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Autor Thema: Grüner Stein von der Ostsee  (Gelesen 2793 mal)

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Offline Tycho88

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Grüner Stein von der Ostsee
« am: 10 Apr 20, 23:03 »
Ein Hallo an die Petrolgenfront  ;)

Bei einer Strandwanderung, (Ostsee, Nahe Kiel) habe ich einen grünlichen Stein gefunden. Als Petrologe-Neuling konnte ich ihn vor Ort nicht einordnen und ich nahm ihn mit um ihn unter dem Bino zu betrachten. Aber ich merke, dass ich hier schnell an meine Anfängergrenze komme. Von daher wollte ich euch um Rat und Tat bitten.

Hier eine Beschreibung:

Das Gestein ist in seiner Gesamtform stark grünlich. Auffällig ist seine Vielzahl an dunklen aber stark reflektierenden Einsprenglingen. Die Zwischenräume/Matrix ist sehr feinkörnig und erst unter dem Bino sieht man eine Körnigkeit => Einteilung als Plutonit.

Das Abmaß ist 10 x 7 x 6 cm mit einem Gewicht von 750 g.
Auf einer Glasscheibe ist ein Quarren zu vernehmen, allerdings erst nach mehreren Versuchen, da die Einsprenglinge selbst nicht quarren und somit die Zwischenräume selbst eher schwer auf der Glasscheibe zu treffen sind.

Die Einsprenglinge,
sind mit einem Taschenmesser ritzbar, Härte 4-5. Größe reicht von 2-10mm. Auffällig ist der starke Glanz, der sehr lebhaft ist und das ganze glitzert sehr stark. Ich würde diese den Amphibole einordnen (trotz der geringeren Härte).

Zwischenraum/Matrix
Hier habe ich meine Probleme mit der Interpretation der einzelnen Mineralien. Ein Quarren war nach mehreren Versuchen zu vernehmen. Also ist Quarz vorhanden. Unter dem Bino sehen sie leicht grau aus. Muschliger Bruch kann ich nicht auszumachen, dafür sind sie zu klein.

Weitere helle Mineralien
Des Weiteren sind einzelne fleischfarbige Einschlüsse zu sehen. Vermutung liegt bei Alkalifeldspat, allerdings sehe ich keine glänzenden Flächen bzw. Zwillingsglanz. Plagioklase vermag ich selber nicht zu erkennen (wie gesagt Anfänger)  Vereinzelt waren Granateinschlüsse zu erkennen (nur minimal).

Dunkle Mineralien
Neben den großen Einsprenglingen sehe ich hier blassgrüne Einschlüsse. Kann diese aber nicht bestimmen. Vermute, dass es keine Olivine sein können, wenn Quarz vorhanden ist. Sollten das Pyroxene sein??


Und da hört es bei mir mit der Bestimmung schon auf. 
Ist die Farbzahl noch unter 90, damit man hier das Streckeisendiagramm (Quarz/Alkalifeldsat/Plagioklas) anwenden kann?? Oder würdet ihr das schon als mafische Gesteine einordnen?? Aber da habe ich Probleme wegen dem Quarz... und Olivin sollte vorhanden sein. Welches Bestimmungsdiagramm würdet ihr zur Rate ziehen wenn es ein mafisches Gestein sollte ? (habe da Olivin/Pyroxenit/Amhibol - Plagioklas/Pyroxen/Olivin - Plagioklas/Orthopyroxen/Klinopyroxen)

Was sagen die Kenner ??


Offline Tycho88

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Re: Grüner Stein von der Ostsee
« Antwort #1 am: 10 Apr 20, 23:04 »
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Offline Tycho88

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Re: Grüner Stein von der Ostsee
« Antwort #2 am: 10 Apr 20, 23:05 »
und hier die letzten

Offline Harzsammler

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Re: Grüner Stein von der Ostsee
« Antwort #3 am: 10 Apr 20, 23:30 »
Hallo,

sicher dass da Quarz drin ist?
Ich hätte aus dem Bauch raus Nephelin-Syenit gesagt...

