https://edelsteintage-bremen.dehttp://vfmg.de/der-aufschluss/https://www.edelsteine-neuburg.de

Autor Thema: Pyritkrankheit - Rettung durch Antibiotika ?  (Gelesen 4727 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Collector

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 2.586
Hallo
ich habe über einen mindat-Thread mitverfolgt, dass es (ich weiß nicht wo) Überlegungen geben soll, die berühmt-berüchtigte Pyritkrankeit mittels Antibiotika zu heilen, resp. zu verhindern.

Die Überlegung ist nicht uninteressant.  Pyrit wird u.a. durch Beteiligung von Bakterien gebildet, d.h. organisch. Der gefürchtete Pyritzerfall kann auf der Aktivität von Bakterien beruhen, auch im Zusammenspiel mit dem Schwefel des Eisensulfids.

Ohne weiter in Details der Pyritgenese einzusteigen: Tatsache ist, dass nicht wenige Pyritkristalle oft schon in allerkürzester Zeit komplett auseinanderfallen. Dazu gehören (zumindest in meiner Sammlung) die schönen grünen, mit Pyritrasen bedeckten Fluoritkristalle von El Hammam, die Pyrit-Dollars aus den USA, die Pyritzapfen und komplexen Würfelkombinationen von Ambasaguas sowie diverse Pyrite aus Norwegen und selbst Pyrit-Hämatitkombinationen von Rio Marina in Elba.
Nicht uninteressant ist die Tatsache, dass viele Pyrite, solange sie in langer Zeit gebildet wurden, Zeit und Raum hatten, um ihre Schönheit zu entwickeln; aber dass sie, sobald sie ans Tageslicht gelangten, zum Tod verurteilt sind.

Das Thema wird schon seit langem diskutiert, ohne dass bisher eine brauchbare (Rettungs-)-lösung in Sicht ist.

Könnten bestimmte Antibiotika die Pyrite retten ?  Ist das abwegig ? Wer weiß mehr darüber ?

Gruß
collector

Offline cmd.powell

  • ******
  • Beiträge: 1.356
  • Calcit vom Winterberg, Harz
Re: Pyritkrankheit - Rettung durch Antibiotika ?
« Antwort #1 am: 01 Nov 13, 17:31 »
Hallo Peter

Interessanter Ansatz. Ich Muss zugeben das ich zu den Personen gehöre (gehörte), die eine biologische Beteiligung am Pyritzerfall für eher unwahrscheinlich gehalten haben, habe mich inzwischen aber eines Besseren belehren lassen. Bisher hatte ich immer recht guten Erfolg, wenn ich meine Markasite aus den umliegenden Mergelgruben nach dem Ätzen mit Ammoniak gut ausneutralisiert habe. Gut, das sind zum einen Markasite und zum Anderen eine ganz andere Bearbeitungsform.
Ich habe aber inzwischen von einem anderen Sammler erfahren, das er seine Pyrit und Markasitfunde von der Düne (Helgoland) mit Wasserstoffperoxid stabilisiert/sterilisiert hat - was nach seiner Aussage ebenfalls zu einer dauerhaften Konservierung geführt hat. Das würde sicher nicht funktionieren, wenn nicht irgendwas organisches im Spiel wäre, da Wasserstoffperoxid eher weniger neutralisierend wirkt. Antibiotika könnten da durchaus Erfolgsversprechend sein - allerdings weiß ich nicht, ob deren Einsatz so klug wäre. Ok, antibiotikaresistente Pyritbakterien dürften für Mensch und Tier zwar eher ungefährlich sein, was aber passiert mit den Abwässern der Stufenbehandlung ? Insbesondere, wenn diese von Laien Zuhause durchgeführt wird ? Antibiotika werden in unserer Gesellschaft eh schon zu viel eingesetzt und sollten doch eher vermieden werden - wenn möglich. Daher sollten wir als Mineraliensammler vielleicht eher bei chemischen Methoden bleiben, immerhin müssen wir nicht auf die evtl. Schädigung eines Organismus Rücksicht nehmen (außer vielleicht unseren eigenen). Ich werde also davon Abstand halten und weiterhin mit der chemischen Keule vorgehen.

Offline helgesteen

  • ***
  • Beiträge: 329
    • Erzbergbau
Re: Pyritkrankheit - Rettung durch Antibiotika ?
« Antwort #2 am: 01 Nov 13, 18:55 »
...Überlegungen geben soll, die berühmt-berüchtigte Pyritkrankeit mittels Antibiotika zu heilen, resp. zu verhindern.

Unter Antibiotika versteht man üblicherweise Medikamente zur Therapie bakterieller Infektionskrankheiten. Sollten Bakterien am Pyritzerfall beteiligt sein, so genügt eigentlich eine Behandlung mit desinfizierenden Substanzen, es braucht keine Antibiotika im üblichen Sinne. Im Grunde sollte es also ausreichen, die Stufe einige Zeit z.B. in 70% Ethanol oder eines der handelsüblichen bakteriziden Reinigungsmittel einzulegen. Damit ist dann auch die angesprochene Problematik von Resistenzen weitgehend vom Tisch. Ich hatte übrigens schon länger den vagen Verdacht, dass ein Großteil der Wirkung von Pyritkonservierern darauf beruht, dass er normalerweise in Ethanol angesetzt wird... ;)

Viele Grüße,
Helge   

Offline Klinoklas

  • *****
  • Beiträge: 826
Re: Pyritkrankheit - Rettung durch Antibiotika ?
« Antwort #3 am: 01 Nov 13, 22:08 »
Um Himmelswillen gebt dem Pyrit bloß kein Antibiotikum!
Ich sehe schon die ersten Antibiotikumresistenten Pyrite umherwandeln,
bei denen das Zeug nicht mehr wirkt.

