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Autor Thema: Glasklare Feinstnadeln aus Haiming/Tirol  (Gelesen 1735 mal)

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Offline michaelh

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Glasklare Feinstnadeln aus Haiming/Tirol
« am: 01 Jan 21, 17:40 »
Hallo Zusammen,
Aktuell nütze ich den Weihnachtsurlaub um meine Mineralien wieder mal zu sichten und mich von dem einen oder anderen Stück zu trennen um Platz für hoffentlich viele Neufunde zu schaffen :)

Bei meinen Wulfenitstufen aus Haiming/Tirol ist mir nun folgendes aufgefallen.
Es haben sich auf ca. 50% meiner Stufen glasklare, sehr fein gewachsene Nadelkristalle gebildet. Die Nadeln sind bis 1cm lang und extrem brüchig. Bei den Stücken, wo sich diese Nadeln im Ansatz gebildet haben, konnte ich die Nadeln durch anblasen entfernen.
Gelagert sind die Stücke im Dunkeln in Holzladen und die Zeitdauer seit der Einlagerung beträgt 1,5 Jahre und die Nadeln waren zu diesem Zeitpunkt garantiert nicht vorhanden.
In der selben Lade lagern noch z.B.: Bergkristalle, Magnesit, Almandin,etc...also alles keine Mineralien, wo ich mir eine Reaktion bzw. nachträglich Kristallbildung durch Salze vorstellen kann. Etwas Organisches oder sonstiges Fremdmaterial schließe ich ebenso aus.
Das Einzige was ich mir noch vorstellen kann ist folgendes:
Um die Wulfenitkristalle freizulegen habe ich zum Teil örtlich 10%ige HCl verwendet (@Volkmar: sorry, diesen Umstand hatte ich bei meinem Mail an dich nicht angeführt, da er mir erst jetzt eingefallen ist). Die Kristalle haben sich zwar nicht im Bereich der Wulfenite gebildet aber das Matrixmaterial kann da durchaus wie ein Schwamm gewirkt haben und ich schließe nicht aus schlecht oder eventuell sogar gar nicht gewässert zu haben.
Kann dies zum Wachstum dieser Nadeln geführt haben?
Weitere Untersuchungen wie z.B.: Wasserlöslichkeit habe ich nicht durchgeführt -  wie gesagt, die Nadeln sind extrem brüchig und für mich im wahrsten Sinne des Wortes nicht zu greifen.
Zugegeben will ich da auch nicht allzuviel "herumdoktern" da diese kleine Stufe mit den Nadeln durchaus attraktiv ist.

Hat einer von euch eine Idee worum es sich handeln kann?

Grüße Michael

Offline limestone

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Re: Glasklare Feinstnadeln aus Haiming/Tirol
« Antwort #1 am: 01 Jan 21, 17:54 »
Mir fällt da auf Anhieb Gips ein.
Glück Auf
Ralf

Offline michaelh

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Re: Glasklare Feinstnadeln aus Haiming/Tirol
« Antwort #2 am: 01 Jan 21, 18:22 »
Mir fällt da auf Anhieb Gips ein.
Glück Auf
Ralf

Hier im Atlas ist bei Haiming das Element Schwefel prinzipiell gelistet und es kommen auch Schwefelverbindungen wie z.B.: Galenit vor. Gips selbst ist bei Haming nicht gelistet.
Habe bei Volkmar als Lokalsammler nachgefragt und weder bei seinen Stufen, noch bei jenen bei Familienangehörigen treten diese Kristalle auf.
Kann mir daher aktuell Gips noch nicht schlüssig vorstellen und bin auf weitere Rückmeldungen dazu neugierig.

Grüße Michael

Offline smoeller

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Re: Glasklare Feinstnadeln aus Haiming/Tirol
« Antwort #3 am: 01 Jan 21, 18:48 »
Hallo,

Wenn es Essig statt Salzsäure war, könnte man sich diese Kristalle als Ca-Acetat erklären. Habe ich schon häufiger beobachtet. Bei HCl unwahrscheinlich, denn CaCl2 ist extrem hygroskopisch (zieht Wasser aus der Luft an) und zerfließt.

Glück Auf!
Sebastian

Offline oliverOliver

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Re: Glasklare Feinstnadeln aus Haiming/Tirol
« Antwort #4 am: 01 Jan 21, 18:53 »
hallo Michael,

Zitat
Gips selbst ist bei Haming nicht gelistet.

