https://www.juwelo.dehttp://www.phillisverlag.de/Kalender-Shop/Mineralienkalender/https://crystalparadise.de/

Autor Thema: Sägen , Schleifen und Polieren  (Gelesen 54733 mal)

0 Mitglieder und 2 Gäste betrachten dieses Thema.

Offline Ralf

  • *****
  • Beiträge: 898
Sägen , Schleifen und Polieren
« am: 07 Jun 05, 21:00 »
Hallo Leute,

hier könnt Ihr alle Fragen und Anmerkungen zum Thema Bearbeiten einstellen.

Offline Ralf

  • *****
  • Beiträge: 898
Re: Sägen , Schleifen und Polieren
« Antwort #1 am: 07 Jun 05, 22:14 »
Womit fängt man bei diesem Thema an ? Nun, am besten mit dem Material, welches man bearbeiten will. Ich bekomme oft bereits gesägtes Material zur Weiterverarbeitung. Manchmal muß ich leider feststellen, daß sich der Besitzer selbst um ein gutes Stück gebracht hat weil er den falschen Schnittwinkel gewählt hat.
Bevor man einen Achat sägt, sollte man sich die Zeit nehmen in in Ruhe zu betrachten. Dazu sollte er sauber und vor allem naß sein. An einem nassen Stück lassen sich die verborgenen Strukturen besser einschätzen, auch kleine Augen oder Pseudomorphosen sieht man wesentlich besser. Zunächst suchen wir nach äußeren Beschädigungen. Der spätere Schnitt sollte an keiner Stelle durch eine Absplitterung laufen. Das ist die Voraussetzung für ein komplettes Bild. Meist findet man dann mehrere mögliche Schittwinkel und schaut nun nach äußeren Anzeichen für die Struktur. Das können kleine Augen, bzw. Kammern sein aber auch z.B. Lagen. Der Schnitt sollte möglichst quer oder diagonal zum Verlauf des Auges oder der Lagen führen, niemals längs dazu. Schneidet man exakt rechtwinklig zum Verlauf, erhält man schmale Bänder. Führt man den Schnitt dagegen etwas diagonal, werden die Bänder auf einer Seite der Fläche breiter, auf der anderen schmäler. Das Gleiche gilt auch für Lagen. Es ist eine Frage des persönlichen Geschmacks wie man es macht. Ganz besonders gut überlegen muß man  bei Stücken mit Pseudomorphosen. Es kommt auf die Art der Pseudomorphose an, welchen Winkel man wählt. Stängelige, nadelige oder lattige Pseudomorphosen wie Skolezit, Baryt, Aragonit etc. sägt man am besten längs zur Wuchsrichtung der ehemaligen Kristalle. So erhält man quasi eine Seitenansicht der Kristalle. Hat man aber ein Stück das sehr dicht mit Pseudomorphosen durchsetzt ist, und hier ist insbesondere Baryt gemeint, bekommt man durch einen quer zur Wuchsrichtung laufenden Schnitt sehr schöne Polygonalstrukturen. Heisst, man sieht " von oben " auf die Kristalle und in den Zwickeln dazwischen können sich viele kleine eigenständige Achatkammern gebildet haben. Das bekannteste Beispiel hierfür sind die sogenannten Polygonalachate aus Brasilien. Lange hielt man sie für Pseudomorphosen nach irgendwelchen Mineralien. Man wurde aber nicht so recht schlau daraus, weil diese Achate zwar wie Kristallquerschnitte scharfkantige Winkel bildeten, die aber keinem bekannten Mineral zugeordnet werden konnten. Erst viel später kam man darauf, das es sich nicht um Pseudomorpnosen handelte, sondern um die achatisierten Zwickelfüllungen zwischen z.T. enorm großen Barytkristallen. Letztere waren jedoch vollständig zersetzt.
Die Qual der Wahl hat man bei stalagtitischen Pseudomorphosen, hauptsächlich nach Aragonit. Ein Schnitt längs der Stalagtiten bringt einen sog. Röhrenachat. Ein Querschnitt dagegen einen Augenachat ( nicht zu verwechseln mit Sphärolithen ) .
Jetzt bleiben immer noch mehrere Möglichkeiten, den Schnitt anzusetzen. Nun überlegt man, bei welchem Schnittwinkel man das Größere Bild bekommt. Nun ist man fast soweit, daß man das Stück einspannen kann. Jedoch sollte noch eine letzte Prüfung auf erkennbare Risse erfolgen.  Ist ein solcher erkennbar, sollte der Schnitt am besten genau diesem Riss folgen, niemals sollte man ihn queren. Leider haben solche Risse die Angewohnheit oft nicht exakt gerade zu verlaufen. Das ist aber nicht so tragisch. Hat man ihn leicht verfehlt, schneidet man halt noch einmal eine dünne Scheibe ab.
Um das Ganze etwas zu vereinfachen, es gibt natürlich Ausnahmen  :)
Meistens, aber eben nicht immer, trachtet man nach einem möglichst großen Schnittbild. Man tut das z.B. nicht, wenn der Achat einen erkennbaren, großen Quarzkern hat. Würde man einen solchen Achat in der Mitte sägen, hätte man nur einen schmalen Achatrand und jede Menge Quarz. Hier ist es oft besser, eine hauchdünne Scheibe abzutrennen um breitere Achatränder zu bekommen. Dabei hilft auch folgender kleine Trick. Bei Quarzverdächtigen Stücken wie z.B. vom Agate Creek in Australien lege ich die Stücke auf eine eingeschaltete Taschenlampe. Je größer der Quarzkern, um so durchscheinender ist das Stück. Oft sitzt der Quarz auch nicht genau in der Mitte der Mandel, sondern ist  verrutscht. Durch das " röntgen " erkennt man gut, wo man den Achat findet. Gleiches hilft auch bei stark abgerollten Achaten, von denen fast nur noch der Quarzkern übrig ist. In Kiesgruben findet man öfter solche Stücke. Viele Sammler lassen sie liegen, ich nehm sie immer zum Röntgen mit, denn manchmal haben diese Stücke ein isoliertes Achatzentrum.
Natürlich sind das alles nur Hinweise, jedes Stück ist anders und es gibt in so fern keine allgemeingültigen Regeln. Wichtig ist halt, daß man sich die Zeit nimmt und den Achat von allen Seiten begutachtet.  Manchmal lässt sich von außen auch rein gar nix erkennen. Dann gibts auch keine große Überlegung. Bei wertvollen Stücken dauert das Festlegen des Schnittverlaufes manchmal länger als das Sägen selbst, aber es lohnt sich fast immer.
Übrigens, die hier geschriebenen Hinweise gelten nicht nur für das Sägen, sie sind auch sehr wichtig beim Kauf oder Tausch von Rohmaterial und dienen dem Erkennen guter Ware. Auch hier gibt´s einen kleinen Trick. Nicht immer hat man Wasser zur verfügung, um den Achat naß zu machen ( obwohl ein guter Rohwarenhändler solches immer parat haben sollte ). Hier hilft und die Feuchtigkeit der Atemluft. Dort wo der Achat absplitterungen hat, einfach leicht gegenpusten, schon kommen Farbe und Struktur besser zur Geltung. Aber bitte mit bedacht pusten und nicht erst die Mundhöhle volllaufen lassen  :P

