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Autor Thema: Lepidokrokit, Steinbruch Juchem  (Gelesen 1452 mal)

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Offline Lexikon

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Lepidokrokit, Steinbruch Juchem
« am: 25 Nov 20, 11:35 »
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Deutschland/Rheinland-Pfalz/Birkenfeld, Landkreis/Herrstein-Rhaunen, Verbandsgem./Niederwörresbach/Steinbruch Juchem
Lepidokrokit, Steinbruch Juchem

Offline Klaus Schäfer

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Lepidokrokit, Steinbruch Juchem
« Antwort #1 am: 25 Nov 20, 11:35 »
Solch kleine rötlichen Kristalle sind bislang vom Steinbruch Juchem in der Analyse immer als Hämatit bestimmt worden. Fehlbestimmungen von rötlich durchscheinendem Hämatit als Lepidokrokit trifft man leider auch an vielen weiteren Lokalitäten. Im Allgemeinen ist gut kristallisierter Lepidokrokit eine ausgesprochene Seltenheit. Deshalb würde ich vorschlagen, rein visuell bestimmten Lepidokrokit als solchen auszuweisen oder einen geklammertes  Fragezeichen anzufügen (?).

Offline prospector56

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Re: Lepidokrokit, Steinbruch Juchem
« Antwort #2 am: 25 Nov 20, 17:50 »
Vielen Dank für den Hinweis! Das Stück wurde 1975 von einem damals renommierten Micromount-Sammler erworben. Da Lepidokrokit in der Mineralliste von Juchem enthalten war (bzw. bei Mindat.org noch enthalten ist), ging ich davon aus, dass es sich tatsächlich um Lepidokrokit handelt, zumal ich in meiner Literatur auch eine zeitgenössische Referenz gefunden habe [s. SCHMELTZER, H.: Mineralfundstellen Band 6, Rheinland-Pfalz und Saarland, (1977) S. 61., Steinbruch Juchem: "An Eisenverbindungen kommen Rubinglimmer (Lepidokrokit) in kleinen rötlichen Schüppchen ... und Hämatit als Eisenglimmer und Eisenrahm vor".]. Aber selbstverständlich müssen hier die (vermutlich späteren) Analysen den Ausschlag geben. Ich habe noch ein weiteres Stück fotografiert, dass als Calcit ("Kanonenspat") ausgewiesen ist und ebenfalls die rötlichen Überzüge hat. Visuell würde ich sagen, dass es sich hier tatsächlich um den "Eisenglimmer", also Hämatit handelt (s. Anhang).

Aufgrund des Hinweises habe ich die Bildunterschrift zunächst entsprechend angepasst. Wenn Lepidokrokit in Juchem nach aktuellem Kenntnisstand definitiv nicht vorkommt, sollte ich das Foto dann dem Hämatit zuordnen und Lepidokrokit ganz streichen?

Offline Klaus Schäfer

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Re: Lepidokrokit, Steinbruch Juchem
« Antwort #3 am: 25 Nov 20, 18:57 »
Hallo Joachim,

Wenn du ein Mineral aufgrund für dich erkennbarer und wesentlicher Kriterien identifizierst, kannst du es gerne hier unter dem von dir dem Mineral zugesprochener Identität publizieren.

Solltest du (und eventuell andere Sammler) Hinweise finden, das die Identität nicht zweifelsfrei festgestellt ist, aber eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass es sich um die vermutete Spezies handelt, wäre ein Fragezeichen in Klammern (?) angebracht. In der Folge könnte man in diesem Fall die Fragwürdigkeit durch eine Analyse aufheben, wenn es aufgrund besonders schöner Ausbildung oder genetischer Relevanz geraten scheint.

Ist man sich der Bestimmung eines seltenen Minerales sicher, hat aber zur Verifizierung keine Analyse durchgeführt, stellt die Bemerkung "visuell bestimmt" dies für alle klar. Mit dieser Bemerkung sollte man aber haushalten und sie sollte nur im Fall einer Neubestimmung oder eines sehr seltenen Minerales genutzt werden.
Einen Quarz, einen Calcit, einen Malachit kann man auch ganz gut ohne Einschränkung publizieren, da hier eine glaubhafte Bestimmung ohne viel Gewese von allen Sammlern akzeptiert wird.

Bei den Proben vom Steinbruch Juchem spricht Alles dafür, das sie identisch mit Hämatit sind und Nichts dafür, dass es sich um Lepidokrokit handelt. Ich hatte das Lepidokrokitproblem bei Proben aus Heisterberg.

