https://www.mineral-bosse.dehttps://edelsteintage-bremen.dehttp://vfmg.de/der-aufschluss/

Autor Thema: Lepidokrokit vs Hämatit vom Revier Schlema  (Gelesen 1807 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline harzgeist

  • ******
  • Beiträge: 1.511
Hallo

Beim Betrachten der Lepidokrokit-Galerie fielen mir einige Bilder auf, von denen ich denke, dass es sich um Hämatit handelt.
Jeder, der schon einmal die Halden im Revier Schlema besucht hat, kennt die Drusen im Dolomit, ausgekleidet mit feinsten rötlich reflektierenden schuppigen Kristallen. Ich meine, dass dies Hämatit ist.
Auch weil es sich hierbei unzweifelhaft um eine endogene Bildung handelt, wogegen Lepidokrokit eine exogene Bildung ist. Ich will nicht ausschließen, dads es dabei auch Ausnahmen gibt, bezweifele aber, dass dies hier der Fall ist.
Ich kenne ähnliches Material von Ilfeld, das ausnahmslos alles Hämatit ist.
Gibt es hierzu Erkenntnisse / Meinungen ?

Thomas

Offline Uwe Kolitsch

  • Sponsor 2025
  • *
  • Beiträge: 3.351
    • Uwe Kolitsch, NHM Wien
Re: Lepidokrokit vs Hämatit vom Revier Schlema
« Antwort #1 am: 06 Sep 18, 17:20 »
https://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/LokationMineralData?param=558,2186,0
Stimme dir vollkommen zu.
Diese Fotos sollten alle korrigiert werden.

Offline smoeller

  • ******
  • Beiträge: 5.368
  • Diplom-Mineraloge
Re: Lepidokrokit vs Hämatit vom Revier Schlema
« Antwort #2 am: 06 Sep 18, 18:03 »
Hallo,

Eindeutig Hämatit. Mir ist kein sicherer Lepidokrokit aus der Paragenese bekannt. Lepidokrokit bildet sich eher bei der Zersetzung von Fe-haltigen Karbonaten (Fe-Dolomit, Ankerit, Siderit) zusammen mit Goethit/Limonit und Mn-Oxiden, also einer typischen Hutbildung in der oberflächennahen Oxidationszone, während der Dolomit aus Schlema meist frisch ist. Bei der enormen Teufe des Bergbaus ist Lepidokrokit eher nicht zu erwarten, hächstens am Anfang des Abbaus in den 50-ern, als oberflächennah gebaut wurde.

Lepidokrokit hat übrigens einen gelbbraunen bis orangegelben Strich und lässt sich dadurch von Hämatit unterscheiden, dessen Strich immer tief rotbraun bis kirschrot ist.

Glück Auf!
Sebastian

Offline harzgeist

  • ******
  • Beiträge: 1.511
Re: Lepidokrokit vs Hämatit vom Revier Schlema
« Antwort #3 am: 06 Sep 18, 20:30 »
Danke, Uwe und Sebastian für die klaren Antworten!

Das hilft, einen meiner Erfahrung nach recht weit verbreiteten Irrtum aufzuklären.
Außer den Bildern (ich habe noch eines vom Ronneburger Revier gefunden) sind dann ja auch noch die Einträge aus den Mineralienlisten der Fundorte zu streichen, es sei denn, es liegt eine verlässliche Referenz vor, die sich auf Material vom Eisernen Hut bezieht.

Bin mal gespannt ob sich ein paar Erzgebirgler der Sache annehmen. (Oder ob sich einer auf den anderen verlässt und am Ende ist nichts passiert).

Thomas

Online nwsachse

  • Sponsor 2024
  • *
  • Beiträge: 790
Re: Lepidokrokit vs Hämatit vom Revier Schlema
« Antwort #4 am: 06 Sep 18, 20:55 »
Hallo,

in der Bergbaumonographie / Band 14: "Geologie und Uranbergbau im Revier Schlema-Alberoda" (S. 189) wird Lepidokrokit als

"Sehr verbreitet im Raum Schlema-Alberoda; feindispers in Karbonaten oder in blättrigen Kristallen
mit rot durchscheinenden Rändern; z. B. Gang „Limonit"

beschrieben. Weitere Erwähnungen finden sich auch noch an anderen Stellen dieses Bandes.

https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/12174

Jörg N.


Offline harzgeist

  • ******
  • Beiträge: 1.511
Re: Lepidokrokit vs Hämatit vom Revier Schlema
« Antwort #5 am: 06 Sep 18, 21:29 »
Hallo Jörg, danke für die Info.

Na super jetzt haben wir zwei kontroverse Aussagen  ;D

Genau darauf bezog sich meine Frage. Dieses Zeug wird mal als Hämatit aber (gefühlt) öfter als Lepidokrokit bezeichnet.
So wie Sebastian die Paragenese beschreibt, sehe ich das auch, und das trifft für dieses Material gewiss nicht zu.
Von endogenen Bildungen, wie sie von wenigen Vorkommen weltweit für Pyromorphit beschrieben werden, ist mir bezüglich Lepidokrokit nichts bekannt.

Wenn dort ein Gang "Limonit" benannt ist, deutet das auf die Oxydationszone und somit oberflächennahen Bergbau hin. In einer solchen Paragenese ist ja Lepidikrokit durchaus plausibel.
Die zitierte Beschreibung deutet jedoch auf auf das hier angesprochene Material hin, bei dem es sich nicht um Lepidokrokit handeln dürfte. "Feindispers in Karbonaten" halte ich für ein Mineral exogener Genese für schlicht unmöglich.

Öfters breiten sich ja Irrtümer aus wie ein Flächenbrand, indem sie immer wieder abgeschrieben werden, ohne sie zu hinterfragen.

Thomas
« Letzte Änderung: 06 Sep 18, 22:25 von harzgeist »

Offline Uwe Kolitsch

  • Sponsor 2025
  • *
  • Beiträge: 3.351
    • Uwe Kolitsch, NHM Wien
Re: Lepidokrokit vs Hämatit vom Revier Schlema
« Antwort #6 am: 07 Sep 18, 10:26 »
Die Bergbaumonographie liegt hier eindeutig falsch.
Anmerkung: Die Autoren sind zwei Diplom-Geologen.

Offline harzgeist

  • ******
  • Beiträge: 1.511
Re: Lepidokrokit vs Hämatit vom Revier Schlema
« Antwort #7 am: 07 Sep 18, 14:21 »
Wäre denn eine Unterscheidung mittels Raman möglich?

Ich kann mir vorstellen, dass es Leute gibt, die es trotz allem nicht wahr haben wollen, schnöden Hämatit in der Sammlung zu haben.
Wenn im umgekehrten Fall auch nur das Gerücht umginge, es könne sich um etwas nicht ganz so Banales handeln, würde das sicher weniger hinterfragt weden und die Stufen wären ruck-zuck umetikettiert  ;D

Offline uwe

  • ******
  • Beiträge: 4.423
Re: Lepidokrokit vs Hämatit vom Revier Schlema
« Antwort #8 am: 07 Sep 18, 15:16 »
Ich muß gestehen, daß ich auch an einer solchen Stufe Lepidokrokit stehen habe. Natürlich etikettiere ich um. Ist ja trotzdem eine schöne Ausbildung des Hämatites. Immerhin habe einige "Scheiben" einen Durchmesser von 5 mm. Danke für die Aufklärung.

Gruß
Uwe