Fragen?  Her damit.

Gruß
Ralf

Offline Ralf

  • *****
  • Beiträge: 898
Re: Sägen , Schleifen und Polieren
« Antwort #2 am: 14 Jun 05, 01:48 »
Weiter gehts mit dem Bearbeiten der Achate.

Der erste Schritt ist fast immer das Sägen. Das es manchmal auch ohne geht oder gehen muß, erkläre ich später beim Thema Schleifen.
Heute beschäftigen wir uns zunächst einmal mit dem Erwerb einer Säge. Wie muß eine Säge gebaut sein, um ein gutes Schnittergebnis zu bekommen. Wer schon eine Säge hat, wird später in der Abhandlung über das Sägen an sich und die Fehler die man machen kann zu seinem Recht kommen.

Zunächst ein Wort zu den Maschinen. Es gibt neben zahlreichen käuflichen Modellen natürlich auch eine ganze Reihe selbstgebauter. Fakt ist, daß jede Säge irgendwie einen Stein trennt. Die Frage ist nur wie. Dabei kann man mit selbstgebauten Sägen oft erstaunlich gute Resultate erzielen. Aber wer ist schon in der Lage, sich ein solche Instrument selbst zu bauen ? Die meißten Sammler werden sich wohl damit abfinden müssen,  eine Säge zu kaufen. Worauf muß man dabei achten ?
Zunächst einmal sei gesagt, daß ein ordentlicher Schnitt das A und O der weiteren Verarbeitung ist. Sägeriefen oder krumme Flächen rächen sich ganz gemein beim späteren Schleifen. Je besser der Schnitt, um so einfacher hat man´s später. Aber es ist nicht nur die Mühe, die eine schlechte Säge bereitet, man kann damit ganz schnell Achate in Ihrer Qualität stark beeinträchtigen. Eine schlechte Säge kann Risse im Achat verursachen oder Kanten wegbrechen lassen. Beides sind Schäden, die sich nicht mehr rückgängig machen lassen. Man kann sie nur kaschieren.
Wer sich mit dem Gedanken trägt, eine Säge zu erwerben sollte dabei neben dem notwendigen Platz über einen gut schallgedämpften Raum verfügen, wenn man nicht gerade ein alleinstehendes Haus und tolerante Mitbewohner hat. Es macht halt Krach.  Zunächst einmal stellt sich die Frage nach der Größen der Säge, bzw. des Sägeblatts. Hierbei ist es natürlich von Bedeutung, in welcher Größenordnung sich die Mehrzahl der zu sägenden Stücke bewegt. Es gilt hier eindeutig nicht der Grundsatz, je größer je besser. Kiesgrubensammler haben in der Regel Stücke bis 5-6 cm Durchmesser, selten einmal über 10 cm. Wer z.B. im Lierbachtal sammeln kann und darf, wird viele Stücke zwischen 10 und 15 cm haben.
Grundsätzlich sollte das Blatt nur so groß wie nötig sein. Sägeblätter verfügen über eine bestimmte Spannung, die für einen sauberen Lauf des Blattes sorgt. Geht diese Spannung verloren, fängt das Blatt an seitlich zu flattern. Nun ist es so, daß diese Spannung verloren geht, wenn man mit einem zu großen Blatt zu viele kleine Stücke sägt. Der Grund hierfür ist, das ein großes Blatt in einem kleinen Stein keine ausreichende Führung hat. Es verkantet schnell, wird zu heiß und schon ist die Spannung weg. Die Folge sind Sägeriefen, ein krummer Schnitt bis hin zu Metallabrieb an der Schneidfläche. Zum Ende des Schnittes bricht das Schneidgut dann oft weg, was zu großen Sägekanten führt. Ist ein Blatt einmal so geschädigt, treten diese Probleme auch bei größeren Stücken auf. Andererseits darf man auch keine zu großen Stücke sägen. Ein Stück muß immer in einem Rutsch gesägt werden. Ein Drehen des zu großen Stückes führt ebenfalls zu Schädigungen des Blattes und zu einem schlechten Schnitt. Für einen Achat mit 10 cm Durchmesser ist ein Blattdurchmesser von 30 cm das Maximum der Gefühle. Liegt die Mehrzahl der Achate im Bereich von 4 - 6 cm, ist ein Blatt mit 25 cm Durchmesser die bessere Wahl. Hat man sich einmal für eine bestimmte Größe entschieden, steht die Wahl der Modelle an.
