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Autor Thema: Giftigkeit verschiedener Mineralien  (Gelesen 12023 mal)

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EinMineralienSammler

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Giftigkeit verschiedener Mineralien
« am: 25 Feb 19, 02:01 »
Hallöchen,

ich habe zu Hause unter anderem Malachit, Azurit und Azurit-Malachit. Über deren Giftigkeit bin ich damals recht früh gestolpert, trotzdem würde mich interessieren, was passieren würde, wenn ich Kleinstmengen einatme und/oder auf der Haut habe.
Mein eigentliches Problem ist allerdings,dass ich auch einen Vanadinit hier habe, welchen ich zuvor ohne Dose am Schreibtisch gelagert und öfters in der Hand gehabt habe. Ich habe zwar typische Steckbriefe gelesen, in denen war die Giftigkeit allerdings nicht aufgeführt und die chemische Formel, die auf Blei schließen lässt hat mich schlicht nicht interessiert.
Nun Frage ich mich, wie gefährlich ist das Mineral letzlich? Und wie schlimm ist es, dass ich damit des öfteren OHNE danach Hände zu waschen, rumhantiert habe? (Es ist simpler Vanadinit, kein arsenhaltiger oder so)

Gruß
Dennis

Offline Rockhounder

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Re: Giftigkeit verschiedener Mineralien
« Antwort #1 am: 25 Feb 19, 16:37 »
Hallo Dennis,

die von Dir genannten Arten sind absolut ungefährlich. Das Kupfer,Blei oder auch Arsen,das darin enthalten ist,
ist chemisch gebunden. Diese Mineralien sind nicht toxisch.
Es gibt zwar giftige "Steine" bei denen man aufpassen muss,dass sie nicht in Kinderhand bzw. Kindermund geraten.
Da wären z.B. die farbenfrohen roten und gelben Arsensulfide Realgar und Auripigment. So schlimm sind die aber auch
wieder nicht. Man sollte halt keine Krümel verschlucken.

Deine Azurit - Malchit  und Vanadinitstufen kannst da ohne Sorge in der Hand halten.

Gruß Norbert

Offline smaragd123

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Re: Giftigkeit verschiedener Mineralien
« Antwort #2 am: 25 Feb 19, 17:46 »
Da hätte ich direkt auch mal eine Frage.
Wie steht es mit Cerussit und Anglesit?

Offline Rockhounder

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Re: Giftigkeit verschiedener Mineralien
« Antwort #3 am: 25 Feb 19, 17:52 »
Auch bei Cerussit und Anglesit besteht keine Gefahr,dass man sich eine Bleivergiftung einfängt,
auch wenn die beiden Bleiverbindungen sind. :)

Offline harzgeist

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Re: Giftigkeit verschiedener Mineralien
« Antwort #4 am: 25 Feb 19, 18:15 »
Zitat
Da wären z.B. die farbenfrohen roten und gelben Arsensulfide Realgar und Auripigment. So schlimm sind die aber auch wieder nicht.

Eben!  Ganz und gar nicht. Kürzlich las ich (muss wohl hier im Forum gewesen sein), dass jemand Suizid begehen wollte, indem er eines der beiden in Mengen von mehreren hundert Gramm(!) gegessen hat. Eine Verstopfung war das einzige Resultat der Aktion  ;D
Hier trifft das gesagte auch zu: Die chemische Bindung ist so stark, dass sie vom Körper nicht aufgespalten werden kann und das Zeugs unverändert wieder ausgeschieden wird  - was bei solch großen Mengen schon mal schwierig werden kann....

Das gängigste wirklich giftige Mineral, das auch in vielen Sammlungen anzutreffen ist, dürfte wohl Erythrin sein. Wird oft vergessen, dass da auch Arsen drin ist.
Man müsste es aber halt essen, damit eine Giftwirkung eintritt - und wer tut das schon . Für Kinder allerdings definitiv ungeeignet!

Thomas

EinMineralienSammler

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Re: Giftigkeit verschiedener Mineralien
« Antwort #5 am: 25 Feb 19, 19:38 »
Danke für die schnellen Antworten.
Im Internet steht auf diversen Seiten, dass alle genannte Mineralien sehr giftig sind und Berührung vermieden werden sollte und falls dies nicht möglich ist sofort die Hände gründlich gewaschen werden sollten.
Das steht ja im Widerspruch zu den Aussagen hier und verwirrt mich ein wenig.

