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Autor Thema: Radiobaryt  (Gelesen 1313 mal)

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Offline etalon

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Radiobaryt
« Antwort #1 am: 16 Jun 19, 18:43 »
Hallo zusammen,

aus aktuellem Anlass bin ich auf die Seite Radiobaryt hier im MA gestoßen und war doch über die dort angegebenen Massen für das substituierte Radium sehr erschrocken. Bei fast einem Viertel Massenanteil an Radium würde dem zur Folge ein ca. 4g schwerer Radiobaryt ca. 1g Radium enthalten. Bei der Dichte von Baryt reden wir hier von einem recht kleinen Kristall. Dies entspräche einer Radium-226 Aktivität von 3,7 e10 Bq (oder in Alt 1Ci). Mal abgesehen, dass solch eine Stufe im Dunkeln leuchten würde behaupte ich mal, dass ein Sammler einer Handstufe diesen Materials wohl schon deren Bergung nicht überleben würde.

Ich habe darauf hin den Taschenrechner etwas bemüht und ein kleines Zahlenspiel gerechnet. Dabei habe ich immer mit Werten sehr zu Gunsten des angegebenen Massenverhältnisses von Radiobaryt gerechnet. Wenn ich also annehme, dass in einer ca. 4g schweren Radiobarytstufe ca. 1g Radium-226 enthalten ist, dann entspricht das dem gesamten Ra-226 Inventar von 3 Tonnen UO2 im radiologischen Gleichgewicht. Gehe ich nun davon aus, dass ein UO2 Gehalt im Erz von ca. 15% vorliegt, dann komme ich für die Menge von 1g Ra-226 auf ca. 20t Erz, was bei einer mittleren Erzdichte von angenommen 3,5t/m3 etwa 5,7m3 Erzvolumen entspricht. Das ist allerdings nur die Menge Ra-226 zum Zeitpunkt der Rechnung. Gehen wir nun von einer seeehr jungen geologischen Bildung der Radiobaryts von sagen wir 16000a aus, dann sind die zum Zeitpunkt der Bildung anzusetzenden Mengen mit dem Faktor 1000 zu multiplizieren.
Da stellt sich mir schon die Frage, wie wahrscheinlich es ist, dass 100% des in 20000t Uranerz gebildeten Ra-226 ausgelöst werden, und dann konzentriert auf ein Volumen von nicht mal einem cm3 zur Bildung von Radiobaryt zur Verfügung stehen? Ich persönlich halte das nicht nur für unwahrscheinlich, sondern für ausgeschlossen.

Daraufhin habe ich mich mal etwas im Netz umgesehen. Leider gibt es zu Radiobaryt nicht sehr viel zu finden. Anscheinend sind in Tschechien bei Ohre Rift Ra-226 Aktivitäten von 8 Bq/g gefunden worden, was einem Massenanteil von Ra-226 von ca. 2,2 e-10 g pro Gramm Radiobaryt entspricht. In Bohrschlämmen der Ölindustrie hat man wohl Radiobaryt im Bereich von 1 e3 Bq/g Ra-226 Aktivität gefunden (Quelle: Mindat und IAEA). Weiterhin wird von Radiobaryt-Proben aus Tschechien/Jenikov-Lahost/Region Usti berichtet, welche Aktivitäten von bis zu 31,8 MBq/g RA-226 gehabt haben sollen. Das würde ungefähr 1 Promille Massenanteil Ra-226 entsprechen (Quelle: www.internetchemie.info). Ich halte solche Ra-226 Konzentrationen aufgrund oben angeführter Beispielrechnung für sehr fraglich und habe auch keinerlei Informationen über Fundbedingungen und Messmethodik dazu gefunden. Stufen mit solchen Ra-226 Konzentrationen halte ich für maximal gesundheitsgefährdend. Weiterhin wird dort auch davon gesprochen, dass man Baryt erst ab einer Aktivität von 70Bq/g als Radiobaryt bezeichnet. Eine Quelle zu dieser Festlegung habe ich nicht gefunden, ebensowenig, ab welchem Ra-Gehalt man denn grundsätzlich von Radiobaryt spricht.

Ich bin mir sicher, dass sich Radiobaryt in den meisten Fällen nicht mit EDX/Mikrosonde nachweisen lässt, da schon unterhalb der gängigen NWG dieser Geräte die Aktivität der Stufe und damit deren Gamma-Dosisleistung deutlich messbar sein wird. Für eine Quantifizierung wird man wohl um eine LA-ICP MS Messung nicht herum kommen. Möglicherweise lässt auch eine gut abgeschirmte low-level Gammaspektrometrie-Messung bei geeigneter Probengeometrie eine Quantifizierung zu. Das klärt allerdings noch nicht, ab wann denn jetzt von Radiobaryt gesprochen wird.

Sollte jemand dazu noch weitere Informationen haben, würde ich mich über das Teilen der Selbigen freuen. Möglicherweise habe ich ja einen Denkfehler gemacht, oder sonst etwas übersehen. Aber die Massenprozente der Elemente im MA beim Radiobaryt sollten dringend korrigiert werden.

In diesem Sinne viele Grüße,
Markus


Edit: Für ein besseres Verständnis „Gewichtsprozent“ in „Massenanteil“ geändert.
« Letzte Änderung: 22 Jun 19, 00:18 von etalon »

Offline guefz

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Re: Radiobaryt
« Antwort #2 am: 16 Jun 19, 19:09 »
Bei Mineralen, bei denen sich mehrere Elemente eine Position teilen und das durch eine Klammer in der Formel dargesxtellt ist und gleichzeitig keine empirische Formel angegeben ist, wird eine generische Annahme für die Empirische Formel verwendet. Die ist nicht nur bei Radiobaryt daneben sondern auch bei anderen Mineralen. Stefan sollte m. E. da eindeutiger kennzeichnen, dass dies nur eine Annahme mangels genauerer Daten ist. Wenn dir Analysedaten vorliegen, dann trage sie unter "Empirische Formel (Analyse)" als Formel mit Atomverhältnis ein.

