Gesteine / Rocks / Rocas > Geschiebe / Glacial erratic

Oslo-Essexit?

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karlov:
„Auffallend sind die bis 1cm langen, größtenteils leistenförmigen Plagioklase, die die Hälfte des Gesteins ausmachen können. Einige wenige sind breit rechteckig bis quadratisch. Es gibt immer Gruppen von parallel ausgerichteten Feldspäten. Eine nephelin-freie Variante wird als Kauaiit bezeichnet. Oslo-Essexit-Porphyrit besitzt größere, schwarze Augite.“

Btw: das ist wirklich eine gruselige Beschreibung des "Oslo-Essexit-Porphyrits", die ebenso auf einige Dolerite zutrifft und um Größenordnungen häufiger sind.

Johannes Kalbe:

--- Zitat von: karlov am 26 Jul 19, 01:08 ---@Johannes: Kauaiit ist ein Gestein. Der Name geht möglicherweise auf Brögger 1906 zurück oder ist noch älter.

--- Ende Zitat ---

Hi Marc,

hast Du dazu den Originaltext? Dass mit den sehr putzigen Mineralnamen für die Gesteine des Oslograbens ist mir bekannt, aber dass Brögger dafür hawaianische Orte als Patengeber genommen hat war mir nicht klar und würde ich gerne nachlesen. Gibt es eigentlich bei Mineral- und Gesteinsnamen Nomenklaturregeln so wie bei den Viechern?

karlov:
Moin Johannes,

natürlich hat Herr Brögger "seine" Oslo-Gesteine nicht nach hawaianischen Inseln benannt, das war ein bisschen vorschnell vermutet von mir. Hier der Auszug aus LeMaitre 2002 (Classification of Igneous Rocks) zum Kauaiit:

"A variety of monzodiorite with titanian augite, a little olivine and feldspar zoned from labradorite to oligoclase and mantled by lime anorthoclase. (Iddings, 1913, p.173; Kauai, Hawaiian Islands, USA; Tröger 284; Johannsen v.3, p.118; Tomkeieff p.292)."
Die Erstbeschreibung stammt also von Iddings. In der Handstücksammlung von Brögger (1906) dürfte der Name also nicht auftauchen.

Bezüglich der Nomenklatur von Gesteins- und Mineralbezeichnungen ist mir nichts über verbindliche Regeln bekannt. Das Gestein müsste sicherlich dann Kauaiitit (wie unhandlich!) heißen, wenn es aus diesem Mineral besteht (analog auch "Ultramafit", korrekt Ultramafitit, stilistisch besser aber: ultramafisches Gestein). Aber soweit ich das sehe, haben die nur mittelbar etwas miteinander zu tun.


Angler:
Hallo karlov,
na dann werden wir mal nur „Hübscher Gabbro“ auf sein Schildchen schreiben. :-\ Die Beschreibung des Oslo-Essexit nach dem Zandstra 1988 hatten wir auch gelesen, was uns noch ratloser werden ließ. Aber das Argument von Johannes bezüglich des Gletscherverlaufs ist nicht zu widerlegen. Wir sammeln hier ja fast am Oderstrand und gehen eigentlich nicht von einer Verschleppung aus. Da sind wir wohl ein wenig zu weit weg, um hier Osloer-Geschiebe zu finden.
Gibt es eigentlich „Butterfahrten“ für Rentner nach Oslo? ;D

VG von der Rentnerband und Michael 

karlov:
Doch, Oslo-Geschiebe gibt es an der Oder schon. In Hohensaaten haben ein Sammelkollege und ich bisher 8 Rhombenporphyre gefunden. Der Oslo-Essexit ist keiner, weil 1. der Mineralbestand nicht passt/ nicht erkennbar ist und 2. das Gestein als Geschiebe nicht sicher erkennbar ist.
Heute war ich in Niederlehme und habe einen ganz ähnlichen Diabas gefunden. Die sind nicht so selten. Die eingeregelten Plagioklas-Leisten könnten ein Hinweis dafür sein, dass das Gestein aus dem Randbereich eines Ganges stammt. Einregelte Plagioklase sind hier ein verbreiteten Phänomen ("Randfazies").
Naja, "hübscher Gabbro". Ihr könnt das gute Stück auch Dolerit oder Diabas nennen. Selbst mit "Diabas vom Åsby/Ulvö-Typ" würde man sich meiner Meinung nach nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.

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