Wie du ja selbst schreibst, führst du das Auftreten dieser Nadeln (vermutlich) auf das Aussäuern zurück.
m.E. ist es also für die Bestimmung der xx nicht so wesentlich, welche (natürliche vorkommenden) Minerale vom FO selbst gelistet sind, aber dafür umso mehr, welche von diesen zusammen mit HCl für Neubildungen sorgen könnten - wobei für eventuelle Reaktionen/Neubildungen von der Säure ja ohnehin nur das Chlor relevant ist.

Offline limestone

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Re: Glasklare Feinstnadeln aus Haiming/Tirol
« Antwort #5 am: 01 Jan 21, 20:01 »
Lass das doch einfach mal analysieren Michael. Diese Vermutungen aus der Ferne anhand von Bildern sind meiner Meinung nach nicht zielführend.
Glück Auf
Ralf

Offline stoanklopfer

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Re: Glasklare Feinstnadeln aus Haiming/Tirol
« Antwort #6 am: 01 Jan 21, 20:03 »
Um die Wulfenitkristalle freizulegen habe ich zum Teil örtlich 10%ige HCl verwendet (@Volkmar: sorry, diesen Umstand hatte ich bei meinem Mail an dich nicht angeführt, da er mir erst jetzt eingefallen ist). Die Kristalle haben sich zwar nicht im Bereich der Wulfenite gebildet aber das Matrixmaterial kann da durchaus wie ein Schwamm gewirkt haben und ich schließe nicht aus schlecht oder eventuell sogar gar nicht gewässert zu haben.

Servus Michael,
kein Problem, daran hatte ich gar nicht gedacht, denn auch ich habe Wulfenit-Stufen v.a. zum Reinigen und Entfernen von Kalkresten auf den Kristallen mit Salzsäure behandelt. Dabei ist auch nie etwas in dieser Richtung passiert, weshalb ich gar nicht erst auf den Gedanken gekommen wäre. Deine Nadeln sind für mich immer noch ein Rätsel.

Gruß
Volkmar

Offline oliverOliver

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Re: Glasklare Feinstnadeln aus Haiming/Tirol
« Antwort #7 am: 01 Jan 21, 20:22 »
und wenn (feinstkörniger/"unsichtbarer") Pyrit beteiligt wäre?
Der ist zwar von Haiming auch nicht gelistet, aber nachdem Haiming als Ausläufer des Reviers von Nassereith gelistet wird .... und dort scheint er ja recht geläufig zu sein (6 Einträge)

Offline stoanklopfer

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Re: Glasklare Feinstnadeln aus Haiming/Tirol
« Antwort #8 am: 02 Jan 21, 08:02 »
und wenn (feinstkörniger/"unsichtbarer") Pyrit beteiligt wäre?

Grundsätzlich natürlich möglich, obwohl der dortige Wettersteinkalk sehr rein ist (ich kenne ihn von diversen Rohstoffuntersuchungen) und makroskopisch und mikroskopisch kein Pyrit feststellbar ist. Im Rahmen der Vererzung ist ebenfalls kein Pyrit aufgetreten. Außerdem spricht die Tatsache, dass nur ein Teil von Michaels Wulfeniten und bei meinen Stücken kein einziges betroffen ist, eher dagegen. Bei feinstkörnigem und feinverteiltem Pyrit müsste sich das Phänomen wahrscheinlich bei allen Stücken zeigen. Ich glaube auch, dass zur Klärung erst mal eine Analyse nötig wäre, bevor weitere Gedanken gesponnen werden können.

Offline Axinit

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Re: Glasklare Feinstnadeln aus Haiming/Tirol
« Antwort #9 am: 02 Jan 21, 10:14 »
Servus,

die gezeigten nadelfoermigen Kristalle erinnern mich sehr stark an Ammoniumchlorid-Kristalle (Salmiak), die sich leicht durch Reaktion von gasfoermigen Chlorwasserstoff HCl und gasfoermigem Ammoniak NH3 bilden koennen.

Die hierfuer notwendigen Konzentrationen werden nicht unbedingt als Geruchsbelaestigung wahrgenommen.