Grundsätzlich gilt, je stabiler und schwerer die Maschine, um so besser. Ganz besonderes Augenmerk muß man auf die Einspannvorrichtung haben. Eine solche Vorrichtung ist unabdingbar für einen guten Schnitt. Sägen, bei denen man das Stück mit der Hand festhält sind in jedem Fall abzulehnen. Es ist unmöglich ein Werkstück mit bloßen Händen so ruhig zu halten, das es sich während des Sägevorgangs nicht bewegt. Es gibt zunächst mehrere unterschiedliche Arten dieser Vorrichtung. Da gibt es Schlitten, die per Hand, per Kurbel oder gar automatisch gegen das Sägeblatt geführt werden. Es gibt Modelle, wo das Werkstück starr eingespannt  und das Sägeblatt von oben gegen das Schneidgut geführt wird und es gibt Gelenkarme die von vorne gegen das Blatt gekippt werden. Dann gibt es Sägen mit Haube, die den ganzen Prozess abdecken.
Zunächst einmal sollte man sich für einen manuellen Vorschub entscheiden. Bei einem automatischen Vorschub wird das Werkstück immer mit der gleichen Kraft gegen das Sägeblatt gedrückt. Egal ob es weiches oder hartes Material ist und egal ob zu Beginn oder zum Ende des Schneidvorgangs. Dazu muß man wissen, das beim Sägen kein zu großer Druck entstehen darf. Korrekt gesehen sägt man ja auch nicht, sondern schleift das Stück durch. Dazu später mehr wenn wir über den Sägevorgang an sich reden. Um es abzukürzen, ich empfehle eine Halterung mit Kippmechanismus. Diese Halterung muss sehr stabil gearbeitet sein, denn sie darf sich während des Sägevorgangs keinesfalls zur Seite bewegen können oder gar verkanten. Beides führt zu einem unsauberen Schnitt und somit wieder zur Schädigung des Blattes. Leider sind die allgemein käuflich zu erwerbenden Hobbysägen immer viel zu leicht gebaut und eigentlich ungeeignet. Die Einspannvorrichtung muß das Werkstück außerdem fest und sicher halten.
Wirklich empfehlenswert sind alte, schwere Sägen wie man sie z.B. in Idar Oberstein gebraucht kaufen kann. Diese Sägen sind meist sehr alt, 20 Jahre und mehr ist normal. Dafür sind sie aber sehr schwer gearbeitet, oft noch aus Guß. Das Alter spielt aber gar keine Rolle, denn eine solche Säge hält länger als ein Menschenleben, natürlich mit Ausnahme der Verschleißteile die man aber auswechseln kann. Neben der bereits erwähnten Einspannvorrichtung gilt der zweite Blick der Welle und den Lagern. Zuerst kontrolliert man die Lager, ob sie ausgeschlagen sind. Dazu fasst man die Welle am äußersten Ende und rüttelt kräftig. Hat die Welle Spiel, ist das Lager ausgeschlagen und muß erneuert werden. Zum zweiten prüft man die Welle an sich. Dazu legt man bei laufender Maschine den Finger ganz leicht an die drehende Welle. Spürt man ein rubbeln oder schlagen, hat die Welle Schaden genommen. Man kann auch statt des Fingers einen Eisenstift gegen die Welle halten. Nun darf man nur ein leises, gleichmäßiges schleifen hören. Klingel es, hat die Welle einen Schlag. Zuletzt prüft man die Verkabelung und den Motor samt Keilriemen. Alles das sind aber Verschleißteile, die nicht vom Kauf einer ansonsten guten Maschine abhalten sollten und die man für wenig Geld austauschen kann ( immer auf die richtige Drehzahl eines Austauschmotors achten ). Dann sind wir auch schon bei der Kühlung. Gekühlt wird immer mit Flüssigkeit. Diese hat zwei wichtige Funktionen. Einmal natürlich das kühlen des Blattes, zum anderen aber auch das freihalten des Schnittes bzw. des Blattes vom Schneidschlamm. Die mit Abstand beste Art der Kühlung ist das Bad. Heißt, das Blatt läuft im unteren Bereich durch eine Wanne, in der sich das Kühlmittel