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Autor Thema: Olivinbombe  (Gelesen 5703 mal)

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Offline Uwe Kolitsch

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Olivinbombe
« am: 08 Feb 18, 16:43 »
Wenn ich auf der Hauptseite nach Olivinbombe suche, wird kein Ergebnis ausgegeben.
Auch auf der Olivinseite findet man weder Olivinbombe noch Bombe.

Das ist ein insbesondere für Laien wichtiger Begriff und sollte suchbar sein.

Offline Mike

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Re: Olivinbombe
« Antwort #1 am: 08 Feb 18, 17:15 »
Also ich bin Laie , und hab das gefunden ... ist ja ein alias zu Olivinbombe

Viele Grüße Mike  !

Offline michaelh

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Re: Olivinbombe
« Antwort #2 am: 08 Feb 18, 17:31 »
Also ich bin Laie , und hab das gefunden ... ist ja ein alias zu Olivinbombe

Viele Grüße Mike  !

Hallo Mike
Ich denke dann bist du der Profi unter den Laien wenn dir die Bezeichnung Dunit von Haus aus geläufig ist.

Ich denke es gibt aber wesentlich mehr Mineralieninteressierte die den Begriff Olivinbombe statt Dunit kennen.

Deshalb finde ich Uwes Einwand absolut nachvollziehbar.

Grüße Michael

Offline Philip Blümner

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Re: Olivinbombe
« Antwort #3 am: 09 Feb 18, 11:01 »
Ja, ich kenne Dunit nicht  :D
Sollte "Olivinbombe" dann als Synonym von Dunit eingetragen werden? Unter Dunit findet man kein einziges Bild einer Olivinbombe.

LG Philip

Offline Uwe Kolitsch

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Re: Olivinbombe
« Antwort #4 am: 09 Feb 18, 11:45 »
Olivinbombe gilt m.W. als Synonym für Peridotit (übergeordneter Begriff, der Dunit, Lherzolith etc. einschliesst).

Offline IntronX

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Re: Olivinbombe
« Antwort #5 am: 09 Feb 18, 12:19 »
Hallo,

ich finde den Begriff "Olivinbombe" sehr wichtig. Mir half er als Sprungbrett in den Vogelsberg - bezogen auf Mineralien. Erstes gefundenes "Objekt" war diese Olivinbombe. Über den Begriff Dunit bin ich zwar auch schon gestolpert aber er klingt doch wesentlich wissenschaftlicher und ist als Laie wohl eher "ein Begriff unter vielen".
PS: Als wissenschaftliche Bezeichnung würde ich so oder so den Peridotit vorziehen. Unter dem Begriff "Olivinbombe" kann man aber sofort etwas damit anfangen.

Deutschland/Hessen/Gießen, Bezirk/Gießen, Landkreis/Laubach/Gonterskirchen
Olivinbombe



Gruß
Lars
« Letzte Änderung: 09 Feb 18, 12:51 von IntronX »

Offline Günter Blaß

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Re: Olivinbombe
« Antwort #6 am: 09 Feb 18, 18:33 »
Hallo,
meines Erachtens sind "Bomben" hier ein spezieller Begriff für vulkanisches Auswurfsmaterial. Will heißen, ein einzelnes Stück, meist gedrehtes, spindelförmiges oder brotlaibartiges Auswurfsmaterial.
Eine Olivinbombe ist ebenso geformt und ausgeworfen und besteht dann nur aus Olivin usw. mit dünner Kruste (siehe "Olivinbomben" vom Dreiser Weiher usw.).
Das Foto von Lars zeigt m.E. kein Auswurfsmaterial (also keine Bombe) sondern ein in die Lava eingeschlossenes, Olivin-haltiges Stück aus dem Erdmantel, welches mit dem Basalt beim Ausbruch ausgeflossen ist.
Günter Blaß

Offline Uwe Kolitsch

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Re: Olivinbombe
« Antwort #7 am: 09 Feb 18, 18:41 »
Das Wort "Olivinbombe" ist missverständlich, da es sich um Xenolithe handelt, die nicht immer rundlich, sondern auch eckig sein können, je nachdem, wie stark sich im Magma eine Kanten- und Eckenrundung vor der Eruption bzw. dem Ausfließen vollzogen hat.
Ob "Olivinbomben" auch eindeutig als einzelne Bomben ausgeworfen werden können, ist mir nicht bekannt. Ich vermute eher, die umgebende Lava platzt ab aufgrund unterschiedlicher Wärmeausdehnungskoeffizienten.

