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Autor Thema: Eisenvitriol für Tinte  (Gelesen 3605 mal)

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Offline 8211955231

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Eisenvitriol für Tinte
« am: 07 Oct 18, 21:56 »
Guten Abend, ich bin auf der Suche nach Proben von Eisenvitriol zwecks Versuch durch dessen Verunreinigung eine regionale Zugehörigkeit feststellen zu können. Nun meine Frage: Wird in diesem Forum dies von Mitgliedern gesammelt? Ich finde in der alten Literatur nur den Hinweis das es im Bergwerk abgekratzt wurde. Selbst Goethe hat dies von einem Stollen im Harz berichtet. Ich bin für jeden Hinweis dankbar, dank der mobilen Röntgenfluoreszenzspektroskopie auch recht flexibel. Vielen Dank

Offline harzgeist

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Re: Eisenvitriol für Tinte
« Antwort #1 am: 07 Oct 18, 22:16 »
Hallo

Als Mineral heißt das Zeug Melanterit und bildet(!) sich in manchen Bergwerken bei der Verwitterung von Pyrit. So z.B in der Grube Drei Kronen Und Ehrt bei Elbingerode. Die Wasserlöslichkeit von Melanterit ist auch der Grund für die Schließung der Grube als Schaubergwerk gewesen (Umweltbelastung).
Auch in Sammlungen wirst du kaum fündig werden, weil sich dieses Salz im Wohnraumklima nicht lange haltbar ist.

Thomas

Offline 8211955231

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Re: Eisenvitriol für Tinte
« Antwort #2 am: 07 Oct 18, 22:21 »
Vielen Dank, habe ich eben aus einem alten Beitrag erfahren. Frage mich wie das Vitriol dann gelagert wurde, meine Frage, wie lang hält es sich bevor es noch weiterverarbeitet werden kann?

Offline harzgeist

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Re: Eisenvitriol für Tinte
« Antwort #3 am: 07 Oct 18, 22:57 »
Als Sammlungsgegenstand hängt das von den Lagerungsbedingungen ab. Richtig gelagert, luftdicht verschlossen und keinen großen Temperaturschwankungen ausgesetzt, kann es sich Jahrzehnte halten. Frei an der trockenen Luft zerfällt es unter Verlust des Kristallwassers sehr schnell (Tage). Außerdem tritt Oxydation zum dreiwertigen Eisen ein.

Die wässrige Lösung hält sich (in einer verkorkten Flasche) praktisch unbegrenzt.

Auch das Doppelsalz ("Mischkristall" als mineralogischer Terminus) mit Ammoniumsulfat ist als Salz länger haltbar. Der spezielle Name dieses Salzes ist mir monentan entfallen.

Thomas

Online smoeller

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Re: Eisenvitriol für Tinte
« Antwort #4 am: 08 Oct 18, 00:18 »
Hallo,

In der Regel wurde Vitriol neben Schwefelsäure künstlich durch Auslaugung von Sulfiderzen (Vitriolsiederei) gewonnen, u.a. in Todtmoos im Schwarzwald und Bodenmais in Bayern. In Thüringen auch neben Alaun aus Alaunschiefern (pyritreicher Schiefer). Gib u.a. mal Feengrotten bei Saalfeld oder  Silberberg bei Bodenmais in Google ein.
Heute kann man es als Eisendünger für Rasen im Baumarkt kaufen (im Eimer).
Natürlicher Melanterit kommt meist nur untertage oder in trockenen Gebieten (Wüsten) vor, anchma auch in Sammlungen als Zerfallsprodukt von Pyrit/Markasit.

Glück Auf!
Sebastian

Offline alfredo

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Re: Eisenvitriol für Tinte
« Antwort #5 am: 08 Oct 18, 02:35 »
Füe Tinte braucht mann Fe(III) und nicht Fe(II), also wird sich ein Mineral wie Copiapit sich besser eignen als Melanterit, obwohl Melanterit oxidiert ziemlich schnell.

Offline harzgeist

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Re: Eisenvitriol für Tinte
« Antwort #6 am: 08 Oct 18, 02:52 »
Alfredo,

Die Zubereitung erfolgt mit Fe(II), wobei sich die Farbe meines Wissens erst später durch Oxydation zu Fe(lll) entwickelt. Siehe den folgenden Link, (den ich jetzt allerdings noch nicht gelesen habe)

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Eisengallustinte

Thomas

Offline Fabian99

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Re: Eisenvitriol für Tinte
« Antwort #7 am: 08 Oct 18, 09:27 »
Hallo,

das Eisen(II)sulfat Heptahydrat ist im saueren pH-Bereich sehr stabil. Der Handelsname ist Grünsalz, aufgrund der Farbe.
Früher wurden die Ausblühungen der sich zersetzenden Sulfide genutzt, heute ist es ein Nebenprodukt der Herstellung von Titianweiss nach dem Sulfatverfahren aus Ilmenit. Für den Moosvernichter werden auch andere Eisenverbindungen benutzt, daher besser mal draufschauen was drin ist ;-)

@Alfredo
Die Tinte ist meines Wissens Fe(ii) welches auf dem Blatt zu Fe(iii) oxidiert. Der Trick sind die Tannine, die Komplexe mit dem Fe(ii) bilden sollten.