Gruß
Dennis

Offline Axinit

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Re: Giftigkeit verschiedener Mineralien
« Antwort #6 am: 25 Feb 19, 20:59 »
Servus,

Haende waschen schadet nie, aber Sorgen machen musst Du Dir mit Sicherheit keine.

LG

Harald (der von Berufs wegen seit Jahrzehnten mit vielen, tw. sehr giftigen oder sonstwie unangenehmen Feststoffen umgeht)

Offline Harzsammler

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Re: Giftigkeit verschiedener Mineralien
« Antwort #7 am: 25 Feb 19, 21:17 »
Mein Senf dazu:

wer Bedenken oder Ängste vor einer vermeintlichen Giftigkeit oder anderer subtiler Gefahren (Strahlung) hat, der sollte die Finger davon lassen.
Jeden Tag sich fragen müssen "ist's nicht vielleicht doch gefährlich?"...das ist nichts ;)

Grüße,
Michael

Offline Lynx

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Re: Giftigkeit verschiedener Mineralien
« Antwort #8 am: 25 Feb 19, 21:56 »
Danke für die schnellen Antworten.
Im Internet steht auf diversen Seiten, dass alle genannte Mineralien sehr giftig sind und Berührung vermieden werden sollte und falls dies nicht möglich ist sofort die Hände gründlich gewaschen werden sollten.
Das steht ja im Widerspruch zu den Aussagen hier und verwirrt mich ein wenig.

Gruß
Dennis

Hallo Dennis,

nur um nicht - wie auch jene Webseiten, die Du meinst - in Widerspruch mit dem Gesetz zu kommen, und Dir Dinge zu raten, die Dir schaden könnten (weil ich ja nicht weiss, was Du vorhast, wie Du mit den Dingen umgehst, ob Du wissentlich oder unwissentlichen Unfug anstellen willst oder gar vorsätzlich handeln möchtest!), und um damit abzuwenden, dass jemand am Ende haftbar gemacht wird (nur darum geht es) antworte ich Dir:

ja, diese Mineralien sind giftig und ja - Du mußt natürlich alle einschlägigen Sicherheitsratschläge befolgen....

In der Anwendung ist diese Aussage so hilfreich, wie "Lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt und Apotheker!"
Gruß, Martin




Offline Florian

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Re: Giftigkeit verschiedener Mineralien
« Antwort #9 am: 26 Feb 19, 07:58 »
Hallo Zusammen,

ich hab auch noch ein Frage zu dem bisjetzt Geschriebenen möchte das für alle Verständlich  bekommen. Bei der Aussage zum Erythrin "
Das gängigste wirklich giftige Mineral, das auch in vielen Sammlungen anzutreffen ist, dürfte wohl Erythrin sein"  bin ich noch nicht ganz sicher ob dieses nicht zu Missverständnissen führen kann. Mir ist klar das Erythrin nicht umbedingt ein gesundheitsförderndes Mineral ist - das kann man sich aus der chemischen Formel schon ableiten.  Kommt die Giftigkeit von der empfindlichkeit gegenüber Säuren - welche wir auch im Magen z.T. haben?

Gruß

Florian

Offline Fabian99

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Re: Giftigkeit verschiedener Mineralien
« Antwort #10 am: 26 Feb 19, 09:08 »
Hallo,

meine Meinung und auch Handlungsweise:
- sauberes Arbeiten ist das A und O. Daher werden nach den Handhaben von Mineralien mit Schwermetallen, die Hände gewaschen.
- Das Aufnehmen in den Körper, z.B. von Stäuben bein bearbeiten, vermeide ich, ggf durch eine Maske P3
- Wen es beruhigt, der kann Einweg-Handschuhe beim Hantieren mit den üblichen Verdächtigen; tragen, würde ich auf jeden Fall bei löslichen Arsenverbindungen, oder schon dem Verdacht.
- Radioaktive Mineralien sind gekennzeichnet und in verschlossenen Dosen untergebracht (zwei-Hände-Prinzio: kann nicht aus versehen sondern nur mit Absicht geöffnet werden)
- Was häufiger vergessen wird, ist die Schutzbrille beim Schlagen auf Stein!

