Es fing damit an, dass ich mich darüber amüsierte, dass Schau Gu, der Inhaber und Betreiber eines kleinen Cafés, eine neue Lampe auf seiner Gäste-Terrasse aufgehängt hatte. Er hatte einfach eine lange Stange ans Geländer gebunden, ein Kabel daran entlang gewickelt und am Ende eine Fassung mit einer Glühbirne montiert. Als ich das sah, sagte ich zu meiner Frau, dass er noch immer ein Eingeborener ist und seine Geschäftsidee mit dem selbst angebauten Kaffee noch nichts daran geändert hätte.
Auch den Kaffee, den er brüht, kann man eigentlich nicht trinken. Und das, obwohl er sogar eine richtige Espressomaschine bei sich im Laden hat. Das unterscheidet ihn zumindest von den anderen Restaurants, die es in der Gegend noch gibt. Es wäre wohl ein Geschenk eines Investors gewesen und er hätte ihm sogar auch erklärt, wie man damit umgehen müsse. Dass er es auch kann, hat er mir sogar mal mit einem Espresso bewiesen, der durchaus Starbucks-Qualität hatte.
Nun gut, ich hatte mich also über ihn lustig gemacht und mir einen Kamillentee bestellt. Aber nicht, weil ich Schau Gu zeigen wollte, dass ich Besseres gewohnt bin, sondern weil ich es mit Hilfe meiner Kristalle geschafft hatte, mich inzwischen von meiner Sucht nach Coffein zu befreien. Selbst meine Frau sah mich ganz entsetzt an, als ich meine Bestellung auf gab und ihr gleich danach sagte, dass ich in ein paar Stunden wieder zurück sein werde.
Endlich war ich mal wieder mit Mutter Natur allein und konnte machen, was ich wollte. Und natürlich wollte ich durch die Gegend stromern und sehen, ob da nicht irgendwo ein paar schöne Kristalle auf mich warten würden, um sich von mir ins Licht fördern zu lassen. Und als ich so vor mich hin fuhr, dachte ich an die Funde, die ich zuvor in einer anderen Gegend gemacht hatte. Dort hatte es auch einen Fluss gegeben und links und rechts davon gab es auch diese fürchterlichen Erdrutsche, die immer wieder neues Material freilegen.
Ich hatte mich aber für dieses Tal entschieden, weil ich immer nur die gleichen Sachen fand – mal etwas größer oder kleiner, klarer oder trüber und auch Schau Gu hatte ich schon eine Weile nicht mehr besucht. Als ich im Tal angekommen war, wollt ich erst aussteigen und am Fluss entlang wandern. Das hatte ich aber sonst auch immer gemacht und meine Familie damit unterhalten. Diesmal war ich aber allein und wollte eigentlich mal etwas anderes wagen.
So entschied ich mich, dem Fluss folgend einen Weg entlang zu fahren, dem ich schon mal von Schau Gus Terrasse aus gefolgt war. Er führte direkt über solch einen Erdrutsch und verschwand dann im Dschungel. Als ich dann an dieser Rutschung angekommen war, wunderte ich mich schon, dass dort so viele Jeeps parkten und die Leute zu Fuß unterwegs waren. Und als ich dann auf ihr entlang fuhr, wusste ich warum. Scheinbar befuhren diesen Weg nur die Eingeborenen, denn deren Autos sind wirklich nur reines Transportmittel und bei weitem nicht so gepflegt wie die Jeeps, die ich zuvor gesehen hatte.
Ich befand mich aber nun schon mitten auf diesem Erdrutsch und konnte, selbst wenn ich gewollt hätte, nicht mehr umkehren. Ich versuchte an etwas Schönes zu denken und vermied es auf jeden Fall, in die Schlucht zu sehen. Dann hatte ich es geschafft. Ich war auf der anderen Seite der Lawine angekommen und hatte damit auch gleichzeitig alle Ausflugsgäste abgeschüttelt. Auf dieser Seite gab es sogar eine Farm, wo ich unter einem Dach auch Autos stehen sehen konnte. Also beruhigte ich mich wieder und setzte meine Tour fort.
Der Weg führte immer weiter von dem Fluss weg und in Anbetracht dessen, was ich nun schon hinter mir hatte, fuhr ich einfach immer weiter den Berg hinauf. Ich fragte mich, was es dort oben wohl geben mag und was ich wohl tun würde, wenn mir ein Fahrzeug entgegen kam. Denn das Gelände war immer noch sehr steil. Es fiel nur nicht mehr so auf, weil der Wegesrand mit Bäumen bewachsen war und ich nun auf der Innenseite des Weges saß, sodass mir der Blick nach unten keine Angst mehr einjagen konnte.