Grüße,
Michael

Offline karlov

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Re: Grüner Stein von der Ostsee
« Antwort #4 am: 11 Apr 20, 08:42 »
Moinmoin,
Steine dieses Typs sind gar nicht selten zu finden. Früher hat man die als Uralitporphyr oder Uralitgabbro benannt, je nach Körnigkeit der Grundmasse. Wobei: der Amphibol in einem Uralitgabbro ist dann häufig faserig ausgebildet.
Jedenfalls finde ich dein methodisches Vorgehen bei der Bestimmung vorbildlich. Die großen schwarzen Kristalle dürften ziemlich sicher Amphibol sein, sofern ich das vom Bild beurteilen kann (z.B. Detail_1: Längsschnitt eines Kristalls am linken Bildrand). Pyroxen glänzt in Plutoniten nicht so stark, das kommt eher in Vulkaniten vor. Die Grünfärbung des Gesteins dürfte auf hydrothermale Alteration zurückzuführen sein. Feldspat, Suche nach Plagioklas? Manchmal sind die Kristalle so klein, dass man wirklich mühsam eines suchen muss, das in Reflektionsstellung die polysynthetische Verzwilligung des Plagioklas aufweist. (Warum ich denke, dass es Plagioklas ist? Weil ich vom Habitus des Gesteinstyp ausgehe, den ich bereits kenne. Ich kann mich natürlich irren. Kennt man den Gesteinstyp nicht, ist deine Vorgehensweise absolut richtig).
Plutonit? Ja, das ungeregelte Mineralgefüge scheint zunächst dafür zu sprechen. Aber sind die Minerale in der Grundmasse gleichkörnig? Oder herrscht da ein ziemliches Chaos. Warum kommt das dunkle Mineral auch in der Grundmasse vor? Eine korrektere Bezeichnung für das Gestein wäre wohl eher amphibol-porphyroblastischer Gabbro oder Diorit. Die großen Amphibole sind Porphyroblasten. Wenn ich mich richtig erinnere, entstehen diese Gesteine bei der Metamorphose von Gabbroiden und Dioritoiden bei der Gebirgsbildung unter mittelgradigen Bedingungen (Amphibolitfazies). Es dürfte also, wie im Quarzit und in Marmor, 1. zu einer Umwandlung von evtl. vorher enthaltenem Pyroxen in Amphibol und/oder 2.zu einer Umkristallisation und Kornvergrößerung des Amphibols während der Metamorphose gekommen sein.

Zur Mineralbestimmung: Wenn man es eine Weile betreibt, ist die Bestimmung der etwa 10 gesteinsbildenden Minerale keine große Sache. Es braucht lediglich etwas Routine, und man sollte kein exotisches oder feinkörniges Gestein vor sich haben. Mach dir doch einfach an einem halben Dutzend unterschiedlicher Geschiebe mit ausreichender Korngröße (z. B. über 2-3 mm) Bruchflächen und bestimme die Minerale.
Amphibol, schau mal hier: https://www.kristallin.de/gesteine/minerale_5.htm
Plagioklas: https://www.kristallin.de/gesteine/Gestbest_Bilder/Minerale-062_1600.jpg
Wie gesagt, es dauert manchmal, bis man ein Kristall findet, dass diese Reflektion zeigt. In Metamorphiten findet man manchmal auch gar keine  geeigneten Kristallflächen.

Grüße,
karlov

Offline karlov

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Re: Grüner Stein von der Ostsee
« Antwort #5 am: 11 Apr 20, 08:47 »
Hier noch ein paar Bilder von dem Gesteinstyp

Offline karlov

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Re: Grüner Stein von der Ostsee
« Antwort #6 am: 11 Apr 20, 08:49 »
Auch solche Varianten mit runden Amphibol-Porphyroblasten gibt es:

Offline Tycho88

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Re: Grüner Stein von der Ostsee
« Antwort #7 am: 11 Apr 20, 20:37 »
Hallo Michael, hallo Marc,

danke für eure Expertise
zur Vorgehensweise .. ich hatte letztes Jahr, neben der Arbeit, eine Vorlesung für Mineral- Gesteinskunde besucht. Wollte mehr über die geologischen Zusammenhänge erfahren. Überlege ob ich diesen nochmal besuche..   zumal die Metamorphite äußerst kurz kamen. Ursprünglich gerade 2 Vorlesungen die dann aus Zeitnot auf  eine Vorlesung gepresst wurde.. da ist bei mir nicht viel hängen geblieben.

War mir bei dem Stein ja noch nicht mal bei der Farbzahl sicher. Da merke ich das die praktischen Übhungseinheiten bei weitem nicht reiche.

Ich führe ihn mal als amphibol-porphyroblastischer Gabbro / Diorit.
Aber Porphyroblasten bei Plutoniden geht ? Dachte dieser Terminuns wäre nur bei Metamorphengesteinen vorbehalten?

