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Autor Thema: Schicht im Schacht  (Gelesen 1572 mal)

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Schicht im Schacht
« am: 01 Sep 17, 17:49 »
heute in der Presseschau gefunden:

THÜRINGISCHE LANDESZEITUNG - Ausgabe Eichsfeld, 01.09.2017, S. 13 / es | Eichsfeld
108-jährige Bergbautradition endet
Im ehemaligen Kaliwerk in Bischofferode ermöglicht die letzte offizielle Begehung einen Blick auf das Grubenfeld
Von Sigrid Aschoff

Bischofferode. Es war gestern kein Freudentag in Bischofferode, sondern einer, der mit Wehmut einherging. Am Vormittag gab es die letzte offizielle Begehung beziehungsweise Befahrung im ehemaligen Kaliwerk. Acht Männern und einer Frau kam die Aufgabe zu, noch einmal einzufahren einige von ihnen sind mit der abschließenden Verwahrung befasst, die anderen hatten jahrzehntelang dort gearbeitet. Es war der letzte Blick auf das Grubenfeld. Nun endet eine 108-jährige Bergbautradition. 1909 war der Startschuss für den Kalibergbau mit dem Abteufen des Schachtes Weidtmannshall (Schacht I) in dem Eichsfelddorf gefallen. 600 und einen halben Meter ging es in die Tiefe. Das ist heute keine Freude, da geht es auch um Emotionen , sagt Hubert Prühl, Abteilungsleiter Zentrales Grubenwassermanagement bei der Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau- Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV). In Bischofferode arbeitet er seit fast 40 Jahren. Nun ist die untertägige Sicherung beendet. Die Schächte werden geschlossen, das Grubenfeld verlassen. Schon in den nächsten Tagen kommt man nicht mehr dorthin. Vom Abschluss der Arbeiten und dem Setzen der Betondeckel auf die beiden Schächte geht die LMBV voraussichtlich im dritten Quartal 2018 aus. Damit liege man im vorgegebenen Zeitplan, so Jörg Domnowski, Bereichsleiter Sanierungsbereich Kali-Spat-Erz.
Mit dem Verschluss der Schächte verbleiben die nicht verfüllten beziehungsweise verfüllten Hohlräume lufterfüllt und werden sich langfristig allmählich durch Zutritte aus natürlichen unterhalb des Grubenhohlraums befindlichen Laugenreservaten verringern und auffüllen, heißt es von der LMBV. Die Ergebnisse des Monitorings bestätigten diese prognostizierte Entwicklung. Im schachtnahen Bereich, heißt es, würden zum Sichern der Verwahrung insbesondere noch Einrichtungen zum Aufrechterhalten der Wetterführung betrieben, die mehrmals wöchentlich kontrolliert würden.
Wir erfüllen die Maßgaben, damit von stillgelegten Bergwerken keine Gefahren ausgehen , sagt Prühl. Aus diesem Grund gebe es auch langzeitliche Aufgaben mit Blick auf die Halde.
Verfüllt werden die beiden Schächte jetzt mit setzungsstabilen Verfüllbaustoffen. 20 000 Tonnen Schotter aus der Nähe von Ilfeld werden dafür benötigt. Das sind 800 Lkw-Ladungen verteilt auf neun Monate, erklärt Michael Seifert, Geschäftsführer der Firma Schachtbau Nordhausen. Gebraucht werden zudem verschiedene Dichtbaustoffe, darunter Tone und Gipsasphalt.
Die Transporte mit dem Schotter werden im vierten Quartal beginnen und voraussichtlich im Frühjahr 2018 enden. Gestern gab es ein kleines Dankeschönessen für die Schachtbau-Beschäftigten, die in Bischofferode tätig sind. Es sei ein Meilenstein in der über 100-jährigen Geschichte und der Tag auch für das Unternehmen mit Wehmut verbunden. In dem einst bedeutsamen Kalirevier Südharz habe es einmal 39 Schächte und sechs große Bergwerke gegeben, heute seien noch zwei Bergwerke und acht Schächte übrig, so Seifert, der sich ein kleines bisschen wie ein Bestatter fühlt, trotz der hochanspruchsvollen Aufgabe . Der Geschäftsführer hatte aber auch Positives zu berichten: Beabsichtigt sei die Fusion der Deusa International und der NDH-Entsorgungsbetreibergesellschaft. Das eröffne dem Kalibergbau in Thüringen neue Zukunftschancen.
Für den ehemaligen Betriebsrat des Bischofferöder Kaliwerks, Gerhard Jüttemann, war der gestrige Tag auch ein wehmütiger. Es ist ein trauriges Ende. Der bittere Beigeschmack bleibt , sagt der Mann, der mit dem Thomas-Müntzer-Kaliverein die bergmännische Tradition bewahren will. Die Fördermaschine und den Turm aber kann der Verein nicht übernehmen. Das sei finanziell nicht zu stemmen.
Wie es von der LMBV heißt, verbleibt nach den derzeitigen Planungen langfristig das Verwaltungsgebäude für die Absicherung der weiterhin notwendigen Nachsorge und das Monitoring zum Grubenhohlraum. Die Salzfracht der Abraumhalde soll derweil durch Überdeckung reduziert werden. Ein entsprechender Rahmenbetriebsplan, der dies unter anderem beschreibt, befinde sich im Beteiligungsverfahren.

Glück auf!
Frank


 

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