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fand der Sommer 2014 statt?
bogeyman:
Hallo Johannes,
schöne Stufen - Glückwunsch!
Gringo:
Hallo zusammen.
Erst einmal allen ein gesundes und erfolgreiches Jahr. Außerdem brennt mir auch auf der Zunge hier sagen zu wollen, dass ich es gut finde, mich mal emotional ausschütten zu können. Denn neben all dem tollen Glitzer laufen ja doch auch viele Eindrücke mit durch den Kopf und erst die machen einen dann zum richtigen Strahler. Eigentlich wundere ich mich auch, dass das Thema noch nicht verschoben wurde (nach Dies und Das).
Also bei mir war das Jahr relativ durchwachsen. Der plötzliche Tod meiner Mutter rief mich im Sommer für zwei Monate nach Deutschland und ich wusste schon im Voraus, dass es ein riesiges Chaos zu bewältigen gab, das nicht nur meine Mutter, sondern auch ich hinterlassen hatte, als ich mich vor sechs Jahren von ihr verabschiedete.
Nun gut, mit viel Geduld und klaren Entscheidungen ließ sich alles soweit bewältigen, dass ich mich dann doch wieder auf meine Insel (Taiwan) zurückziehen konnte. Und selbst hier zieht es mich in regelmäßigen Abständen in die Ferne, von wo aus ich meinen Augen dann den gebührenden Auslauf gewähren lassen kann. So kam es dann zu folgender Gegebenheit, die ich hier zum Besten geben will.
Das Jahr hatte den dunklen Zenit schon überschritten und selbst der Kalender war für 2014 nicht mehr gültig. Da die Leute hier aber bis zum nächsten Mondwechsel im neuen Jahr warten, um den Neustart angemessen zu feiern, fehlt mir jedes Jahr ein Fest zur Feier der Wiedergeburt der Sonne. So entschloss ich mich meinen eigenen Weg zu finden, um meiner anerzogenen Sehnsucht zu huldigen. Dazu gehörte eine Handvoll bestimmter Dinge, die dabei auf keinen Fall fehlen durften - in erster Linie natürlich die Sonne, der Mond, die Berge und ein Fluss oder Bach, aber auch ein richtiges Feuerwerk und wenn möglich auch ein klarer Himmel.
Unter diesen Bedingungen wollte ich am Abendhimmel beobachten, wie die drei Könige aus dem Oriongürtel (Mintaka, Alnilam und Alnitak) dem Sirius im Osten folgen, um schließlich zu dem Punkt am Horizont zu gelangen, von wo aus am nächsten Morgen die Sonne im neuen Jahr aufgehen (oder wiedergeboren werden) soll. Glücklicherweise lässt sich dieses Schauspiel nicht nur am Heiligabendhimmel beobachten, sondern auch schon einige Tage zuvor und eben auch noch danach.
So hatte ich meinen Beutel mit passenden Utensilien und Proviant ausgestattet, mich von meiner Familie verabschiedet und zog in die Berge. Dort auf Halbhang angekommen musste ich feststellen, dass es selbst unter den Eingeborenen Christen gab, die sich ein paar Tage frei nahmen, um ihren neuen Kalender zu begrüßen. Ich wurde sogar mit einem Stück Schokoladentorte beehrt, das nicht wirklich auf meinem Speiseplan stand und auch nicht zu meinem Tee passte.
Denn ich hatte mir ein Basilikumomelette bestellt und mein Brot auf den Tisch gepackt (Bild 1), das ich mir zuvor in einer tollen, neuen Bäckerei gekauft hatte. Mit Erstaunen bemerkte ich, wie weit die Globalisierung nun schon fortgeschritten ist, denn auch hier trank man inzwischen schon Kaffee zu Kuchen und betete, bevor man aß.
Doch mich zog es tiefer, weiter weg. Dorthin, wo ich ich sein konnte und keinem Rollenzwang unterlag. Ich suchte nach einem Ort, der mich aufnehmen, verstehen und vor fragenden Augen behüten würde. Denn ich wollte mich rauslassen und sehen, was in mir steckt. So fuhr ich über den Kamm des Mittelhangs ins dahinterliegende Tal hinab bis zu einem Fluss, der von einem Weg begleitet wird (Bild 2). Dieser Weg endete irgendwann und zwang mich auf die Beine. Dort stellte ich fest, dass ich nervös geworden war. Das lag aber nicht an dem Tee, den ich zuvor getrunken hatte, sondern vielmehr war es die neue Situation.
