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Autor Thema: Frage an die Bayern: Hauzenberg und Kropfmühl  (Gelesen 13272 mal)

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Offline Collector

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Hallo
 ich suche Hilfe im RAhmen einer neuen Recherche zum Thema Graphit.

In der älteren Literatur (19. Jh.) wird von den "Hauzenberger Graphitgruben" im Bayrischen Wald geschrieben; später jedoch von der Graphitlagerstätte Kropfmühl bei Passau.
Meine Frage an die Kenner:

Ist (war) Kropfmühl identisch mit Hauzenberg ?  Oder sind (waren) dies verschiedene Lagerstätten ? Oder ist (war) Kropfmühl ein Teil (geografisch oder politisch) von Hauzenberg ?

Danke für aufklärende Worte.
Gruß
collector

Offline Jochen1Knochen

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Re: Frage an die Bayern: Hauzenberg und Kropfmühl
« Antwort #1 am: 17 Sep 13, 21:00 »
Hallo!
In der Gegend bauten die Kelten 500v.C. bereits den Graphit ab.Dann hat sich tausend Jahre keiner mehr drum geschert.1518 wird der erst wieder erwähnt.1726 Graphit bei Leizesberg und Pfaffenreuth.1770 bei Germannsdorf,Loizersberg,Rackling,Unterötzdorf,Paulusberg,Diendorf,Matzenberg und Saxing.Kropfmühl ab 1535 und dann 1537.Verarbeitung in Obernzell.1846 33Gruben auf Graphit und 60 Gruben auf Porzellanerde.
1870 Abbaurechte an Gebr. Bessel aus Dresden.1908 an das Münchener Ehepaar Langheinrich.Dann Graphitwerk Kropfmühl AG.
Adresse in Langheinrichstr.1 in 8395 Haunzenberg-Kropfmühl.In Haunzenberg selbst,fand kein Abbau statt.
Gruß Jens

Offline Collector

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Re: Frage an die Bayern: Hauzenberg und Kropfmühl
« Antwort #2 am: 17 Sep 13, 23:22 »
Hallo Jens

großen Dank - schneller und viel mehr, als ich erwartet hatte. 

Peter
« Letzte Änderung: 18 Sep 13, 09:01 von Collector »

Offline Jochen1Knochen

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Re: Frage an die Bayern: Hauzenberg und Kropfmühl
« Antwort #3 am: 18 Sep 13, 18:53 »
Hallo!
Nichts zu danken.Das hab ich auch nur abgeschrieben.Das ist mit Geologie,Geschichte und Kartographie gut beschrieben im Aufschluß Sonderband 31(Mineralvorkommen im östlichen Bayerischen Wald) von 1980 und in ,,Der Bergbau von Bayern",einer Abhandlung des Bayerischen geologischen Landesamts von 1987.
Gruß Jens

Offline Conny3

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Re: Frage an die Bayern: Hauzenberg und Kropfmühl
« Antwort #4 am: 18 Sep 13, 22:09 »
Hallo,

es gibt auch ein Sonderheft zu Kropfmühl (im Sommer 2012 dort vor Ort gekauft):

•Habel, M. (1996). Bergbau und Mineralien in Kropfmühl, bode Verlag, 40 S.

Steht aber mehr über Mineralien drin als der Titel vorgibt. Ich habe das bei der Gelegenheit gleich auf der Atlasseite ergänzt.

http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Deutschland/Bayern/Niederbayern/Passau%2C%20Landkreis/Hauzenberg/Kropfm%FChl

Gruß Conny


Offline Schlacke

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Re: Frage an die Bayern: Hauzenberg und Kropfmühl
« Antwort #5 am: 19 Sep 13, 12:50 »

Hallo,

Der Hinweis aus älteren Schriften betr. Graphitabbau in Hauzenberg ist ein Lesefehler, Hauzenberg ist ein Granit Zentrum im Bay. Wald. (Graphit-Granit !!!)   www.granitzentrum.de

Zu Kropfmühl, Graphit-Abbau s. auch Aufsatz in: MAGMA, H. 4/84 S. 27 ff. verfasst vom damaligen Berging.  Karl-Heinz Gohla: Graphit aus Kropfmühl - Eine Lagerstätte im Bay. Wald  www.graphite.de
und
Ortmeier, M. ; Helm, W.: "Millionenbauern" Bäuerlicher Graphitbergbau in Unteren Bayerischen Wald, hrsg. Freilichtmuseum Finsterau, Landshut: 2001, 142 S.

