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Autor Thema: Chlorargyrit  (Gelesen 10661 mal)

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Offline Nathan

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Re: Chlorargyrit
« Antwort #15 am: 11 May 14, 12:02 »
Hallo,
hier meine Meinung:
Ich halte die Aussage von Wikipedia(Clorargyrit): "Chlorargyrit ist lichtempfindlich und verfärbt sich durch die Bildung von elementarem Silber zunächst grau und dessen Verwitterungsprodukt Silbersulfid (Ag2S) schließlich braun bis schwarz." für wahrscheinlicher, als die mit der Komplexierung, von Dir Harald.
Denn Ammoniak kommt meines Wissens nach in der Natur kaum vor, sodass man diesen Aspekt vernachlässigen kann. Wahrscheinlicher wäre es aber, dass der "Saureregen" die Umwandlung begünstigt. Dieser Effekt nimmt immer mehr zu, da sich die Abgasausstöße in den letzten Jahren drastisch vergrößert haben.
Falls ich falsch Mut meiner Annahme liegen sollt tut es mir leid.
Gruß
Philipp

Offline ganomatit

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Re: Chlorargyrit
« Antwort #16 am: 11 May 14, 17:36 »
Silberchlorid schwer löslich entsteht aus wasserlöslichen Silberverbindungen und Chlorid-Ionen. Wir denken an unsere Schulzeit (ich bin in der DDR zur Schule gegangen) HCL+AgNO3=HNO3+AgCl um Chloridionen nachzuweisen. Außerdem bildet sich Chlorargyrit als Sekundärmineral in der Oxidationszone oder aridem Klima. Es muß erst einmal etwas reagieren damit Chlorargyrit gebildet wird! Wir sind jetzt aber weit ab von der eigentlichen Frage über Chlorargyrit. Ob schön oder nicht schön Chlorargyrit bleibt etwas Besonderes in der Welt. Manche Stufen bleiben so wie sie sind und manche reagieren auf Lichteinwirkung, indem sie sich verändern. (in Andreasberg ist das jedenfalls so)

Frank Heise
« Letzte Änderung: 11 May 14, 20:16 von slugslayer »

Offline Axinit

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Re: Chlorargyrit
« Antwort #17 am: 11 May 14, 17:51 »
Servus,

es scheint unzweifelhaft zu sein, dass Chlorargyrit vor allem in den Oxidationszonen von silberhaltigen Lagerstaetten zu finden war/ist. Zu historischen Vorkommen oder aktuellen Fundmoeglichkeiten UT oder auf Halden im Harz oder Erzgebirge kann ich nichts beitragen.

Interessant sind fuer mich in diesem Zusammenhang aber alle Beobachtungen zu Fundumstaenden  sowie der Stabilitaet von Chlorargyrit auf Halden.

Bevor diese Diskussion abgleitet, moechte ich nochmals einige FAKTEN wiederholen:

(1) Chlorargyrit ist Silberchlorid, ein Halogenid. Chlorargyrit zerfaellt bei laengerer Belichtung unter Dunkelwerden zu metallischem Silber und Chlor. Die dunkle Farbe ruehrt von der Anwesenheit feinstverteilten Silbers her. Silbersulfid (Akanthit) ist zwar gleichfalls schwarz, kann aber auf direktem Wege nicht aus Chlorargyrit enstehen.

(2) Die Moeglichkeit, tatsaechlich Chlorargyrit auf einer Halde zu finden zu koennen, haengt - neben der Sorgfalt des Scheidwerks - von den physikalisch-chemischen Randbedingungen ab (Loeslichkeitskonstante,  Vorliegen potentieller Reaktionspartner, Temperatur, pH-Wert, Licht-Exposition usw.).

(3) Die Loeslichkeitskonstante von Silberchlorid in Wasser (KL = 1.7 x 10-10; mol2L2; der gestern von mir zitierte Wert ist falsch) ist relativ gross:  ein Liter Wasser loest somit 1.8 mg AgCl (bei 25 Grad Celsius).

