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Autor Thema: Fragen zu einem eigenartigen Prasem-Vorkommen  (Gelesen 3819 mal)

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Offline Collector

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Hallo

aus einem Neufund in Spanien stammen diese eigenartigen "Aggregate" aus total wirr und kreuz-und quer liegenden oder stehenden hellgrünen Quarzkristallen, welche im Durchschnitt zwischen 4-8 cm lang und bis zu 1o mm dick sind.
Die Quarze (bzw. Prasem) befinden sich in einem limonitisierten silikatischen Sediment, aus welchem sie mittels HCL ausgesäuert wurden.
Nicht wenige Kristalle sehen wie gebrochen aus oder es scheint, als wenn die Spitzen gebrochen sind. Dies ist niemals der Fall, alle Bruchstellen sind natürlich verheilt, bzw. rekristallisiert. Nicht wenige Kristalle sind perfekt.
Der Habitus ähnelt Muzo ( d.h. ein Kristall, der nicht sechs, sondern drei sehr steile Prismenflächen zeigt. Der obere Teil eines solchen Kristalls kann perfekt dreiflächig sein, während der untere Teil meist sechsseitig bleibt. Die Kristalle sind langgezogen und ungestreift.)
Auf einigen der Prismenflächen sitzen winzige elfenbeinfarbene Mikroklinkristalle.

Das Vorkommen sind triassische Sedimente (mittlerer bis oberer spanischer Keuper) mit kristallinen Blöcken aus dem Paläozän.
Eine ausgeprägte Tektonik fand im Oligozän statt.

Frage: Wie können solche Quarze, resp. dieses Vorkommen, entstanden sein?


Danke für Eure Antwort(en).
Im übrigen: Dies ist das einzige bisher bekannte Vorkommen in Spanien und so gut wie ausgebeutet.
« Letzte Änderung: 24 May 18, 12:33 von oliverOliver »

Offline giantcrystal

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Re: Fragen zu eiknem eigenartigen Prasem-Vorkommen
« Antwort #1 am: 24 May 18, 12:02 »
Hallo Peter

Nur anhand der Bilder der ausgesäuerten (= nachträglich veränderten) Stufen wird man nicht in der Lage sein, vernünftige Aussagen über deren Genese zu machen. Hierzu wären mindestens Informationen über die ursprünglichen Verhältnisse notwendig : Was wurde weggeätzt ? Wie sieht die umgebende Geologie genau aus etc..

Glück Auf aus Mittelfranken

Thomas

Offline Brodi69

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Re: Fragen zu eiknem eigenartigen Prasem-Vorkommen
« Antwort #2 am: 24 May 18, 12:31 »
Lieber Peter

In der Tat sehr interessante Stücke. Ob die Bezeichnung Prasem passt, ist mir etwas schleierhaft, nach der Definition im Mineralienportrait müssten Aktinolith-Einschlüsse für die Grünfärbung verantwortlich sein, was hingegen mit der Fundlage in basischen Sedimente schwierig in Einklang zu bringen wäre, wenn da nicht kristalline Blöcke wären. Dies könnte auf eine alte Bildung hinweisen, die durch Zersetzung des ursprünglichen Wirtgesteins im Paläozän (analog der Kristallvorkommen in gewissen Kaolinen) in die Sedimentation eingebracht worden sein könnten. Der gute Erhaltungszustand bei starken tektonischen Bewegungen widerspricht dieser Theorie allerdings.

Tendenziell vermute ich daher eher andere Einschlüsse die für die Grünfärbung verantwortlich sein könnten. Wie auch in alpinen Klüften, kann Quarz in verschiedenen Materien auskristallisieren. Solange der Wachstumsdruck der Kristallisation grösser ist als der umgebende. Daher stelle ich mal die Vermutung in den Raum, dass in der Zeit tektonischer Bewegungen vielleicht lokal durch höhere Temperaturen (150-200 ° C würden genügen und den Kalk nicht verändern) ehemals autigene Quarzkeime rascher zu wachsen begannen. Bekannt ist das Phänomen, dass Quarz bei Einschluss feiner Partikel die Tendenz aufweist, langprismatische Ausbildungen anzunehmen sprich auch schneller wächst (vgl. Rickard, Phantomquarze etc.). An alpinen Quarzen, die im Chlorit gewachsen sich, beobachte ich auch häufiger die Tendenz zu Muzzo-Habitus und dreiseitigen Romboederendflächen; auch dies würde soweit passen.

Soweit einmal eine erste wilde Theorie auf Basis der zur Verfügung stehenden Informationen ... mals sehen, was ihr dazu meint...