Glückauf!

Schlacke

Offline kks

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Re: Frage an die Bayern: Hauzenberg und Kropfmühl
« Antwort #6 am: 19 Sep 13, 14:05 »
Hauzenberg ist ein Lesefehler

Richtig. Der Graphitabbau befindet sich in Kropfmühl, dort auch Verwaltung und Aufbereitung, und zieht sich bis Pfaffenreuth (Schacht Zwingau). Hauzenberg hat damit nichts zu tun.

Gruß,

Klaus

Offline Collector

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Re: Frage an die Bayern: Hauzenberg und Kropfmühl
« Antwort #7 am: 19 Sep 13, 18:18 »
Hallo

untenstehend der Originalartikel in wikipedia.  Auch mir war eigentlich immer nur Kropfmühl geläufig, deswegen meine Anfrage hier im Forum.
Könnte es sein, dass "irgendwann" Kropfmühl noch nicht eigenständig existierte, bzw. (wie unten erwähnt) Teil von Hauzenberg war ?

Gruß
collector

Text:

Hauzenberger Graphit


Hauzenberger Graphit ist ein nicht sehr großes Graphitvorkommen bei Hauzenberg, Ortsteil Kropfmühl, in dem schon seit mehr als einem Jahrhundert ziemlich reiner Kohlenstoff mit hexagonalem Schichtgitteraufbau und einer Dichte von 2,25, abgebaut wird. Es handelt sich um das einzige Graphitvorkommen in Deutschland, in seiner Qualität allerdings nicht gleich dem Ceylongraphit.

Die ersten Graphitgruben entstanden zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Graphit wurde im Grundeigentümerbergbau gewonnen, so dass in absatzgünstigen Zeiten die Grundbesitzer zu beträchtlichem Reichtum kamen.

Ursprünglich wurde das geförderte Material nur rund um Passau, besonders in Obernzell als Zusatz zu klassischen Tontiegeln („hessische Tiegel“) verarbeitet und als „Passauer Tiegel“ bezeichnet und vermarktet. Die Technik, den hessischen Tiegeln Graphit zuzufügen wurde alsbald von den über weitaus größere Kapazitäten und Tonvorkommen verfügenden Tiegelherstellern in Hessen (Bezirk Großalmerode) und auch Tiegelherstellern im nordrhein-westfälischen Neheim-Hüsten übernommen. Seitdem gilt es als Basismischung aller Ton-Graphittiegel, auch in England ("Morgan") und USA ("Vesuvius") hergestellt.

In den Hauzenberger Graphitgruben wurde 1795 erstmals auch Titanit entdeckt (und von Klaproth beschrieben).  Der Fundort gilt daher auch als dessen Typlokalität. Weitere Mineralfunde an diesem Fundort sind Feldspate, Glimmer, Hornblende, Quarz und Talk.

Offline kks

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Re: Frage an die Bayern: Hauzenberg und Kropfmühl
« Antwort #8 am: 19 Sep 13, 21:18 »

Könnte es sein, dass "irgendwann" Kropfmühl noch nicht eigenständig existierte, bzw. (wie unten erwähnt) Teil von Hauzenberg war ?


Hallo,

ich vermute eher genau den umgekehrten Fall: Kropfmühl war früher eine eigenständige Gemeinde und ist erst in neuerer Zeit durch die immer weiter um sich greifende Zusammenlegung und Neuformierung von Gemeinden, gerade im ländlichen Raum, zu einem Ortsteil von Hauzenberg geworden. Denke ich jedenfalls.

Jedenfalls spricht Klockmann 12. Aufl., 1942, von der "Gegend um Passau" und nennt konkret Kropfmühl und Pfaffenreuth und sonst nichts. Auch als ich 1974 dort war, ist mir nichts amderes bekannt geworden, ich habe mir gerade den Bericht rausgesucht.