Zur Giftigkeit:
Der giftige Stoff, meist ein Element, muss in einer körperverfügbaren Form da sein. Also muss eine Möglichkeit bestehen, dass entweder in Lösung zu bringen, sei es mit Wasser oder Säure (Magensäure), oder durch Hautkontakt oder über die Schleimhäute. Bleisulfat ist als schwerlöslicher Stoff unkritischer als Bleicarbonat  (Löslich) als Blei-Tetra-Ethyl (geht durch Haut und Handschuhe direkt ins Blut und tötet). Ähnlich ist BaSO4 und BaCO3 - das lösliche ist giftig und as unlösliche ein Kontrastmittel beim Röntgen.

Zum Erythrin: Das ist ein Kobalt-Arsenat. Arsenate sind meines Wissens in HCl ohne Aufschäumen löslich. Kobalt ist in Dauergaben carzinogen. Daher gibt es im Labor kein Blaugel mehr. Aber auch hier gilt: Die Dosis macht das Gift - und es muss in den Körper...

LG

Offline Lynx

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Re: Giftigkeit verschiedener Mineralien
« Antwort #11 am: 26 Feb 19, 19:58 »
Hallo zusammen,

jetzt muss ich doch nochmal etwas loswerden.

Giftigkeit eines Stoffes und Gefährdung  durch (den Umgang mit) einen (einem) Stoffsind zwei unterschiedliche Dinge.
Dazu ein Beispiel:

Giftigkeit:
Ja, Blei(II)-Carbonat (=Cerussit) ist giftig, und das ist auch gut untersucht! Siehe hier:
http://gestis.itrust.de/nxt/gateway.dll/gestis_de/000000.xml?f=templates&fn=default.htm&vid=gestisdeu:sdbdeu
und dann unter Blei(II)-carbonat weitersuchen.


Gefährdung:
Eine Gefährdung entsteht durch die Aufnahme des Stoffes (wie auch Fabian schon geschrieben hat), das setzt eine Exposition voraus. Dazu gehören ein Umgang mit dem Stoff und ein Aufnahmeweg.

Zum Aufnahmeweg im Fall von Cerussit steht in dem oben genannten Datenblatt:
"Der Hauptaufnahmeweg für Blei(II)-carbonat (PbCO3) verläuft über den Atemtrakt.[07656]"
und weiter unten:
"Die Resorption über die intakte Haut wird als minimal und arbeitsmedizinisch nicht relevant eingeschätzt.[00083]"
Das heisst, dass von einer blossen Berührung soweit keine Gefahr ausgehen sollte, wenn aber Stäube im Spiel sind, schon.

Damit sind wir beim Kernproblem von Ratschlägen hier im Lexikon, was Gefährdung angeht:
Hier im Forum wissen wir nicht, was genau für Material (beim Fragesteller, stummen Mitleser, interessiertem Gast) vorliegt und wie genau der Umgang damit aussieht, ob Sicherheitsmassnahmen umgesetzt werden und wie diese aussehen. Wir wissen nicht, ob ggf. weitere, ansonsten unbeteiligte, Personen betroffen sein könnten.
Erze rösten (Beitrag vor kurzem)? Mineralien reinigen ? Schleifen/sägen/polieren; zu Hause am Küchentisch mit den Kindern? Auf einer Messe vor Publikum?

Deshalb:
Ja, die genannten Mineralien sind giftig.
Ob davon für den Fragesteller eine Gefährdung ausgeht, können - besser: dürfen(!) - wir nicht beurteilen, weil wir den Umgang nicht kennen!


Die von mir oben genannte GESTIS-Stoffdatenbak hat zur Grundlage, dass Leute berufsbedingt (mich eingechlossen) den Stoffen ausgesetzt sind, beispielsweise im Abbau, Verarbeitung oder chemischen Betrieben. Dazu muss ein "sachgemäßer Umgang" definiert werden. Der schlägt sich dann in diesen Datenblättern nieder. Wer also mit seinen Mineralien jenseits des Betrachtens etwas machen möchte, dem empfehle ich: lest die zugehörige Beschreibung in der GESTIS-Stoffdatenbak durch. Wie beim Beispiel Cerussit klärt sich dann nämlich, was der Begriff "giftig" meint, und welche Art des "sachgemäßen Umgangs" inklusive persönlichem Schutz sich daraus ergibt.
Manche Mineralien finden sich explizit, bei anderen muss man evtl. über Umwege (Erythrin z.B. via "Kobaltverbindungen") suchen.

