Hallo,
für die Namensvergabe gibt es eine Norm, der Internationale Code der Zoologischen Nomenklatur, der von der Zoologischen Nomenklaturkommission herausgegeben wird. In diesem Code wird in vielen Artikeln beschrieben, wie ein Organismus, der einen Namen hat, heissen muß.
Normalerweise geht das wie folgt ab:
1. ein Forscher findet ein Exemplar, das er nicht zuordnen kann.
2. Dieses Exemplar findet seinen Weg in eine wissenschaftliche Sammlung. (Hier werden bestimmte Ansprüche an die Sammlung gestellt, die fürs folgende nicht wichtig sind)
3. Ein Forscher findet dieses Exemplar in der Sammlung und bearbeitet es. In der Regel wird es vermessen, bestimmte Daten (z.B. Schuppen, Wirbel) werden gezählt, das Exemplar wird fotografiert oder gezeichnet. Im Idealfall findet der Forscher noch andere Exemplare, die diesem entsprechen.
4. Der Forscher sucht ein Exemplar aus dieser Gruppe heraus, benennt es getrennt von den anderen und fängt an, es möglichst genau zu beschreiben. Hierbei muß er sich an bestimmte Kriterien halten, die aber hier nicht weiter wichtig sind.
5. Die Arbeit, die der Forscher zusammengeschrieben hat, nennt sich Erstbeschreibung und wird gültig, sobald sie in einer wissenschaftlichen Zeitschrift (die auch wieder gewisse Regeln hat) publiziert ist. Damit ist aus dem Forscher ein Wissenschaftler geworden.
Der Wissenschaftler gibt der neu beschriebenen Art einen Namen, der nach dem Prinzip von Carl Linné ausgesucht wird: Ein Gattungsname, der einen größeren Verwandschaftskreis bezeichnet (groß und kursiv) und ein Artname, der diese neue Art bezeichnet, meist noch gefolgt von dem Namen der Familie und dem Namen des Erstbeschreibers.
Das Problem beginnt hier: Der Name muß nämlich eindeutig sein, der Artname ist immer mit dieser Art verbunden, der Gattungsname kann wechseln, wenn jemand feststellt, daß diese Art eigentlich gar nicht in die Gattung gehört.
Ein schreckliches hypothetisches Beispiel aus der Praxis:
Der französische Naturforscher Vallenciennes beschreibt 1847 den gemeinen Hangnager als Mus excelens. Das Tier heißt also jetzt Mus excelens Vallenciennes, 1847. Diese Beschreibung gerät in Vergessenheit. 1930 kommt George Myers aus Washington ebenfalls eins der extrem seltenen Hangnagerpräparate in die Hand und beschreibt das Tier als Montanolagus acutidens. Damit ist Montanolagus acutidens Myers, 1930 ein jüngeres und ungültiges Synonym zu Mus excelens Vallenciennes, 1847. Nun stellt 20 Jahre später Dimitrij Serov fest, daß Mus excelens und Montanolagus acutidens dieselbe Art sind und sagt "Myers hat Mist gemacht, sein Name ist ungültig". Allerdings stellt er auch fest, daß sich der Hangnager von den anderen Arten der Gattung Mus (das sind die echten Mäuse) sehr unterscheidet und nicht näher mit den Mäusen verwand ist. Er muß also in eine andere Gattung. Da er so seltsam ist, gibt es keine anderen bekannten Verwandten und da Myers doch nicht ganz Mist gemacht hat, erkärt er die Gattung Montanolagus für gültig und steckt das Tier da rein. Da es nun in einer anderen Gattung steht, nennt man es jetzt Montanolagus excelens (Vallenciennes, 1847). Sobald der ursprüngliche Name geändert wurde, wird der Autor in runde Klammern gesetzt.
Es gibt noch zahlreiche weitere Regeln, nach denen ein Name vergeben, geändert usw. wird.
Wichtig dabei ist zu wissen, daß Namensänderungen immer aufgrund des wissenschaftlichen Fortschritts gemacht werden und manchmal umstritten sein können. Bloß weil etwas publiziert ist, heißt das noch lange nicht, daß alle das gut finden oder mit dem Beschreiber einer Meinung sind. Es gibt generell bei den Systematikern zwei Lager, die Lumber und die Splitter. Die Lumber möchten eher grob definierte Gruppen mit vergleichsweise wenigen Arten haben, die sie weit fassen, während ein extremer Splitter aus jedem abweichenden Punkt einen Grund macht, eine neue Art zu sehen.
Als Laie ist es oft schwer, einen gangbaren Mittelweg zu finden, richtig klar wird es erst, wenn man sich mit der Gruppe befasst und verschiedene Meinungen liest.
schöne Grüße
Tobias