Offline Günter Blaß

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Re: Olivinbombe
« Antwort #8 am: 09 Feb 18, 19:20 »
Hey Uwe,

es gibt Dunite als Fremdgesteinseinschlüsse (Xenolithe) ja, auch eckig! (Foto Lars).
Aber bei beim Vulkanausbruch ausgeworfenem Material wird ab einer bestimmten Größe von "Bombe" gesprochen (weil es eben wie eine Bombe durch die Luft fliegt). Bei ausgeflossener Lava spricht man m.E. nicht von "Bomben".
Bei den explosiven Maarvulkanausbrüchen (Dreiser Weiher u.a.) sind die Mantelxenolithe als Olivinbomben ausgeworfen worden.

Offline IntronX

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Re: Olivinbombe
« Antwort #9 am: 09 Feb 18, 20:12 »
Hallo,

interessanter Einwand! Wie sollte ich das Stück auf dem Foto dann korrekterweise bezeichnen? Ich dachte, der Begriff "Olivinbombe" sei Formenunabhängig und bezieht sich eher auf den Transport mit Magma vom Mantel zur Oberfläche. Aber mir ist auch bekannt, dass es tatsächlich solche Geschosse gab. Nur dass sie eindeutig rund sein müssen, war mir nicht bekannt. Ist ja dann einzig eine Sache des Drucks, ob und wie weit da was rausfliegt (nur eine Vermutung).


Gruß
Lars

Offline Collector

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Re: Olivinbombe
« Antwort #10 am: 09 Feb 18, 22:16 »
Hallo

ich hab mir mal die Mühe gemacht, das deutsche und englische Netz nach dem Begriff Olivinbombe zu durchsuchen.
Eine Zusammenfassung meiner Recherche  weiter unten. Desweiteren habe ich mir erlaubt, einige Fotos ganz typischer Olivinbomben anzuhängen

Uwe / Günter Kommentar
Ob "Olivinbomben" auch eindeutig als einzelne Bomben ausgeworfen werden können, ist mir nicht bekannt. Ich vermute eher, die umgebende Lava platzt ab aufgrund unterschiedlicher Wärmeausdehnungskoeffizienten.

Die Antwort auf Deine Feststellung / angedeute Frage ist schlicht: Nein !  "Olivinbomben" müssen nicht eindeutig als einzelne "Bomben" ausgeworfen werden - im Gegenteil.  Bei den meisten  Eruptionen entstehen Pyroklastit-Fragmente (manchmal mehr als 1m groß, welche erhebliche Anteile an Olivin enthalten),  die aber aufgrund ihrer Form, nachdem sie durch die Luft katapultiert wurden, nicht unbedingt rund oder elliptisch oder abgerundet sein müssen, . Es sind in der Regel bizarre oder raue Lavafragmente, welche aus basanitischer oder tholeitischer Lava mit Olivin (und/oder Pyroxeniten)  bestehen, die in flüssigem Zustand ausgeworfen, dann durch die Luft transportiert wurden und beim Aufprall auf die Erdoberfläche zerbrachen.
Die Form einer "Bombe" ist sehr oft nicht (mehr) erkennbar, wenngleich die Fragmente als bombenähnliche Fragmente ausgeworfen wurden.

Zusammenfassung
Vulkanische Bomben

Eine vulkanische Bombe (früher: Auswürfling) ist ein bei einem Vulkanausbruch ballistisch herausgeschleuderter Pyroklastit., d.h. ein Fragment von Lava oder Gesteinen (Lavafetzen, vermengt mit Gesteinsresten der Schlotfüllung oder Schlotumrahmung), welche bei vulkanischen Eruptionen erst durch die Luft geschleudert werden, bevor sie zur Ablagerung kommen. Die Bombe besitzt gerundete Formen; die äußere Form und die Oberfläche weisen Anzeichen dafür auf, dass der Pyroklast während der Entstehung und des Transports geschmolzen war. In der älteren Literatur gilt jeder auf einer ballistischen Bahn herausgeschleuderte Pyroklast als Bombe.

Durch den Vulkanismus werden nicht nur Magmen, sondern gelegentlich auch Fragmente des Erdmantels an die Erdoberfläche befördert. Diese Mantelfragmente sind grobkörnige Gesteine, die wesentlich aus Olivin, Orthopyroxen, Klinopyroxen und Spinell oder Granat bestehen. Solche Gesteine werden allgemein als Mantelperidotite bezeichnet
Der feste (jedoch nicht starre) Erdmantel könnte in der Asthenospäre (ca. 100-200 km Tiefe) zu ca. 1 % aufgeschmolzen sein. Die meisten Magmen entstehen aber in geringeren Tiefen. Um die Bildung von Gesteinsschmelzen (Magma) zu verdeutlichen, ist es notwendig, die Zusammensetzung des Erdmantels, bzw. des Entstehungsortes der meisten Magmen zu kennen.

