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Cumengeit - Kristall- und Wachstumsformen

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Lexikon:
edit Mod.: Da die im Folgenden angeführten Informationen weit über die "Bilder Diskussion - Image Discussion" hinausgehen und von allgemeinem Interesse sind, wurde das Thema zu den "allgemeinen Disussionen" übernommen.

 (für mehr Informationen klicke auf das Bild / click on the picture to get more information)

felsenmammut:
Glück Auf!

Das Bild zeigt einige schöne blaue Kristalle, bzw. Kristallaggregate, die der Beschriftung nach wohl Cumengeit sind. Besonders die Kristallaggregate in der Bildmitte werfen bei mir einige Fragen auf, letztlich auch, ob es tatsächlich Cumengeit ist.
Die Orientierung der Kristallflächen erscheint mir zu präzise, als dass es eine zufällige Verwachsung sein könnte, zumal mehrere benachbarte Kristallaggregate die gleichen Verwachsungen zeigen. Es könnte sich um Epitaxien oder Verzwillingungen handeln. Verzwillingungen sind nach meinen Recherchen von Cumengeit nicht bekannt. Es gibt aber Epitaxien von Cumengeit auf Boleit und eventuell auch auf Pseudoboleit, letzteres allerdings fraglich. Bei der Epitaxie auf Boleit stehen die tetragonalen Cumengeitkristalle ohne Verdrehung mit der {001} Ebene auf einer der {100} Ebenen der kubischen (Pseudo-?)Boleitkristalle. Zwischen den (101) Flächen benachbarter Cumengeitkristalle ergibt sich ein Winkel von 153°. Eine grobe Abschätzung an einem Bild bestätigt den Winkel (Bild Cumengeit2,WinkelV02). 2 epitaktisch aufsitzende Cumgengeitkristalle haben eine gemeinsame Kante und genau 3 epitaktisch aufsitzende Cumengeitkristalle haben eine gemeinsame Ecke.
Wenn die auf dem diskutierten Bild zu sehenden Aggregate epitaktische Bildungen von Cumengeit auf Boleit sein sollen, so stimmen sie nicht mit den Epitaxiebeschreibungen überein. Es würden 4 Kristallspitzen sich eine Ecke teilen (roter Kreis im Bild Cumgengeit,V04).
Als eine Alternative könnte man Durchkreuzungszwillinge annehmen. Dem widersprechen aber die nicht parallelen Kanten der kleineren Spitzen (Bilder Cumgengeit,V05 und Cumengeit,V06). Für Durchkreuzungszwillinge bei Cumengeit konnte ich keine Referenzen finden.
Cumengeitkontaktzwillinge hätten einen einspringenden Winkel von 127° zwischen den angrenzenden Flächen. Aus dem Bild lässt sich der Winkel aber nicht direkt ablesen. Cumengeitkristalle können aber keinen Kristallstern aufbauen, wie er auf dem Bild zu sehen ist. Dafür sind die Achsenverhältnisse im tetragonalen Kristallsystem zu unterschiedlich.
Als weitere Alternative handelt es sich um eine Epitaxie eines pseudooktaedrischen Minerals auf einem (anderen?) pseudooktaedrischen Mineral. Die nichtparallelen Kanten der aufsitzenden Pyramiden würden dafür sprechen, dass mindestens eines der beteiligten Minerale nicht kubisch kristallisiert.
Bei Cumengeitkristallen mit einfachem pyramidalen Habitus ist eine deutlich gelängte Kristallform bei anderen Stücken gut erkennbar. Die hier erkennbaren Kristalle erscheinen aber sehr pseudooktedrisch ohne auffällige Streckung in eine Richtung.

Letztlich kann ich die Fragen nicht beantworten: Handelt es sich hier tatsächlich um Cumengeit? Wie ist die orientierte Verwachsung zu erklären? Wenn es kein Cumengeit sein sollte, was ist es dann?

Vielleicht kann mir jemand bei den Antworten helfen.

Mit freundlichen Grüßen

Das Felsenmammut

Chrisch:
Hut ab vor der tiefreichenden Analyse! Kenne mich mit den fraglichen Mineralen nicht gerade gut aus, habe aber trotzdem eine Meinung dazu:
Bei den Bildern 05 + 07 scheint es sich für mich bei dem stark reflektierenden Bereich eher um eine Fläche (incl. orientierter/Parallelverwachsung!?) zu handeln, wie auch bei der "NNE-SSW-Fläche". Tendiere also eher zu einer Beschreibung als "Durchdringungs-Zwilling subparallel verwachsener xx" (ich weiß, klingt vielleicht blöd...). Bei dem scheinbaren Einzelkristall ganz unten sind die Kanten zwar auch ganz leicht "eingeknickt", aber bei allen sehe ich im Gegensatz zum ersten Standard-Cumengeit-Bild nicht diese vereinfacht gesagt "aufgesetzten Pyramiden auf Würfelflächen" (gebe zu, bin zu faul zu indizieren ;-)

Zum Vergleich noch ein paar links:
https://www.mindat.org/photo-484449.html
https://www.mindat.org/photo-250657.html
https://www.mindat.org/photo-237768.html

Gruß Chrisch

Josef 84,55:
Hallo,

stellt euch vor, der Boleit-Würfel war zum Zeitpunkt der Epitaxie sehr viel kleiner als die jetzt sichtbare Verwachsung und die Cumengeite hatten beim weiter wachsen einen dicktafeligen Habitus (ähnlich Anatas). Die vier Ecken an den zweizähligen Achsen sind so die am schnellsten wachsenden Bereiche. Wenn die auf den Würfelflächen aufgewachsenen Cumengeite, mit ihren drei Orientierungen, größer werden, wachsen sie aneinander vorbei und die am schnellsten wachsenden Bereiche "überleben". So sind diese wie Durchdringungszwillinge aussehenden, orientierten Verwachsungen zu erklären.
Der Habitus spielt bei der geometrischen Auswahl die entscheidende Rolle.
Wäre der Habitus der Cumengeite rein dipyramidial ohne Basisflächen gewesen, hätten sich die bekannten sechszackigen Sterne gebildet, weil dann die am schnellsten wachsende Richtung eine andere wäre.

Glück Auf!
Josef

felsenmammut:
Glück Auf!

die von Josef 84,85 vorgeschlagene Kristallkonstellation hatte ich in Varianten auch schon im Sinn. Ich habe diese Varianten aber nicht weiter verfolgt, weil bisher eine Lösung fehlt, wie einerseits das Epitaxiegesetz für Cumengeit auf Boleit erfüllt werden soll und andererseits diese Form des Kristallaggregats zu erklären wäre. Bei der Konstellation, wie von Josef 84,85 vorgeschlagen, wären die {100} Ebenen der tetragonalen Cumengite auf den {100} Ebenen der kubischen Boleite. Das widerspricht aber dem Epitaxiegesetz, wonach nur die {001} Ebenen der Cumengite auf den Boleit passen. Lösung könnte sein, dass ein Pseudoboleit als Epitaxiewirt vorliegt. Dazu müsste dann mal jemand eine Referenz oder einen Nachweis finden, wonach die {100} Ebenen der Cumengite auf die {100} Ebenen des tetragonalen Pseudoboleits passen.
Dass eine nichtkubische Komponente bei der orientierten Verwachsung enthalten ist, lässt sich auch an einigen nicht gleichseitigen Dreiecken erkennen (gleichmäßiges Wachstum vorausgesetzt, wonach es aber aussieht), siehe angehängte Bilder.

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