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Autor Thema: Kieselgestein aus dem ???  (Gelesen 5263 mal)

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Offline Angler

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Kieselgestein aus dem ???
« am: 26 Jul 17, 19:26 »
Sehr geehrte Experten,

wenn Ihr gestattet, dann würden wir gerne erneut um Eure Einschätzungen bitten. Heute geht es nicht um die Gesteinsart, die wir hoffentlich mit Silexgestein (im weitesten Sinne) richtig bestimmt haben, sondern um dessen zeitliche Verortung.
Es sollte offensichtlich sein, dass es sich hier nicht, um unseren üblichen norddeutschen Kreideflint handelt. Doch auch er stammt aus einer Kiesgrube ganz im Norden von Brandenburg, ist aber hier eher selten.

Er ist nur 3,5cm breit, 4cm lang (ohne die Spitze) und max. 2cm dick. Auch ist er weder magnetisch noch reagiert er mit Salzsäure. Er wiegt 31g und ist hart, wie eben Feuerstein hart ist.

Leider sind uns die Fotos nicht so gut gelungen, da unser Cheffotograf z.Z. im Krankenhaus liegt. So ist die Oberfläche des Steines stumpf wirkend und durchgehend mittelgrau. Es gibt nichts Weißes auf der Oberfläche, wie auf dem Bild 1 zu sehen. An den seitlichen Bruchflächen ist das Grau dunkler und erinnert dort an den grauen Ostseekalk. An der Unterseite sind Reste von Einschlüssen zu sehen, die in Wirklichkeit hellgelblich-weiß sind und nicht so kräftig gelblich wie auf dem Bild 2.   

Wir hoffen aber, dass die Bilder gut genug sind, um Euch Einschätzungen bzw. Vermutungen möglich zu machen. Was uns natürlich vollkommen ausreichen würde.
Vielleicht ist es Euch sogar möglich zu vermuten, was die winzigen, kegelförmigen „Hütchen“ sind bzw. wie diese entstanden sein könnten.

Wie immer bedanken wir uns schon mal im Voraus für Eure Mühe und freundliche Unterstützung der Rentner-Band aus Brandenburg!
« Letzte Änderung: 28 Jul 17, 15:07 von Angler »

Offline Angler

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Re: Kieselgestein aus dem ???
« Antwort #1 am: 26 Jul 17, 19:28 »
Hier noch zwei Bilder:

Offline Sprotte

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Re: Kieselgestein aus dem ???
« Antwort #2 am: 27 Jul 17, 17:27 »
Besteht das Gestein aus einer dichten / glasigen Grundmasse, in die viele kleine rundliche Körnchen eingestreut sind, ohne sich zu berühren?

Viele Grüße
Sprotte

Offline Angler

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Re: Kieselgestein aus dem ???
« Antwort #3 am: 27 Jul 17, 19:59 »
Hallo Sprotte,
das Gefüge ist sehr dicht und man kann schon glasartig (wie Kreideflint) sagen, aber das mit den Körnern eher nicht. Ich bin mir auch nicht ganz sicher, ob ich das richtig verstehe.
Wir haben gerade die Spitze abgesägt, so das jetzt eine Fläche von etwa einem Quadratzentimeter haben, die wir heute am Abend noch schleifen können.
Morgen versuchen wir mal diese Fläche zu fotografieren, dann kannst Du nochmals selber draufschauen, wenn Du so nett wärst.
VG Michael

Offline smoeller

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Re: Kieselgestein aus dem ???
« Antwort #4 am: 27 Jul 17, 22:47 »
Hallo,

Schaut nach einem quarzitischen Sandstein aus. Die beiden Erhebungen erinnern von der Form her an Brachiopoden, allerdings hat Quarz einen muscheligen Bruch, weswegen es auch Bruchflächen sein könnten.