Ich fragte mich, ob ich hinreichend ausgerüstet war. Denn das Wetter ist in den Bergen recht launisch und schwankt im Winter vom Tag zur Nacht dramatisch. Dann wurde ich aber sofort abgelenkt, weil ich im Flussbett einen Quarz mit lauchgrünen Sektoren (Bild 3) und gleich daneben einen Quarzgang auf Granitmatrix (Bild 4) fand. Das machte mir Mut und ließ mich die alltägliche Welt um mich herum vergessen.
Unterwegs stellte ich fest, dass es erstaunlich wenig Treibholz gab, das ich eigentlich für mein Feuerwerk voraussetzte. Überraschend fand ich dann aber einen Stab, der mir wie gerufen erschien. Denn ich hatte bereits schon Erfahrungen mit mir fremden Tieren gemacht und wusste, wie wichtig ein langer Stock sein kann.
(https://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,35616.0.html)
Nach ca. zwei Stunden endete mein Weg an einem Wasserfall, von dem aus es für mich kein Weiterkommen mehr gab. Dort sollte nun die nächste Etappe seinen Anfang finden und ich freute mich, weil ich einen herabgestürzten Baum fand, der in seinen Ästen und Zweigen schon genügend getrocknet war. So war ich gesegnet, weil ich alles hatte, was ich für mein Ritual brauchte.
Was dann kam, war ein Ablauf verschiedener Schritte. Zuerst ein Feuer entfachen, dann im Fluss baden, danach der Sonnenuntergang mit bereits erfolgtem Mondaufgang und schließlich Orion mit seinen drei Königen, die dem Sirius folgend an den besagten Ort gelangen sollten, wo zu meinem Erstaunen etwas rechts oder nördlich davon nun schon die Venus aufgegangen war. Es lief alles wie am Schnürchen und ich freute mich, dass ich meine Trägheit überwunden hatte und angekommen war.
Doch bis zum Sonnenaufgang blieb mir keine Chance. Zugegeben spielte ich mit diesem Gedanken und auch meine Frau hatte ich schon darauf vorbereitet. Doch das Holz reichte auf keinen Fall. Ganz im Gegenteil. Es muss eine Art wilde Guave (Psidium) gewesen sein, die da herabgestürzt war. Denn das Holz war so hart, dass es sich von Hand kaum brechen ließ und nur das Feuer selbst half, passende Längen zu erzeugen.
So sah ich mit vollem Bauch dem Ende meines Aufenthalts entgegen und freute mich auf die nun folgende Rückkehr, bei der ich noch genügend Möglichkeit sah, den Mond mit seinen Sternen zu bestaunen. Ich nahm den Rest des Holzes, ließ das Feuer noch einmal richtig auflodern und verabschiedete mich von diesem wundervollen Ort.
Doch als ich dann etwa eine halbe Stunde unterwegs gewesen war, platzte mir vor Schreck fast das Herz. Ich wollte und konnte nicht glauben, was ich sah. Ich hielt es für eine unpassende Erscheinung in meiner sichtbaren Welt. Denn woher sollte hier ein Lichtblitz gekommen sein, wo ich doch noch so fern jeglicher Zivilisation gewesen war.
Zum Glück war es sofort wieder dunkel und ich redete mir das eine oder andere ein. Ein Auto, unterwegs in den Serpentinen oder einfach nur ein aufblitzender Knaller, dessen Schall bis hier her zu mir erodierte. Doch ein Gedanke ließ mich von nun an nicht mehr los. Was, wenn man nach mir suchte? Denn schließlich hatte ich mein Auto genau auf dem Flussbett geparkt, wo es für jedermann sichtbar war. Und sofort malte ich mir aus, wie man mich empfangen würde. Denn nach Sonnenuntergang muss für die Leute im Dorf klar gewesen sein, dass ich mich in den Bergen vertat.
Alle Romantik war dahin. Mit einem letzten Blick sah ich mich nach Mond und Sternen um und wollte dann wissen, woran ich war. Meine Schritte wurden schneller und während ich von Stein zu Stein sprang, sah ich vor meinem geistigen Auge, wie sie nach mir suchten – im schlimmsten Fall mit Polizei, Hubschrauber und Hunden. Natürlich stürzte ich und dachte danach an meinen Talisman (den lauchgrünen Quarz), weil ich mich nicht verletzt hatte.
Dann sah ich sie. Sie mussten von mir weg gelaufen sein, weil ich sie sonst schon getroffen haben müsste. Ich sah, wie sie die Felswände um sich herum ableuchteten und fragte mich, für was sie mich wohl hielten. Sie glaubten doch nicht wirklich im Ernst, dass ich hier her gekommen war, um zu klettern. Doch was denkt man wohl von einem Menschen, der so gar nicht in die Gegend passt.