Die HCl-Quelle sind mit Salzsaeure behandelte und  nicht oder nur unzureichend gewaesserte Stufen, eine  Ammoniak-Quelle kann alles moegliche sein (Glasreiniger, Kanalisation, Tierhaltung, Holz - es gibt viele Moeglichkeiten).

Ammoniumchlorid kommt in der Natur als "Salmiak" vor und bildet sich z. B. auf brennenden Abraumhalden des Kohlebergbaues. Das Salz ist sehr gut wasserloeslich.

GA,

Harald


Offline openpit

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Re: Glasklare Feinstnadeln aus Haiming/Tirol
« Antwort #10 am: 02 Jan 21, 11:16 »
Hallo,

mir ist eine vergleichbare Bildung auf einer (wohl) gesäuerten Stufe mit Uwarovit und Shuiskit von Sarany bekannt. Feinnadelige, farblose Kristalle die Längen von teils über 3 cm erreichen, bildeten (und bilden) sich an dieser über einen Zeitraum von rund 20 Jahren in einer relativ trockenen Umgebung.
Eine Untersuchung (EDX) dieser Nadeln ergab das Vorliegen Ca und Cl, wobei eine quantitative Abschätzung ein Verhältnis von 1:1 ergab (und damit wahrscheinlich +X).
Weiter wurde die Problematik (noch) nicht verfolgt.

Glück Auf!
Micha

Offline michaelh

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Re: Glasklare Feinstnadeln aus Haiming/Tirol
« Antwort #11 am: 02 Jan 21, 13:07 »
Hallo Zusammen,
Vielen Dank für den regen Austausch dazu.
Ich denke die Ansätze von Axinit und Openpit sind hier die Richtigen, wobei ich eher in Richtung von Openpit tendiere.
Das mit dem Ammoniak kann ich zwar prinzipiell nachvollziehen, allerdings geht mir das mit dem Kristallwachstum zu schnell - denke da müsste dann schon ordentlich Ammoniak in der Umgebung vorhanden sein.

Auf alle Fälle habe ich mittels Pipette ganz vorsichtig einen Tropfen Wasser auf die Matrix (quasi Kristallfuß) aufgebracht und unter einer Lupe mit 10- facher Vergrößerung war herrlich zu sehen, wie die Kristalle sozusagen in das Wasser nach unten eingetaucht sind und sich gelöst haben.

Immerhin habe ich von der Stufe noch das Foto :D

Grüße Michael

Offline Axinit

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Re: Glasklare Feinstnadeln aus Haiming/Tirol
« Antwort #12 am: 02 Jan 21, 13:39 »
Servus,

noch ein letzter Nachschlag:

das von openpit vorgestellte EDX-Ergebnis wuerde auf das Vorliegen einer als Calciumsubhalogenid zu bezeichnenden Substanz hinweisen.

In der Natur bzw. in der Chemie ist fast nichts unmoeglich, aber eine derartige Verbindung wurde bisher noch nicht beschrieben. Vielleicht handelt es sich um eine neue Phase ?

Es ist allerdings eine experimentelle Tatsache, dass Calciumchlorid CaCl2 extrem hygroskopisch ist und sich schnell unter Wasseraufnahme in CaCl2 x 2 H2O umwandelt.  Saemtliche Calciumchlorid-Hydrate sind sehr gut wasserloeslich und "zerfliessen" als Festkoerper durch Wasseraufnahme geradezu unter Umgebungsbedingungen. Hierauf wurde bereits weiter oben hingewiesen.

Die Luftfeuchtigkeit der Umgebung - auch in einem "trockenen" Klima ist zu hoch, um derartige Gebilde zu konservieren.

Die Bildung von makroskopisch beobachtbaren Salmiak-Kristallen kann innerhalb von Stunden bzw. Tagen stattfinden - die Konzentration der Reaktanden macht sich hierbei olfaktorisch nicht bemerkbar. Ammoniumchlorid ist zudem nicht hygroskopisch

Fazit: bei den Feinstnadeln  handelt sich um eine nicht-hygrospkopische (!), jedoch gut wasserloesliche Neubildung, vermutlich ein Chlorid.

GA,

Harald

Offline michaelh

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Re: Glasklare Feinstnadeln aus Haiming/Tirol
« Antwort #13 am: 02 Jan 21, 13:55 »
Hallo Harald,
Denke dein Fazit kann man so stehen lassen :D

Danke und Grüße

Michael

 

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