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Autor Thema: Farbstabilität von Fluorit  (Gelesen 6732 mal)

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Ulrich Ratlos

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Farbstabilität von Fluorit
« am: 04 Jan 16, 16:45 »
Einige Fluoritsammler bewahren ihre Schätze in völlig abgedunkelten Räumen oder Schränken oder in Schubladen auf, um die Farben der Fluorite zu erhalten. Ist eine solche Vorsichtsmaßnahme für alle Fluorite notwendig oder verlieren nur Fluorite von bestimmten Fundorten ihre Farbe? Müssen die Fluorite nur vor direkter Sonneneinstrahlung oder generell vor Tageslicht geschütz werden? Gibt es Erfahrungen zu einzelnen Fundorten z. B.:
Berbes oder generell Asturien
Elmwood und Illinois
Melchor Muzquiz
Erongo
Yaogangxian oder generell China
Riemvasmaak
Weardale
Pasto Bueno
Andere?

Ulrich

Offline woelsendorfer

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Re: Farbstabilität von Fluorit
« Antwort #1 am: 04 Jan 16, 18:09 »
Hallo Ulrich,

Zitat
Einige Fluoritsammler bewahren ihre Schätze in völlig abgedunkelten Räumen oder Schränken oder in Schubladen auf

ich bewahre meine Fluorite von Anfang an, seit Sammlungsbeginn mit Fluoriten 1986, in abgedunkelten Vitrinen bzw. in dunklen Räumen auf. Auf keinen Fall fällt Sonnenlicht in die Vitrinen ein und im Sommer habe ich immer die Rollladen unten, weil nicht alle Vitrinen bei mir ein innenliegendes Rollo haben.

Fluorite die ich gekauft habe, überwiegend von Bergleute, stammen fast nur aus gleichwertig aufbewahrten Sammlungen, in erster Linie aus Kellersammlungen oder aus Sammlungen die aus Räumen stammen wo nur das Rollo hochgezogen wurde, wenn sich einer die Sammlung angesehen hat.

Bei mir und von Sammlern die ich gut kenne geschieht das als reine Vorsichtsmaßnahme ... dazu gehört auch, dass entsprechende Lichtquellen in den Vitrinen nicht allzu lange an bleiben. Leihgaben aus meinre Sammlung an Museen würde ich aus diesem Grund nicht zustimmen. Ebenfalls reine Vorsichtsmaßnahme.

Ich habe Wölsendorf(Fluorite) gesammelt und aus dem Wölsendorfer Revier sind die blauen Varietäten zum Teil, z.B.  Schwarzachstollen sehr empfindlich gegen Sonneneinstrahlung und ich bin der Meinung auch Tageslichtempfindlich. Es gib aus dem Wölsendorfer Revier weitere Beispiele ... ein Beispiel aus meiner Ausarbeitung zum Wölsendorfer Revier, Grube Cäcilia:

Zitat
Die zonar, als auch lateral im Grubenbereich wechselnde Färbung ( im Osten die dunklen, im Westen die hellen Varietäten ) ist äusserst empfindlich gegen Licht und Wärme. Am starken Licht bleichen viele Flußspäte nach wenigen Tagen aus. Ein Teil des wasserklaren optischen Flußspates dürfte wohl seine letzte Klärung der Einwirkung des Lichtes verdanken.
Hinweis dazu: Ein Sammler berichtete mir, dass die Wärme des Daumens auf einen kalten Kristallwürfel ausreichen würde um in diesem feinste Risse auszulösen.

Da ich nicht ausprobieren möchte welche stabil sind und welche nicht, handhabe ich das so wie oben geschildert und viele meiner Sammlerkollegen ebenfalls. Bedeutet auch, dass ich darauf achte bzw. frage wie sie aufbewahrt worden sind.

Netten Gruß
Micha

Offline Philip Blümner

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Re: Farbstabilität von Fluorit
« Antwort #2 am: 04 Jan 16, 18:15 »
Hallo,
das Thema wurde u.a. erst vor kurzem hier behandelt:
https://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,40829

LG Philip

Ulrich Ratlos

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Re: Farbstabilität von Fluorit
« Antwort #3 am: 04 Jan 16, 20:02 »
Hallo Philip,

genau dieser Beitrag ist der Grund für meine Fragen. Wird doch erwähnt, dass die Farbstabilität von Fluoriten von Fundstelle zu Fundstelle sehr unterschiedlich sein kann. Ich wollte deshalb wissen, ob es Erfahrungern zu bestimmten Fundstellen gibt.

Gruß
Ulrich

Offline cmd.powell

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Re: Farbstabilität von Fluorit
« Antwort #4 am: 06 Jan 16, 02:43 »
Ich wollte deshalb wissen, ob es Erfahrungern zu bestimmten Fundstellen gibt.