befindet. Die Eintauchtiefe sollte etwa die Stärke des Diamantbesatzes des Blattes betragen. Klar, das dazu eine entsprechende Haube gehört um das Kühlmittel in der Wanne zu halten. Diese Haube ist nach vorne und ein Stück zur Seite offen, da man das Abschlagstück mit einer Hand festhalten muß. Dieser offene Bereich wird mit einem Tuch abgedeckt um eine große Sauerei zu verhindern. Schließlich bleibt da noch der Tisch. Dieser sollte komplett aus Eisen sein und eine umlaufende Auffangrinne haben in der sich übertretende Kühlflüssigkeit fängt. In der Regel hat diese Rinne an einer Stelle einen Ablauf, unter dem das ablaufende Kühlmittel aufgefangen wird. Die Eigenschwere solcher Eisentische ist die Grundlage für einen vibrationsfreien Lauf der Säge.
Nun zum Kühlmittel an sich. Zwei Sorten sollte man aus unterschiedlichen Gründen grundsätzlich ablehnen. Zuerst einmal das gerne benutzte Petroleum. Es ist wegen des niedrigen Flammpunktes saugefährlich und Grund für mehrere schlimme Unfälle. Sägt man z.B. damit Tigereisen oder andere stark eisenhaltige Substanzen wirkt der Schneidstaub wie ein Katalysator und ein winziger Funken führt unweigerlich zum entzünden. In Bruchteilen von Sekunden steht die ganze Säge in Flammen und in der Regel alles was mit dem Kühlmittel benetzt ist ebenfalls. Man selbst ist übrigens ständig damit benetzt. Außerdem wird das Kühlmittel beim Sägen vernebelt und ist extrem gesundheitsgefährdend.
Ebenfalls ganz schlecht geeignet ist Wasser. Wasser hat eine sehr schlechte Kühleigenschaft und bindet vor allem kaum den Sägeschlamm. Die Folge ist, daß sich das Blatt zusetzt und die Schneidleistung stark vermindert. Der dadurch entstehende Reibungswiederstand führt wiederum zu größerer Hitze. Geeignete Kühlmittel kann man bei professionellen Schleifern erwerben, immer in neutralen Kanistern da keiner sein Patentrezept verraten will. Macht aber nix, denn mit 20 Litern Kühlflüssigkeit kommt man als " Hobbysäger " schon recht lange aus. Man sollte nur drauf achten, das einem kein Material mit niedrigem Flammpunkt angedreht wird. Zusätzlich empfiehlt sich immer eine Atemschutzmaske die mögliche Aerosole aus den Lungen hält. Will man´s ganz perfekt machen und die Lebenszeit seines Sägeblattes erheblich verlängern und gleichzeitig die Schnittleistung deutlich verbessern, sollte man ein ganz spezielles Bindemittel in die Kühlflüssigkeit geben. Dieses sorgt dafür, das sich der Sägeschlamm am Boden der Wanne absetzt und dort zu einer kittartigen Masse verfestigt. Die eigentliche Flüssigkeit bleibt weitgehend sauber, was eben zu einem besseren Schnitt und längerer Lebensdauer des Blattes führt.
Wie lange hält denn nun so ein Blatt und woran merkt man, ob es gut schneidet ? Nun, die Lebensdauer eines Blattes liegt irgendwo zwischen einem und einigen hundert Achaten. Man sollte sich vor dem Kauf eines neuen Blattes erkundigen, ob der Lieferant einen kostenlosen Service zum richten des Blattes anbietet. Trotz aller Vorsicht kann mal ein Werkstück ausbrechen oder verkanten oder es wird doch einmal zu heiß. Hat das Blatt dann einen Seitenschlag weil die Spannung raus ist, kann das wieder behoben werden. Seriöse Lieferantenbieten diesen Service kostenlos an.
Ob ein Blatt gut schneidet, sieht man ganz einfach an der Sägefläche. Diese muß glatt und ohne Riefen sein und es darf sich vor allem kein Metallabrieb darauf finden. Auch die Dauer des Sägevorgangs ist ein Hinweis. Für einen Achat von ca. 10 cm Durchmesser sollte man ca. 2 -4 Minuten brauchen. Dauerts länger, ist´s in der Regel eine schlechte  Kühlflüssigkeit.

