Hallo zusammen,
ich habe heute eine kleine Anekdote zu erzählen, die einem eigentlich keiner glaubt:
Mein Freund Reinhard, seines Zeichens Hardcoreclarasammler, hat aufgrund eines PC-Crashes das Problem, seine gesamte Sammlung neu katalogisieren zu müssen. Das nahm er zur Gelegenheit, auch die eine oder andere Stufe nochmal unter dem Mikroskop zu begutachten. Unter Anderem kam auch eine ausgewiesene Silberstufe aus der Sammlung unter das (mittlerweile deutlich bessere) Mikroskop. Funddatum war irgend wann Anfang der 1980er Jahre. Was er dann durch das Mikroskop sah, zeigen folgende Bilder:

Bildausschnitt bei Mikrofotos?

Bildausschnitt bei Mikrofotos?

Bildausschnitt bei Mikrofotos?
Bildbreite jeweils ca. 18mm (!)
Völlig ungläubig ob des Gesehenen kam er bei mir vorbei und sagte ohne weiteren Kommentar, ich solle mir die Stufe mal ansehen. Also fix durchs Mikroskop geschaut und fast vom Stuhl gefallen. Die Frage meinerseits, ob er mich veräppeln möchte, war wohl zu erwarten. Auch die kritische Nachfrage, ob das Material tatsächlich aus der Clara stamme, konnte er mir positiv als Eigenfund bestätigen. Durch das alte Mikroskop damals und gelbstichiger Beleuchtung erschienen alle Silberstufen "goldfarben", so dass dieser Ausnahmefund dann einfach nicht erkannt und als Silberstufe eingedost wurde. Für mich absolut plausibel und glaubhaft, zumal durch den hohen Silberanteil die Farbe eher hellgolden erscheint.
Bei dieser für die Grube Clara doch außergewöhnlichen Dimension eines dort extrem selten vorkommenden Minerals schien es angebracht, die Stufe mittels EDX-Analyse abzusichern. Diese Bestätigte dann das eigentlich Offensichtliche, und lässt eine Zuordnung zur Goldvariation Elektrum zu, mit einem Au/Ag-Verhältnis von 70/30.
Es lohnt sich also doch, auch mal die alten Funde mit neuer Technik nochmal durchzusehen. Wer weiß, was noch für Schätze unerkannt in den Sammlungen schlummern.
Grüße Markus