Moin Ulrich

Sicher gibt es Erfahrungen. Ich kann z.B. bestätigen, das die violetten Fluorite vom Holzmühlentalbruch bei Flechtingen definitiv im Licht blasser werden. Ob die anderen Farbvarietäten von dort ebenfalls verblassen, kann ich noch nicht mit Sicherheit sagen.

Allgemein lässt sich sagen, das diverse fremdgefärbte Minerale, zu denen nun mal auch der Fluorit gehört (CaF2 ist farblos) dazu neigen, ihre Farbe zu verlieren. Wie und in welchem Umfang das geschieht hängt von der Art der Farbgebung ab, z.B. Gitterstörungen, Fremdelemente etc. Diese verschiedenen Arten der Farbgebung variieren von Fundort zu Fundort, können dort auch von Fund zu Fund variieren und somit lässt sich nichts pauschales sagen. Wenn Du also etwas genaueres zu der Farbstabilität der Fluorite von bestimmten Fundorten wissen möchtest, solltest Du a. Fundortliteratur studieren, b. hoffen, das sich hier noch viele Mitglieder zu dem Thema äußern und/oder c. es so machen wie Micha und alle Fluoritstufen vor Licht schützen.

Ulrich Ratlos

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Re: Farbstabilität von Fluorit
« Antwort #5 am: 06 Jan 16, 10:41 »
Hallo Woelsendorfer und cmd.powell,

danke für eure Antworten. Natürlich wäre es der sicherste Weg, einfach alle gefärbten Fluorite in Dunkelhaft zu stecken. Die Vitrinen verlieren dann aber deutlich an Attraktivität.
Ich habe z.B. zwei Stufen aus Wölsendorf (eine dunkelviolette und eine gelbe), die seit ca. 40 Jahren bei mir im Tageslicht (keine direkte Sonne) stehen und ihre Farbe nicht verändert haben. Alpiner Rosafluorit dagegen steht im Dunkeln. Bei anderen Fundorten, wie oben aufgelistet, habe ich keine Erfahrung und meine Recherchen im Netz waren ziemlich erfolglos. Ich hatte deshalb gehofft, dass es hier im Atlas Sammler mit entsprechenden Erfahrungen gibt.

Gruß Ulrich

Offline Schatten

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Re: Farbstabilität von Fluorit
« Antwort #6 am: 06 Jan 16, 11:13 »
Hallo Ulrich,

ich habe einige Stufen aus dem Erongo im "Freiem" stehen.
Bisher konnte ich keine Farbveränderungen feststellen, allerdings muss das kein Indikator für andere Stufen sein.

Gruß
Silvio

Ulrich Ratlos

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Re: Farbstabilität von Fluorit
« Antwort #7 am: 06 Jan 16, 11:42 »
Danke Silvio,

genau auf solche Antworten auf Grund eigener Erfahrungen habe ich gehofft.

Gruß Ulrich

Offline Schluchti

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Re: Farbstabilität von Fluorit
« Antwort #8 am: 06 Jan 16, 22:08 »
Weardale Fluorite sollten in jedem Fall auch dunkel liegen.

Siehe hier: http://www.mindat.org/forum.php?read,6,30071,52129

Da ist auch ein eindrucksvolles Foto zu sehen, was 6 Monate Licht anrichten.

Aber wie schon in dem oben verlinkten anderen Thread geschrieben, würde ich Fluorite generell dunkel lagern bzw. die Vitrinen verdunkeln.

Ulrich Ratlos

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Re: Farbstabilität von Fluorit
« Antwort #9 am: 07 Jan 16, 10:55 »
Danke für den interessanten link Schluchti!

Das Experiment mit dem Ausbleichen des Rogerly Fluorits hat aber an einem Fenster mit direkter Sonneneinstrahlung stattgefunden und es wird die Vermutung geäussert, dass ohne das UV des Sonnenlichts kein Ausbleichen stattfindet.
Ich habe mir gerade meinen Rogerly Fluorit, den ich vor knapp sechs Jahren erworben habe, angesehen und mit dem Foto verglichen, welches ich vor drei Jahren gemacht habe. Die Stufe liegt in einer Vitrine, die allerdings kein Sonnenlicht bekommt. Zwischen dem Foto und dem aktuellen Aussehen ist kein Unterschied festzustellen und ich bin relativ sicher, dass sie noch genauso aussieht wie beim Kauf vor sechs Jahren. Falls es so bleibt, wäre tatsächlich nur das UV des Sonnenlichts zu verhindern.