Deutschland/Saarland/St. Wendel, Landkreis/Heisterberg
Lepidokrokit, Steinbruch Juchem


 Aufgrund der Kristallform des Problematikums habe ich mich für die Kennzeichnung "Lepidokrokit (?)" entschieden.

Gruß von Klaus

Offline prospector56

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Re: Lepidokrokit, Steinbruch Juchem
« Antwort #4 am: 27 Nov 20, 09:55 »
Hallo Klaus,

danke für Deine Informationen und die Tipps zum Publizieren von Mineralien auf dieser Plattform. Ich bin ja noch recht neu hier und quasi noch in der "Einarbeitungsphase", daher möchte ich an dieser Stelle ein paar Gedanken einbringen.

Aktuell bin ich dabei, den Bestand meiner recht umfangreichen MM-Sammlung mit dem Mineralienatlas abzugleichen und dort, wo es mir hilfreich erscheint, Mineralien oder noch besser Fotos zu ergänzen. Ich versuche dabei immer eine "Qualitätssicherung" zu machen in der Weise, dass ich mein Stück mit Mineralien von dem selben oder anderen Fundorten abgleiche, Referenzen suche oder zumindest eine Plausibilitätsprüfung vornehme. Allerdings ist es oft schwierig, überhaupt Referenzen zu finden. Für etliche Fundorte wurden offenbar Minerallisten aus z.T. älteren Publikationen übernommen, ohne dass es einen Einzelnachweis oder ein Foto von den eingestellten Mineralien gäbe. Das macht es für mich als Hobby-Mineralogen schwierig, ein in der Sammlung vorhandenes, bisher nicht fotografiertes Stück von einem Fundort glaubhaft zuzuordnen.

Meine Sammlung stammt im Wesentlichen aus den 1970er und 1980er-Jahren. Viele Stücke wurden eingetauscht, auch international oder auf Börsen erworben. Offenbar wurde damals recht "selbstbewusst" bestimmt und an einige der Bestimmungen aus der damaligen Zeit muss man heute leider ein Fragezeichen setzen. Natürlich gibt es heute durch das Internet ganz andere Möglichkeiten als damals, eine Bestimmung zu verifizieren. Ich denke, dass viele andere auf dieser Plattform ähnlich vorgehen und mineralogische Analysen nur in seltenen Fällen vorliegen. Nicht jeder hat ja auch die Möglichkeit dazu. Du hast völlig recht, im Zweifel sollte man lieber ein Fragezeichen setzen, das Foto zur Diskussion stellen und somit anderen Sammlerinnen und Sammlern die Möglichkeit geben, ihr Wissen einzubringen.

Hinzu kommt, dass nicht jeder über eine teure Fotoausrüstung verfügt und das Know how dazu hat, Spitzenfotos in 3D-Qualiät herzustellen. Meine Fotos habe ich mit einem Smartphone durch das Okular des Mikroskops gemacht. Schon mit wenig Aufwand lassen sich hier ganz brauchbare Aufnahmen herstellen. Hierzu möchte ich mal Oliver S. (Moderator) aus einer anderen Diskussion um eines meiner Fotos zitieren: "Es sollen im Lexikon ja nicht nur "Spitzenstufen" gezeigt werden, sondern es ist ganz wichtig, dass es da auch Fotos von Mineralien gibt, wie man sie eben an der betreffenden Fundstelle selber finden kann - und die sind eben oft sehr unscheinbar...".

Vor diesem Hintergrund verstehe diese Plattform so, dass die Verantwortung für alle Informationen, die hier veröffentlicht werden, ausschließlich bei den Autorinnen und Autoren liegt. Ähnlich wie bei Wikipedia können die hier abgerufenen Informationen zwar als weitestgehend gesichert und damit "korrekt" angesehen werden, eine Garantie dafür gibt es aber nicht, schon gar nicht im wissenschaftlichen Sinne. Letztlich geht es hier ja um ein gemeinsames Hobby und die Freude daran, immer wieder Neues zu entdecken, Informationen auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Hierzu gehört auch, das der ein oder andere voller Stolz mal ein "Urlaubsfoto" hochlädt...  ;)

Vielleicht hast Du als erfahrenes Mitglied auf dieser Plattform noch ein paar Tipps für mich.

Viele Grüße und Glückauf

Joachim

Offline Klaus Schäfer

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Re: Lepidokrokit, Steinbruch Juchem
« Antwort #5 am: 27 Nov 20, 18:18 »
Hallo Joachim,

Vielen Dank für deine ausführliche Note, die beweist, mit welchem Gespür du erfasst hast, welche Ziele wir hier verfolgen.