Soviel zum Thema Anschaffung. Demnächst gibts hierzu ein paar Bilder und im Folgenden berichte ich wie man richtig sägt und gebe auch einige Hinweise, die das sägen leichter machen.


Ralf


Offline Andreas-

  • ***
  • Beiträge: 356
Re: Sägen , Schleifen und Polieren
« Antwort #3 am: 31 Oct 05, 20:19 »
Hallo Ralf,

Wird dieses Thema noch fortgesetzt? Ich hoffe. Vor allem, das Schleifen und Polieren würde mich interessieren.

Ich habe vor kurzem begonnen meine Stücke (Hölzer und keine Achate, aber der Unterschied beim Bearbeiten wird nicht so groß sein) selbst zu bearbeiten - aber von einem guten Spiegelglanz bin ich leider noch weit entfernt.

Andreas

Offline Ralf

  • *****
  • Beiträge: 898
Re: Sägen , Schleifen und Polieren
« Antwort #4 am: 01 Nov 05, 13:16 »
Hallo Andreas,

keine Bange, es wird fortgesetzt. Hab nur im Momonet irrsinnig viel zu tun.
Wenn Du spezielle Probleme hast, kannst Du Dich auch per PN mal melden.

Gruß
Ralf

Offline Ralf

  • *****
  • Beiträge: 898
Re: Sägen , Schleifen und Polieren
« Antwort #5 am: 13 Nov 05, 11:36 »
Sorry, hat etwas gedauert aber nun gehts weiter.

