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Helgoland
uwe:
Es kommen hin und wider Beiträge zu einer Mineralisation im Sandstein von Helgoland. Nun ist es ja immerhin merkwürdig, daß gerade die Klippe von Helgoland, welche vermutlich das Überbleibsel einer großen Sandsteinfläche war (oder?) der Nordsee Jahrtausende getrotzt hat.
Meine Frage: Gibt es Untersuchungen, ob gerade diese Imprägnation mit aufsteigenden Lösungen (hydrothermal??) den Sandstein von Helgoland so stabil gemacht hat? Auch wäre es interessant zu wissen, wie die Mineralisation entstanden ist
Gruß
Uwe
thdun5:
Hallo Uwe,
zu Helgoland findest du eine kurze Erklärung auf der Lexikonseite (http://www.mineralienatlas.de/?l=1501).
Was speziell die Mineralisation der Cu-Minerale betrifft hatte ich vor einiger Zeit einen sehr ausfürlichen Artikel in der Hand - weiß aber leider nicht mehr, wo ich dies gelesen hatte. Wenn mir ein Gedankenblitz kommt, dann schreibe ich nochmal.
Gruß
Daniel
smoeller:
Hallo,
Der Sandstein von Helgoland ist nicht sonderlich stabil, da v.a. tonig gebunden. Lässt sich mit dem Hammer leicht zerteilen. Die Tatsache, dass Helgoland über dem Meeresspiegel liegt, ist vor allem darin begründet, dass unter der Insel ein Salzstock liegt, der die überlagernden Schichten entlang einer Störungszone gehoben hat. Das Einfallen der Schichten ist heute noch genau zu sehen.
Glück Auf!
Sebastian
cmd.powell:
Moin
Auf Helgoland gibt es nach meinem Wissen keinerlei Hinweise auf aszendente hydrothermale Lösungen. Die Natur der Mineralisationen dort ist mir immer noch ein Rätsel. Offensichtlich gibt es Zonen in den Sedimenten, welche Kupferanreicherungen enthalten. Hier ist häufig auch Silber angereichert, was gediegen im Cuprit vorkommt. Das Seltsame ist, das es zum einen mit Sandstein verwachsene linsen- bis lagenförmige Cupritanreicherungen gibt und zum anderen Drusen mit gut auskristallisiertem Cuprit. Die Genese dürfte bei Beiden nicht die Selbe sein. Ich vermute seit einiger Zeit, das es eine Remobilisation von Kupfer gab, welches nach oben (also aszendent) durch die Sedimente in vorhandene Hohlräume eingedrungen und dort auskristallisiert ist. Leider ist das nur schwer schwierig zu verifizieren, da man auf Funde im Hangschutt angewiesen ist, was eine präzise stratigrafische Einordung praktisch unmöglich macht. Meine Beobachtung bisher ist: Die im Sandstein eingewachsenen Konkretionen stammen aus dem Volpriehausen (älter), die Drusen aus dem Detfurth (jünger) - siehe auch unsere Lexikonseite, Absatz Geologie. Die Konkretionen haben wir zum Teil "reichlich"1 im Felswatt anstehend gefunden, die Drusen generell nur äußerst selten im Hangschutt. Bisher habe ich nur einmal (leider nicht selber) so was wie einen "hydrothermalen Gang" dort gesehen. Ein wirklicher Gang war es dann aber doch nicht, eher eine Art Spaltenfüllung, die nach ein paar Zentimetern vertaubte. Interessant war, das dieser "Gang" aus Chalkosin bestand. Leider ist es - anders als es Sebastians Ausführung vermuten lässt - gar nicht so einfach, in dem im frischen Zustand doch recht zähen Sandstein eine gangförmige Struktur zu verfolgen. Zum einen lässt einem die Flut nicht unendlich viel Zeit, zum anderen ist da noch der Küstenschutz und natürlich die permanente Gefahr durch Steinschlag aus der Wand. Ob diese Struktur wirklich so was wie ein hydrothermaler Gang ist, bleibt also erst mal offen. Ich gehe mal davon aus, das es kein hydrothermaler Gang ist, eher etwas, was bei einer nachträglichen Mobilisierung von Lösungen entsteht. Bei der geologischen Situation mit dem unterliegenden Salzstock halte ich eine solchen Gang auch für recht unwahrscheinlich (wenn auch nicht unmöglich).
