Hallo liebe Sammler und Freunde der verqueren Kristallographie,
Meine Kritik an der Bildbeschreibung fußt auf dem Vergleich mit einem Stück aus meiner Sammlung. Ich habe das Stück heute im Lexikon eingestellt, um zu verdeutlichen, daß es sich zwar um einen zyklischen Rutilzwilling, aber nicht um eine Epitaxie mit Anatas handelt.

Rutil mit epitaktisch aufgewachsenem Anatas

Rutil mit epitaktisch aufgewachsenem Anatas
Die erste Ansicht ist annähernd deckungsgleich mit der kritisierten Aufnahme. Man erkennt den Zykling und die einspringenden Winkel zwischen sechs Rutilkristallen. Diese einspringenden Winkel wurden in der kritisierten Aufnahme als hemiedrisch ausgebildete (also nicht bipyramidale, sondern polar-pyramidale) Anataskristalle verstanden, die den Rutilen epitaktisch aufsitzen sollen. Diese "Spitzen" sind allerdings immanenter Bestandteil der extrem kurzprismatisch-pyramidal ausgebildeten Rutile auf beiden Stüfchen.

Rutil mit epitaktisch aufgewachsenem Anatas

Rutil mit epitaktisch aufgewachsenem Anatas

Rutil mit epitaktisch aufgewachsenem Anatas
Gut erkennbar wird es in diesen Aufnahmen, bei denen, die Aufnahme Richtung um 90° geändert wurde. Im Prinzip könnte man diese Ausbildung der Rutile und ihre zyklische Zwillingsbildung sehr gut mit Zinnsteinzwillingen, den sogenannten "Visisergraupen" in Form und Anordnung gleichsetzen.

Rutil mit epitaktisch aufgewachsenem Anatas
Rutile, die prismatisch mit kleinen Pyramidenflächen ausgebildet sind bilden zyklische Zwillinge, bei denen nach außen eine polygonale Form ohne einspringende Winkel entsteht. Hier ein Beispiel von der Turbenalp, ebenfalls im Binntal gelegen.