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Silberhaltiger Bleiglanz
wolfi:
Servus,
in der Oberpfalz wurde an einigen Stellen im Mittelalter silberhaltiger Bleiglanz abgebaut, so auch am Silberrangen (!) bei Erbendorf. Der hier vorkommende Bleiglanz hat einen relativ hohen Silberanteil. Erbendorf ist bekannt für "prächtige Cerussit xx" (Schmeltzer: Mineralfundstellen Bayern), die dort auch tatsächlich vorkommen. Eine Oxydationszone ist also vorhanden.
Was passiert aber bei der Verwitterung des Bleiglanzes mit dem Silber? Das kann sich doch schlecht in Luft auflösen?
Servus + Glück auf
Wolfi
Axinit:
Servus Wolfi,
das Silber ist natuerlich immer noch vorhanden - es gibt schliesslich einen Massenerhaltungssatz: bei jeder chemischen Reaktion bleibt die Gesamtmasse der beteiligten Stoffe erhalten ... ist lange her, nicht wahr ;D !
Das im Bleiglanz enthaltene Silber koennte z. B. durch Redoxprozesse in wasserloesliche Silberverbindungen ueberfuehrt, als geloestes Salz abtransportiert und anderswo wieder ausgefaellt werden, sei es als elementares (gediegenes) Silber (Zementation) oder als wasserunloesliches Mineral (z.B. als sehr feinverteiltes Silbersulfid) ... es gibt sicherlich viele Moeglichkeiten, den Verbleib zu erklaeren.
Herzliche Gruesse aus den silberarmen aber goldreichen Alpen
Harald
raritätenjäger:
Hallo,
mit dem Silber passiert wohl das hier:
http://www.vfmg-weiden.de/min.htm
Unter "Fundstück" ist ein Akanthit zu finden.
Gruß
Andreas
openpit:
Hallo,
um diese Frage zu klären sollte zunächst betrachtet werden wie das Silber im Galenit vorliegt. Bereits dies ist nicht pauschal zu beantworten. Das wenigste Silber im Galenit liegt gelöst im PbS vor, zumindest bei unseren Temperaturen. Hingegen ist eine Vielzahl von silberhaltigen Phasen bekannt, die sich unter anderem bei sinkenden Temperaturen entmischen oder bereits primär als Einschlüsse vorliegen. Solche Phasen sind unter anderem Ag-Fahlerze, ged. Silber, Rotgültige, Polybasit, Schapbachit/Matildit und weitere Sulfosalze.
Neben des, von Harald genannten, In-Lösung-Gehens ist es also durchaus denkbar, dass das Silber in Form der genannten Spezies an Ort und Stelle verbleibt, sofern diese stabil sind. Dunkle Einschlüsse in Cerussit und Anglesite sind nichts ungewöhnliches, vielleicht handelt es sich ja um Silberträger.
Ergänzend möchte ich noch erwähnen, dass im Freiberger Revier (exemplarisch fällt mir hier das Kreuz Stolln Spat - Morgenstern Morgengang/Stehender ein), reiche Vorkommen von "Silberochern" (kein Fehler, es soll nicht Ocker heißen) bekannt sind. Ich vermute, dass es sich bei diesen um Argentojarosit handeln könnte. Jarosite sind keine ungewöhnlichen Bildungen bei der Zersetzung von Sulfiden im sauren Milieu. Freilich ist genanntes Beispiel nicht im Sinne einer Verwitterung zu verstehen.
Glück Auf!
openpit
Conny3:
Servus,
los geht es wieder mit meiner traditionellen Osterwoche im Oberpfälzer Wald ;). Und gleich am ersten Tag wurde auch mal wieder etwas Neues angegangen. Nach Rohrmühle vor zwei Jahren (siehe entsprechende Beiträge) habe ich der Fundstelle "Silberrangen bei Erbendorf" - einem alten Silber/Bleiabbau einen Kurzbesuch abgestattet. Dieses Altbergbaugebiet war ja auch in der Vergangenheit durch einen spektakulären Tagesbruch mitten auf einem Sportplatz in aller Munde (zumindest Lokal) ;). Die Binge wurde inzwischen weiträumig ausgebaggert und mit einer Betonblombe versiegelt. Sieht trotzdem gefährlich aus. Glücklicherweise war dort wohl gerade kein Fußballspiel zu Gange. :o Am angrenzenden bewaldeten Hang gibt es zahlreiche Halden, Bingen u.a. Bergbaureste. Auch frischere Schurfstellen von Sammlern waren nicht zu übersehen. Ohne große Schürfaktionen gab es fast reichlich Cerussit in Kristallen, etwas Bleiglanz und Pyromorphit (auch in netten MM Kristallen apfelgrün) aufzulesen. Hier allerdings auf Quarz und nicht auf Baryt wie von der Segen Gotteszeche bei Wolkenburg. Auch die Farbe ist eine andere. Der Cerussit sieht wie der Freiberger Stangenspat aus. Nette xx bis 3 mm groß. Danke für den Hinweis Wolfi. :D ;)
Dort gab es auch Steinkohlenbergbau. Könnte der Einbruch davon sein ? Berthold hatte ja alles dazu recherchiert:
http://www.vfmg-weiden.de/tagesbruch.htm
Lt: Stettner: Exkursionsziele im Bereich des Erbendorfer Rotliegenden, Geologie im Umfeld der KTO ,S. 133 (1992)
Bildanhang: Blick auf die Baustelle im ehemaligen Spielfeld/ im Haldengelände/ Erbendorf vom Silberrangen aus gesehen
Gruß Conny
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