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Aufbewahrung von Realgar

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cmd.powell:
Moin

Grünes bis gelbes Licht ist natürlich äußerst suboptimal für Exponate in einer Vitrine. Da muss man sich dann doch mit der lichtdichten Schublade und gelegentlichem Ergötzen zufriedengeben. Ich wäre übrigens sehr an der Literatur interessiert!

@Jule: Das man das gelbe Pulver (übriges ist das Pararealgar, hat wir oben schon) runterputzen kann mag richtig sein, ggf. bringt das auch das eine oder andere mal noch etwas, nur irgendwann werden die Kristalle matt erscheinen, da die Oberfläche permanent angegriffen wird. Naja, nix ist für die Ewigkeit. Wäre nur schön, wenn wenigstens ich mich in meinen Lebenstagen dran erfreuen kann. Und wenn meine Erben - sofern sie daran Interesse/Freude haben - auch noch was davon haben, wäre natürlich auch nicht schlecht...

alfredo:
Realgar sieht sehr gut aus unter rote Licht, und das schadet ihn nicht.   ;D

Lynx:
Hallo zusammen

Hier eine kleine Zusammenfassung dessen, was ich in der Literatur gefunden habe.


Der Übergang Realgar->Pararealgar in Abhängigkeit von der Wellenlänge wurde untersucht an natürlichem (Getchell mine, Sacramb (Nagyag) und Hunan) sowie an synthetischem Realgar ohne und mit 2 mol% Sb  (1).
Die Autoren zeigten, dass weder UV noch IR in der Lage waren, diesen Übergang auszulösen:
„A UV-IR pass filter was used initially. This filter blocked out all of the visible spectrum and passed both UV and IR. No transformation occurred after two weeks. This result clearly showed that wavelengths in the visible spectrum were required." (1)
Die Autoren schlußfolgern aus ihren Experimenten, dass Licht einer Wellenlänge im Bereich 500nm- >610 nm in der Lage ist, den Übergang Realgar->Pararealgar auszulösen. Hierbei merken sie an, dass Realgar ab rund 575 m kaum noch absorbiert und der lichtinduzierte Übergang wegen der geringeren deponierten Energie oberhalb dieser 575 nm deutlich länger braucht. Interessanterweise spielte Sb dabei keinerlei Rolle.
Zudem finden die Autoren ein Zwischenphase sowie eine gewissen Reversibilität bei erhöhten Temperaturen.
Die Untersuchungen fanden allerdings in Standardatmosphäre statt, ein möglicher Einfluss von Sauerstoff oder Wasser wurde nicht betrachtet.

Pratesi und Zoppi (2) zeichnen ein deutlich komplexeres Bild. Sie untersuchen die lichtinduzierte Transformation von Realgar und Beta-As4S4 an Luft und in Alkohol, sowie die Weiterreaktion bei Wärmeeinwirkung.
An Luft verwandelt sich durch die Lichteinwirkung Realgar in eine Mischung aus Pararealgar, amorphem Arsenolith und Uzonit, was die Autoren über die Formel 9As4S4 + 3O2 → 7As4S4 + 4AsS2 + 2As2O3. beschreiben (2). Unter Alkohol, d.h. unter Ausschluss von Luftsauerstoff, geht Realgar in amorphen Pararealgar über. Diesen Unterschied verknüpfen die Autoren mit der fehlenden Wirkung von Sauerstoff.

Bindi et al (3) zeigen die Möglichkeit auf, wie durch die Präsenz von Sauerstoff die lichtinduzierte Umordnung von Schwefelatomen auch zum Übergang Realgar->Pararealgar beitragen könnte, wobei eben auch Arsenolith entsteht. Dabei wäre eine Reaktion des Typs 5As4S4 + 3O2 → 4As4S5 + 2 As2O3 involviert.

Fazit:

(i) Licht im Wellenlängenbereich 500 nm bis mindestens 610nm (vorallem im Bereich 500 nm-575nm) induziert die Transformation von Realgar.
(ii) An Luft geht Realgar unter Lichteinfluß in eine Mischung aus Pararealgar, Arsenolith und Uzonit über, unter Luftabschluss in
Pararealgar.
 

(1) Douglass, D. L., Shing, C., & Wang, G. (1992). The light-induced alteration of realgar to pararealgar. American Mineralogist, 77(11-12), 1266-1274. (www.minsocam.org/ammin/AM77/AM77_1266.pdf); Artikel

(2) Pratesi, G., & Zoppi, M. (2015). An insight into the inverse transformation of realgar altered by light. American Mineralogist, 100(5-6), 1222-1229.

(3) Bindi, L., Popova, V., & Bonazzi, P. (2003). Uzonite, As4S5, from the type locality: single-crystal X-ray study and effects of exposure to light. The Canadian Mineralogist, 41(6), 1463-1468.

Klaus Schäfer:
Hallo Freunde des "Rauschrot",

Die Mineralienfundstelle Lengenbach bietet des Öfteren die Gelegenheit, Realgar zu sammeln. Bei meinen Sammlungsstücken, die ich alle in Schubladen aufbewahre, konnte ich folgende Beobachtungen machen:

1. Die Bildung von Arsenolith kann vor dem Zersetzen zu Pararealgar und Uzonit erfolgen, oder wenn zeitgleich, kann mehr Arsenolith als Pararealgar gebildet werden.

Aufbewahrung von Realgar

2. Die strukturelle Homogenität scheint eine entscheidende Bedeutung für die Resilienz der jeweiligen Realgarkristalle zu sein. Es gibt Realgare vom Lengenbach mit einer sehr unregelmäßigen Oberfläche, die sich recht schnell mit einem gelben Pelz überziehen. Bei anderen, eher glatten Kristallen, geht die Umwandlung von Brüchen und Sprüngen aus. Gut kristallisierte Realgare schein deutlich stabiler zu sein.


Aufbewahrung von RealgarAufbewahrung von RealgarAufbewahrung von Realgar

Lynx:
Hoi Klaus,

Den Einfluss von Licht und Sauerstoff hatte ich oben versucht zu beschreiben - Du fügst Beobachtungen zur Resilienz dazu, Merci vielmals!

In der von mir genannten Literatur wird Realgar von der Mina Alacrán/Chile erwähnt, der angeblich stabil sein soll. Die zugehörige Veröffentlichung ist

Clark, A.H. (1970) Alpha-arsenic sulfide from Mina Alacrán, Pampa Larga, Chile. American Mineralogist, 55, 1338-1344.

EDIT: Wie Uwe unten anmerkt, ist das von Clark angeführte Mineral jetzt Alacránit! (Dankesehr!).


Gibt es denn noch weitere Beobachtungen dazu?

Grüße, Martin

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