Was Fabian schon gesagt hat "die Dosis macht das Gift" - wenn die Datenblätter vernünftig gemacht sind, lassen sich Dosis-Werte ablesen. Dann kann man besser einschätzen, ob bei der konkreten Erythrin-Stufe eher der Co oder der As-Anteil das Problem sind - voarausgesetzt, ich habe einen Umgang der eine relevante Exposition mit zugehörigem Aufnahmeweg möglich macht...

Und zu:
Das gängigste wirklich giftige Mineral, das auch in vielen Sammlungen anzutreffen ist, dürfte wohl Erythrin sein.

Ich kann mich an Phonolith von Aris-Steinbruch/Namibia mit Villiaumit (NaF) erinneren , der beim Knacken noch gehörige Mengen an Lösung in Hohlräumen aufwies. Ich habe aufgepasst, hatte Handschuhe an, und habe mir nicht die Augen gerieben...
Ja, doch, es gibt außer den recht augenfälligen Arsenaten durchaus auch andere interessante Fälle.

Deshalb (vorallem für all jene, die nur mitlesen): informiert Euch und macht keinen Unfug!


Gruß, Martin

Offline jürgen lange

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Re: Giftigkeit verschiedener Mineralien
« Antwort #12 am: 26 Feb 19, 22:57 »
Hallo Zusammen,
Martins Vorschlag GESTIS ist die Methode der Wahl.
Gerne kann man auch den "chemischen Stoffnamen" zusammen mit dem Wort "Sicherheitsdatenblatt" oder "Stoffdatenblatt" googeln.
In GESTIS findet man keine Angaben für Bariumsulfat, während das Sicherheitsdatenblatt/Stoffdatenblatt Auskünfte gibt.

Man sollte sich auch der unterschiedlichen Begrifflichkeiten akut toxisch, Reproduktionstoxisch, Mutagen, aquatoxisch .... mal zu Bewusstsein führen. Schaut Euch das in GESTIS mal für Blei(II)-chromat an.

Wer die o.g. Quellen zu Rate zieht, wird auch dort Hinweise zur Eigensicherung und zum Umweltschutz finden: Einatmen vermeiden, Handschuhe tragen,...

Und wenn es auch trivial sein sollte: es gibt auch Abhängigkeiten von der Korngröße. Ich habe vor faserigen Asbest keine Sorge, wenn das Zeug aber in Staubform auftritt, sollte man sich eher fernhalten. Dito stückiger Quarz vs. Quarzstaub. Übrigens bekommt man bezüglich eventueller Probleme in Sachen Nano-Partikel ein Bewusstsein.

Jürgen Lange


Offline Lynx

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Re: Giftigkeit verschiedener Mineralien
« Antwort #13 am: 27 Feb 19, 00:22 »
Hallo Jürgen

Danke für Deine Unterstützung!
Doch, auch Bariumsulfat (Baryt) ist in Gestis eingetragen und über die Suchfunktion zu finden.
Stoffdatenblätter werden von den Herstellern ausgestellt und können mitunter erheblich abweichen, je nach Hersteller....

Gruß, Martin

Online loismin

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Re: Giftigkeit verschiedener Mineralien
« Antwort #14 am: 27 Feb 19, 06:51 »
Hallo.

Das ganz hatten wir ja schon öfter als Diskussion.
Allerdings sind hier sehr gute Aspekte aufgeführt worden wie man das für sich selbst händeln kann.
Hoffentlich kommt jetzt nicht wieder ein Dampfhammer da ungeziehlt drauf rumhaut  ;D
Meine damit daß ich nicht willens bin ,zu jedem Mikromount ein Sicherheitsdatenblatt dazuzuliefern und meine Sammlung vor meinem Tod noch als Gefahrstoff entsorgen zu müssen  ???

Gruß
Loismin

 

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