Dieser Wert kann natuerlich durch die Anwesenheit anderer Ionen oder Verbindungen drastisch beeinflusst werden. Der pH-Wert des Wassers ("Saurer Regen") sollte hierbei allerdings, wenn ueberhaupt, nur einen geringen Einfluss haben (beim Vorliegen von Carbonaten sieht dies natuerlich wieder ganz anders aus).

In unserer recht niederschlagsreichen Klimazone scheint es somit nicht voellig unmoeglich, dass Chlorargyrit aus Halden tatsaechlich langsam  "ausgewaschen" werden kann. Im UT-Bereich und auf geologische Zeitraeume bezogen, ist Chlorargyrit vermutlich als ein eher mobiles Mineral zu sehen, was somit auch zwanglos die  relative Seltenheit/lokal begrenzte Haeufigkeit erklaeren koennte.

GA

Harald

P.S.:
Ammoniak wird in der Natur in gigantischen Mengen produziert und umgesetzt. Natuerlich liegt die Verbindung auf Grund ihrer Wasserloeslichkeit meist in Form von Ammoniumverbindungen vor.

Offline Jochen1Knochen

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Re: Chlorargyrit
« Antwort #18 am: 11 May 14, 20:08 »
Hallo!
Ich bin jetzt nicht gerade so ein Haldensammler,aber wenn ich das Thema hier so lese,dann möchte ich mal dazu bemerken,daß im Erzgebirge die Halden auch immer mal wieder umgegraben wurden um je nach Bedarf verschiedene Mineralien zu bergen,da es verschiedene Bedarfsepochen gab und das dabei eigentlich jedes Erzbröckchen symbolisch gesehen bereits dreimal angeschaut wurde.Viel übriggeblieben ist da jedenfalls nicht.Jedenfalls auf den alten Halden in der Vor-Wismut Zeit.
Gruß Jens

Offline wilbi

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Re: Chlorargyrit
« Antwort #19 am: 11 May 14, 22:17 »
Hallo Jens, ich denke mal, dieses Mineral ist  schwer zu erkennen, wenn es nicht in diesen idealen Kristallen von z.B. Würfeln auftritt. Alle Haldenfunde ob im Harz, Siegerland, Brixlegg/Silberalm sind alle erst in den 80/90er Jahren gemacht worden, soweit ich weiß. Auf der Clara vielleicht schon etwas eher. Und hauptsächlich sicherlich auch von Leuten die genauer hinschauen mit Mikroskop, denn große Kristalle sind sehr selten bei diesem Mineral.
Glückauf willi

Offline uwe

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Re: Chlorargyrit
« Antwort #20 am: 12 May 14, 10:12 »
Ergänzend zum Beitrag von Jens möchte ich hinzufügen, daß es während der Wismutzeit angestellte Haldeninspektoren gab. Diese haben die Halden auf nutzbare Minerale untersucht.

Gruß
Uwe

Offline raritätenjäger

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Re: Chlorargyrit
« Antwort #21 am: 12 May 14, 12:06 »
Hallo,

Micha hat schon recht, weder Freiberg noch Johannstadt oder Andreasberg und die anderen genannten Fundorte dürften eine solche Massen an guten Silbermineralstufen wie Freiberg geliefert haben. Dort "musste" man wirklich nicht so sehr auf die im Vergleich eher unscheinbaren Sachen achten. Dazu kommt, wie gesagt, dass der oberflächennah anstehende Chlorargyrit viel früher abgebaut wurde und sich kaum Stufen erhalten haben (von Andreasberg gabs ja wenigstens ein paar...). In der Zeit nach 1700-1800 dürfte außerordentlich wenig einigermaßen erwähnenswertes Material aus Freiberg gekommen sein. Die klassischen Schriften geben dementsprechend auch herzlich wenig her.

Hier mal noch ein Schnappschuss eines historischen Anschliffs in Hornstein von Johanngeorgenstadt (um 1820). Breite ca. 6 cm.