Grüße von der Küste



Viele Dank auch für die Hintergrundinfo, macht es spanneder zu wissen, was man da in den Händen hält

@ Marc: dein Erstes Bild kommt meinem schon sehr Nahe  ::)


Online felsenmammut

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Re: Grüner Stein von der Ostsee
« Antwort #8 am: 11 Apr 20, 21:46 »
Glück Auf!

die großen dunkelgrünen Porphyroblasten würde ich auch als Amphibol ansprechen. Allerdings wirken sie nicht wie Pseudomorphosen. Mir machen die Bilder eher den Anschein als würde die Spaltbarkeit sich gleichmäßig jeweils durch einen ganzen Kristall ziehen. Bei Pseudomorphosen würde ein ehemaliger Pyroxenkristall durch viele Amphibolkristalle ersetzt werden. Dann ist zwar die äußere Pyroxenkristallform erhalten, aber im Inneren wechselt die Richtung der Spaltbarkeit oft. Bei Quarz und den Feldspäten habe ich erst einmal keine Gegenargumente oder Einwände. Das Gestein im Bereich Gabbro anzusiedeln ist sicherlich die richtige Richtung.

Ich schlage mal noch zwei Tests vor:
1. Einmal mit einem Magneten die magnetischen Eigenschaften der metallisch glänzenden Flächen überprüfen. Bei Magnetit flatscht der Magnet richtig ran. Bei Ilmenit und Hämatit bemerkt man eine schwache Anziehung (Magnet an Faden befestigen und langsam an die zu testende Fläche führen. (Hämatit -->markant rote Strichfarbe) Bei Rutil (gute Spaltbarkeit) ist in der Regel gar keine Reaktion feststellbar. Diese Mineralbestimmung hat aber hier keinen Einfluss auf die Namensgebung des Gesteins.
2. Unter einer UV-Lampe den Stein begutachten. Feltspatoide fluoreszieren in der Regel, vor allem bei einsetzender Verwitterung. Daher sind diese an der Außenseite manchmal leicht aufzuspüren. Bei Verdacht auf Feldspatoid kann man dann die Härte testen. sie ist meist niedriger als bei Feldspat. Wenn Feldspat im Bestimmungsobjekt mit vorkommt, ist der Vergleich meist einfacher.

Mit freundlichen Grüßen

Das Felsenmammut

Offline karlov

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Re: Grüner Stein von der Ostsee
« Antwort #9 am: 12 Apr 20, 08:33 »
Moinmoin,

der Einwand des Felsenmammuts bezüglich der Amphibole ist berechtigt. Mit "Porphyroblasten" habe ich mich vielleicht zu weit aus dem Fenster gelehnt. In der Tat sehen die großen Amphibole wie "echte" Kristalle aus, nicht wie teilweise durch Amphibol ersetzter Pyroxen.

Vorlesung:Es gibt von der Uni Tübingen Vorlesungen zur Petrologie als Video, gehalten von Prof. Markl. Da erfährt man einiges Wissenswertes. Ich musste die Reihe allerdings auch zweimal sehen, um alles zu verstehen  ;D
https://timms.uni-tuebingen.de/tp/UT_20050427_001_petrol_0001
Vielleicht gibt es ja auch irgendwo einen "Schotterkurs" als Videovorlesung?

Frohe Ostern,
Marc

Offline Tycho88

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Re: Grüner Stein von der Ostsee
« Antwort #10 am: 12 Apr 20, 12:47 »
Moins,

Erstmal Danke für den Link, sieht Interessant aus. Da habe ich was für die Abendstunden ;)

Heißt das dann, das Porphyroblasten immer Psyeudos bei den Metamorphiten sind?
Wenn ich unterm Bino schaue, sehe ich dass die Spaltrichtungen alle in die gleiche Richtung innerhalb eines Kristalls verlaufen.
Wäre dann die Bezeichnung amphibolgeführter Gabbro dann besser? Ist das dann gleich einem Uralitgabbro?

Zum Magneten:
Der metallische Glanz bei Detail1 ist ein Amphibol der gerade zur richtigen Zeit unterm Bino reflektiert hat. Bei 01-Stein sieht man im Vordergrund auch einen glänzenden Kristall. Die Amphibole glänzen nicht alle gleichzeitig, da diese unterschiedlich hausgerichtet sind. Beim Drehen kommt der Glanz an den verschiedensten Stellen. Anfang dachte ich noch das nur vereinzelte der größeren Kristalle glitzern (und das ich so diese hätte differenzieren können) Habe dann aber festgestellt, das schlussendlich alle dieses Reflektionsverhalten aufweisen.

