Hallo zusammen,
aus aktuellem Anlass bin ich auf die Seite Radiobaryt hier im MA gestoßen und war doch über die dort angegebenen Massen für das substituierte Radium sehr erschrocken. Bei fast einem Viertel Massenanteil an Radium würde dem zur Folge ein ca. 4g schwerer Radiobaryt ca. 1g Radium enthalten. Bei der Dichte von Baryt reden wir hier von einem recht kleinen Kristall. Dies entspräche einer Radium-226 Aktivität von 3,7 e10 Bq (oder in Alt 1Ci). Mal abgesehen, dass solch eine Stufe im Dunkeln leuchten würde behaupte ich mal, dass ein Sammler einer Handstufe diesen Materials wohl schon deren Bergung nicht überleben würde.
Ich habe darauf hin den Taschenrechner etwas bemüht und ein kleines Zahlenspiel gerechnet. Dabei habe ich immer mit Werten sehr zu Gunsten des angegebenen Massenverhältnisses von Radiobaryt gerechnet. Wenn ich also annehme, dass in einer ca. 4g schweren Radiobarytstufe ca. 1g Radium-226 enthalten ist, dann entspricht das dem gesamten Ra-226 Inventar von 3 Tonnen UO2 im radiologischen Gleichgewicht. Gehe ich nun davon aus, dass ein UO2 Gehalt im Erz von ca. 15% vorliegt, dann komme ich für die Menge von 1g Ra-226 auf ca. 20t Erz, was bei einer mittleren Erzdichte von angenommen 3,5t/m3 etwa 5,7m3 Erzvolumen entspricht. Das ist allerdings nur die Menge Ra-226 zum Zeitpunkt der Rechnung. Gehen wir nun von einer seeehr jungen geologischen Bildung der Radiobaryts von sagen wir 16000a aus, dann sind die zum Zeitpunkt der Bildung anzusetzenden Mengen mit dem Faktor 1000 zu multiplizieren.
Da stellt sich mir schon die Frage, wie wahrscheinlich es ist, dass 100% des in 20000t Uranerz gebildeten Ra-226 ausgelöst werden, und dann konzentriert auf ein Volumen von nicht mal einem cm3 zur Bildung von Radiobaryt zur Verfügung stehen? Ich persönlich halte das nicht nur für unwahrscheinlich, sondern für ausgeschlossen.
Daraufhin habe ich mich mal etwas im Netz umgesehen. Leider gibt es zu Radiobaryt nicht sehr viel zu finden. Anscheinend sind in Tschechien bei Ohre Rift Ra-226 Aktivitäten von 8 Bq/g gefunden worden, was einem Massenanteil von Ra-226 von ca. 2,2 e-10 g pro Gramm Radiobaryt entspricht. In Bohrschlämmen der Ölindustrie hat man wohl Radiobaryt im Bereich von 1 e3 Bq/g Ra-226 Aktivität gefunden (Quelle: Mindat und IAEA). Weiterhin wird von Radiobaryt-Proben aus Tschechien/Jenikov-Lahost/Region Usti berichtet, welche Aktivitäten von bis zu 31,8 MBq/g RA-226 gehabt haben sollen. Das würde ungefähr 1 Promille Massenanteil Ra-226 entsprechen (Quelle:
www.internetchemie.info). Ich halte solche Ra-226 Konzentrationen aufgrund oben angeführter Beispielrechnung für sehr fraglich und habe auch keinerlei Informationen über Fundbedingungen und Messmethodik dazu gefunden. Stufen mit solchen Ra-226 Konzentrationen halte ich für maximal gesundheitsgefährdend. Weiterhin wird dort auch davon gesprochen, dass man Baryt erst ab einer Aktivität von 70Bq/g als Radiobaryt bezeichnet. Eine Quelle zu dieser Festlegung habe ich nicht gefunden, ebensowenig, ab welchem Ra-Gehalt man denn grundsätzlich von Radiobaryt spricht.
Ich bin mir sicher, dass sich Radiobaryt in den meisten Fällen nicht mit EDX/Mikrosonde nachweisen lässt, da schon unterhalb der gängigen NWG dieser Geräte die Aktivität der Stufe und damit deren Gamma-Dosisleistung deutlich messbar sein wird. Für eine Quantifizierung wird man wohl um eine LA-ICP MS Messung nicht herum kommen. Möglicherweise lässt auch eine gut abgeschirmte low-level Gammaspektrometrie-Messung bei geeigneter Probengeometrie eine Quantifizierung zu. Das klärt allerdings noch nicht, ab wann denn jetzt von Radiobaryt gesprochen wird.
Sollte jemand dazu noch weitere Informationen haben, würde ich mich über das Teilen der Selbigen freuen. Möglicherweise habe ich ja einen Denkfehler gemacht, oder sonst etwas übersehen. Aber die Massenprozente der Elemente im MA beim Radiobaryt sollten dringend korrigiert werden.
In diesem Sinne viele Grüße,
Markus
Edit: Für ein besseres Verständnis „Gewichtsprozent“ in „Massenanteil“ geändert.