granate gesteinsbildend auftreten (nur Körnchen)und es sich deswegen wahrscheinlich um eine pegmatitische Bildung handeln müsste und die Kristallform. Almandin habe ich bis jetzt nur in Rhombendodekaedern gefunden. Und andere Varietäten sind meines Wissens nach aus dem Spessart nicht bekannt.
Aber ein Spessartin aus dem Spessart und dazu noch ungewöhnlicherweise im Tuff???

Bei einer chem. Analyse würde das Stück doch zerstört werden (müssen), oder?

Grüße, Erik  
« Letzte Änderung: 14 Nov 08, 11:00 von Erik »

Offline McSchuerf

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Re:Granat?
« Antwort #7 am: 05 Dec 03, 16:32 »
Hallo Erik,

ja, wenn gesteinsbildend im Gneis ist es vermutlich Almandin, könnte aber auch Pyrop oder Rhodolith (Mischkristall Pyrop-Almandin) sein.

Lass am besten eine Röntgenanalyse beim Günter Blaß in Eschweiler machen (Kernforschungsinstitut Jülich); zahlst Du wenig und kannst bei Einzelstücken um Rückgabe bitten.
Über die Einzelheiten zur Röntgenanalyse habe ich mir hier schon die Finger wund geschrieben; möchte ich jetzt nix wiederholen müssen.
Nur bei chemischen Analysen ist das Stück natürlich dann futsch und relativ ungenau ist eine chemische Analyse auch. Ich empfehle daher XRD oder besser noch EDX!

Gruß Peter

« Letzte Änderung: 05 Dec 03, 16:34 von Peter »

Offline Conny3

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Re:Granat?
« Antwort #8 am: 05 Dec 03, 21:15 »
Hallo Erik,
auch im Thüringer Wald gibt es eine interessante Granatfundstelle mitten im Porphyrgebiet. Es ist die Gegend um Friedrichroda/Heuberghaus mit den bekannten Vorkommen von sogenannten Schneekopfkugeln. Südlich vom Rennsteig an der Kniebreche konnte man in einem sehr kleinen Aufschluss überraschenderweise statt der Quarz- oder Fluoritkristalle entweder eingewachsen stark zersetzte, aber noch deutlich erkennbare Granate entdecken (Bild). Ein kleinerer Kristall zeigte noch Flächen und war von fast schwarzer dunkelroter Farbe. Ein besonderer Fund gelang mir 1994: Ein deutlich flächiger braunroter Granatkristall in einer kleinen Quarzdruse. Begleitmineralien waren noch Chlorit und etwas Hämatit. An keiner anderen Stelle im Porphyr des Th. Waldes ist mir bis jetzt ein solches Vorkommen bekannt geworden. Auch in der Literatur war nicht´s zu finden.

Du siehst also, solche Funde sind manchmal schon überraschend, aber nicht auszuschließen.

Der Conny

[gelöscht durch Administrator]

Offline TKMineral

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Re:Granat?
« Antwort #9 am: 03 Jan 04, 19:47 »
Eingewachsene rote Granatkristalle (Mischkompenente Almandin-Andradrit) bis zu 3 mm kommen eingewachsen in Rhyolithlatit im Düppenweiler und Schmelzer Rhyolithvorkommen im Nördlichen Saarland vor.
Konnte selbst ein paar Proben bergen. Das Muttergestein sieht witzig aus, irgendwie wie Steinerzeugnisse (wie Ziegel). Werd mal ein Bild machen.

Weiterhin konnten Granate in den Magmatiten der Rauschermühle , im Stbr. Kreimbach und im Rammelsbach in der Pfalz nachgewiesen werden (vgl. Ulrich Heidtke: Die Minerale der Pfalz 1986 , sowie einiger Analysen).

Gruß

TKMineral
« Letzte Änderung: 03 Jan 04, 19:48 von TKMineral »

Offline TKMineral

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Re:Granat?
« Antwort #10 am: 04 Jan 04, 21:11 »
Die Granatkristalle aus den Saarländischen Rhyolithen sind allesamt leicht angeschmolzen , das heißt , das die Kristallformen nicht mehr vorhanden sind.

Der Fundort des abgebildeten Exemplares ist übrigens Schmelz / Saarland!

Gruß

TK

Offline TKMineral

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Re:Granat?
« Antwort #11 am: 05 Jan 04, 09:35 »
Bei den Saarländischen Granaten sind die Wissenschaftler der Meinung , das die Magma granatreichen Gneis im Untergrund durchdrang und sich die Granate nicht in der Magma aufgelöst haben.

Gneis und Granit wurden im Saarland übrigens bei irgendeiner Tiefenbohrung festgestellt (ich glaub  das war irgendwo im Steinkohlenrevier...)

Antehenden Gneis findet man nur in 2 Steinbrüchen im östlichen Pfälzer Wald bei Landau , wobei der Stbr. Albersweiler sehr interresant ist. In dem sehr tiefen Bruch sieht man , wie damals die Basaltmagma Gänge durch den Granit zog. Sehr toll anzusehen, aber an Mineralien hapert`s in dem Bruch. Die waren nur in den oberen Zonen im Melaphyr vorgekommen , Achat , Quarz , Calcit und auch winzige Brookit xx. Im Gnei konnte ich bei einem Besuch vor 2 Jahren nur eine Störung mit Aktinolith und Epidot finden. Da auch Calcit dabei war, konnte ich auch was ätzen und faserigen Aktinolith freilegen. Auch habe ich hexagonale orange transparente xx , die ich erst einmal für Synchisit/Parisit hielt. Habe aber eine Analyse machen lassen und dabei ist nur ein Eisen-Kalium-Silikat heraugekommen. Keine Ahnung...

Gruß

TK

Offline Conny3

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Re: Granat?
« Antwort #12 am: 23 Jan 08, 17:02 »
Hallo,

hier endlich die neuen Mineralienbilder von der Fundstelle Kniebreche im Lexikon. Hat da jemand schon einmal von einem Literaturhinweis gehört. Das müsste doch irgendwo beschrieben sein?

http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Deutschland/Th%FCringen/Kleinschmalkalden/Kniebreche

Gruß Conny

Offline Conny3

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Re: Granat?
« Antwort #13 am: 23 Jan 08, 17:22 »
Übrigens nicht zu verwechseln mit der Kniebreche bei Zöblitz.

siehe


http://www.zoeblitz.de/serpentin.htm

Der Conny

Anhang:
Noch ein Bild (ist nicht im Lexikon)