Mineralien / Minerals / Minerales > Allg. Diskussionen Mineralien / General discussions minerals

sphärolithischer Aufbau von Lithophysen

(1/3) > >>

Lexikon:
Bilder Diskussion - Image Discussion

 (für mehr Informationen klicke auf das Bild / click on the picture to get more information)

Manfrid:
Der Opal selbst ist natürlich prächtig. Hinweisen möchte ich aber auf das unscheinbare Kugelgebilde in der Mitte seines unteren Randes. Es dürfte gewissen "Augen" entsprechen, die z. B. in vielen Achaten aus St. Egidien oder auch L'Esterel stärker auffallen, und sollte bei den Versuchen, die Genese solcher Lithophysen zu verstehen, nicht unberücksichtigt bleiben.

Klaus Schäfer:
Hallo Manfrid,

Danke für dein Interesse an meiner Arbeit und deine Bemerkung über den sphärolithischen Aufbau von Lithophysen. Ich habe deshalb heute ein paar Thundereggs hochgeladen, an denen man die Bildung von Lithophysen exemplarisch darstellen kann.

Zum ersten diese beiden Fotos von Lithophysen aus Oregon. Sie befinden sich noch in ihrer Matrix, einem grünlichen Obsidian. Sie bestehen aus sphärolithisch kristallisiertem Cristobalit. Dieser kann aufreißen und so Platz für eine Achatbildung schaffen. Oft zerreißt die Cristobalitkugel aber nicht direkt im Zentrum, sondern ausgehend von der Schale eines dichteren, kugelförmigen Kernes, der unverletzt bleibt.

sphärolithischer Aufbau von Lithophysen

Bei dem hier gezeigten Achatkern aus Burns in Oregon, bei dem die Lithophyse komplett weggewittert ist, erkennt der Betrachter auf der ihm zugewandten Seite eine flache, runde Scheibe, die strahlenartig von einem Zentrum ausgehend reliefiert ist. Im Zentrum erhebt sich eine kugelförmige Achatstruktur. Diese Struktur ist der Abdruck des Kernes. Auf der anderen, nicht gezeigten Seite des Achates, darf der Betrachter den Eindruck des Kernes erwarten. 

sphärolithischer Aufbau von Lithophysen

Die weiteren angehängten Bilder zeigen ein paar Achate aus Mirasoles, bei denen durch einen perpendikular zur gravitativen Ausrichtung geführten Schnitt der dichte, primäre Kerne erhalten und Teil der interessanten Achatzeichnung ist. 

sphärolithischer Aufbau von Lithophysensphärolithischer Aufbau von Lithophysen

Diese Abbildung zeigt einen Schnitt parallel der gravitativen Ausrichtung der Lithophyse und zeigt den primären Kern im Zentrum von rotem Achat.

Manfrid:
Prachtstücke! Vielen Dank für's Zeigen!
Interessant ist ja hier auch die radiale Struktur um die farbige Rissfüllung herum. Sie dürfte sich, ihrer nicht zu den Rissrändern parallelen Ausrichtung nach, erst nach der Rissbildung ausgebildet haben. Bei dem ersten Stück aus Mirasoles erkennt man rechts in diesem Bereich sogar noch eine Fortsetzung der Horizontalschichtung. Die Überprägung dieses Bereichs der Lithophyse steht offenbar mit der eigentlichen Achatbildung in den Spalten in engem Zusammenhang. Andererseits dürfte sie aber durch ihre konsolidierende Wirkung auch die letztendliche Form der Lithophyse wesentlich mitbestimmen, so dass Primäres (Lithophysenbildung) und Sekundäres (Achatfüllung) vermutlich gar nicht ganz sauber zu trennen sind. Hier liegt meines Erachtens ein wesentlicher Teil des vieldiskutierten "Achatproblems".

felsenmammut:
Glück Auf!


--- Zitat ---Bei dem ersten Stück aus Mirasoles erkennt man rechts in diesem Bereich sogar noch eine Fortsetzung der Horizontalschichtung.
--- Ende Zitat ---
kann man so deuten, kann aber auch reiner Zufall sein. Eine mehr oder weniger radialstrahlige Außenkontur und ein Lagenachat im Zentrum haben eine ausreichende Wahrscheinlichkeit in einem begrenzten Abschnitt parallel zu verlaufen. Dieses Phänomen ist für die Fundstelle aber keineswegs signifikant. Wenn man der These folgt, müssten bei einer Vielzahl an Achaten mit Lagenbänderung von dieser Fundstelle vielmehr Achate eine zumindest abschnittsweise Übereinstimmung von Ausrichtung der Lagenbänderung und der Außenkontur zeigen. Die Vielzahl an Achatbildern mit Lagenbänderung von dieser Fundstelle widerspricht aber dieser These. Zum anderen sollte man berücksichtigen, dass auch zwei völlig unabhängige Prozesse, die eine gravimetrisch orientierte Streifung oder Schichtung erzeugen, fast zwangsweise die gleiche Ausrichtung einnehmen, wenn die relative Orientierung zum Schwerefeld die gleiche ist.

Es besteht keine zwingende Notwendigkeit, dass die radiale Struktur parallel zu den Rissrändern verläuft. Spaltbarkeit weist ein kontinuierliches Spektrum von höchst vollkommen bis gar nicht vorhanden auf. Und auch Minerale mit ausgeprägter Spaltbarkeit können einen muschligen Bruch aufweisen. Zudem kann die Verzahnung von Kristallen zu einem ungleichmäßigen Bruchbild im Gefüge führen. Man könnte sogar in Frage stellen, ob die visuell als solche wahrnehmbare radiale Struktur überhaupt einen Einfluss auf die in etwa radial geartete  Rissstruktur hat. Wie man von Szeptarien von überall in der Welt weiß, haben die Schrumpfungsrissmuster in kugeligen Gebilden eine radiale Komponente, auch ganz ohne radialstrahlige Konturen oder Strukturen.

Mit freundlichen Grüßen

Das Felsenmammut

Navigation

[0] Themen-Index

[#] Nächste Seite

Zur normalen Ansicht wechseln