Olivinbomben

Olivinbomben sind Xenolithe des Oberen Erdmantels, welche durch vulkanische Aktivität an die Erdoberfläche gelangen und  durch Eruptionen erst durch die Luft geschleudert werden, bevor sie zur Ablagerung kommen. Im Gegensatz zu den allgegenwärtigen  Vulkanbomben (ausgeworfene Fragmente frischer Lava, die oft in ihrem Flug eine aerodynamische Form erhalten haben) finden sich  Dunit- bzw. Lherzolith-Olivinbomben oft als Olivinkerne  von Basaniten, resp. tholeitischen Basalten.

Dunit ist ein relativ seltenes, extrem abgereichertes ultramafisches Mantelgestein aus der Gruppe der Peridotite.
Zusammen mit anderen Peridotiten ist Dunit ein typisches Gestein des Oberen Erdmantels und bis 400 Kilometer Tiefe stabil. Dunitknollen, die im Zuge vulkanischer Aktivität als Xenolithe zur Erdoberfläche befördert und z. B. als vulkanische Bomben (auch als Olivinbombe bezeichnet) ausgeworfen wurden, finden sich u.a. in Deutschland in der Vulkaneifel , im Kaiserstuhl, in Kapfenstein in Österreich.  Oft sind Dunit-Olivinbomben Teil basanitischer Bomben.

Lherzolithe bilden einen Großteil des lithosphärischen Erdmantels und der Asthenosphäre.
Lherzolithe entstehen generell im Oberen Erdmantel und sind bis zu einer Tiefe von ungefähr 300 Kilometer stabil.  Als Xenolithe  sind sie meist in den Schlotfüllingen der Kimberlite anzutreffen. Ferner finden sich Lherzolithe als Bomben in den Auswurfmassen von Alkalibasaltvulkanen. (Alkalibasalte und Alkali-Olivinbasalte kommen vor allem in Mitteleuropa in der Eifel, dem Kreuzberg in der Rhön, der Lausitz/Schlesien, Nordböhmen, im Massif Central in Frankreich und in der Garrotxa in Spanien vor.

Ich habe meine ersten Vulkanbomben und die ersten Olivine im Alter von 10 Jahren in der Rhön gefunden.  Allerdings nicht eine einzige Olivinbombe.
In den vergangenen 50 Jahren habe ich weltweit sehr viele aktive und ruhende Vulkane der Welt besucht, Unmengen von Vulkanbomben gesehen und fotografiert, jedoch kaum eine einzige echte Olivinbombe je zu Gesicht bekommen.  Erst hier in Spanien ist es mir vergönnt,  echte, authentische, abgerundete Olivinbomben sowohl in den eifelähnlichen Vulkanen vor meiner Haustür in den Pyrenäen und in unglaublicher Menge im Timanfaya-Vulkangebiet in Lanzarote zu finden.

Ich hoffe, ich konnte was zur Diskussion beitragen
Peter

Offline Collector

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Re: Olivinbombe
« Antwort #11 am: 09 Feb 18, 22:21 »
Bild 1 Dunit-Olivinbombe - Vulkan Puig de la Banya de Bóc, Llorá, Girona, Katalonien, Spanien  Sammlung: Peter Seroka

Bild 2 Lherzolith-Olivinbombe - herzolith-Olivinbombe als Xenolith in Alkali Olivin Basalt,  San Carlos Indian Reservation, Gila County Arizona, USA  Sammlung: Peter Seroka

Bild 3 Olivinbombe aufgebrochen, in tholeitischer Basaltlava, Timanfaya, Lanzarote,  Sammlung: Peter Seroka

Offline raritätenjäger

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Re: Olivinbombe
« Antwort #12 am: 10 Feb 18, 06:27 »
@ Intronx : wenn das Stück in einer Mineraliensammlung steht , würde ich es als Olivin bezeichnen, hat sich bewährt über die Jahre .

Offline IntronX

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Re: Olivinbombe
« Antwort #13 am: 10 Feb 18, 11:58 »
Hi!

@ Peter: Super Recherche, vielen Dank für die Mühe! Sehr aufschlussreich zusammengefasst.  :) (Du hast nicht zufällig eine spanische - echte - Olivinbombe abzugeben?)

@ Andreas: Auch wenn es einigen Stirnrunzeln bereitet - das Stück steht tatsächlich in meiner Sammlung.  ;D Aus persönlichen Gründen, und der Peridot, welcher mit drauf sitzt ist schon recht schick.


Schönes Wochenende
Lars

Offline Gams

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Re: Olivinbombe
« Antwort #14 am: 10 Feb 18, 12:19 »
Ich finde es unterr dem Begriff Olivinbombe sehr treffend und für alle verständlich formuliert ;)

 

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