Gruß
Andreas

Deutschland/Sachsen/Erzgebirgskreis/Johanngeorgenstadt
Chlorargyrit
« Letzte Änderung: 13 May 14, 21:34 von openpit »

Offline ganomatit

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Re: Chlorargyrit
« Antwort #22 am: 12 May 14, 19:19 »
Ein schöner Schnappschuss!
Hier einer von Andreasberg

Offline ganomatit

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Re: Chlorargyrit
« Antwort #23 am: 12 May 14, 19:36 »
(3)" Die Loeslichkeitskonstante von Silberchlorid in Wasser (KL = 1.7 x 10-10; mol2L2; der gestern von mir zitierte Wert ist falsch) ist relativ gross:  ein Liter Wasser loest somit 1.8 mg AgCl (bei 25 Grad Celsius)." aus Beitrag Axinit

Bei der Stufe ging die Löslichkeitskonstante nicht auf. Dem Schöpfer sei Dank!!! Das Bild zeigt eine Stufe von Willi aus der Jetztzeit, SPITZENSTÜCK, EINMALIG und SCHÖN! (vorheriger Beitrag)

Und hier noch ein Spitzenstück dank "Argentopyrit" war das alles möglich!!!

Deutschland/Niedersachsen/Goslar, Landkreis/Braunlage/St. Andreasberg, Revier/Beerberg/Grube Alter Theuerdank
Chlorargyrit
« Letzte Änderung: 13 May 14, 21:30 von openpit »

Offline carsten slotta

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Re: Chlorargyrit
« Antwort #24 am: 14 May 14, 21:22 »
Hallo!

Anbei noch eine Bilderserie von der Clara. Auch von Wittichen, Schwarzwald sind solch kleine Kristalle bekannt.

http://www.e-rocks.com/Products.aspx?action=showproduct&id=169047&type=47848

Glück Auf!

Carsten

Offline raritätenjäger

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Re: Chlorargyrit
« Antwort #25 am: 23 May 14, 13:23 »
Ne alte Stufe aus Schneeberg hab ich auch noch gefunden...

Offline wilbi

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Re: Chlorargyrit
« Antwort #26 am: 23 May 14, 18:02 »
Hallo Andreas,
war mir noch garnicht so bekannt, daß es in Freiberg auch diese blaue Variation des Hornsilbers, von den Alten Buttermilcherz genannt, vor kam.
Übrigens der erste Beschreiber des Andreasberger Chlorargyrits und Buttermilcherzes Pastor Funke, hat 1618 den Prozeß des Blauwerdens des weißen Hornerzes schon beschrieben, nur er hat geschrieben, daß es blau wurde, wenn es an die Luft kam. Er konnte noch nicht wissen, daß dieser Prozeß später millionenfach auf Filmen durch das Licht verändert wurde. Womöglich der der allererste Beobachter dieser Reaktion.

Offline cmd.powell

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Re: Chlorargyrit
« Antwort #27 am: 25 May 14, 15:17 »
Hi

Was mir zu dem Thema Chlorargyrit einfällt ist, das dieser einen doch recht typischen und intensiven Glanz hat, wenn dieser frisch und unbelichtet ist. Mir sind so die Chlorargyrite auf Helgoland aufgefallen: Selbst winzigste Aggregate zeigten einen intensiven Glanz, so das sie praktisch immer sofort auffielen. Der Glanz ist aber auch relativ schnell futsch, sobald die Aggregate/Kristalle belichtet wurden. Möglicherweise ist das auch ein Grund, weshalb die Altforderen den Chlorargyrit so effektiv abbauen konnten...

Die bläuliche Farbe von belichtetem Chlorargyrit macht auch Sinn, da extrem dünnen Silberkristalle oder -bleche für blaues Licht durchlässig sind. Bei den quittegelben Emboliten (bromhaltiger Chlorargyrit) von Helgoland ergibt das leider ein ziemlich unansehnliches grau-gelb-grün  :'(