Hallo Markus,
Richtig! ..der Zusammenhang wurde von Jennings & Millay (1979) erkannt; von Millay & Galltier (1990) erneut an franz. Material bestätigt - und formal
Sc. unita benannt. Jennings & Millay hatten nur angemahnt das sie zukünftig zu
Scolecopteris gestellt werden muss.
Um eine "Umbenennung" von
P. unita geht es dabei aber eigentlich gar nicht. Vielmehr wurde ein "whole plant taxon" errichtet. Damit ist es jetzt der Name einer echten Pflanze, eines Marattiales-Farns.
Pecopteris untita ist nur ein Formname ohne Aussage zur Systematik, denn
Pecopteris umfasst alle möglichen Farne. Eine Gattung im botanischen/biologischen Sinne ist
Pecopteris einfach nicht.
(Betrachtet man es etwas spitzfindig, könnte man sagen, das eigentlich
Ptychocarpus unitus "umbenannt" bzw. umgestuft wurde).
Aber warum stört Dich das ausgerechtet bei
unita - und nicht bei den vielen anderen umbenannten Pecopteriden, bei denen die Umbenennung mit einem viel kleineren Erkenntnisgewinn verbunden war?
Im Übrigen ist gar nicht sicher, dass die Kombination
Pecopteris unita je berechtigt war! In der ursprünglichen Fassung bei Brongniart (1831) umfasste die Gattung noch keine Arten mit "Bogennervatur". Für diese hatte Goeppert (1836)
Diplazites aufgestellt.
So sieht das ja auch Cleal (2015).
Rothwell, Millay & Stokey (2018) haben übrigens gerade eine Studie zur Stammesgeschichte der Marattiales publiziert: Resolving the overall pattern of marattialean fern phylogeny.
https://www.researchgate.net/publication/326359625_Resolving_the_overall_pattern_of_marattialean_fern_phylogenyEs wurden alle bekannten Vertreter (ausgestorben wie rezent) einbezogen und es kommt erstmals Kladistik zum Einsatz. Ein "whole evidence approach on the phylogeny" wie die Autoren betonen.
Die Studie bestätigt die Monophylie der Marattiales und die Untergliederung in zwei "mayor clades": die ausgestorbenen Psaroniaceae und die "Kronengruppe" Marattiacea zu der u.a. alle heute noch lebenden Arten zählen.
Vernünftigerweise hat man es bei den Familiennamen belassen (..und nicht clade 1, clade 2 oder so).
(Die Datenmatrix dazu gibt’s bestimmt beim American Journal of Botany als kostenlosen Download. Schau ich mir genauer an, wenn ich Zeit finde.)
Millay (1997) hatte die Organgattung
Scolecopteris Zenker nach morphologischen Unterschieden in vier Gruppen unterteilt: Alta-, Latifolia-, Minor- und Oliveri-group. (Zu ersterer gehören auch die Synangien der
Scolecopteris unita.) Das war ein erster Versuch die Verwandschaftsverhältnisse der
Scolecopteris-Arten besser zu verstehen.
Diese vier Gruppen haben sich in der kladistischen Untersuchung jedoch als nicht monophyletisch erwiesen!
Es ist klar, das in so einer Studie ausschließlich mit den "botanischen" Namen oder besser: "whole plant taxa" gearbeitet wird -
das verbietet natürlich nicht, das man in der Praxis auch weiterhin mit Formtaxa der Belaubung arbeiten darf! Ob man bei der gut bekannten
Scolecopteris unita heute noch die alte Sammelgruppe
Pecopteris bemühen sollte, steht auf einem anderen Blatt.
Die Wissenschaftler tun es heute jedenfalls nicht mehr.
Viele Grüße
Stephan