Glück Auf!
Sebasatian

Online oliverOliver

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Re: Kieselgestein aus dem ???
« Antwort #5 am: 28 Jul 17, 11:11 »
Zitat
hat Quarz einen muscheligen Bruch, weswegen es auch Bruchflächen sein könnten

das mit dem muscheligen Bruch stimmt zwar, aber in diesem Fall handelt es sich eindeutig um Fossilien !

Offline Angler

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Re: Kieselgestein aus dem ???
« Antwort #6 am: 28 Jul 17, 15:11 »
Hallo  Sebastian und Oliver,
der Stein bricht muschlig. Unser Peter hatte heute noch einen Spliter abgeschlagen und sich prompt an den messerscharfen Kanten geschnitten (nur ein bisschen). Im Unterschied zum Kreideflint ist das ebenfalls sehr dichte Gefüge nicht so feinkörnig und es fehlt der speckige Glanz. Während dort auch mit Lupe kaum eine Körnung erkennbar ist, so kam man hier die Körnung erkennen und auch die Bruchflächen wirken stumpf. Ich denke Ihr werdet das auf den zwei neuen Bildern besser sehen können. Nicht gut erkennbar ist die ausgeprägte konkave Form der Bruchfläche am Stein (Bild 1). 

Bild 2 zeigt unser Schleifergebnis an der abgesägten kleinen Fläche. Ich hoffe sehr, dass meine „Fotokünste“ ausreichen, um Euch jetzt eine bessere Beurteilungsgrundlage zu geben.

Auch einige von uns hatten zuerst bei den „Hütchen“ auf was Fossiles getippt, dann allerdings bei Betrachtung unter 20facher Vergrößerung, sich der Mineralischenbildungsfraktion angeschlossen, aber das können wir nun wirklich nicht beurteilen und ist uns auch nicht so wichtig. Es sei denn, es könnte bei der zeitlichen Verortung helfen.

Wir waren bei unseren Nachforschungen soweit gekommen, dass es in unseren Norddeutschen Geschieben Silex-Gestein aus sehr unterschiedlichen Erdzeitaltern gibt und das diese selbst von Experten, wie Euch, oft nur sehr schwer zugeordnet werden können (Dan- und Kreideflint mal außen vor).
Deshalb würde uns auch ein vorsichtiges „Könnte in Richtung … gehen“ vollkommen ausreichen. Wir hätten dann einen eingegrenzten neuen Ansatz für weitere Nachforschungen.

VG Michael 

P.S. Noch vergessen, dass größte Hütchen hat einen Durchmesser von 3mm
« Letzte Änderung: 28 Jul 17, 17:36 von Angler »

Offline gnoisi

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Re: Kieselgestein aus dem ???
« Antwort #7 am: 31 Jul 17, 17:27 »
Hallo,
ich würde das für einen Quarzit halten. Tertiärquarzite sind doch in Brandenburg recht häufig.
Viele Grüße
Marian

Offline felsenmammut

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Re: Kieselgestein aus dem ???
« Antwort #8 am: 31 Jul 17, 18:20 »
Glück Auf!

So von den Bildern her würde ich es für Feuerstein mit ganz vielen Resten von Moostierchen (Bryozoa) halten. Auch die Beschreibung würde dazu passen.

Mit freundlichen Grüßen

Das Felsenmammut

Offline Angler

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Re: Kieselgestein aus dem ???
« Antwort #9 am: 04 Aug 17, 13:26 »
Werte Experten,
es ist offensichtlich der erwartbare schwierige Fall. Wir haben zwischenzeitlich den Stein zwei Mitgliedern eines Vereins geologisch interessierter Laien gezeigt, die unabhängig voneinander ihn für einen Flint hielten, aber leider sich auch keine genauere bzw. zeitliche Zuordnung zutrauten.

Wir werden also, wenn hier keine weiteren Hinweise kommen, trotzdem auch in Richtung quarzitischer Sandstein weiter ermitteln. Olivers und Sebastians Hinweise auf Fossilien können dabei ein zusätzlicher wie hilfreicher Ansatz sein.