Gruß,
Klaus


Offline Schlacke

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Re: Frage an die Bayern: Hauzenberg und Kropfmühl
« Antwort #10 am: 20 Sep 13, 11:27 »
Endgültiger Klärungsversuch, wohlgemerkt  nach einem Tel.-Gespräch mit der Kropfmühl AG in Hauzenberg:

Beginn der Graphit-Gräberei durch die Kelten im "Passauer Revier" als Tonzusatz  für die damalige Gebrauchskeramik.  Keramik- reste wurden bisher südlich der Donau gefunden.

Im 16. Jh. begann die Grahitgewinnung, Graphit und die Tonwaren wurden damals noch als Eysenfarb, Eisentachen, Däche, Schmelztüglteich usw. bezeichnet.  Erst dorch den Mineraöogen Werner (1750-1817) wurde die Bezeichnung GRAPHIT in die Wissenschaft eingeführt. Um 1726 erscheint eine erste Zusammenstellung  nach Graphit grabender Bauern, so auch im Gebiet von Kropfmühl(e) u. Pfaffenreuth. Zu damaliger Zeit war das Mineral dem Grundeigentümer vorbehalten. D. h. jeder konnte auf seinem Grund und Boden  nach G. suchen. Teilweise waren  um 1914 rd. 46 Einzelunternehmen und Gewerkschaften bergbaulich aktiv. Nach Übernahme in den Staatsvorbehalt wurde die Gesellschaft Kropfmühl in eine AG umgewandelt und übernahm als Konzessionsträger alle noch vorhandenen Gruben und Gesellschaften. Kropfmühl AG wurde ausgebaut und ist heute der Sitz der AG mit Bergwerksbetrieb und Hauptverwaltung vor Ort.
Der Name der Stadt Hauzenberg kommt dadurch in Spiel, dass die Siedlung Kropfmühl nach dort eingemeindet worden ist.
in H. befindet sich keine Zweigstelle der AG.  Ehemaliger Graphitabbau ist H. ist eher einem Versuch zuzuordnen, H. liegt bereits ausserhalb des Lagerstättenbezirks.

Diese Hinweise basieren u. a. auch auf den  Veröffentlichungen des ehemaligen Vorstandsmitgliedes der Kropfmühl AG, Karl-Heinz Gohla, s. o.a. Literaturhinweise (Millionenbauern; Magma H. 4/84)

Glückauf!

Schlacke

Offline Collector

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Re: Frage an die Bayern: Hauzenberg und Kropfmühl
« Antwort #11 am: 20 Sep 13, 11:34 »
Hallo Jens

jetzt wirds ganz kompliziert. Lt. Deinem Artikel ist Kropfmühl ein Teil von "Schaibing" und Hauzenberg kommt garnicht mehr vor.   Und Schaibinger Graphit ?  Wenn anfangs der 1800er Jahre Kropfmühl Teil von Schaibing wurde, sollte es doch eigentlich auch Schaibinger Graphit gegeben haben ?

Im wiki (und anderswo) ist Kropfmühl ein Teil von Hauzenberg und es wird von "Hauzenberger Graphit" gesprochen.

Laut Klaus (kks) hat Hauzenberg aber nichts mit dem Graphitabbau zu tun. ???

Soweit nachvollziehbar, wurde in Kropfmühl Graphit erst seit dem 19. Jh. abgebaut und von dort beschrieben.  Die Hauzenberger Graphitgruben (nicht Kropfmühl !)  waren allerdings schon im 18. Jh. bekannt, bzw. einige Jahrzente, bevor in Kropfmühl mit dem industriellen Abbau von Graphit begonnen wurde.