Nehmen wir an, eine geeignete Säge steht im Schuppen und wir wollen mit dem Sägen beginnen. Was kann man jetzt noch falsch machen ?
Nun, so einiges.
Zunächst einmal gilt es, das Schneidgut sicher einzuspannen. Beim sägen wirken ziemliche Kräfte auf das Stück ein und wenn es verrutscht oder gar aus der Halterung springt, ist das Blatt meist hinüber und das Stück beschädigt.
Am sichersten lassen sich rechteckige Achate einspannen, die oben und unten eine gerade Kante haben. Aber wo gibt´s die ?? :D
Leider ist unser Schnittgut meist rundlich geformt, so daß die Auflagefläche in der Einspannvorrichtung, und damit die Haltekraft, gering ist. Ein ungemein wichtiges Hilfsmittel sind kleine Holzkeile. Zunächst spannt man den Achat in der gewünschten Lage ein - die gewünschte Schnittlinie liegt eng an der Halterung - dreht aber noch nicht ganz fest. Nun steckt man die Holzkeile an allen Stellen ein, wo zwischen Achat und Halterung noch Luft ist. Dabei achtet man darauf, das die Keile nicht in den späteren Schnitt ragen. Jetzt dreht man die Halterung mit aller Kraft zu und klemmt so die Holzkeile zwischen Schneidgut und Halterung fest ein. Dann versucht man kräftig, den Achat in der Halterung zu bewegen oder herauszuziehen. Gelingt das, muß man erneut einspannen und für einen besseren Halt sorgen. Sitzt das Stück Bombenfest, kann man mit dem Sägen beginnen. Aber auch hier gibts wieder eine Gefahr, nämlich die der hohlen Stücke wie Geoden oder Coconuts. Diese Stücke muß man sehr vorsichtig einspannen und sägen. Gibt man mit der Einspannvorrichtung zu viel Druck auf das Stück kann es beim sägen zerbrechen. Das geschieht in der Regel dann, wenn man einen Teil der Wandung durchtrennt und somit die Eigenstatik des Stückes verletzt hat. Hierzu kann ich keinen perfekten Rat geben, man muß halt ein wenig Fingerspitzengefühl entwickeln und vor allem ganz langsam und ohne viel Druck sägen.
Eine Gute Einspannvorrichtung ist in Richtung des Sageblattes um 360 Grad drehbar. Das ist enorm wichtig, um das Schneidgut in die richtige Lage zum Sägeblatt zu bringen. Ein wichtiger Grundsatz ist, das man mit dem sägen immer an einer breiten Stelle des Stückes beginnt. Je größer die Führung des Sägeblattest im Schneidgut ist, um so sicherer und sauberer wird der Schnitt. Anfänger sind oft versucht, das längliches Schneidgut der Länge nach zu sägen, weil das vermeintlich schneller geht. Dabei gerät allerdings der Schnitt oft aus dem Ruder, insbesondere, wenn der Achat mit Quarz gefüllt ist. Die Folge ist dann eine gebogene Schnittfläche die das Schleifen unnötig schwer macht. Außerdem wird auch das Sägeblatt in Mitleidenschaft gezogen. Ebenfalls wichtig ist der Winkel der zum Sägeblatt gerichteten Fläche des Schneidgutes. Ideal ist es, wenn diese Fläche gerade ist und in einem Winkel von 90 Grad zum Sägeblatt steht. Oft ergeben sich aber sehr spitze Winkel. Heißt, das Sägeblatt trifft auf eine mehr oder weniger schräge Fläche. Bei solchen Stücken soll die Schräge des Schneidgutes zur Halterung weisen, niemals davon weg. Grund ist, das wenn der Schnitt verlaufen sollte, sich das Sägeblatt an den Holzbacken der Halterung anlehnt und so wieder eine gerade Führung erhält. Weist die Shräge zur anderen Seite, verläuft der Schnitt immer mehr zur Seite und schädigt das Blatt. Stehen mehrere, in etwa gleich große mögliche Schnittflächen zur Wahl, setzt man so an, daß der Schnitt an einer möglichst spitzen Stelle endet. Das hat den Vorteil das eine evtl. entstehende Sägekante sehr klein bleibt.