Schließlich fand ich eine Nische und parkte den Wagen dort so, dass noch genug Platz war, um an ihm vorbei zu kommen. Ich war inzwischen des Fahrens müde und wollte mir die Beine etwas vertreten. Dabei fiel mir auf, dass es auch eine provisorische Stromleitung gab und irgendwo dort oben vielleicht doch noch Eingeborene wohnten. So wollte ich also der Leitung folgen, entdeckte im nächsten Augenblick aber einen kleinen Pfad, der mir wie gerufen schien, um ein kleines Abendteuer zu wagen.
Als ich dann aber einige Schritte gelaufen war, musste ich schon klettern und ich bewunderte die Leute, die diesen Weg angelegt haben mussten. Er war verflucht gefährlich. Man konnte nur immer einen Fuß vor den anderen setzen, weil es nicht genug Platz für beide Füße gab. Der Rand dieses Trampelpfades führte direkt in eine Schlucht und man konnte ihn eigentlich nur begehen, wenn man sich auch mit den Händen an der Begleitbegrünung festhielt.
Zum Glück konnte ich schon sehen, dass das nicht ewig so weiter ging. Doch während ich da so kletterte, musste ich an Schau Gu denken, der mit dieser Art von Wegen bestimmt kein Problem gehabt hätte oder vielleicht sogar geholfen hatte, ihn anzulegen. Ich hörte jetzt, warum es diesen Weg gab. Es war eindeutig das Geräusch von Wasser zu hören und ich freute mich schon auf eine kleine Erfrischung.
Der Weg wurde nun sicherer, verwandelte sich aber in eine kleine Kletterpartie. Es gab hier und dort ein paar Pfützen, die von einem Wasserfall noch übrig geblieben waren und darauf warteten, dass es bald mal wieder richtig regnete. Ich stellte mir nun schon vor, wie ich in einer dieser Pfützen Gold finden würde und kletterte immer weiter den Wasserlauf entlang, um an das frischeste Wasser heranzukommen, dass ich dann auch trinken wollte.
Endlich hatte ich es geschafft. Ich kam an einem Pool an, von wo aus es nicht mehr weiter ging. Das Wasser hatte hier eine wunderschöne Laufrinne in den Fels geschnitten, die so glatt war, das es unmöglich war, sie ohne Spezialausrüstung zu überklettern. Eigentlich war das auch gar nicht nötig, denn ich hatte gefunden, wonach ich gesucht hatte – ein Stück pure Natur nur für mich allein zum Rasten und Innehalten.
Ich überlegte nicht lang, legte meine Sachen auf einen Fels und machte mich von allem frei, was es sonst noch gab. Es dauerte nicht lang und ich saß in diesem Pool - Gott dankend, dass er mich hierhergeführt hatte. Ich war überglücklich und spürte nun auch auf meinem Rücken die Überreste von meiner gestrigen Behandlung. Meine Frau hatte „Gua Sa“ mit mir gemacht. Dabei wird mit einem harten Gegenstand auf der Haut entlang gekratzt, bis sich ein riesiger Bluterguss bildet. Man sieht danach aus, als hätte man einen Spießrutenlauf gemacht – das ist eine traditionelle Methode, um belastetes Blut in die höheren Hautebenen zu transportieren, von wo es dann scheinbar besser abgebaut werden soll.
Ich hob mich also aus dem Pool und drehte meinen Rücken in alle Himmelsrichtungen, um eventuell zu zeigen, was für ein Kerl ich doch bin. Ließ mich dann an der Sonne trocknen und zog mich wieder an. Ich hatte nun genug und wollte wieder ins Tal hinab, um vielleicht doch noch ein paar interessante Steine zu finden. Der Rückweg war nun nicht mehr schwer, denn ich wusste ja, was mich erwartete. Und während ich hinabkletterte, fiel mir ein, wie es damals war, als ich in Indien war und dort für acht Monate im Wald gewohnt hatte.