Grüessli
Christian



Offline Collector

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Re: Fragen zu einem eigenartigen Prasem-Vorkommen
« Antwort #3 am: 25 May 18, 15:55 »
Hallo Thomas und Christian

Die Quarze stammen aus einem sehr großen Diapir aus Gips, Salzbrekzien (Ton, Mergel, teilweise verwitterten Ophiten, Dolomit) und allochtonen Gesteinen.  Der Diapir entstand in der Trias (Keuper); die kristallinen Gesteine sind paläozoisch.

Die Ophite  sind dunkelgrüne, körnige bis dichte Gesteine aus Plagioklas und uralitischer Hornblende mit hellem Augit, Hornblende, Ilmenit und bisweilen Diallag, auf den Klüften mit gelbgrünem Epidot und Hämatit, begleitet und vergesellschaftet mit grauem und ziegelrotem Gips, eisenschüssigen, bunten Tonen und violetten, roten, grünen oder grauen Mergeln.

Die allochtonen Gesteine sind magmatisch (Granit) und / oder metamorph (Gneis, Glimmerschiefer,  Grünschiefer, Quarzit, metamorphisierter Kalkstein (Marmor) mit großen Aggregaten Aktinolith)

Die Quarze kommen in limonitisierten Mergel-Tonschichten vor, aus welchen sie ausgesäuert wurden.

Der Begriff "Prasem" wurde aufgrund der grünen Färbung der Kistalle vom Erstfinder vergeben.   Christian, Dein Einwand bzgl. Aktinolith ist gerechtfertigt; allerdings (s.o.) kommt ebendieser Aktinolith recht deutlich in den allochtonen Gesteinen vor. Im übrigen könnte Deine Einschätzung richtig sein, nämlich dass die Quarze durch Zersetzung des ursprünglichen Wirtgesteins im Paläozän in die Sedimentation eingebracht worden sein könnten. Das würde zumindest die heutige Lage der Quarzkristalle in den Sedimentschichten klären.
Wie allerdings die Quarze entstanden sind, durch welche geologischen Vorgänge die Kristalle zerbrachen und wieder verheilten und das ständige Begleitmineral Mikroklin - alles offene Fragen.

Danke erstmal für die Denkanstöße.
Gruß Peter


Offline loismin

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Re: Fragen zu einem eigenartigen Prasem-Vorkommen
« Antwort #4 am: 25 May 18, 20:32 »
Hallo Peter.

Mir erschließt sich nicht ganz, warum du diesen Fundort so geheim hältst, glaubst du wirklich , wegen diesen Quarzen entsteht da ein Run  auf die Fundstelle ?
Ich finde diese Geheimhaltung einfach nicht gut, du willst dazu was wissen, dann mußt du halt meiner Meinung nach auch etwas preisgeben.
Oder du kämpfst für dich alleine rum !
Aber das ist natürlich nur meine Meinung, und da werde ich hier sicher wieder ganz alleine dastehen.
Das ist nämlich allmählich schon der Sinn  dieses Forums !
Und glaub mir, ich fahre da bestimmt nicht hin !

Lois

Offline raritätenjäger

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Re: Fragen zu einem eigenartigen Prasem-Vorkommen
« Antwort #5 am: 25 May 18, 21:14 »
Hallo,

wenn ich mir das so durchlese, so hat Peter einiges zur Geologie gesagt und mit den Fotos kann man auch etwas anfangen. Was der exakte Fundort weiter zur Aufklärung beitragen könnte, ist mir an dieser Stelle reichlich schleierhaft.

Gruß
Andreas

Offline Collector

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Re: Fragen zu einem eigenartigen Prasem-Vorkommen
« Antwort #6 am: 26 May 18, 01:04 »
Hallo Lois

da gibts von meiner Seite überhaupt keine Geheimniskrämerei; dennoch muss ich dem Andreas rechtgeben - der exakte Fundort hat mit meiner Frage zur Entstehung der Quarze überhaupt nichts zu tun. Eine wie von mir recht detailliert beschriebene Geologie könnte auch in der Schweiz, im Sudan oder in Australien sein  und hat mit der Entstehung, resp. Bildung dieser Quarze keinen brauchbaren Zusammenhang.

Aber - zu Deiner Beruhigung: Wie schon von mir erwähnt, liegt der Fundort in einem der vielen Diapire in Navarra in Nordspanien. Ich habe - nur für Dich - eine Karte der bekannten Diapire angehängt.
Ich selbst kenne den Fundort nicht persönlich und der Finder (Sammler) gibt ihn nicht preis. Ich bin lediglich Besitzer einiger der wenigen Stufen, die vor kurzem gefunden wurden. Laut Angabe des Finders ware der Fund nur sehr limitiert und von kurzer Dauer; die meisten Stufen sind im Besitz von baskischen / spanischen Museen.

