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Quarz Japaner Zwilling?

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Roadrunner:
Hallo Leute,

heute mal eine Frage an die Kristallografiespezialisten unter Euch.
Ich hab von meinem letzten Besuch im Granitsteinbruch Weitisberga eine Pegmatitstufe mit einer Zwillingsbildung vom Quarz gefunden. Diese stehen fast im Rechten Winkel, aber ich bin mir nicht sicher, ob das zum Japaner Zwilling zählt oder nur optischer Zufall ist.
Hier mal ein Bild davon:

Klaus Schäfer:
Hallo Mark,

Zitiert : Hochleitner, R.,1980: " Bei echten Japaner Zwillingen schneiden sich die c-Achsen der der beiden Kristalle unter einem Winkel von 84°33'. Carakteristisch ist, daß ein Paar von Prismenflächen der beiden Individuen parallel liegt; sind beide Einzelkristalle gleich groß, gehen diese Prismenflächen ineinander über. Liegen die Prismenflächen nicht parallel, handelt es sich nicht um einen Japaner Zwilling, auch wenn der Winkel zwischen den beiden Individuen stimmen würde. Ein weiteres Charakteristikum der Japaner Zwillinge ist, daß sich die Streifungssysteme auf beiden Prismenflächen unter einem Winkel von 95°27' schneiden. Die Individuen sind nicht selten tafelig verzerrt (muß aber nicht die Regel sein); auch völlig normale Quarze können derartige Zwillinge bilden."

Desweiteren kommen Japaner-Zwillinge nicht als absolut seltene und einzigartige Bildung an einer Fundstelle vor. Findet man einen - findet man weitere. Bei gekauften Stücken schließt sich die Überprüfung dieses Umstandes leider aus. Oft sind Zwillinge auch die größten (und stark in eine Wachstumsrichtung verzerrten) Kristallbildungen  auf einer Stufe, weil sich aufgrund besserer Wachstumsvorausetzung mehr Material am Zwillingskontakt anlagert.

Gruß von Klaus

gsiberger:
Man sieht auch dass die Kanten von den Säulen der zwei Kristalle nicht perfekt ineinander greifen. Leider kein Japaner!

Grüße,
Johannes

Roadrunner:
Hab ich mir fast gedacht das das kein Japaner ist, wär ja auch zu schön gewesen ;D

Vielen Dank für die Hinweise

Gruß

Mark

Josef 84,55:
Hallo Mark,

wie Klaus und Johannes schon richtig sagten, es ist kein Japaner Zwilling.
Es würde noch eine ähnlich wie die Japaner aussehende Verwachsung geben, die aus einem Schriftgranit entstanden wäre, einer orientierten Verwachsung von Quarz und Feldspat, aber auch hier stimmt die Ausrichtung der beiden Kristalle nicht.
Es wurden auch noch andere Zwillinge beim Quarz beschrieben, z.B. nach Rhomboederflächen wie das Reichenstein-Grieserntaler-Gesetz nach den Hauptrhomboedern r oder z. Ich hatte schon ein paar solche Kandidaten in meiner Zwillingssammlung, unter anderem einer vom Henneberg. Sie hatten sogar teilweise eine für Zwillinge typische Verzerrung, aber nach ein paar einfachen Messungen halte ich sie jetzt auch für zufällige Verwachsungen.
Bei Deinem Beispiel müsste die Naht zwischen den Prismenflächen winkelhalbierend sein, wenn es sich um einen Zwilling nach einem Rhomboeder handeln würde und auch eine für Zwillinge typische Verzerrung ist nicht erkennbar.

Einen Zwilling mit nicht parallelen Achsen kann man hier ausschließen.

@Klaus; Ich kenne mehrere Fundstellen von dem nur ein glaubhafter Japaner-Zwilling bekannt ist. Ich habe einen von Grub bei Rinchnach, einen von der Fürstenzeche bei Lam und kenne einen von der Johanneszeche bei Wunsiedel. Bei den meisten Fundstellen gibt es mehrere, das ist aber nicht immer so.

Grüße Josef

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