LG

Online smoeller

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Re: Eisenvitriol für Tinte
« Antwort #8 am: 08 Oct 18, 09:41 »
Hallo,

Blaue Farben entstehen durch sogenannte CT-Übergänge (charge transfer), wenn man in einer Verbindung sowohl Fe2+ als auch Fe3+ hat. Reiner Vivianit (Fe-II-Phosphat) z.B. ist farblos, sobald er an die Luft kommt, oxidiert ein Teil des Fe zu Fe3+ und das Mineral wird blau.

Bei den heutigen Blaufaren (sog. Berliner oder Preußischblau, Turnbulls Blau) wird dieser Quanteneffekt ausgenutzt, indem man ein Sulfat mit Kaliumhexacyanoferrat (Blutlaugensalz) umsetzt. Zwei bei ausreichender Verdünnung farblose Lösungen ergeben plötzlich Tinte, ein beeindruckender Versuch. Wenn man es richtig macht, kann man damit sogar die Oxidationsstufe von Eisen ermitteln.

Wchtig ist dabei, dass man immer eine Verbindung mit zweiwertigem Eisen und eine mit dreiwertigem zusammen gibt.
Dabei kann man entweder Kaliumhexacyanoferrat(III) (sog. Rotes Blutlaugensalz) mit Melanterit (Eisen-II-Sulfat) umsetzen, oder Kaliumhexacyanoferrat(II) (gelbes Blutlaugensalz) mit einem entsprechenden Eisen-III-Sulfat.

Glück Auf!
Sebastian

Online Axinit

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Re: Eisenvitriol für Tinte
« Antwort #9 am: 08 Oct 18, 09:50 »
Servus,

genauso ist es.

Das von Harzgeist erwaehnte (NH4)2[Fe(SO4)2] x 6 H2O wird auch als Mohrsches Salz bezeichnet.

GA,

Harald

Offline harzgeist

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Re: Eisenvitriol für Tinte
« Antwort #10 am: 08 Oct 18, 10:06 »
Danke Harald!
Genau. Mohrsches Salz.
Jetzt ist es wieder da  :D

Edit
Heißt als Mineral übrigens Mohrit
(Gerade nachgeschagen - wer hätt's gedacht)

https://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/MineralData?mineral=Mohrit

Thomas
« Letzte Änderung: 08 Oct 18, 10:16 von harzgeist »

Offline Fabian99

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Re: Eisenvitriol für Tinte
« Antwort #11 am: 08 Oct 18, 13:42 »
Blaue Farben entstehen durch sogenannte CT-Übergänge (charge transfer), wenn man in einer Verbindung sowohl Fe2+ als auch Fe3+ hat. Reiner Vivianit (Fe-II-Phosphat) z.B. ist farblos, sobald er an die Luft kommt, oxidiert ein Teil des Fe zu Fe3+ und das Mineral wird blau.

Eisengallustinte ist schwarz ;-)

LG

Offline harzgeist

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Re: Eisenvitriol für Tinte
« Antwort #12 am: 08 Oct 18, 14:18 »
Dieser Melanterit stammt aus der Grube Einhei (Drei Kronen Und Ehrt) und hält sich seit etwa 30 Jahren in meiner Sammlung im fest verschlossenen Glas.
https://www.mineralienatlas.de/?l=5213

Offline alfredo

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Re: Eisenvitriol für Tinte
« Antwort #13 am: 10 Oct 18, 00:57 »
Ich habe mit Copiapit experimentiert eben weil es bei mir in Bolivien tonnenweise herumlag. In Wasser auflösen und dann mit englische Tee mischen (als Tannin-träger). Die mischung wird sofort dunkelblau und die Tinte ist fertig; keine Wartezeit. Es funktioniert auch bei sehr kleine verdünnter Menge. Vielleicht weil Copiapit schon zweiwertiges und dreiwertiges Eisen enthält? Darum sagte ich dass Copiapit für Tinte besser geeignet ist als Melanterit. Versuch das Experiment... eine schöne und einfache Mineralienexperiment für Schulkinder!

Offline 8211955231

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Re: Eisenvitriol für Tinte
« Antwort #14 am: 11 Oct 18, 20:27 »
Ich danke Ihnen und werde auf die Suche gehen.