Auch ich - wie anders auch als Sammler - hatte den genauen Fundort angefragt, doch ebenso, wie von mir jetzt beschrieben nur als Info erhalten: Diapir im Raum Estella in Navarra.
Die Beschreibung der Geologie stammt von R. Pflug; 1973; El Diapiro de Estella; MUNIBE, Soc. De Ciencias Naturales Aranzadi San Sebastian, ano  XXV, No 2-4, paginas 171-202. In dieser Beschreibung wird Quarz nicht erwähnt.
Karte der bekannten Diapire in Navarra im Anhang.

Nichts für ungut, Lois.
Gruß
Peter

Offline loismin

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Re: Fragen zu einem eigenartigen Prasem-Vorkommen
« Antwort #7 am: 26 May 18, 12:48 »
Hallo Peter.

Danke für die Aufklärung !
Das reicht mir ja schon , den ganz genauen Fundort brauch ich ja nicht.
Aber es ist halt doch für mich interessant, wie und wo diese Vorkommen liegen.
Manchmal kann man da auch geologisch Rückschlüsse auf andere, unbekannte Stellen  ziehen.

Gruß
Lois

Offline giantcrystal

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Re: Fragen zu einem eigenartigen Prasem-Vorkommen
« Antwort #8 am: 27 May 18, 11:23 »
Hallo Peter

danke für die Ausführungen zur Geologie

Zwar hilft das auch noch nicht wirklich weiter, was die genaue Genese der Praseme anbelangt, jedoch kann ich vielleicht Folgendes dazu beitragen :

Ich hatte im letzten Jahr Gelegenheit, mich etwas näher mit dem Mineralbestand an der Oberfläche ausbeißender iranischer Salzdiapire zu beschäftigen und es ist erstaunlich, was es dort an ganz hervorragend ausgebildeten Mineralien zu finden gibt. Neben den dort zu erwartenden Mineralien der Evaporit - Paragenesen sind das zum Beispiel excellent ausgebildete Fluoritoktaeder bis 7 cm Größe, gut ausgebildete Danburitkristalle sowie - sollte man nicht glauben - hervorragende Augitkristalle und die mit 1 cm Kantenlänge vermutlich weltbesten Zunyite in größeren Aggregaten. Alles als Einsprengsel und isolierte Kristalle im Salz, aus denen sie durch gelegentliche Regenfälle herauspräpariert werden.

Ich kann Dir den Namen des Sammlers und Finders in Isfahan gerne zukommen lassen.

Vorläufiges Fazit : Aufsteigende Salzdiapire können offensichtlich "Mineraliensammler" sein, die die ein oder andere exotische Mineralparagenese auf ihren Weg nach oben aufsammeln und mit an die Oberfläche bringen.

Glück Auf

Thomas
« Letzte Änderung: 27 May 18, 16:18 von giantcrystal »

Offline Collector

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Re: Fragen zu einem eigenartigen Prasem-Vorkommen
« Antwort #9 am: 29 May 18, 10:26 »
Hallo Thomas

danke für die Information, den Hinweis auf den iranischen Diapir und dessen Mineralbestand, der ja, besonders wegen der Diversität (Augit bis Danburit) mit der Zusammensetzung eines Salzdiapirs überhaupt nichts zu tun hat.

Wenn ich Deinen Hinweis zur Genese richtig interpretiere, ist der Diapir selbst nicht der Ort der Genese der diversen Mineralien (ergo auch meiner Quarze). Der heutige Fundort dieser Mineralien ist nur ein Endlager eines irgendwo in der Tiefe enstandenen Minerals, welches vom Diapir in die Höhe transportiert wurde. (?) Insofern kann wohl keine bestimmte Genese bzw. der Ort der Genese nachgewiesen werden.
Ist das richtig ?

Wenn Transport (von woher auch immer) durch die unterschiedlichsten Schichten, welche der Diapir durchbrach, mit nachweisbaren tektonischen Vorkommnissen, spräche das auch für die chaotische Anordnung der Kristalle, sowie deren gebrochene, jedoch wiederverheilte Spitzen / Kopfflächen.

Danke erstmals bis hierher, vielleicht gibts noch weitere Erkenntnisse.

Gruß
Peter

Offline giantcrystal

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Re: Fragen zu einem eigenartigen Prasem-Vorkommen
« Antwort #10 am: 29 May 18, 14:08 »
Hallo Peter

Ja, das ist richtig !

Glück Auf

Thomas

Offline Florian

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  • Steine Bergbau ... was gibts den schöneres?
Re: Fragen zu einem eigenartigen Prasem-Vorkommen
« Antwort #11 am: 06 Jul 18, 09:33 »
Hier auch noch ein spanischer blog Eintrag zu diesen Funden...

https://www.mtiblog.com/2018/06/cuarzo-prasio-del-diapiro-de-estella.html

Gruß

Florian