 ;D

Offline pseudonym

  • ******
  • Beiträge: 1.237
Re: Pyritkrankheit - Rettung durch Antibiotika ?
« Antwort #4 am: 01 Nov 13, 23:11 »
Also im weitesten Sinne Mikroorganismen - die sollte man doch auch mit 60 - 70 ° killen können , nat. über ne gewisse Haltezeit .

(Allerdings nicht wenn das Vertreter dieser unglaublichen Bakterien sind die da in irgendwelchen schwarzen Rauchern und Schwefelquellen existieren )

Was für Organismen sind das denn genau ?

Hat mal jemand nen Link dazu ?

Offline Embarak

  • ******
  • Beiträge: 1.474
    • Mineralienbilder
Re: Pyritkrankheit - Rettung durch Antibiotika ?
« Antwort #5 am: 01 Nov 13, 23:13 »
Hallo,

Ich kenne den Ursprungs-thread dazu nicht, halte den Antibiotika-Gedanken aber für absurd.
Antibiotika werden zur Therapie angewandt, aber nicht zur Desinfektion.
Aber spielen wir den Gedanken durch:
Um ein Bakterium gezielt zu bekämpfen, bräuchte man eine Differential-Diagnostik, um ein spezifisches Antibiotikum einzusetzen.
(Abstrich aus dem inneren Bereich der Stufe  :D  )
Differenziert man nicht, müsste man auf Verdacht ein Breitbandantibiotikum einsetzen, das aber auch nicht alle Bakterien erfasst.

In beiden Fällen dürfte man anschließend die Brühe nicht in den Ausguss kippen, was die ohnehin schon stark zunehmenden Antibiotika-Resistenzen fördern würde.
Üblicherweise werden Antibiotika-Rückstände deshalb autoklaviert.  (121°C, 1 bar Wasserdampfüberdruck, 20 - 40 min).
Wenn man diesen Aufwand betreiben muss, könnte man die Stufen gleich selbst autoklavieren,
denn anschließend kommen sie steril aus dem Autoklaven. Lediglich einige thermophile Erdsporen, wie man sie um heiße Quellen findet, hätten überlebt.
Bliebe aber zu klären, wie die Stufen mit dem Temperaturwechsel klar kommen...

Einfachste Desinfektion wäre Einlegen in dem bereits erwähnten 70% Ethanol.

Ich halte eine Behandlung danach mit bakteriostatischen Mitteln (=wachstumshemmend, aber nicht abtötend) für überflüssig.
Außerdem fiele mir dazu nur Azid NaN3 ein, das aber sehr toxisch und nicht frei verkäuflich ist.

Gruß
Norbert


Offline Axinit

  • *****
  • Beiträge: 971
Re: Pyritkrankheit - Rettung durch Antibiotika ?
« Antwort #6 am: 03 Nov 13, 11:28 »

Nicht uninteressant ist die Tatsache, dass viele Pyrite, solange sie in langer Zeit gebildet wurden, Zeit und Raum hatten, um ihre Schönheit zu entwickeln; aber dass sie, sobald sie ans Tageslicht gelangten, zum Tod verurteilt sind.


Dieser Satz beinhaltet gibt schon die Antwort auf die im Betreff formulierte Frage: Pyrit, Markasit - generell  alle Sulfide  sind in unserer sauerstoffhaltigen Atmosphaere lediglich metastabil, d.h. diese Minerale werden frueher oder spaeter durch Reaktion mit Sauerstoff in andere, stabilere Minerale umgewandelt und sind somit in der Vitrine oder dem Sammlungsschrank langfristig zum Tode verurteilt. Dies kann innerhalb von Tagen oder auch erst nach sehr langer Zeit der Fall sein - die Kinetik der oxidativen Umwandlung wird durch sehr viele Faktoren beeinflusst.

Aus diesem Grund ist eine Behandlung von Pyrit mit Antibiotika voellig unsinnig - Embarak hat dies unter einem anderen Blickwinkel schon sehr klar ausgefuehrt.

Was die Konservierung von Pyrit angeht, so ist bekannt und begruendbar, dass die relative Luftfeuchtigkeit und/oder der Markasitanteil eine grosse Rolle bei der Zersetzung spielen: die einzige sinnvolle langfristige Aufbewahrung von Pyrit waere,  diesen in wasserfreier Schutzgasatmosphaere (Stickstoff oder Argon) zu lagern.

Die m. E. beste und auch von vielen Museen erfolgreich angewandte Moeglichkeit den weiteren Zerfall von sich bereits zersetzendem "ausbluehenden" Pyrit zu unterbrechen und diesen zumindest mittelfristig zu konservieren, ist die Begasung mit Ammoniak, ggf. anschliessende Versiegelung und Lagerung bei kontrollierter Luftfeuchtigkeit.

Verkieste Fossilien, die zu schneller Zersetzung neigen, werden uebrigens oft in Aceton oder Ethanol gelagert und bleiben so stabil - auch hier sind vermutlich Luftabschluss, sehr niedriger Wassergehalt und bakterizide Wirkung des Aufbewahrungsmediums die Schluessel des Erfolgs.

Alle anderen mehr oder weniger abstrusen Vorschlaege, die durch die Literatur geistern (Erhitzen im Backofen, Erhitzen in siedendem Oel oder Petroleum/Paraffin-Mischungen, Versiegeln mit diversen Lacken usw.) schaffen, wenn ueberhaupt, nur kurzfristig Abhilfe, da nur Symptome, aber nicht der Grund des Problems behandelt werden

GA

Harald