Gesteine / Rocks / Rocas > Geschiebe / Glacial erratic
Hilfe bei Geschiebebestimmung
karlov:
Moinmoin,
der letzte gezeigte Fund geht bezüglich der Färbung des zuckerkörnigen Quarzes und der Alkalifeldspäte evtl. in Richtung Vänge-Granit. Dieser muss aber undeformiert sein. Ich habe mal kurz und knapp die wichtigsten Merkmale zusammenfasst, woran ich den Granittyp erkenne: Der typische Vänge-Granit ist grobkörnig, enthält viel blassroten Alkalifeldspat von 1-3 cm Länge und wenig weißen Plagioklas. Letzter erscheint hauptsächlich an den Rändern der Alkalifeldspäte und bildet deutlich kleinere Aggregate. Quarz findet sich reichlich in Form grauer bis grünlich grauer und zuckerkörniger Massen. Daneben können auch einzelne größere und trüb braungraue Quarzkörner vorkommen. Durch den hohen Quarzgehalt „schwimmen“ die Alkalifeldspäte regelrecht in einer zusammenhängenden Quarzmasse. Dunkle Minerale kommen nur untergeordnet vor. Ähnliche Granite sind aus dem nordöstlichen Småland (Älö-Granit) und Uppland (Norrtälje-/Vätö-Granit) bekannt.
karlov:
Siehe auch
https://skan-kristallin.de/schweden/gesteine/gesteinsdarstellung/granitoide/uppland/vaenge/vaengetext.html
Der Vänge-Granit ist in den saalekaltzeitlichen Ablagerungen in Brandenburg nicht selten zu finden. Alle Funde, die ich dem Vänge-Granit zuordnen konnte, hatten blass rosafarbene Alkalifeldspäte, kräftiger gefärbte Varianten waren bisher nicht dabei. Hier zwei weitere Geschiebefunde:
Vänge-Granit, Kiesgrube Hohensaaten: frische Bruchfläche unter Wasser.
Viele Grüße,
karlov
felsenmammut:
Glück Auf!
Vielen Dank erst einmal für die für mich sehr hilfreichen Kommentare und Bilder. Sie geben mir mehr Rückhalt bei all den Unsicherheiten, die mit den eigenen Recherchen zur Bestimmung von Geschieben einhergehen. Meine Geschiebesammeltätigkeit beschränkt sich auf den Raum Ostsachsen. Ich schleppe zwar regelmäßig etliche grobkörnige Granite mit, spätestens nach dem Sägen fliegen sie aber meist wieder weg, da sie keinem Leitgeschiebe zugeordnet werden können. Hellrosa Granite, wie zuvor von karlov gezeigt, sind mir aber noch nicht untergekommen. Da werde ich wohl noch eine Weile suchen müssen, um einen bilderbuchmäßigen Vänge-Granit aufzuspüren.
Mit freundlichen Grüßen
Das Felsenmammut
felsenmammut:
Glück Auf!
Ich habe hier mal wieder ein Geschiebe, bei dem ich mit der Zuordnung noch etwas hadere. Entdeckt habe ich das Geschiebe bei einer Wanderung südlich Ortrand an der brandenburgisch-sächsischen Grenze. Das Geschiebe misst etwa 30 cm im Durchmesser. Die Detailbilder zeigen etwa 4 cm originale Bildbreite. Der Gesamteindruck wird durch ein kontrastreiches weiß-rot-schwarzes, regelloses, gleichmäßiges Gefüge bestimmt. Den deutlich größten Volumenanteil machen die Feldspäte aus. Zwei Arten lassen sich leicht unterschieden. Weiße, meist idiomorphe, häufig eckig, manchmal auch gerundete Feldspäte bis reichlich 1 cm Größe sind wohl Plagioklas und stellen die Phänokristen in dem porphyrichen Gefüge dar. Der zweite Feldspat ist rosabraun-weiß-fleckig und bildet die Matrix. Er ist ausschließlich und bereits mit bloßem Auge sichtbar als Myrmekit bzw. graphische Verwachsung mit Quarz ausgebildet. Neben dem groben Myrmekit ist auch feintexturierter Myrmekit weit verbreitet. Quarz, leicht rauchig bis grau, tritt zudem als größere Körner auf, die stellenweise um die Plagioklase gehäuft sind und den Eindruck eines pyterlitischen Gefüges vermitteln. Dunkle Minerale treten immer in Aggregaten von kleiner bis knapp 1 cm Größe auf. Ich ordne das Geschiebe dem Garberg-Granit zu. Wie würdet ihr den Fund zuordnen?
Mit freundlichen Grüßen
Das Felsenmammut
karlov:
Moinmoin,
Ja, ich kenne den Geschiebetyp. Er kommt in Farbe und Gefüge dem Garberg-Granit recht nahe. Allerdings besitzt der Garberg-Granit ein porphyrisches Gefüge aus weitgehend eckigen Feldspäten, während in Deinem Fund viele runde Feldspäte stecken. Dies und mind. 2, wenn nicht 3 Generationen Quarz und Feldspat lassen eher an eine Herkunft aus einem Rapakiwi-Vorkommen denken. Auch vermisse die länglichen Aggregate von Hornblende/Amphibol, die eigentlich in jedem Garberg-Granit stecken. Schließlich ist im Garberg-Granit meist weniger Quarz enthalten.
Schwieriger Grenzfall!
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