Plötzlich gab es einen fürchterlichen Schrei. Ich wurde angegriffen, von einem Tier, das ich nicht zuordnen konnte. Es hätte mir beinahe in den Knöchel gebissen, wich dann aber doch zurück und zeigte mir schreiend seinen Buckel. Ich schrie nun auch und fragte laut, was das soll. Ich konnte nicht glauben, was passiert war. Ich wurde angegriffen und das genau an der Stelle, wo der Weg wieder gefährlich und schmal wurde.
Ich wich zurück und sprang mit einem Satz auf einen Fels, auf dem ich mich sicherer fühlte, weil es dort kein Unterholz und keine Pflanzen gab, wo sich dieses Biest verstecken konnte. Ich versuchte mich zu beruhigen, denn ich hatte mich mächtig erschrocken und dachte aber, dass wir uns vielleicht beide nur erschrocken hätten und dieses kleine Monster inzwischen das Weite gesucht hätte. Also fasste ich mich zusammen und bewaffnete mich mit einem langen Stock.
Ich ging also wieder zu dieser Stelle, von wo aus sich der Weg in einen schmalen Pfad verjüngte und hoffte, dass es dieses Tier dort nun nicht mehr gab. Aber weit gefehlt. Es sah mich ganz frech an und fauchte sofort wieder los, als ich mich ihm näherte. Nun bekam ich richtig Angst. Dieses Tier hatte sich von mir nicht beeindrucken lassen und beharrte darauf, seinen Platzanspruch wenn nötig blutig zu verteidigen. Ich sah, wie es seine Nase in die Luft hielt, um zu schnuppern, ob sein Gegner Angsthormone ausströmte und ich schämte mich, weil es davon sicher sehr viele gab. Es wusste also, wie es mir ging und war sicherlich erleichtert, weil es mich beeindruckte.
Wieder musste ich weichen, denn ich hatte keinen Plan. Ich begab mich auf meinen Fels und sah mich nach neuen Möglichkeiten um. Vorwärts konnte ich nicht, denn dort hatte das Wasser wieder eine solche glatte Rinne geschliffen, wie ich sie zuvor weiter oben schon vorfand. Klettern war also unmöglich. Zudem viel mir jetzt auch auf, wie tief dieser verfluchte Abgrund war. Ein Sturz wäre der sichere Tod gewesen. Zurück ging es auch nicht, denn dort war ich schon bis ans Ende geklettert. Links bot sich eine Möglichkeit und mit etwas Einbildungskraft zeichnete sich auch ein kleiner Pfad ab.
Gut, dachte ich, dann eben einen Umweg. Wenn’s dem Zweck dienlich ist, kann man ja auch mal ein paar Schritte dazu tun. Als ich dann aber unter großen Bemühungen feststellen musste, dass ich auch in dieser Richtung in eine Sackgasse geriet, malte ich mir auf dem Rückweg aus, wie ich dieses Tier töten könne. In mir wandelte sich nun Angst in Wut und ich machte einen Plan. Ich wollte ringsumher liegende Steine sammeln und es dann mit einem regelrechten Dauerfeuer von seiner Stelle vertreiben. Und wenn es nicht anders ging, dann musste es eben sterben.
Also sammelte ich ein paar Steine. Jedoch schon bei dem dritten erschrak ich wieder, denn irgendwas stimmte darunter nicht. Ich hatte ihn schon aufgehoben und zu den anderen dazugetan, als ich mich doch nochmal umsah. Ich wollte wieder nicht glauben, was ich dort sah. Was ich zuerst für einen besonders großen Kothaufen gehalten hatte, erwies sich nun als Schlange. Sie schien völlig verwirrt, weil ihr Schutz so plötzlich verschwunden war. Ich hatte meinen Fotoapparat dabei und machte zur Sicherheit ein Foto von ihr, um bei eventuellen Zwischenfällen eine Identifikation zu erleichtern.
Die Lust am Steine sammeln war nun vorüber. Aber immerhin hatte ich ja schon drei, die ich ins Feld führen konnte. Ich dachte, dass es vielleicht ja schon reichen würde, um dieses Biest zu vertreiben und brachte sie in Position. Aber als ich den ersten warf, wollte ich meinen Augen nicht trauen. Dieses schreckliche Ungeheuer bewegte sich doch tatsächlich geradewegs auf mich zu, ganz still und leise, gerade so, als ob es versuchen würde, so dicht wie möglich an mich heranzukommen, um mich dann anzuspringen.