Günter

Offline heli

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Re: Radiobaryt
« Antwort #3 am: 16 Jun 19, 19:26 »
Da findet sich was zu den weit verbreiteten Baryten aus Lahost/Jenikov.

http://www.radioactivethings.com/UraniumOreSpecimens.html

Helmut

Offline alfredo

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Re: Radiobaryt
« Antwort #4 am: 16 Jun 19, 19:37 »
Bei fast einem Viertel Gewichtsprozent an Radium würde dem zur Folge ein ca. 4g schwerer Radiobaryt ca. 1g Radium enthalten

Deutsch ist ganz sicher nicht meine beste Sprache, also vielleicht irre ich mich, aber ich wurde Viertel Gewichtsprozent als 0,25% verstehen und nicht 25%. Aber auch 0,25% scheint bei sogenannte natürliche Radiobarite viel zu hoch zu sein.

Mann konnte vermuten dass alle neugewachsene Baritkristalle etwas Radium enthalten und waren dann "Radiobarite", und haben durch das vergehen geologischer Zeitalter ihr Radiumgehalt verloren. Daher wo Barit heutzutage frisch deponiert ist, wie bei einige Termalbaeder in Japan und Taiwan ist natürlich das frische Barit etwas radioaktiv.
« Letzte Änderung: 16 Jun 19, 19:43 von alfredo »

Offline etalon

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Re: Radiobaryt
« Antwort #5 am: 16 Jun 19, 20:01 »
@Günter: Das mit der automatisierten Verteilung bei Mischreihen ist mir bekannt, finde es aber nicht besonders glücklich, da es wohl in 99% der Fälle nichts mit der Realität zu tun hat. Das macht es bei einer Datenbank schwierig, seine eigenen Analyseergebnisse zu vergleichen. Mir sind schon häufig teilweise deutliche Diskrepanzen in den MA-Massenverteilungen der Elemente zu denen anderer Mineraliendatenbanken aufgefallen, was die Einordnung eigener Analysen erschwert. Komischerweise sind internationale Datenbanken meistens untereinander konsistent. Ob das an dem von Dir genannten Verfahren liegt, weiß ich nicht, da ich mich nicht mehr im Einzelnen an die Minerale erinnere, bei denen es Abweichungen gab.
Solche Massenabweichungen sind natürlich immer unschön, bei allen Mineralien. Allerdings ergibt sich in diesem speziellen Fall doch ein nicht unerhebliches Gefährdungspotential aus den beteiligten Elementen, was meines Erachtens hier eine Korrektur rechtfertigt.

Eigene Analysedaten habe ich nicht, sonst würde ich sie gerne einpflegen. Allgemein scheint es diesbezüglich aber insgesamt sehr wenig belastbares Material zu geben.

@Helmut: Das was da steht, ist aus webmineral.com übernommen. Wenn ich mir die Messung dazu ansehe, dann sind wir auch hier gaaanz weit weg von den proklamierten Aktivitäten...

@Alfredo: Da hast du recht, das ist etwas doof ausgedrückt. Aber ein Blick auf die entsprechende MA-Lexikonseite sollte Klarheit verschaffen, bezüglich dem, was ich meine...

Offline Uwe Kolitsch

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Re: Radiobaryt
« Antwort #6 am: 16 Jun 19, 20:58 »
Wie kann man die völlig falsche empirische Formel "(Ba0.75Ra0.25)SO4" und die Tabelle darunter löschen?
Im Edit-Fenster kann ich keine Möglichkeit finden.

Offline guefz

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Re: Radiobaryt
« Antwort #7 am: 16 Jun 19, 21:07 »
Wie ich vorhin schon mal schrieb:

Zitat
Wenn dir Analysedaten vorliegen, dann trage sie unter "Empirische Formel (Analyse)" als Formel mit Atomverhältnis ein.

Ich habe da jetzt mal Dummy-Daten eingegeben, die der Wahrheit vermutlich etwas näher kommen. Damit ändert sich dann auch die Tabelle nachdem die Seite neu geladen wurde.

Günter

Offline etalon

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Re: Radiobaryt
« Antwort #8 am: 16 Jun 19, 21:47 »
Das sieht deutlich besser aus Günter, danke.

Zitat
Ich habe da jetzt mal Dummy-Daten eingegeben, die der Wahrheit vermutlich etwas näher kommen.

„etwas“ stimmt wohl. Ich bin bis zum Nachweis, dass es Massenanteile von Ra-226 im Promillebereich in Radiobaryt gibt, der Meinung, dass die Massenanteile eher deutlich kleiner 1ppm liegen. Sollte jemand Informationen diesbezüglich haben, würde ich mich darüber freuen. Ebenso würde es mich interessieren, ob es eine allgemeingültige Konvention gibt, ab welcher spezifischen Aktivität man von Radiobaryt spricht.

Grüße Markus
« Letzte Änderung: 21 Jun 19, 12:42 von etalon »

Offline guefz

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Re: Radiobaryt
« Antwort #9 am: 16 Jun 19, 22:00 »
Wenn du belastbare Daten findest, kannst du es ja anpassen. Du hast ja jetzt gesehen, wie es geht.

 

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