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Helgoland
uwe:
Mal 'ne laienhafte Bemerkung, welche mir die Geologen dieses Forums verzeihen mögen. Kann es nicht sein, daß während der Ablagerung der Sedimente, aus denen Helgoland besteht, hin und wider kieselsäurehaltige pyroclastische oder anderer vulkanische Ereignisse die entsprechenden Schichten imprägniert haben, während die roten Ablagerungen in Zeiten tektonischer Ruhe erfolgten. Ich kenne mich in der Entstehung der Erdkruste auf dem Gebiet der heutigen Nordsee nicht aus, aber die Ablagerung muß ja nicht im Wasser erfolgt sein.
Gruß
Uwe
cmd.powell:
Moin Uwe
Für Ablagerungen, die auf vulkanische Ereignisse zurückgehen, gibt es in den Sedimenten keinerlei Hinweise. Das entspricht auch nicht der gängigen Vorstellung, das die Sedimente ursprünglich in einem wechselfeuchten Becken mit aridem Klima abgelagert wurden, wie ein See, welcher immer wieder trocken fällt. Ich weiß nicht, ob Du schon mal auf Helgoland warst, aber wenn Du Dir mal die Steilwände anschaust und die Sedimentschichten genauer betrachtest, wirst Du auch schnell zu der Folgerung kommen, das dort nichts vulkanisches drin steckt. Verkieselt ist dort auch nichts (Quarz habe ich dort noch nicht gefunden, abgesehen von Sandkörnern des Sandsteins). Mit Ausnahme der unterschiedlichen Färbung erscheinen die einzelnen Lagen in ihrer Zusammensetzung recht homogen. Einzig der Anteil von Tonmineralen zu Sand wechselt gelegentlich. Es gibt auch keine besonders "harten" Zonen. Nur in der "Frische" des Gesteins merkt man Unterschiede in der Härte: Frisches Haufwerk ist noch recht zäh, mit der Zeit wird das Gestein dann rissig und irgendwann zerfällt es dann völlig. Ich denke mal, das liegt an den Tonmineralen: Sobald die abwechselnd austrocknen und wieder Wasser aufnehmen, schrumpfen und quellen sie periodisch und sprengen somit das Gefüge (darum sollte man Fundstück von Helgoland auch nicht allzu oft mit Leitungswasser reinigen - kann passieren, das sie danach zerfallen).
Die "Kupfervererzungen" - die Cupritkonkretionen - sind nicht auf die grauen Schichten des Buntsandsteins beschränkt, sondern eher wahllos verteilt. Nach meiner Beobachtung sind sie in den grauen Schichten sogar eher selten. Sie sind jedoch immer von einer grauen Zone umgeben, den Entfärbungshöfen (welche in älterer Literatur manchmal als Strahlungshöfe bezeichnet werden, was natürlich Quatsch ist). Diese Entfärbungshöfe sind unterschiedlich dick, haben aber in der Regel etwa eine Mächtigkeit von 2 cm. Diese 2 cm sind wie eine Art Schale etwas fester als der übliche Buntsandstein, so das man die Cupritdrusen als ganzes aus dem Sandstein schälen kann. Das funktioniert allerdings nur bei frischen Hangschutt. Wenn die Brocken längere Zeit der Witterung ausgesetzt waren, wird alles mehr oder weniger brösellig und auch die Drusen zerfallen dann in viele Fragmente, auch wenn sie immer etwas härter sind als das Umgebungsgestein.
Anders als die Cupritkonkretionen sind Chrysokolldrusen oft als ganze Schichten in den Sedimenten vertreten. Hier liegt dann eine Druse an der anderen. Auch diese finden sich meistens in den roten Buntsandsteinschichten, was bei dem herrlichen himmelblau des Chrysokolls einen schönen Kontrast zu Selbigen ergibt.
Wie schon im ersten Antwortpost erwähnt: Die Insel ist nur noch der Rest einer ehemals viel größeren Inselmasse. Wenn irgendwas durch die Erosion abgetragen wird, bleibt irgendwann mal nur noch ein kleiner Rest zurück, bevor es völlig erodiert ist, und dieser Rest ist Helgoland !
alfredo:
Ich persönlich weiss nichts über Helgoland, aber ich fand es interessant dass Sebastian schrieb: "Die Tatsache, dass Helgoland über dem Meeresspiegel liegt, ist vor allem darin begründet, dass unter der Insel ein Salzstock liegt, der die überlagernden Schichten entlang einer Störungszone gehoben hat."
Sulfidische Erzmineralien sind oft in kleine Mengen mit Salzstöcke verwandt, wo auch keine vulkanische oder hydrotermale Ereignisse zu sehen sind, wie zum Beispiel am http://www.mindat.org/loc-19997.html
cmd.powell:
Moin Alfredo
Ich kann mich noch gut daran erinnern, das wir uns 2005 genau über dieses Thema unterhalten haben. Damals schien mir das auch recht plausibel zu sein, allerdings haben wir in der Zwischenzeit einige dieser in Sandstein eingewachsenen Cupritkonkretionen gefunden. Diese sind meistens konkordant (also Schichtparallel) und enthalten außer Cuprit nur wenige andere Minerale (gelegentlich ged. Kupfer und Malachit). Diese Konkretionen unterscheiden sich stark von den schönen Drusen, welche bisher nur im Detfurth gefunden wurden. Die im Sand eingewachsenen Konkretionen finden sich nämlich nur im Volpriehausen und sind somit älter. Ich verfolge derzeit die Überlegung, das diese Cupritlagen im Volpriehausen die "primären" Ausscheidungen sind und die im Detfurth durch spätere Umlagerungen entstanden sind. Grundlage ist hierbei allein die Tatsache, das es im Detfurth echte Drusen mit freistehenden Cupritkristallen gibt, d.h. erst Hohlraum, dann Cuprit. Ok, es kann natürlich nicht ausgeschlossen werden, das auch die Konkretionen im Volpriehausen durch aufsteigende Lösungen dort abgeschieden wurden, allerdings gibt es an den Konkretionen selber keinen ersichtlichen Grund, weshalb ausgerechnet dort sich Cuprit abgeschieden haben sollte. Anders bei den Drusen im Detfurth: Hier finden sich immer eine Art dünner Kanäle, welche den ursprünglichen Hohlraum gekreuzt haben. Diese "Kanäle" sind ebenfalls von einem Auslaugungshof umgeben so das sich die Vermutung, das hier Lösungen geflossen sind praktisch aufdrängt. Auch ist denkbar, das gerade die Lösungen aus dem Salzstock für den Materialtransport verantwortlich sind. Leider ist die Suche nach der "Wahrheit" nicht leicht, da man nur mit Hangsturzgeröll arbeiten kann und die Cupritdrusen im Detfurth sind so selten, das ich noch keine direkt in der Wand gefunden habe. Es wäre schon sehr hilfreich, wenn man die Schicht eingrenzen könnte (wenn es solch eine Eingrenzung überhaupt gibt), in welche diese Drusen vorkommen. Naja, es muss ja auch für die Zukunft Gründe geben, nach Helgoland zu fahren - aus dem Eiergrog mache ich mir nämlich nichts...
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