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Frage eines Mineraliensammlers an die Fossiliensammler
popeye:
Hallo Fossiliensammler.
Habe eine Frage, die mich schon länger interessiert und durch
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http://www.richter-fossilien-reisen.de/ReiItal2005.htm
wieder aktuell wurde:
Wann ist eigentlich ein Fossil ein Fossil? Ist ein Fossil das gleiche wie eine Versteinerung?
Ist die Versteinerung-darunter verstehe ich laienhaft irgendwie eine Umwandlung i.S.fossiler Hölzer etc - Voraussetzung, um ein totes Lebewesen oder seine Hülle als Fossil anzusehen?
Oder wird meine kindliche Sammlung von Muscheln -die ja schon aus Carbonaten bestehen- automatisch in einigen Jahrhunderten/Jahrtausenden/Jahrmillionen auch ohne weitere Umwandlung zur Fossiliensammlung?
Die Sammlung /der Fundbericht auf o.g. Link macht mich echt fertig :'(, schaut aus wie frisch aus dem Sand gebuddelt(ist es ja auch).Gibts da denn überhaupt einen Unterschied zu sagen wir mal aus dem Strand von ganz tief unten ausgebuddelten Muscheln, Schnecken etc-oder sind die abgebildeten Mollusken schon alle ausgestorben...gibt aber ja auch rezente Fossilien....? ???
Na ja Ihr werdet mich hoffentlich schlau machen :)
Tobias
sparrow:
Hallo Popeye,
einfach mal folgendes Zitat aus Wikipedia zur Erläuterung:
"- Fossilien (lat. Fossa: „die Grube“) sind Überreste und Abdrücke von Lebewesen, die in vorgeschichtlicher Zeit gelebt haben. In der Biologie sind fossile Arten ausgestorben, im Gegensatz zu rezenten (heute noch lebenden Arten). Durch besondere Umstände sind manche fossile Lebewesen nach ihrem Tod nicht verwest und zerfallen, sondern ihre Struktur blieb bis heute erhalten. Die fossilen Energieträger Erdöl, Erdgas und Kohle sind ebenfalls Überreste vorwiegend pflanzlicher Substanzen (Biomasse).
Der Begriff "Fossil" wurde erstmalig in Georgius Agricolas Standardwerk De re natura fossilum geprägt, gängige Bezeichnungen für Fossilien waren auch "Petrefakten" oder - fälschlicherweise, da dies nur einen besonderen Erhaltungszustand eines Fossils umschreibt - "Versteinerung".- "
Ich denke mit diesem Zitat werden Deine Fragen weitestgehend beantwortet.
In der Praxis liegt die Grenze bei ca. 10.000 Jahren. Allerdings auch hier mit Ausnahmen. So gelten die Funde von Resten bereits ausgestorbener Arten grundsätzlich als Fossilien. Ein Beispiel sind hier die Riesenvögel aus Neuseeland. Wie das die Wissenschaftler mit der erst im Vorigen Jahrhundert ausgerotteten Wandertaube Nordamerikas halten weiß ich allerdings nicht. ???
Alles was jünger als ca. 10.000 Jahr ist wird meistens als Subfossil bezeichnet.
Wenn Deine Sammlung also lange genug aufgehoben wird, werden Deine jetzt rezenten Schnecken irgendwann auch als Fossilien bezeichnet. Damit das Du diese Schnecken in Deiner Sammlung hast sind Sie ja der Verwitterung und Zerstörung , zumindest zeitweise, entzogen und haben daher eine Chance Fossilien zu werden. ;)
Im übrigen lass Dich nicht von Bezeichnungen aus dem Medienbereich irritieren. In der Berliner Zeitung gab es auch schon mal einen Beitrag über "fossile Kraftwerke". Was das sein soll, wurde allerdings nicht erklärt. Der geneigte Leser durfte sich dann zusammenreimen, dass Kraftwerke für fossile Brennstoffe gemeint waren und man halt die Bezeichnung etwas gekürzt hatte. ;D
Gruß
Sparrow
popeye:
Vielen Dank für die schnelle Antwort,
aber noch ein paar Nachfragen:
sind die "Turmschnecken", Muscheln etc , die z.B. auf o.g. Link abgebildet sind, denn alle eindeutig ausgestorbenen Arten zuzuordnen, oder gibts die in identischer Art heute auch noch, wären dann also rezente Fossilien?
Die im Permafrost gefundenen Mammutswww.lonlygunmen.de/krypto/mammut/mammut.html sind dann auch Fossilien (2 Kriterien erfüllt), der Ötzi hat das Kriterium 10000 Jahre ja relativ knapp verpasst, sonst wäre er auch ein Fossil :D und wir lebende /rezente Fossilien ::) na ja sind wir sowieso.