Der erste Versuch mittels Magneten hat nix gebracht. Werde ihn an ein Stück Schnur binden.

Zur UV Lampe
Hab noch keine in meinem Besitz. Mit Feltspatoide sind die Foide gemeint? Die wurden nur kurz in den praktische Übungen angerissen. Nach dem Motto: wenn ich jemanden durch die Prüfung rasseln will oder zwischen zwei Noten steht…

UV-Licht/Fluoreszenz ist also ein Indiez für Foide? Wieder was gelernt.

Offline karlov

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Re: Grüner Stein von der Ostsee
« Antwort #11 am: 16 Apr 20, 12:32 »
Moinsen,

Porphyroblasten sind Kristalle, die bei der Metamorphose neu gewachsen sind. Pseudomorphosen sind Minerale, die den Platz (und die äußere Gestalt) eines anderen Minerals einnehmen. Deine Beschreibung spricht für Porphyroblasten, zeitgemäßer ist die Bezeichnung amphibol-porphyroblastischer Gabbro (oder Amphibolit?). Uralitgabbro ist eine veraltete Bezeichnung, ein ein Kennzeichen der Uraligabbros ist, dass Pyroxen durch faserige Hornblende ersetzt wurde.

Ich würde glatt um ein Bier wetten, das der Nachweis von Foiden mittels UV negativ ausfällt  >:D


Online felsenmammut

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Re: Grüner Stein von der Ostsee
« Antwort #12 am: 16 Apr 20, 14:18 »
Glück Auf!

Ich möchte Bedenken anmelden, dass der Porphyroblastenbegriff nur für metamorphe Gesteine gilt. Meiner Erfahrung nach (was man so liest und hört) gilt der Begriff ebenso für magmatische Gesteine. Bei den sedimentären Gesteinen ist er mir noch nicht begegnet, dafür der Begriff Klasten. Der Begriff Porphyr als Gesteinsbezeichnung wurde schon vor einiger Zeit diskreditiert, da er in der stetig weiterentwickelten petrographischen Systematisierung letztlich nur noch eine strukturelle Gefügebeschreibung darstellt und keine Auskunft über mineralische Zusammensetzung oder geologische Herkunft zulässt. Aber als Zusatz "porphyrisch" bei der Gesteinsbezeichnung ist er durchaus noch zulässig, z.B. bei porphyrischem Granit. Das porphyrische Gefüge unterteilt sich in die zwei strukturellen Bestandteile Porphyroblasten und Matrix. Wesentlicher Unterschied ist dabei, dass die Porphyroblasten deutlich größer/grobkörniger sind als die Matrix. Mineralogisch können Porphyroblasten das gleiche Mineral darstellen oder völlig andere Minerale.

Mit freundlichen Grüßen

Das Felsenmammut

Offline karlov

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Re: Grüner Stein von der Ostsee
« Antwort #13 am: 22 Apr 20, 21:57 »
Moinmoin,
der Begriff blastisch ist Metamorphiten vorbehalten, also auch porphyroblastisch (sowie porphyroklastisch) als eine mögliche Erscheinungsform metamorpher Minerale. Die strukturellen Bestandteile des porphyrischen Gefüges sind Grundmasse/Matrix und Einsprenglinge/Phänokristen, nicht Porphyroblasten. Bei magmatischen Gesteinen spricht man nur von einem porphyrischen Gefüge. "Porphyr" ist keineswegs diskreditiert, weil wir als Sammler unser Funde fast ausschließlich nach makroskopischen Kriterien bestimmen. Der Begriff Porphyr sagte ja noch nie etwas über den Chemismus aus, es ist eben ein feinkörniger Vulkanit mit größeren Einsprenglingen. An dieser Stelle finde ich auch den Begriff "Porphyrit" -Porphyre mit Plagioklas-Einsprenglingen - durchaus handlich und verwendenswert, bis dann jemand im Labor das Gestein mal als Dacit oder Andesit bestimmen mag.

S.a. Vinx R Gesteinsbestimmung im Gelände, 3. Auflage 2011, S. 364 Metamorphite, S.  147 Magmatite.

Grüße,
karlov

 

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