Wenigstens war ich mir nun sicher und konnte mich darauf einstellen. Ich nahm meinen Hut ab, weil ich wissen wollte, wie gut er im Mondlicht zu sehen war und stellte fest, dass er einen Leuchtturm aus mir machte. Absetzen wollte ich ihn aber nicht, das wäre über meinen Stolz gegangen und außerdem war es nun schon richtig kalt.
Von nun an hielt ich mich im Schatten der Felswände verborgen, während ich sie beobachtete. Es mussten mindestens zwei gewesen sein, denn zu weilen gab es auf beiden Seiten den Lichtkegel ihrer Scheinwerfer zu sehen. „Die sind bestimmt schwer“, dachte ich, weil sie so grell gewesen waren. Andererseits machten sie ihrer Träger auch blind, weil sie ihren Augen keine Möglichkeit gaben, sich an die Dunkelheit anzupassen. Ich war also im Vorteil und hoffte, dass sie nicht aufgeben würden. Denn es gab noch eine Chance.
Uns voran mündete ein anderer Fluss in den hiesigen und wenn die beiden noch nicht müde wären, würden sie auch entgegen der anderen Flussrichtung nach mir suchen, dachte ich – dann könnte ich an ihnen unbemerkt vorbei. Ich hatte Glück. Nun hinter mir, sah ich für ein letztes Mal ihre Lichtkegel an den Felsen und hoffte auf die Unversehrtheit meines Autos. Circa hundert Meter vor ihm verrieten mich ein paar Hunde einer Farm in der Nähe, aber all das konnte mir nichts mehr tun. Ich dachte an meinen Quarz, stieg ein und fuhr los.
Was vor kurzem noch Angst erzeugte, tat mir jetzt schon irgendwie leid. Sie hatten sich Sorgen um mich gemacht, ihrer Glotze den Rücken zugekehrt, um nach mir zu suchen und ich hatte sie ausgetrickst. Ich malte mir aus, was wohl gewesen wäre, wenn sie mich gefunden hätten. Wer weiß, vielleicht hätten wir uns sogar gut verstanden und wären Freunde geworden.
Aber es sollte nicht sein und so war ich froh, glücklich und stolz zugleich, denn einen solchen Start in ein neues Jahr hatte ich bisher noch nicht. Und auf dem Weg nach Hause fuhr ich in einem Dorf an einer Kirche vorbei, vor der ein schillernder Weihnachtsbaum mit einem riesigen Stern an seiner Spitze funkelte und mit einem breiten Lächeln auf den Lippen fragte ich mich, ob die Eingeborenen hier auch eines Tages mal herausfinden würden, wofür er eigentlich steht. Denn hätte man den Strom abgestellt, wäre das Original in voller Pracht erschienen und hätte den Menschen gezeigt, in welche Richtung sie schaun müssen, um am nächsten Morgen den Sonnenaufgang zu sehen.
Der Venusaufgang war irgendwie wie ein I-Punkt, der das Ganze krönt. Denn sie ist ein Planet und kein Stern, der auch zur nächsten Wintersonnenwende wieder da sein wird. Aber vielleicht reicht bis dahin meine Kraft, um den Gebirgskamm zu überwinden und auf der anderen Seite bis zum Morgen auszuharren und zu sehen, wohin die drei oriontalischen Könige gehen. Ich will dann wissen, wo die Jungfrau ist und ob man das Kreuz des Südens von dort aus am Morgenhimmel sieht.
Glück auf ;)
uwe:
Hallo Mario,
schöner Bericht. Ich denke aber, Dich wollten keine Menschenfreunde retten sondern es werden wohl Naturschützer gewesen sein, welche die dort lebenden Schuppentiere (manis pentadoctyla) vor dem vermeintlichen Wilderer schützen wollten. Die Tiere gelten in Taiwan leider als Delikatesse.
Gruß
Uwe
Gringo:
Hallo Uwe,
hab grad mal gegoogelt und die Bilder meiner Frau vorgestellt - mit der Frage, ob sie diese Tierart kennt. Weder nein noch ja kam da, nur ein: "mmmm, schmeckt sehr gut". Und bestimmt haben sie dann auch noch was, wofür es gut sein soll.
Und ob nun Naturschützer, Wilderer oder was auch immer. Nachdem ich diese Geschichte aufgeschrieben hier lesen kann, fällt mir auf, dass ich noch immer nicht zu mir steh. Ich hätte den Spieß einfach umdrehen und die beiden fragen sollen, was sie zu so später Stunde in die Wildnis treibt. Aber bis dahin werd ich wohl noch ein paar Stufen brachen.
Viele Grüße
Mario
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