Kann es sein, dass wir hier alle unterschiedlichen Wahrnehmungen unterliegen ?  Wie sagte doch Al Pacino ? ".... nichts ist, wie es scheint..." :-\

Gruß
collector

P.S. @Elmar / Schlacke

Mein Beitrag hat sich mit Deinem gekreuzt.  Danke für die Info. Auch Du schreibst, dass Kropfmühl Teil von Hauzenberg ist; bei Jens lese ich aber, dass Kropfmühl Teil von Schaibing war / ist ? Insofern bin ich immer noch verwirrt. 
Vielleicht sollte ich, um sicher zu gehen, doch nur schreiben: Graphitabbau bei Passau ???
« Letzte Änderung: 20 Sep 13, 11:42 von Collector »

Offline kks

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Re: Frage an die Bayern: Hauzenberg und Kropfmühl
« Antwort #12 am: 20 Sep 13, 12:10 »

Vielleicht sollte ich, um sicher zu gehen, doch nur schreiben: Graphitabbau bei Passau ???

Hallo,

der Beitrag von Schlacke stellt doch die Dinge klar: Der Graphitbergbau ging in Kropfmühl und Pfaffenreuth um, und Hauzenberg hat nur insofern etwas damit zu tun, als Kropfmühl zwischenzeitlich nach Hauzenberg eingemeindet wurde. Das beseitigt m. E. alle Zweifel.

Gruß,
Klaus

Offline Jochen1Knochen

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Re: Frage an die Bayern: Hauzenberg und Kropfmühl
« Antwort #13 am: 20 Sep 13, 15:33 »
Hallo!
Den Link von früher habe ich doch nur geschrieben,weil du wissen wolltest,ob es Kropfmühl früher eigenständig gegeben hat.Und nach der Chronik hat es eben Kropfmühl früher eigenständig gegeben.
Wenn du was drüber schreiben möchtest solltest du erst den Ort der Förderung,also Kropfmühl nennen und den Ort der Eingemeindung,also Haunzenberg hinten dranstellen.Also praktisch "Kropfmühl,Ortsteil von Haunzenberg".
Gruß Jens

Offline Collector

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Re: Frage an die Bayern: Hauzenberg und Kropfmühl
« Antwort #14 am: 20 Sep 13, 16:29 »
Dank Euch allen

ich hoffe ich habs verstanden.  Auch wenn ich mit keiner Meinung konform gehe.

Ja, ich weiß (seit nunmehr 40 Jahren), dass es in Kropfmühl Graphitabbau gab/gibt (ruht).  (ich hatte schon in den 8oer Jahren Graphit aus Kropfmühl in meiner Sammlung).  Allerdings (komisch, keiner geht darauf ein) gibt es den Abbau erst seit 1870 (Quelle: webseite des Besucherbergwerks Kropfmühl).

In den 1790er Jahren, also schon 80 Jahre vor dem Beginn des Abbaus in Kropfmühl, untersuchte der Chemiker Klaproth Erzproben aus den Graphitgruben von Hauzenberg und veröffentlichte seine Untersuchungsergebnisse 1795. Von einem Ort oder einer Grube oder einer Lagerstätte Kropfmühl sprach er nicht, jedoch vom "Passauischen", woraus in den Folge-Publikationen Hauzenberg wurde. (u.a. auch offiziell Typlokalität von Titanit "Graphitbergbau im Passauischen", später (s.a. mindat wurde daraus Hauzenberg).

Mich interessiert einzig und allein, ob es neben und besonders vor dem Bergbau in Kropfmühl noch andere Graphitgruben im Bayrischen Wald, bzw. besonders bei Passau gab. Der untenstehende Artikel aus der Wikipedia zitiert " .... Die ersten Graphitgruben (Plural / Mehrzahl) entstanden zu Beginn des 18. Jahrhunderts.  (also nicht, wie Kropfmühl, erst 1870).
Graphit wurde im Grundeigentümerbergbau gewonnen, so dass in absatzgünstigen Zeiten die Grundbesitzer zu beträchtlichem Reichtum kamen.......".

Dass Kropfmühl einmal Ortsteil von Schaibing, ein andermal Ortsteil von Hauzenberg war/ist, ist für meine vorgesehene Arbeit weniger wichtig. Ich möchte nur gerne wissen, ob ich die alten Quellen, die vom Graphitbergbau in Hauzenberg sprechen, verwenden kann / sollte. 

Auf jeden Fall danke ich Euch für die Hilfe und Kommunikation.
Gruß
collector




 

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