Hallo Christian,
Die Preise von guten Achaten haben aufgrund verschiedener Ereignisse, unter denen die verstärkte Nutzung des Internets von Sammlern und Verkäufern - neben umfangreichen Buchpublikationen und geringer werdenden Fundmöglichkeiten - die Hauptursachen sind, eine schon dramatisch zu nennende Entwicklung genommen. Durch die kontinuierlichen Preissteigerungen wurde eine Schwelle überschritten, die das "Allerweltsmineral" Achat für Sammler interessant gemacht hat, für die ein Basiswert eines Minerals eben sehr hoch sein muß, damit das entsprechende Sammlungsstück (und somit der Sammler) in der Bekanntschaft dieses Sammlers (deren Sammlungen Oldtimer, Kunst und önologische Sensationen umfassen) überhaupt Anerkennung findet. Mit Leichtigkeit überspringen sehr gute Achate (in der Regel als Paare) eine vierstellige Dollargrenze. Außergewöhnlich gute Achate, deren Einzigartigkeit außer Frage steht, erreichen mittlerweile aus dem Stand fünfstellige Dollar-Bereiche.
Um diesen Prozess zu erleichtern, haben die Achathändler (egal ob Marokkaner, Cinesen oder Mexikaner) mittlerweile alle Tricks von den klassischen Mineralienhändlern übernommen. Insbesondere den des "Gegenseitigen Verkaufes von Stücken". Die Preisfindung von Steinen hat so seine Tücken - man kommt eventuell in Argumentationsnot beim Verkauf, kann man nur auf Schönheit und Seltenheit des Stückes verweisen. Wurde das Stück allerdings käuflich erworben - hat es vielleicht sogar eine längere Geschichte von Besitzern, die sich im Preis immer wieder überboten - so hat man einen kaufmännischen Hebel, um die Preisverhandlungen gegenüber dem "Endverbraucher" zu bestimmen.
Dieses Gebaren mag im Einzelfall ja ganz unterhaltsam sein, betrachtet man aber den ganzen Zirkus, stellt man fest, daß versucht wird, überhöhte Preise auch im Bereich mittlerer Qualitäten und dem großen Rest banaler, minderwertiger Stücke durchzusetzen. Dadurch verprellt man dann leider den durchschnittlichen Sammler, der auch mit schönen Belegen zufrieden wäre.
Gruß aus Idar-Oberstein
P.S. Unter amerikanischen Sammlern gibt es strikte Kriterien für "gute Achate". Uneingeschränkt gilt: der Achat sollte mindestens drei deutlich unterscheidbare Farben haben, eine davon gerne weiß; er darf keinen makrokristallinen Quarz in der Mitte aufweisen (gelegentlich werden hier für Amethyst und Rauchquarz ausnahmen gemacht); Risse, Ausplatzer und ähnliches werden keinesfalls akzeptiert; Einschlüsse im Achat (Pseudomorphosen, "Plumes" etc) gelten nur dann als akzeptabel, wenn sie die Wirkung des Stückes harmonisch unterstützen.; der Stein muß in der Regel komplett sein (beide Hälften); der Achat muß eine herausragende Größe besitzen (Angabe oft als Gewicht). Absolut wertsteigernd ist es, befindet sich die Fundstelle im nördlichen Teil Amerikas (Teepee Canyon, Kentucky Agates, Fairburn´s,etc.). Thematisch wird Mexico von den USA eingemeindet, geht es um feine Achate. Fundstellen anderer Kontinente werden mittlerweile akzeptiert, da man vor der Haustüre nur noch wenig findet. Beliebt ist aber hier nur das Bekannte (Botswana, China, Marokko, Australien).
Bestimmte Achattypen (Fairburn Agates, Lake Superior Agates) dürfen keinesfalls geschliffen sei. Das Sättigen mit Babyöl ist aber erlaubt, umso kleine "flaws" unsichtbar zu machen. Ein guter Schliff ist ansonsten gewünscht, aber verhältnismässig selten zu finden.