Gruß Ulrich

Offline cmd.powell

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Re: Farbstabilität von Fluorit
« Antwort #10 am: 14 Jan 16, 16:37 »
Moin

Tja, das ist genau das Problem mit den fotosensitiven Mineralen. Zum einen möchte man sie möglichst lange in ihrem natürlichen Zustand bewahren, zum anderen möchte man auch keine hässliche Konstruktion in seiner Vitrine haben. Es gibt neben Fluorit ja noch viele weitere Minerale, die ähnlich oder gar deutlich lichtempfindlicher sind. Bei mir stehen alle Mineralstufen offen in der Vitrine (sofern sie es verdienen, in der Vitrine zu stehen -> Platzmangel), ob es nun Fluorit ist, oder auch Realgar, Proustit oder Pyrargyrit. Einzig die Position der Vitrine sowie die Position in der Vitrine wähle ich nach stärke des möglichen Sonneneinfalls. Die bekannt lichtempfindlichen Minerale stelle ich - logischerweise - an die sonnenfreien Stellen, alle anderen bekommen durchaus auch mal den einen oder anderen Strahl ab. Die Proustite sind immernoch schön rot, die Pyrargyrite sind noch genauso dunkel wie zuvor und auch der Realgar zerbröselt nicht. Ähnliches würde ich auch zu meinen Fluoriten sagen, wobei ich besonders bei den Flechtingern eine merkliche Aufhellung feststellen konnte.
Das das UV-Licht für das Ausbleichen verantwortlich ist, liegt nahe. Das kann man jedoch nicht verallgemeinern: Laut Alfredo Petrov wird Vivianit auch durch langwelliges Tageslicht (grün, gelb, rot) gefärbt, Hackmanit verliert mit Tageslicht zwar schnell seine violette Farbe, diese lässt sich aber mit kurzwelligem UV-Licht regenerieren. Man muss also ausprobieren.

Zu allem Überfluss gibt es neben der Fotosensibilität auch noch temperaturempfindliche Minerale, feuchtigkeitsempfindliche, trockenempfindliche, sauerstoffempfindliche etc. etc. etc.

Offline kks

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Re: Farbstabilität von Fluorit
« Antwort #11 am: 14 Jan 16, 17:15 »
Laut Alfredo Petrov wird Vivianit auch durch langwelliges Tageslicht (grün, gelb, rot) gefärbt,

Na ja, Vivianit ist ja nun ein ganz spezieller Fall. Der ist eigentlich farblos und wird nur an Luft durch Oxidation eines Teils der Fe2+-Ionen zu Fe3+ überhaupt blau. Das ist die bekannte Charge-Transfer-Färbung von Berlinerblau. Diese Oxidation kann unter geeigneten Bedingungen natürlich weitergehen. Aber dies ist doch bei anderen Mineralien wohl eher selten und bei Fluorit ganz sicher auszuschließen.

MfG
Klaus

Offline Emil Box

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Re: Farbstabilität von Fluorit
« Antwort #12 am: 15 Jan 16, 00:34 »
Zur Vivianit-Umwandlung siehe Bericht von Alfredo Petrov bei Mindat.org: Vivianite.
Deprotonierung ohne Sauerstoff-Einfluß.
M.f.G.
Milo

Offline cmd.powell

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Re: Farbstabilität von Fluorit
« Antwort #13 am: 15 Jan 16, 14:48 »
Moin

@Klaus / Milo: Ist mir alles bekannt. Mir ging es bei meinen Ausführungen auch nicht um den Vivianit an sich, sondern das Mineral musste als Beispiel dafür herhalten, das auch andere Wellenlängen als UV Farbveränderungen auslösen können. In wieweit das auch bei Fluorit der Fall ist, kann ich nicht sagen. Welche Mechanismen letztlich zum/r Farbverlust/-intensivierung/-veränderung führen ist letztlich für den Sammler auch sekundär, da dieser sich eher über den Effekt ärgert als über die Ursache. Mir ist natürlich auch klar, das man bei Kenntnis der Ursachen diesen evtl. auch gezielt entgegenwirken kann. Desweiteren bin ich auch nicht so der Fluoritsammler, daher habe ich nicht so wahnsinnig viel Vergleichsmaterial in meiner Sammlung.
Ach so, bei meinen Vivianiten konnte ich im Übrigen keinerlei Farbveränderung beobachten, obwohl ich sie nicht gegen Licht (und negative Emotionen  ;) ) geschützt habe. Hier scheint die Intensität der Bestrahlung eine Rolle zu spielen, da laut Petrov jede Wellenlänge und somit auch Kunstlicht zu Farbvertiefung führen sollte.

Offline kks

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Re: Farbstabilität von Fluorit
« Antwort #14 am: 15 Jan 16, 15:09 »

Ach so, bei meinen Vivianiten konnte ich im Übrigen keinerlei Farbveränderung beobachten, obwohl ich sie nicht gegen Licht ... geschützt habe.

Dito. Ich habe Vivianite, die seit mehr als 40 Jahren völlig ungeschützt in Glasvitrinen stehen, einige davon (Kertsch und Potosi) sind seit 15 Jahren nachmittags direktem Sonnenlicht (falls vorhanden ...) ausgesetzt. Ich kann keine Farbveränderungen feststellen. In der gleichen Vitrine stehen übrigens auch Fluorite, denen das nichts ausmacht. Man kann da wohl keine allgemeingültigen Regeln aufstellen.

MfG
Klaus