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Autor Thema: Fossile Palmen in Niederösterreich  (Gelesen 1854 mal)

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Fossile Palmen in Niederösterreich
« am: 22 Mär 17, 17:55 »
Fossile Palmen in Niederösterreich

Fossile Palmenreste sind in Niederösterreich recht selten. Wahrscheinlich gibt es zwar einige Funde mehr, die unpubliziert (und eventuell auch unerkannt) in Privatsammlungen schlummern, sehr viele können das aber nicht sein – das hätte sich sonst herumgesprochen.

Allgemein müsste bei der Ansprache als „Palme“ jedoch meist ein Fragezeichen hinzugefügt werden, da anhand der fossilen Reste meist nicht zwischen "echter" Palme und anderen Monokotyledonen zu unterscheiden ist. Daher spricht man heute korrekter von „Stammbildenden Monokotyledonen“ (SBM) und nicht mehr von „Palmen“ – außer das Fossil kann wirklich konkret einer Familie oder gar Gattung zugeordnet werden. Als mögliche Gewächse kommen außer Palmen (Arecaceae) verschiedene Gattungen aus den Familien der Bromelien (Bromeliaceae), Ingwergewächse (Zingiberaceae), Schraubenbäume (Pandanaceae) und Strelitzien (Strelitziaceae) in Frage – auch wenn viele große Stammstücke zweifellos Palmenholz sein werden. (Dank für diese Information an Werner Gehlert; siehe dazu auch: Lieven, Ulrich: Tagebau Garzweiler, Paläontologischer Exkursionsführer; Documenta Naturae Sonderband 77,  München 2016)

Ich will hier mal die wenigen mir bekannten Stücke aus NÖ zusammenstellen – insgesamt komme ich dabei, inklusive eines Blattabdrucks, nur auf sechs Stück.

1.) Geochronologisch geordnet, wäre als erstes ein verkieseltes Stammfragment aus den „Melker Sanden“ (Linz-Melk-Fm) zu nennen, das ein Freund von mir vor einigen Jahren im Dunkelsteiner Wald gefunden hat, und welches noch ins (obere?) Oligozän zu stellen ist. Hier mal eine Detailansicht (weitere Fotos folgen).

Österreich/Niederösterreich/Sankt Pölten, Bezirk
Fossile Palmen in Niederösterreich


Zu Funden aus der Linz-Melk-Fm allgemein siehe: https://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,30219.0.html

2.) Als nächstes käme dann die Palme von Retz, welche ins obere Eggenburgium datiert wird (Retz-Fm als Äquivalent zur Zogelsdorf-Fm). Diese ist das am besten erhaltene Stück, auch das prächtigste, mit komplettem Stammquerschnitt und zudem mit hervorragend überlieferter Struktur der Stammoberfläche (Reste ehemaliger Wedelabgänge). Dazu siehe: https://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,33634.msg276537.html#msg276537

3.) Als drittes wäre ein Blattabdruck von Sabal haeringiana aus dem Ottnangium dran – das Stück stammt aus der ehemaligen Tongrube von Limberg, und zwar aus der Zellerndorf-Fm, konkret aus der Limberg-Subformation. Siehe: https://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,7054.msg233820.html#msg233820

4.) Aus der Laa-Fm (Karpatium) stammt, ebenfalls als Altfund, ein Stammstück aus Stronsdorf, und zwar in „bacillare-Erhaltung“, sprich die Leitbündel sind nicht erhalten, sondern nur als hohle „Röhren“ vorhanden, also entweder schon vor der Fossilisation vermodert, oder – eher unwahrscheinlich – anders als das umgebende Gewebe fossilisiert und dann herausgewittert.
Nach Thenius soll das Fossil sekundär verlagert und damit älter als die Laa-Fm sein – dies wäre zwar prinzipiell möglich, und in der Laa-Fm gibt es auch definitiv sekundär gelagerte Pflanzenfossilien, allerdings eher im (nord-)westlichen Bereich, wo eine stärker schotterige Fazies vertreten ist, während weiter im Osten – wozu Stronsdorf zu zählen ist – überwiegend feinklastische Sedimente vorkommen. Thenius nimmt an, dass der Fund seine „abgerollte“ Form erst nach der Fossilisation erhalten hat – m.E. könnte dieses Stück aber ebenso gut als „Treibholz“ verrundet und erst danach permineralisiert worden sein.
THENIUS 1961: E. Thenius, Ein Palmenholz aus dem Miozän von Niederösterreich. – N. Jb. Geol. Paläont., Mh., 177–182, 1 Abb., Stuttgart 1961