Ist das Schneidgut sicher eingespannt, kann der Sägevorgang beginnen. Dazu führt man das Schneidgut langsam und vorsichtig an das Sägeblatt heran. Man sucht vorsichtig Kontakt mit dem Sägeblatt und lässt es erst einmal " eine Rille schleifen ". Ist diese Rille einige Millileter tief, kann man den Druck leicht erhöhen und zwar so lange, bis der Schnitt ca. zwei Zentimeter tief ist. Nun zieht man die Halterung langsam zurück und begutachtet den begonnenen Schnitt. Hört man beim zurückziehen ein lautes Schleifgeräusch bedeutet das, das der Schnitt verlaufen ist. Zur Bestätigung führt man nun das Schneidgut wieder nach vorne und beobachtet das Sägeblatt. Bewegt es sich dabei nach rechts oder links sollte man nicht weitersägen, sondern neu einspannen. Zwar muß man dann später  eine zusätzliche Scheibe sägen um die Kerbe zu entfernen, aber wenigstens hat man das Blatt vor einem unweigerlichen Schaden behütet. Nehmen wir an, alles läuft glatt. Der weitere Schnitt sollte mit öglichst gleichmäßiger Kraft und Geschwindigkeit erfolgen. Gleichmäßige Kraft bedeutet, daß man den Druck nicht erhöht, wenn das Schneidgut härter oder dicker wird. Hier ist einfach nur Geduld angesagt. Gleichmäßige Geschwindigkeit bedeutet, daß man den Druck vermindert, wenn das Schneidgut weicher oder dünner wird. Nähert sich der Schnitt dem Ende, muß man ebenfalls den Druck vermindern um ein abbrechen des letzten Restes zu vermeiden. Man kann sagen, so wie man beginnt so hört man auch auf. Die letzten Millimeter sollten ganz vorsichtig durchgeschliffen werden.
Während des gesamten Schneidvorgangs hält man das Abschlagstück mit der Hand fest. Immerhin kann es z.B. durch Risse geschehen, das ein Teil des Abschlages während des Sägens ausbricht. Es hört sich gar nicht gut an, wenn so ein Teil mit Karacho durch die Säge knallt und es ist auch nicht gut. Herumfliegende Teile können das Blatt schwer beschädigen. Eine gute Sache ist übrigens ein in Kniehöhe angebrachter Notausschalter, mit dem man die Säge im Notfall mit dem Knie stoppen kann. Beim sägen hat man ja beide Hände voll.
Um seine Finger muß man sich wegen des Sägeblattes keine großen Sorgen machen. Jedenfalls nicht, wenn man keine segmentierten Blätter benutzt. Diese sind sowieso nicht geeignet zum sägen von Achat. Die normalen Blätter sägen kein Fleisch !! Zumindest nicht bei einem kurzen Kontakt und wer wird schon seine Finger mit Kraft für einige Sekunden gegen ein laufendes Blatt drücken. In aller Regel sorgt die Hitzeentwicklung beim Kontakt dafür, daß man seine Finger zurückzieht.
Wenn alles richtig gemacht wurde, hat man nun zwei Hälften mit einer absolut planen Schnittfläche und ohne große Abbruchkanten.

Es folgen später Fotos, die das im Text beschriebene veranschaulichen.

Ralf

Offline Ralf

  • *****
  • Beiträge: 898
Re: Sägen , Schleifen und Polieren
« Antwort #6 am: 17 Nov 05, 16:47 »
Hier nun die Bebilderung. Ich weiß, die Säge ist furchtbar dreckig :P. Aber bitte, sie ist jeden Tag im Einsatz.

So sieht eine vernüftige Säge aus. Stabile Halterung, der Kopf ist um 360 Grad gegen das Sägeblatt drehbar. Mit der Spindel rechts lässt sich der seitliche Abstand der Halterung zum Blatt stufenlos verstellen. Unverzichtbar, wenn man z.B. gleichmäßig dicke Scheiben sägen will. Etwas rechts der Blidmitte sieht man im Hintergrund eine Umlenkrolle. An der darüberlaufenden Schnur hängen nach hinten Gewichte. Vorne ist ein Haken angeknotet, den man über die Achse der Halterung legen kann. Das hilft, vor allem bei größeren Schnittstücken ungemein. Der Zug des Gewichtes muß aber immer mit der Hand dosiert werden.

Offline Ralf

  • *****
  • Beiträge: 898
Re: Sägen , Schleifen und Polieren
« Antwort #7 am: 17 Nov 05, 16:50 »
Bevor man eine Säge in Betrieb nimmt, und auch immer mal zwischendurch, kontrolliert man die Ausrichtung der Halterung. Diese muß sich absolut parallel zum Blatt bewegen. Mit einem Stift kann man das prima machen. Der Abstand zwischen Stiftspitze und Blatt muß vorne wie hinten gleich sein, sondt gibts unweigerlich krumme Schnitte und ein beschädigtes Blatt.