Wieder wich ich zurück und hoffte, dass ich nicht noch verfolgt werden würde, denn das hätte mir nur noch gefehlt. Es gab aber keine Alternative, ich musste dort lang, koste es, was es wolle. Die Sonne war nun schon nicht mehr zu sehen und ich malte mir aus, wie ich die Nacht hier verbringen würde. Dann viel mir auf, dass ich eine Farm auf dem Weg hierher gesehen hatte und ich hoffte, vielleicht durch lautes Schreien, Aufmerksamkeit zu erregen. Im gleichen Augenblick viel mir aber auf, dass ich schon seit einiger Zeit die lauten Gesänge von einer Karaoke-Party hörte und es mir dadurch unmöglich war, gehört zu werden.
Jetzt blieb mir nur noch eine Chance. Ich wollte einen Bogen um dieses Ungetüm versuchen, kletterte also wieder etwas aufwärts und bog dann nach links ab. Schon nach einigen Metern musste ich aber einsehen, dass auch das unmöglich war und kletterte wieder zurück auf meinen Fels. Ich bekam fürchterlichen Durst und mir viel auf, dass mein Frühstück das letzte war, was ich gegessen hatte. Wir bewegten uns also auf den Abend zu, ich hatte Hunger, Wasser gab es ja zum Glück und ich war nur 500 Meter von meinem Auto entfernt, das mich in mein trautes Heim bringen würde - wenn ich es doch nur erreichen könnte.
In meiner Hosentasche drückte ich ein paar Mal auf den Türöffner meines Autoschlüssels und sehnte mich danach, in ihm zu sitzen und nach Hause zu fahren. Ich wühlte nun alles aus meinen Taschen, um zusammenzubringen, was mir noch helfen konnte. Ich hatte eine Schutzbrille, einen Hammer und einen Schraubendreher dabei, den man auch als Meißel verwenden konnte. Ach ja, einen Tippex-Stift hatte ich auch dabei, aber der half mir im Moment nicht viel.
Was mir half, war eine ordentliche Orientierung, ein guter Plan und vor allem Gelassenheit. Mir fiel ein, dass ich dieses Tier eigentlich gar nicht kannte. Ich hatte schon seit Stunden an nichts anderes gedacht, aber irgendwie war es mir doch noch völlig fremd. Ich wusste aber inzwischen, dass es mich nicht auf seiner Speisekarte hatte und es sich eigentlich um einen reinen Revierkonflikt handeln musste. Das beruhigte mich, denn ich wollte ja eigentlich nur mal kurz an ihm vorbei und nicht unbedingt in seinem Haus wohnen.
Nur wie sollte ich es ihm beibringen? Ich beschloss Kontakt aufzunehmen, um es zu studieren. Nahm meinen Stock und den Schraubendreher und begab mich wieder in seine Nähe. Und auch diesmal kam es wieder aus seinem Bau und hielt die Nase in die Luft. Nur diesmal fing ich an laut zu reden. Ich wollte es mit einer neuen Strategie beeindrucken und ihm irgendwie verständlich machen, dass es sich um ein Missverständnis handelte, ich seit 25 Jahren Vegetarier bin und eigentlich niemandem etwas zu leide tun will. Ich war verblüfft, denn es reagierte tatsächlich. Es drehte sich um und zeigte mir seinen Allerwertesten, was so viel heißt wie, das lässt mich kalt.
Aber immerhin, wir hatten Kontakt und ich verstand, was es mir sagen wollte. Denn in Indien hatte ich acht Monate zusammen mit einem Pferd in einem Wald gelebt, um diese fantastischen Tiere zu studieren. Körpersprache war also schon mal ein wichtiger Schwerpunkt in meinem Leben und das zahlte sich jetzt an dieser Stelle aus. Es ging sogar noch weiter. Das Tier knabberte an einer Wurzel, was bei den Pferden heißt, dass es nur in Ruhe fressen will und dabei nicht gestört werden möchte. Mir fiel auch auf, dass ich schon die ganze Zeit hindurch seinen Rücken sah. Das ist die Schwachstelle bei einem Tier und ein Raubtier greift normalerweise in einer solchen Situation sofort zu. Das hieß also, dass es mich auch studierte, es wollte herausbekommen, ob ich es auf meiner Speisekarte hatte.