Die heutige Form von Helgoland geht auf die Sedimentfolge zurück. Der Helgolandsockel besteht aus dem wenig beständigen Buntsandstein. Zwischen Helgoland und der Düne gibt es eine noch weniger stabile Schicht mit Juratonen, den Töck. Der ist als erstes erodiert und hat Helgoland von der Düne getrennt, wobei die Inseln lange Zeit durch eine Landbrücke verbunden waren. Die Düne wiederum besteht aus Kreidezeitkalk, welche eine Zeit lang intensiv abgebaut wurden (das ehemalige Wittekliff). Bei einer großen Sturmflut (ächtz, meine 1721/1722) wurde das Wittekliff völlig zerstört und der traurige Sandhaufen der Düne blieb übrig. Bei der selben Sturmflut wurde auch die Landverbindung zerstört und seit dem gibt es zwischen den Inseln eine beträchtliche Strömung.
Der Landverlust von Helgoland war in den letzten 3000 Jahren enorm (einfach mal nach Helgoland und Landverlust googlen, dann auf "Bilder" gehen). Auf der Insel findet man überall historisch Karten, welche diesen Landverlust in den letzten 500 Jahren recht gut belegen. Hier zeigt sich auch, das die heutige Insel nicht wirklich besonders stabil ist oder so, sondern nur der allerletzte Rest des ehemaligen Inselkomplexes. Nur dank des intensiven Küstenschutz der letzten 100 Jahre gibt es heute überhaupt noch so was wie das Oberland ! Die Düne war Anfang des letzten Jahrhunderts praktisch abgetragen und nur den militärischen Intensionen des Dritten Reichs ist die heutige Form der Düne zu verdanken - wenn man dem auch sonst nicht viel zu verdanken hat.
Achso, kann sein, das der besagte "sehr ausführliche Artikel" der Mineralisationen von dort von mir ist, wobei der noch nicht veröffentlicht ist (da noch in Arbeit). Ich hatte nur mal ein paar Vorabexemplare an Interessenten verteilt, mit der Bitte sie nicht zu veröffentlichen, da ich noch nicht fertig bin.
Anmerkung zu 1: Auf Helgoland ist alles, was größer als eine Faust ist, reichlich...
smoeller:
Hallo,
Ich meinte generell den roten Buntsandstein, der ist tonig gebunden und recht weich. Die grauen Sandsteinschichten, die die Cu-Erze enthalten, sind tatsächlich fester und stabiler. Von daher ist es meines Erachtens fraglich, ob da nicht doch eine hydatogene Mineralbildung eine Rolle spielte, wobei die grauen Schichten entfärbt und tw. verkieselt wurden.
Der Bereich zwischen Düne und Hauptinsel wird vom oberen Buntsandstein eingenommen, es handelt sich um weiche Röt-Tonmergel mit Gipslagen. Auch der unmittelbar im westlichen Dünenbereich vorkommende Muschelkalk ist recht weich und enthält immer wieder Gips. Solche Gesteine können der Abrasion durch das Meer wenig bis gar nichts entgegensetzen.
Jura kopmmt auf Helgoland überhaupt nicht vor, von einigen wenigen Geröllen in der Unterkreide mal abgesehen. Die Fischschiefer (Töck) sind Unterkreide (meine es ist unteres Aptium). Sie stehen erst im Bereich der Klippen vor dem mittleren Teil des Nordstrandes der Düne an und lassen sich dort am Strand als Gerölle finden.
Das Wittekliff zwischen Insel und Düne war ein weicher, mergeliger unterer Muschelkalk, welcher in der Tat zu Tünche und zum Kalkbrennen für Mörtel etc. verwendet wurde. Der Rest hatte der Sturmflut 1720 nichts mehr entgegenzusetzen, noch weniger der unterlagernde Röt-Tonmergel.
Glück Auf!
Sebastian
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