Offline Ralf

  • *****
  • Beiträge: 898
Re: Sägen , Schleifen und Polieren
« Antwort #8 am: 17 Nov 05, 16:52 »
Wie bereits erwähnt können Stücke mit geringer Auflage durch Holzkeile gesichert werden.

Offline Ralf

  • *****
  • Beiträge: 898
Re: Sägen , Schleifen und Polieren
« Antwort #9 am: 17 Nov 05, 16:57 »
Beim Sägen immer an einer möglichst breiten Stelle beginnen und, wenn möglich, auf eine Spitze Stelle auslaufen lassen. Das gibt dem Sägeblatt eine gute Führung und man bekommt sehr kleine Sägekanten.

Auf dem ersten Bild sieht man die optimale Stellung des Schneidgutes zum Blatt. Auf dem zweiten Bild ists nicht so optimal. Weil das Blatt eine schlechtere Führung hat.

Offline Ralf

  • *****
  • Beiträge: 898
Re: Sägen , Schleifen und Polieren
« Antwort #10 am: 17 Nov 05, 16:59 »
Ganz extremes Beispiel. Auf dem ersten Bild wirds gut, auf dem zweiten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das Blatt in Mitleidenschaft gezogen.

Offline Ralf

  • *****
  • Beiträge: 898
Re: Sägen , Schleifen und Polieren
« Antwort #11 am: 17 Nov 05, 17:04 »
Pfannkuchen sägen  ;)

So flache Stücke schneidet man am besten diagonal um ein größeres Bild zu bekommen. Dabei ist unbedingt darauf zu achten, das der Winkel der Schnittfläche zur Halterung weist ( zweites Bild ) und nicht davon weg ( erstes Bild ). Beim auftreffen des Sägeblattes auf die Schneidfläche kann das Blatt leicht zur Seite gleiten. Im zweiten Fall wird es dann durch die Halterung aufgefangen. Im ersten Fall läuft es unweigerlich immer weiter nach außen. Hier muß man den Schnitt dann abbrechen um das Blatt nicht zu ruinieren.

Offline Ralf

  • *****
  • Beiträge: 898
Re: Sägen , Schleifen und Polieren
« Antwort #12 am: 17 Nov 05, 17:07 »
So ist´s richtig. Das Blatt läuft haarscharf an der Halterung vorbei, ohne sie jedoch zu berühren.

Offline Ralf

  • *****
  • Beiträge: 898
Re: Sägen , Schleifen und Polieren
« Antwort #13 am: 17 Nov 05, 17:17 »
Das war´s jetzt erst mal zum Thema sägen. Natürlich ist noch lange nicht alles gesagt, aber das wesentliche ist beschrieben.
Es ist mir schon klar, das nicht alle den Platz haben eine professionelle Säge aufzustellen. Wer jedoch die Möglichkeit hat, sollte sie einer Hobbymaschine in jedem Fall vorziehen.

Wer jetzt noch mit sich kämpft, eine Säge anzuschaffen, sollte neben dem Platz  noch folgendes Bedenken.

Eine Säge kostet Geld und nicht gerade wenig. Allerdings ist es mit der Anschaffung noch lange nicht getan. Teuerstes Verbrauchsmittel ist das Blatt, welches auch bei aller Sorgfalt irgendwann verschlissen ist. Dazu kommen Kühlmittel, Strom und Atemschutz. Auch die Kleidung wird in Mitleidenschaft gezogen.
Ich möchte sagen, es ist billiger seine Achate sägen zu lassen als selbst so eine Anschaffung zu tätigen. Zumindest wenn man im Jahr weniger als 150 Achate zum sägen hat.
Auf der anderen Seite macht es natürlich irrsinnig Spass und man möchte ja auch gerne als erster sehen, was ein Stück beinhaltet.

Man muß das halt abwägen.

Wenn es Fragen zum Thema Sägen gibt, könnt Ihr die gerne hier stellen oder auch per PN direkt an mich schreiben.

Demnächst gehts dann weiter mit dem schleifen.

Gruß
Ralf


Offline Krizu

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 3.123
Re: Sägen , Schleifen und Polieren
« Antwort #14 am: 17 Nov 05, 20:14 »
Hallo Ralf,

Super-Klasse-Geniale-Megastarke Berichte !!!

Danke!

Frank

 

Mineralienatlas - Fossilienatlas - Info-Center

Neueste Beiträge Neueste Beiträge