Mir persönlich liegt die visuelle Emanation der für mich greifbaren Stufen, die für andere nur durch das Bild erfahrbar sind, sehr am Herzen. Ich versuche neben der ästhetischen, auch immer eine didaktische Qualität in der Fotografie zu erreichen. Das liegt wohl ein wenig an meiner pädagogischen Berufung.

Deine Ansätze sind da ähnlicher Natur - auch du willst den Atlas bereichern. Durch vergleichende Aufnahmen, Bilder seltener Mineralien oder außergewöhnlicher Fundstellen. Naturgemäß sind diese Bilder anfänglich in der Darstellung, ihrem Ausdruck und in ihrer Relevanz limitiert. Sie sind aber dennoch gerechtfertigt. Hier im Atlas werden Bilder zwar bewertet - aber Wettbewerbe werden ausdrücklich gekennzeichnet. Jeder Beitrag ist willkommen, sofern er sich Mindestanforderungen an Authentizität unterwirft und eine passable Darstellungsqualität erreicht. Der Mineralienatlas ist gleichzeitig muntere Spielwiese und ernsthaftes Archiv.
Wenn du dein Ziel Minerale abzubilden weiterverfolgst, werden sich auch qualitative Steigerungen einstellen. Die Ausrüstung, im Moment noch limitiert auf Handy und Mikroskop, wird sich dem Ziel anpassen.

Schaut man sich ältere Aufnahmen von mir an, finden sich ungewollte Farbstiche, unzureichende Auflösung, unscharfe Bereiche und bildgestalterischer Dilettantismus, den ich heute überwunden glaube. Um eine Steigerung zu erreichen, schaue ich mir Abbildungen von Kollegen genau an und versuche aus ihnen zu lernen. Besonders gelungene Momente der Beleuchtung und des Bildaufbaues meiner Vorbilder versuche ich in meinen eigenen Aufnahmen nachzuempfinden.

Allerdings macht auch mir manchmal das Motiv einen Strich durch die Rechnung, insbesondere dann, wenn es sich um tückisch kleine, kontrastarme, in Höhlungen versteckte und einfach nicht ausleuchtbare Sujets handelt. Ist das Ziel dann die Darstellung einer ergänzenden Varietät, oder nur die Dokumentation einer Stufe für die eigene Sammlung, muss man halt mit der erreichten Fotoqualität leben.
Eventuell muss man aber auch eine Stufe unter hohem Risiko säubern, umpräparieren oder vielleicht sogar neu knacken, sollte das zu erzielende Motiv die entsprechende Bedeutung besitzen.

Also:"Aller Anfang ist schwer" und "keep on trucking!"

Gruß von Klaus

Offline prospector56

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Re: Lepidokrokit, Steinbruch Juchem
« Antwort #6 am: 30 Nov 20, 16:37 »
Hallo Klaus,

vielen Dank für Deine Ausführungen, die mich einerseits bestätigen, anderseits zu noch mehr Qualität beim Anfertigen von Bildern anspornen. Wie Du schreibst, geht es auf dieser Plattform nicht vordergründig um den Wettbewerb um das schönste Bild, sondern auch und vor allem um den Aufbau eines umfassenden Online-Archivs, bei dem die deutschen Fundstellen sicherlich einen Schwerpunkt bilden. Archivarisch ideal wäre es für mich, zu jedem aufgelisteten Mineral einer Fundstelle einen Einzelnachweis und ein Foto zu haben, das wenigstens den Beleg dafür liefert, dass das Mineral dort nicht nur theoretisch vorkommt, sondern tatsächlich dort auch gefunden und bestimmt wurde. Insofern finde ich jeden neuen Beitrag eines "Belegstückes", und sei es noch so gewöhnlich oder unscheinbar, durchaus gerechtfertigt. Es hilft vielleicht anderen Sammlern, ihre Stücke zu identifizieren.

Andererseits fällt mir schon auf, dass die ästhetisch schönen Fotos auch öfter aufgerufen werden, also naturgemäß eher "Eyecatcher" sind als das mittelmäßige Foto des x-ten Malachits von irgendeiner Halde. Auf ein gelungenes Foto unter schwierigen Bedingungen darf man sicherlich auch ein wenig stolz sein.

In dem von Dir beschriebenen Sinne "Spielwiese und ernsthaftes Archiv" wird sich hier sicherlich jeder verwirklichen können, der gewisse Qualitätsstandards einhält und das ist gut so. Und über Geschmack lässt sich nicht streiten...

In diesem Sinne viele Grüße und Glückauf,

Joachim

 

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