Glück Auf!
Zum ursprünglichen Anliegen kann ich nichts Neues beitragen.
Nun habe ich das Thema Abgrenzung von Epitaxie und Zonierung angestoßen. Wenn gewünscht, habe ich nichts dagegen, wenn die weitere Diskussion zu Epitaxie und Zonierung als neue Diskussionsrunde abgetrennt wird.
Die von smoeller gegebene Definition für Epitaxie findet man so oder so ähnlich in vielen Quellen. Bei Zonierung bzw. Zonarbau (auf der Skala von Mineralien) variiert die Definition deutlich, je nach geowissenschaftlicher Spezialisierung und Zweckmäßigkeit. Teils wird eine Kontinuität des Kristallgitters über die Phasengrenze hinaus, teils nur eine kristallographische Orientierung der angrenzenden Phasen gefordert. Manchmal wird auch der Anspruch einer kristallographischen Orientierung fallengelassen und stattdessen eine mehr oder weniger äquidistante Abfolge von Schichten eingesetzt. Die chemische Zusammensetzung kann geringfügig (häufig bei Farbzonierung innerhalb eines Minerals/Kristalls) oder erheblich (Mischkristallreihen) variieren. Der Aspekt der Verzwillingung muss mit ins Kalkül gezogen werden. Daraus ergeben sich einige Konflikte:
- A: Die Definition für Epitaxie trifft auch auf viele Erscheinungen zu, die aber der Zonierung zugeschoben werden.
- B: Sowohl Epitaxie als auch Zonierung sind mit nur einer Mineralart oder mit mehreren Mineralarten möglich, was deren Abgrenzung erschwert.
- C: Minerale aus Mischkristallreihen können auch Epitaxien zeigen. Daraus resultiert ein fließender Übergang von Epitaxie zu Zonierung.
- D: Auch bei nur einem Mineral kann Epitaxie in Zonierung übergehen.
- E: Wie wird Homoepitaxie von Verzwillingungen abgegrenzt?
zu A: als Beispiel: Die einzelnen Generationen eines Phantomquarzes sind auch gesetzmäßig orientiert aufeinander aufgewachsen und würden damit der Definition der Epitaxie genügen. Die Farberscheinungen, die den Phantomquarz als solchen erkenntlich machen, werden aber der Zonierung zugeordnet.
zu C: Als Beispiel will ich hier mal ein paar Bilder aus der Pyromorphit-Mimetesit-Reihe zeigen:

Mischkristalle Torbernit-Autunit vom Henneberg?

Mischkristalle Torbernit-Autunit vom Henneberg?

Mischkristalle Torbernit-Autunit vom Henneberg?
Wer möchte, kann sich weitere Bilder hier ansehen:
https://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/MineralData?mineral=Mimetesit-Pyromorphit-MischkristallreiheDas Zeigen der Bilder verfolgt nicht das Ziel, an konkreten Beispielen den Unterschied von Zonierung und Epitaxie auseinanderzunehmen. Sie sollen vor allem als Gedankenstütze oder zur Veranschaulichung dienen, um sich vorstellen zu können, dass ein fließender Übergang von Epitaxie zu Zonierung bei Mischkristallen möglich sein kann.
zu D: Als Beispiel habe ich mal einige Bilder von Fluorit zusammengestellt.

Mischkristalle Torbernit-Autunit vom Henneberg?

Mischkristalle Torbernit-Autunit vom Henneberg?

Mischkristalle Torbernit-Autunit vom Henneberg?

Mischkristalle Torbernit-Autunit vom Henneberg?
Die Bilder wurden so gewählt, dass hier immer ein Oktaeder von Hexaedern überwachsen wird. Die Überwachsung erfolgt in der Reihenfolge der Bilder im zunehmenden Maße. Anfangs würde man von Epitaxie ausgehen. Aber wie ist dann das letzte Bild dieser Reihen einzustufen. Ist es lediglich die vollständige epitaktische Überwachsung von einem Oktaeder mit Hexaedern oder würde man es als Zonierung einstufen? Die Bilder sollen wieder nicht dazu dienen, an diesen Beispielen Epitaxie von Zonierung zu unterscheiden. Sie sind wieder vordergründig zur Visualisierung gedacht, um sich vorzustellen, wie fließend der Übergang von Epitaxie zu Zonierung werden kann.
Zu E: Homoepitaxie erzeugt bei Parallelverwachsung (gleiche kristallographische Orientierung) von aufwachsendem Kristall und Substrat kein zusätzliches Symmetrieelement, welches für die Erfüllung der Definition einer Verzwillingung erforderlich ist. Als Beispiel soll hier noch einmal der Fluorit mit einigen Bildern herangezogen werden.

Mischkristalle Torbernit-Autunit vom Henneberg?

Mischkristalle Torbernit-Autunit vom Henneberg?

Mischkristalle Torbernit-Autunit vom Henneberg?
Wenn man sich an den eingangs genannten Definitionen für Epitaxie und Zonierung orientiert, ergibt sich schließlich eine Überlagerung. Reine Epitaxie wäre für Kombinationen von verschiedenen Mineralen, die keine Mischkristallreihe darstellen, erfüllt. Reine Zonierung wäre für fließende Übergänge gegeben. Wenn man weiterhin zwischen Kombinationen der gleichen Mineralart, verschiedenen Mineralarten, die keiner Mischkristallreihe angehören und verschiedenen Mineralarten, die einer Mischkristallreihe angehören, unterscheiden will, ergeben sich zunächst 9 Möglichkeiten, siehe Anhang. Die einzelnen Felder habe ich mit E1 bis Z3 beschriftet. Mineralphasenkombinationen ließen sich darin für jedes konkrete Beispiel einordnen, z.B. Rutil-Hämatit in E2 oder Skolezit-Natrolith-Mesolith in EZ2 oder Ametrin in Z1. Wenn man nun noch Endotaxie, Distaxi und Topotaxi als Sonderformen der Epitaxie einbezieht, würden zumindest einige Überschneidungsbereiche aus Zonierung und Epitaxie der Epitaxie zufallen. Das macht aber die Abgrenzung zur Zonierung nicht einfacher. Letztlich führt auch diese Einteilerei zu keinem glücklichen Ergebnis.
Als Vorschlag, wie man Epitaxie von Zonierung vielleicht besser abgrenzen kann, wäre die Einbeziehung der Morphologie am Übergang der betrachteten Phasenkombination. Eine Zonierung liegt vor, wenn die Phasenänderung unter Beibehaltung der Morphologie des Kristalls erfolgt. Epitaxie steht dann im Zusammenhang mit einer Diskontinuität des Kristalls oder Kristallaggregats am Phasenübergang. Leider greift aber auch das Argument erst dann allumfassend, wenn man Endotaxie, Distaxi und Topotaxi mit ergänzt.
Zonierung und Epitaxie können natürlich auch gleichzeitig am selben Kristall(aggregat) auftreten.
Mit freundlichen Grüßen
Das Felsenmammut