Mineralien / Minerals / Minerales > Allg. Diskussionen Mineralien / General discussions minerals
Silberhaltiger Bleiglanz
Rockhounder:
Hallo,
hier eine Stufe mit Bleiglanz und Kohle an einem Stück: ;)
raritätenjäger:
...von der Grube Hans. Könnt ich mich auch jedesmal wieder beömmeln, über dieses Material.
Geomartin:
--- Zitat von: openpit am 03 Nov 13, 17:46 ---Hallo,
um diese Frage zu klären sollte zunächst betrachtet werden wie das Silber im Galenit vorliegt. Bereits dies ist nicht pauschal zu beantworten. Das wenigste Silber im Galenit liegt gelöst im PbS vor, zumindest bei unseren Temperaturen. Hingegen ist eine Vielzahl von silberhaltigen Phasen bekannt, die sich unter anderem bei sinkenden Temperaturen entmischen oder bereits primär als Einschlüsse vorliegen. Solche Phasen sind unter anderem Ag-Fahlerze, ged. Silber, Rotgültige, Polybasit, Schapbachit/Matildit und weitere Sulfosalze.
Neben des, von Harald genannten, In-Lösung-Gehens ist es also durchaus denkbar, dass das Silber in Form der genannten Spezies an Ort und Stelle verbleibt, sofern diese stabil sind. Dunkle Einschlüsse in Cerussit und Anglesite sind nichts ungewöhnliches, vielleicht handelt es sich ja um Silberträger.
Ergänzend möchte ich noch erwähnen, dass im Freiberger Revier (exemplarisch fällt mir hier das Kreuz Stolln Spat - Morgenstern Morgengang/Stehender ein), reiche Vorkommen von "Silberochern" (kein Fehler, es soll nicht Ocker heißen) bekannt sind. Ich vermute, dass es sich bei diesen um Argentojarosit handeln könnte. Jarosite sind keine ungewöhnlichen Bildungen bei der Zersetzung von Sulfiden im sauren Milieu. Freilich ist genanntes Beispiel nicht im Sinne einer Verwitterung zu verstehen.
Glück Auf!
openpit
--- Ende Zitat ---
Als Ergaenzung noch hierzu mal ein Schuss durch einen Bleiglanz mittels Laser Ablation mit angeschlossener Massenspektronomie, siehe Anhang. Die Probe stammt von einer kleinen Goldlagerstaette in der Naehe von Adelaide. Der Messpunkt ist ewa 30um gross. Der gemessene Bleiglanz enthaelt rund 700ppm Silber, 1.000ppm Antimon, 80ppm Selen, 60ppm Cadmium und einige andere Spurenelemente unter 10ppm.
Im Graph sieht man auf der y-Achse die Intensitaet des Signals, welches das Massenspektrometer miss, auf der x-Achse die Messzeit.Bis 40s wurde nur der Hintergrund gemessen, aber 40 Sekunden mit dem Laser auf den Bleiglanz geschossen. Wie man sieht, formte das Messsignal fuer alle Spurenelemente ein Plateau, waehrend sich der Laser in die Tiefe bohrte. D.h. es handelt sich nicht um Mikroeinschluesse, sondern diese Spuren liegen im Bleiglanz geloest vor. In den Buntmetallreichen Proben der Lagerstaette kam aber auch reichlich Elektrum vor mit teilweise mehr als 50% Silberanteil, waehrend in Material mit auschliesslich Quarz und Pyrit von der selben Lagerstaette nur silberarmes gediegen Gold vorlag.
Der Silbereinbau iim Beiglanz ist auch etwaskompliziert, da Blei als Pb2+ vorliegt, Silber aber nur als Ag+. Das heisst man benoetigt noch ein zweites Element um Blei zu ersetzen, im obigen Fall Antimon als Sb3+. Also zwei Pb2+ Ionen werden durch je einmal Ag+ und Sb3+ ersetzt. Das gibt auch eine schoene Korrelationen bei den Elementgehalten zwischen beiden.
Martin
Manganit:
Silber das mit dem Blei verbleibt ist eigentlich keine Seltenheit. Jedenfalls in den grossen Bleierzgängen Idaho's ist die kontrastreiche Kombination von weissem Cerussit und aufsitzendem dunklem Silver von der Hercules Mine und der Bunker Hill Mine weithin bekannt. Das Bild ist eine solche Stufe von der Bunker Hill (leider von der US Umweltbehörde trotz grosser Restvorkommen geschlossen wegen "Superfund" Umweltschadensstatus) - ich hatte 1999 noch das Glück, eine Befahrung machen zu können.
smoeller:
Hallo,
Es gibt, wie ich schon mehrfach geschrieben hatte, mehrere Möglichkeiten:
- tatsächlicher Einbau von Ag in Galenit (wie weiter oben von Geomartin geschrieben), aber das ist nur zu einem kleinen Teil möglich, natürlicher
Galenit führt dadurch selten mehr als 0,3 % Silber (meist liegt der Gehalt weit weit drunter)
- mechanische Mischung bzw. Einschlüsse von Silber in gediegener Form oder als Fahlerz, Pyrargyrit oder Silbersulfid. Die Galenite vom Schindler-
Gangzug im Münstertal (Schwarzwald) haben Silberbleche eingeschlossen, daher liegt der Silbergehalt über 2 % !!
- Hochtemperatur-Mischkristalle mit Schapbachit (HT-AgBiS2), bei der Abkühlung zerfällt der Mischkristall in 2 PbS + AgBiS2. Dabei gibt es orientierte Entmischungen von Schapbachit in Galenit. Solche Galenite von Schapbach können durchaus 2-3 % Silber enthalten.
Silber geht bei der Verwitterung meist in Lösung, wird z.T. auch in Sekundärminerale eingebaut (v.a. Pyromorphit kann durchaus auch Silber in geringer Menge enthalten, die allerdings manchmal sogar den Gehalt im primären Galenit überschreiten), in der Regel reichert sich Ag aber im Bereich der Zementationszone im Bereich des Grundwasserspiegels an. Als Element mit extrem positivem Potential in der elektrochem. Spannungsreihe (Edelmetall) kann Silber dort wie Kupfer am Kontakt mit unedleren Metallen bzw. Ionen (Zink, Eisen u.a.) ausfallen, und zwar gern in elementarer Form. Treffen Silberionen auf Chlorid-Ionen, etwa durch salzhaltige Quellen oder salinare Wässer, so Fällt Chlorargyrit als schwerlösliche Verbindung aus. Mit sulfidhaltigen, reduzierenden Lösungen kann sich Akanthit bilden.
Glück Auf!
Sebastian
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
[*] Vorherige Sete
Zur normalen Ansicht wechseln