Schließlich gibt es noch zwei Stücke, welche sekundär aus fluviatilen Schottern stammen und daher nicht genau datiert werden können, hier kann man nur „vermutlich Miozän“ anführen:
5.) Eines wurde von H. Preisl in einer der Schottergruben an der March gefunden, es liegt ebenfalls in bacillare-Erhaltung vor:

Österreich/Niederösterreich/Gänserndorf, Bezirk/Marchtal/Pleistozäne Marchschotter
Fossile Palmen in Niederösterreich


6.) Das andere liegt in der Sammlung von Peter Huber und stammt aus alten Donauschottern im Marchfeld, aus einer der Schottergruben am Stadtrand bzw. östlich von Wien (Vorsicht: das Marchfeld besteht zum Großteil aus Donauschotter! Es wäre daher, wie einmal ein Geologe schrieb, sinnvoller als Donaufeld zu bezeichnen – Marchschotter gibt es nur ganz im Osten des Marchfeldes, direkt im Marchtal):
https://www.facebook.com/media/set/?set=a.259163710815803.65905.214606828604825&type=3 (ganz unten)

Falls jemand von euch weitere Stücke aus NÖ kennt, wäre ich sehr froh, wenn ihr die hier vorstellen würdet!

Abschließend noch einige Links zu Erklärungen der Anatomie rezenter Palmen bzw. Monokotyledonen – ist aber auch zur groben Bestimmung fossiler Stücke hilfreich:
http://www.palmito-info.net/deutsch/003_Morphologie/001_Stamm.html
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=21858.0
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=15111.0
http://www.biokurs.de/skripten/12/bs12-4.htm
« Letzte Änderung: 04 Feb 18, 16:01 von oliverOliver »

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Re: Fossile Palmen in Niederösterreich
« Antwort #1 am: 23 Mär 17, 19:34 »
Hallo Oliver!

Von Grünbach, NÖ sind mehrerer spektakuläre Stücke von Palmenblättern - Sabalites longirhachis bekannt.
Alte Stücke von dieser Art sind auch von Maiersdorf und von Muthmannsdorf bekannt und auch publiziert - Herman & Kvacek, 2010.

LG Markus

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Re: Fossile Palmen in Niederösterreich
« Antwort #2 am: 24 Mär 17, 12:28 »
Danke Markus für den Hinweis bzw. die Erinnerung - hatte ich völlig vergessen, echt peinlich, obwohl ich das Grünbach-Buch ja sogar habe ..... :-[
War wohl zu sehr aufs Tertiär fixiert und hab die Oberkreide einfach ignoriert ....

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Re: Fossile Palmen in Niederösterreich
« Antwort #3 am: 26 Mär 17, 17:19 »
Aber auch bei der Tongrube Sooß bei Baden ist im Lexikon Palmoxylon eingetragen - hat da jemand nähere Infos ?
    
https://www.mineralienatlas.de/?l=6836

Und auch aus Kalksburg gabs angeblich einen Palmenfund. Kalksburg gehört zwar schon zu Wien, aber da ja Wien ringsum von Niederösterreich umschlossen wird, kann ich das da nicht einfach ausklammern. Allerdings muss dieser Fund mit sehr vielen Fragezeichen versehen werden - bei Wiesbaur (siehe die Lit. auf der Fundstellenseite) gibt es nur eine Beschreibung ohne Abbildung, und da Hofmann in ihrer Arbeit zu den Pflanzenfossilien aus Kalksburg die Palme nichtmal erwähnt, ist hier wohl Vorsicht angebracht.

https://www.mineralienatlas.de/?l=38049
« Letzte Änderung: 26 Mär 17, 18:25 von oliverOliver »

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Re: Fossile Palmen in Niederösterreich
« Antwort #4 am: 26 Mär 17, 18:40 »
Hallo!

Also zu Sooß kann ich mir eigentlich keinen Palmenfund vorstellen.
Maximal ein Samenfund oder Pollen, aber selbst da ist im Internet nichts zu finden.
Zeitgleich wurde offenbar ein Link bei der Fundstelle als Referenz eingefügt, der aber inzwischen nicht mehr funktioniert.
Das Seitenprotokoll gibt ja den Einträger dieser Fossilart an, einfach dort nachfragen.

Pflichtreferenzeinträge die sich auf eine Literatur oder eine Sammlung beziehen, wären in solchen Fällen eine feine Sache zum Nachvollziehen.

LG Markus

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Re: Fossile Palmen in Niederösterreich
« Antwort #5 am: 26 Mär 17, 18:46 »
Zitat
Pflichtreferenzeinträge die sich auf eine Literatur oder eine Sammlung beziehen, wären in solchen Fällen eine feine Sache zum Nachvollziehen.

in der Tat ........

 

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