Hallo zusammen,
jetzt muss ich doch nochmal etwas loswerden.
Giftigkeit eines Stoffes und
Gefährdung durch (den Umgang mit) einen (einem) Stoffsind zwei unterschiedliche Dinge.
Dazu ein Beispiel:
Giftigkeit:Ja, Blei(II)-Carbonat (=Cerussit) ist giftig, und das ist auch gut untersucht! Siehe hier:
http://gestis.itrust.de/nxt/gateway.dll/gestis_de/000000.xml?f=templates&fn=default.htm&vid=gestisdeu:sdbdeu und dann unter
Blei(II)-carbonat weitersuchen.
Gefährdung:Eine Gefährdung entsteht durch die Aufnahme des Stoffes (wie auch Fabian schon geschrieben hat), das setzt eine Exposition voraus. Dazu gehören ein
Umgang mit dem Stoff und ein
Aufnahmeweg.
Zum Aufnahmeweg im Fall von Cerussit steht in dem oben genannten Datenblatt:
"Der Hauptaufnahmeweg für Blei(II)-carbonat (PbCO3) verläuft über den Atemtrakt.[07656]" und weiter unten:
"Die Resorption über die intakte Haut wird als minimal und arbeitsmedizinisch nicht relevant eingeschätzt.[00083]"Das heisst, dass von einer blossen Berührung soweit keine Gefahr ausgehen sollte, wenn aber Stäube im Spiel sind, schon.
Damit sind wir beim Kernproblem von Ratschlägen hier im Lexikon, was Gefährdung angeht:
Hier im Forum wissen wir nicht, was genau für Material (beim Fragesteller, stummen Mitleser, interessiertem Gast) vorliegt und wie genau der Umgang damit aussieht, ob Sicherheitsmassnahmen umgesetzt werden und wie diese aussehen. Wir wissen nicht, ob ggf. weitere, ansonsten unbeteiligte, Personen betroffen sein könnten.
Erze rösten (Beitrag vor kurzem)? Mineralien reinigen ? Schleifen/sägen/polieren; zu Hause am Küchentisch mit den Kindern? Auf einer Messe vor Publikum?
Deshalb:
Ja, die genannten Mineralien sind giftig.
Ob davon für den Fragesteller eine Gefährdung ausgeht, können - besser: dürfen(!) - wir nicht beurteilen, weil wir den Umgang nicht kennen!Die von mir oben genannte GESTIS-Stoffdatenbak hat zur Grundlage, dass Leute berufsbedingt (mich eingechlossen) den Stoffen ausgesetzt sind, beispielsweise im Abbau, Verarbeitung oder chemischen Betrieben. Dazu muss ein "sachgemäßer Umgang" definiert werden. Der schlägt sich dann in diesen Datenblättern nieder. Wer also mit seinen Mineralien jenseits des Betrachtens etwas machen möchte, dem empfehle ich: lest die zugehörige Beschreibung in der GESTIS-Stoffdatenbak durch. Wie beim Beispiel Cerussit klärt sich dann nämlich, was der Begriff "giftig" meint, und welche Art des "sachgemäßen Umgangs" inklusive persönlichem Schutz sich daraus ergibt.
Manche Mineralien finden sich explizit, bei anderen muss man evtl. über Umwege (Erythrin z.B. via "Kobaltverbindungen") suchen.
Was Fabian schon gesagt hat "die Dosis macht das Gift" - wenn die Datenblätter vernünftig gemacht sind, lassen sich Dosis-Werte ablesen. Dann kann man besser einschätzen, ob bei der konkreten Erythrin-Stufe eher der Co oder der As-Anteil das Problem sind - voarausgesetzt, ich habe einen Umgang der eine relevante Exposition mit zugehörigem Aufnahmeweg möglich macht...
Und zu:
Das gängigste wirklich giftige Mineral, das auch in vielen Sammlungen anzutreffen ist, dürfte wohl Erythrin sein.
Ich kann mich an Phonolith von Aris-Steinbruch/Namibia mit Villiaumit (NaF) erinneren , der beim Knacken noch gehörige Mengen an Lösung in Hohlräumen aufwies. Ich habe aufgepasst, hatte Handschuhe an, und habe mir nicht die Augen gerieben...
Ja, doch, es gibt außer den recht augenfälligen Arsenaten durchaus auch andere interessante Fälle.
Deshalb (vorallem für all jene, die nur mitlesen): informiert Euch und macht keinen Unfug!
Gruß, Martin