Eventuell gelingt es uns, den Stein körperlich einer wissenschaftlichen Einrichtung zur Begutachtung, vorzulegen. 

Für Eure interessanten wie hilfreichen Beiträge möchten wir uns ganz herzlich bedanken und allen Mineralienfreunden ein erholsames Wochenende wünschen!

VG 

Offline smoeller

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Re: Kieselgestein aus dem ???
« Antwort #10 am: 05 Aug 17, 12:06 »
Hallo,

Von den neuen Bildern her ist es ein Flint. Da sieht man wieder einmal, wie schwierig eine Ferndiagnose ist. Die ersten Bilder gaben wenig her.

Das könnte gut ein jüngerer Flint sein, z.B. aus dem Dan (ältestes Tertiär direkt oberhalb der Kreide-Tertiär-Grenze), die sind meist heller als der typische schwarze Oberkreideflint und z.T. reich an Bryozoen.

Glück Auf!
Sebastian

Offline Harzsammler

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Re: Kieselgestein aus dem ???
« Antwort #11 am: 05 Aug 17, 12:41 »
Das könnte gut ein jüngerer Flint sein, z.B. aus dem Dan (ältestes Tertiär direkt oberhalb der Kreide-Tertiär-Grenze), die sind meist heller als der typische schwarze Oberkreideflint und z.T. reich an Bryozoen.
... mehr als eindeutig, man sieht ja sogar die Bryozoen im Schliff Bild.
Für mich Dan-Flint.

Grüße,
Michael

Offline Angler

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Re: Kieselgestein aus dem ???
« Antwort #12 am: 05 Aug 17, 17:17 »
Sehr geehrte Experten,
auf einer so genauen Bestimmung hatten wir kaum gehofft und schon gar nicht damit gerechnet.
Eure Expertise hat hier große Freude ausgelöst, da wir zwar schon von anderem Dan-Flint – also nicht unseren hier häufigen gelblich, bräunlich, weißen Flint – gelesen und gehört hatten, aber kein Referenzobjekt besaßen. Auch wussten wir, dass dieser Dan-Flint auch in unseren Geschieben hier vorkommt und er vor allem von Anfängern nur sehr selten, als solcher erkannt wird. 

Dank Euch können wir uns jetzt konkret mit dieser interessanten Flint-Art näher beschäftigen bzw. darüber informieren und vor allem ihn zukünftig auch erkennen.
Deshalb nochmals aller herzlichsten Dank von Eurer brandenburger Rentner-„Geologenband“. ;D

VG
P.S. Wir machen ganz fleißig Werbung für Eure Webseite!!! 

Offline Sargentodoxa

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Re: Kieselgestein aus dem ???
« Antwort #13 am: 06 Aug 17, 11:34 »
Hallo Michael
So selten sind die Silizitgesteine (Flint, Hornstein etc.) aus dem Paläozän (Alttertiär) in den brandenburgischen Kiesgruben gar nicht. Zumindest hier unten in der Lausitz kann man, verschiedene Arten / Variationen aufsammeln. Neben den Bryozoen (Hauptanteil) ist noch mehr Fossilanteil vorhanden, der aber im Schnitt schwer zu deuten ist. Gelegentlich kann man im inneren dieser Flinte wunderschöne Exemplare des Seeigels Brissopneustes danicus finden. Werner aus der Lausitz

Offline Angler

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Re: Kieselgestein aus dem ???
« Antwort #14 am: 07 Aug 17, 13:05 »
Hallo Werner,
bestimmt hast Du recht, aber wir konnten bisher nur die zuvor benannten Flint-Arten erkennen. Wir müssen diese Woche ohnehin noch einige Trommelsteine sammeln und werden dabei das eine wie andere Auge auf flintartiges Gestein werfen. Mal sehen, wie häufig es bei uns ist.

Vielen Dank für Deinen Hinweis und eine erfolgreiche Woche.

VG Michael