Hallo, liebe Freunde,
ich fand’s eigentlich schade, dass ich hier nicht mitmachen kann, weil mich das Kristallfieber erst in diesem Jahr richtig gepackt hat - damit meine ich natürlich die Selbstgefundenen. Meine Strahlergeschichten sind also noch ziemlich jung. Dann ist mir aber aufgefallen, dass Ihr auch Fossilen akzeptiert und dazu kann ich nun auch einen Beitrag leisten, denn als richtiger Sammler steckt man ja doch immer wieder mal was Interessantes in die Tasche.
Und weil ich nun auch die Möglichkeit habe, meine Kristallkugel für die Wasseraufbereitung direkt im Meer zu baden, mache ich das fast zu jedem Vollmond, bevor ich sie zum Aufladen in die Sonne lege – deshalb weiß ich auch das Datum zu dem Tag, als ich das zum ersten Mal machte und dabei meinen Stein fand, ganz genau (19.10.13 Zai Schan - Kaohsiung, Taiwan).
Es war Wochenende und ich hatte mich schon bei meiner Frau verabschiedet, weil ich ans Meer fahren wollte. Doch dann hatte sie mich beim Rausgehen gefragt, was ich dort will – weil das Wetter doch eigentlich recht stürmisch war. Also erklärte ich ihr, was ich machen wollte und wir fuhren dann doch zusammen am Nachmittag (zwischen 15 und 16 Uhr) ans Meer. Dort war es sehr unruhig und wer die Küste am Zai Schan (Reisig-Berg) kennt, der weiß auch, dass es nicht so einfach ist, dort direkten Kontakt zum Wasser herzustellen. Nun waren wir aber schon einmal dort und ich wollte natürlich nicht zurück, ohne meine Kristallkugel mal in diesem Meer „geerdet“ zu haben.
Meine Frau wünschte mir viel Glück und ging zusammen mit unserer Tochter in ein nahegelegenes Restaurant. Ich stieg derweil die Klippen hinab und ließ mich von den Meereswogen einstimmen. Als mich dann die ersten Wasserspritzer begrüßten, wurde mir klar, wie gefährlich mein Vorhaben eigentlich war. Und als ich mich umsah, wusste ich auch, warum ich mich so beobachtet fühlte. Denn es gab ein paar Schaulustige, die nun natürlich genau wissen wollten, was ich da bei diesem Wetter tat.
Daraufhin machte ich mir nun Sorgen um meine Kugel, denn die wollte ich schließlich für ein, zwei Stunden dort allein lassen. Dann viel mir aber ein, dass nicht jeder so verrückt ist und sich freiwillig in solch ein Getöse stürzt. Ich fand dann auch einen Winkel, in dem ich mich ungesehen vorbereiten konnte und packte meine Kugel vorsichtig aus.
Auf der Suche nach einem geeigneten Ort, wo sie wenigstens zeitweise unter Wasser geriet, fand ich eine kleine Grotte, die mir als perfekt geeignet erschien. Sie hatte auf der Seite zum Meer hin auch eine kleine Öffnung, durch die die starken Wellen zumindest verzögert wurden. So fing ich also an, mich auf den Rhythmus einzustimmen und passte einen geeigneten Moment ab, um mich hinein zu begeben und meine Kugel dort abzulegen.
Als ich mich dann aber umdrehte, um so schnell wie möglich wieder ins Freie zu gelangen, musste ich mit einem riesigenen Schrecken feststellen, dass sich an den Wänden Krabben befanden, die durch meine Erscheinung in Panik geraten waren. Das lies mich explodieren und so rammte ich mit meinem linken Ellenbogen und der rechten Schulter die Felswand. Dann hörte ich schon die nächste Welle und dachte für einen Augenblick, dass ich es vielleicht noch schaffen könnte – aber es war zu spät. Ich stand nun bis zu den Knien im Wasser und fragte mich, ob es diesen Aufwand wirklich wert war.
So saß ich also mit nassen Schuhen und Unterschenkeln auch im Restaurant neben meiner Frau und dachte darüber nach, was ich da gerade gemacht hatte und dass ich die gleichen Krabben, die beim Nachbarn auf dem Teller lagen, kurz zuvor sehr lebendig sah. Und nachdem wir dort so schön gegessen hatten, holte ich mir meine Kugel wieder zurück und fand dabei diesen Stein. Er war mir aufgefallen, weil ich noch immer traumatisiert nun vorsichtiger war.
Er war anders als die Steine, die es dort sonst noch gab. Denn er war auf einer Seite offen, sodass man praktisch in ihn hineinsehen konnte. Das erweckte meine Neugierde und so steckte ich ihn mit in meine Tasche. Auf dem Nachhauseweg fragte mich dann meine Frau, warum ich mir meinen Ellenbogen aufgeschlagen hatte und ich antwortete ihr mit der Frage, ob sie schon mal eine Krabbe aus 20 cm Entfernung zwangsbeobachtete hat.
Als ich dann zu Hause meine Kugel wieder auf meine Glaskaraffe steckte, legte ich den Stein neben die anderen schon gefundenen Zeitzeugen unter den Tisch, auf dem die Karaffe steht - wo er bis zum heutigen Tag liegengeblieben war. Meine Frau meinte dann noch, dass die Kugel jetzt irgendwie klarer wäre, woraufhin ich sie dann so ansah, als wäre sie die Verrückte von uns.
Und nun, nachdem ich mir diesen Stein genauer ansah, kann ich schon sagen, dass es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um eine versteinerte Sternkoralle mit Calzit-Anlagerungen handelt. Er stammt also allem Anschein nach aus der dritten Stufe des Pleistozäns, wo hier der Heng-Chun-Kalkstein nach der Penglai-Bewegung gebildet wurde. Denn Holozän-Schlamm, Sand und Korallen bildeten dort ein fossiles Riff, in dem ich ihn schließlich fand.
Es hat mir wieder großen Spaß gemacht, das für Euch zu schreiben und ich bin schon sehr gespannt, wie die Geschichte wohl weitergehen wird.
Glück auf
Mario