Jetzt war alles klar, wir verstanden uns und ich machte ihm anhand von Gesten deutlich, dass ich an ihm vorbei müsse. Und um herauszufinden, ob ich auch verstanden wurde, machte ich ein paar kleine Schritte in seine Richtung. Dies wurde genauso erwidert, was ein kleiner Misserfolg für mich war. Von nun an ließ ich es aber nicht mehr aus den Augen. Ich nahm sogar meine Kamera aus meiner Tasche und versuchte ein paar Fotos zu machen. Das Tier war sofort verwirrt und als ich ausversehen ein Stück von meinem Stock abbrach, erschrak es sogar und machte eine fluchtartige Gebärde.
Nun wusste ich also, dass es auch Angst hatte, aber auch ungeheuer mutig war. Ich hielt jetzt meinen Stock in seine Richtung, redete mit ihm, was ein Raubtier natürlich auch niemals machen würde und wollte einen größeren Bogen um es herum versuchen. Das war meine einzige Chance. Allerdings ging es genauso steil bergauf, wie es bergab ging und als ich circa einen Meter geklettert war, musste ich feststellen, dass ich einen Brombeerstrauch zu durchqueren hatte. Und so leicht gekleidet, wie ich war, mit einer Sommerhose und wenigstens einem langärmlichen Hemd, stellte ich mich schon mal darauf ein, dass ich wohl etwas Blut vergießen werden müsse, um diese Sache zu beenden.
Und als ich dann mitten in diesem Strauch stand und ich mir meine Unterarme schon aufgerissen hatte, stellte ich mit Erleichterung fest, dass ich schon fast an meinem Problem vorbei war. Ich rutschte zwar auch nochmal kurz ab, wodurch sich ein paar Steine lösten, die nun ins Tal hinab unterwegs waren, konnte mich aber an den Ästen eines kleinen Bäumchens direkt vor mir festhalten und zog mich sofort wieder in eine sichere Position. Ich wurde permanent beobachtet, konnte aber auch sehen, wie sich dieses Tier hin und wieder hinlegte, was sicher bedeuten sollte, dass das Schlimmste überstanden war. Ich sah dann eine relativ sichere Stelle auf diesem Pfad und sprang ohne lang zu zögern einfach los.
Ich war jetzt außer Sicht für dieses Tier und auf sicherem Boden. Und es dauerte nicht lang, bis ich auch schon mein Auto sehen konnte. Ich wusste, dass ich es geschafft hatte und wollte nun gleich sehen, ob auf den Fotos etwas zu sehen war. Meine Hände zitterten noch, als ich die Tür öffnete und den Motor startete.
Auf dem Weg zurück viel mir Schau Gu wieder ein, mit seinem Kaffee und dem starken Willen, etwas anders machen zu wollen. Mir wurde klar, dass er uns nicht versteht. Wir haben große Wohnungen und wenig Natur um uns herum. Seine Wohnung ist nur ganz klein, dafür gibt es aber sehr viel Natur in seinem Leben und wer das richtig lebt, der brauch einfach keinen so starken Kaffee. Und bei mir musste es wohl so sein, dass meine Kristalle für mich eine Art Naturkonzentrat darstellen, das es mir erlaubt, auch in meiner großen Wohnung mit nur wenig Natur drumherum auszukommen.
Schau Gu sagte mir dann, als ich wieder in seinem Café war, dass es ein Mungo war, der mir das Leben schwer machte und dass diese Tiere sehr gefährlich werden können, wenn sie sich bedroht fühlen. Die Schlange kannte er nicht, aber das finde ich schon noch irgendwie heraus.
Gefunden hatte ich nun leider nichts, aber ich war trotzdem Stolz darauf, diesen Konflikt so gelöst zu haben, dass wir beide erhobenen Hauptes aus ihm hervorgehen konnten. Und gelernt hatte ich, mein Handy vielleicht doch mal einzustecken, wenn ich fremdes Gelände betrete. Auch wenn dort bestimmt kein Empfang mehr war, so hätte ich doch wenigstens gewusst, wie spät es ist. Dass ich einen Fotoapparat dabei hatte, verdanke ich eigentlich auch nur der Tatsache, dass ich neuerdings größeren Wert auf ein Foto von der Fundstelle lege, ansonsten nehme ich gern nur das Notwendigste mit. Und für den Notfall sollte eine Flasche KO-Spray mit bei der Ausrüstung sein, wenn ich mal wieder tiefer in den Wald gehen sollte - denn wie ich gehört habe, soll es hier sogar Bären geben.
Und die Moral von der Geschicht: Lache über Eingeborene nicht.
Glück auf
Mario