Gibts bei den Fossiliensammlern eigentlich auch so einen Art Überwachungsverein i.S. der IMA , der festlegt was ein Fossil ist und wie es heißen soll?
Grüße aus dem verschneiten Süden
Tobias
amaltheus:
Ja das ist wohl ein Problem.
Manche Schnecken haben als Fossilien einen anderen Namen als das rezente (also noch heute lebende) Gegenstück.
Das mag vielleicht auch daran liegen, dass die beiden Wissenschaftszweige nicht immer genügend miteinander kommuniziert haben.
Ob es für die Namensgebung einen "Verein" gibt der über die Namensvergabe wacht - da hab ich so meine Zweifel.
Immerhin haben wir Fossiliensammler ja fast immer das Problem dass manche Fossilien in den letzten 100-150 Jahren oft 10-20 mal den Namen gewechselt haben - ohne jetzt genauer auf die Gründe eingehen zu wollen.
Natürlich gibt es Regeln die in der Wissenschaft allgemein gelten und die besagen, dass die älteste Beschreibung
am ehesten Gültigkeit hat. Aber ob das immer eingehalten wurde bzw. einzuhalten ist ... dran hab ich so meine Zweifel.
Doch ... einen Verein gibt es schon -aber weniger für die Namensvergabe !
Für den Bereich Geologie ist das zum Beispiel die IUGS (International Union of Geological Sciences) http://www.iugs.org/
Die wiederum haben in den einzelnen Ländern "lokale" Suborganisationen wie z.B. für den deutschen Jura die
Deutsche Jura Subkomission: http://jurasubkom.pal.uni-erlangen.de .
Die Kommisionen der Länder arbeiten der Internationalen Kommision zu die dann für bestimmte
Bereiche weltweit gültige Standards definiert (mal primitiv ausgedrückt).
Irgendwann werden dann sicherlich mal alle geolog. Schichten in ein weitestgehend lückenloses System
eingeordnet sein aus dem man dann z.B. rauslesen kann wie alt eine Schicht (also ein best. Zeitabschnitt der Erdgeschichte) ist, wann diese angefangen hat und wie lange diese gedauert hat, welche Fossilien darin speziell vorkommen, wieweit diese weltweit verbreitet sind ... usw. usw.
Aber das ist ein kompliziertes Thema über das man noch sehr viel mehr schreiben könnte.
- Gruß Thomas -
--- Zitat von: popeye am 10 Mar 05, 13:10 ---Vielen Dank für die schnelle Antwort,
aber noch ein paar Nachfragen:
sind die "Turmschnecken", Muscheln etc , die z.B. auf o.g. Link abgebildet sind, denn alle eindeutig ausgestorbenen Arten zuzuordnen, oder gibts die in identischer Art heute auch noch, wären dann also rezente Fossilien?
Die im Permafrost gefundenen Mammutswww.lonlygunmen.de/krypto/mammut/mammut.html sind dann auch Fossilien (2 Kriterien erfüllt), der Ötzi hat das Kriterium 10000 Jahre ja relativ knapp verpasst, sonst wäre er auch ein Fossil :D und wir lebende /rezente Fossilien ::) na ja sind wir sowieso.
Gibts bei den Fossiliensammlern eigentlich auch so einen Art Überwachungsverein i.S. der IMA , der festlegt was ein Fossil ist und wie es heißen soll?
Grüße aus dem verschneiten Süden
Tobias
--- Ende Zitat ---
sparrow:
Hallo zusammen,
also die Namensgebung macht der Wissenschaftler der eine neue Art in einer Fachzeitschrift beschreibt und veröffentlicht. Für die Namensgebung gibt es meines Wissens sogar eine Norm. Für eine Namensänderung ist wieder der Wissenschaftler verantwortlich der die Revision vornimmt und wiederum in einer Fachzeitschrift veröffentlicht. Das dies bei einigen Arten mittlerweile bis zu 20-mal passiert ist erleichtert die Sache natürlich nicht unbedingt.
Ötzi war auf dem besten Wege ein Fossil zu werden, auch er war ja der Verwesung und Vernichtung durch einfrieren in einem Gletscher entzogen. Da er aber sicherlich für lange Zeit in einem Kühlschrank liegen bleibt und wir uns ja alle verändern kann auch er, nach entsprechend langer Ruhezeit im Gefrierfach, ein Fossil werden.
Gruß
Sparrow
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