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Nur noch Dilletanten unterwegs...
giantcrystal:
Hallo aus Mittelfranken
Ich bin gerade über einen Netzfund von 2019 gestolpert und bin gerade ziemlich entsetzt über den dort gezeigten Dilettantismus...
Aber von vorne
Im Juni 2019 haben einige Politiker der SPD im Hessischen Landtag eine Anfrage an das dortige "Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz" (Anmerkung : in diesem ist auch das frühere Geologische Landesamt Hessen aufgegangen) gestellt zum Thema : Welche Rohstoffe sind in Hessen in förderfähigem, relevanten Maße vorhanden ?" Hintergrund ist die Energiewende und insbesondere der damit einhergehende Netzausbau
Die Antworten zur Anfrage können auf
http://starweb.hessen.de/cgi-bin/webhltlinks.pl?form=/webhlt_links.html&typ=drs&title=Drucksache&nb=20/504
nachgelesen werden
Zum Thema Kupfer steht dort zum Beipiel folgende Antwort :
"Wie in der Antwort auf Frage 1 ausgeführt, gibt es in Hessen derzeit keine bekannten wirtschaftlich abbaubaren Lagerstätten von für die Elektromobilität relevanten metallischen Rohstoffen und seltenen Erden.
Geringe, zurzeit nicht wirtschaftlich abbauwürdige Kupfervorkommen mit Kobaltanteilen liegen
in Kupfererzen vor, die im Kupferschiefer-Revier des Richelsdorfer Gebirges in Nordosthessen
bis 1955 unter Tage abgebaut wurden.
Der Kupferschiefer könnte hinsichtlich Kupfergewinnung eventuell in Zukunft wieder interes-
sant sein. So exploriert die Twiste Copper GmbH, ein Tochterunternehmen der GEA Group AG, zurzeit im Raum Twiste und südlich von Marsberg auf Kupferschiefer und Mineralisatio-
nen vom Typ Marsberg (Kupfererzgänge und Kupfererzimprägnationen im Karbon, entstanden
aus deszendenten Lösungen aus dem Kupferschiefer). Die noch vorhandenen Kupfererzreserven
im Bereich Marsberg werden auf ca. 1 Mio. t mit Gehalten von 1,3% Cu geschätzt (www.mineralienatlas.de). "
Nun frage ich mich :
-- Haben die keine Geologen mehr im Ministerium, die über das Thema Bescheid wissen. Wie gesagt, das ehemalige geologische Landesamt ist in dem Ministerium aufgegangen ?
-- Kommen die nicht (mehr) an andere Unterlagen ran und müssen auf den Mineralienatlas als Datenbasis zurückgreifen. Das ist für uns hier zwar sehr ehrenhaft, aber trotzdem der falsche Weg...
-- Wissen die nichts (mehr) von dem gross angelegten Bundesbohrprogramm auf Kupferschiefer in Hessen in den 1980er Jahren und den nachfolgenden weitergehenden Bohrungen von St. Joe und anderen Gesellschaften, die durchaus abbaufähige große Kupferschieferlagerstätten südlich des Richelsdorfer Revieres nachweisen konnten ?
-- Wissen die nicht mehr, wo man nachfragen kann, wenn man selber anscheinend wenig Ahnung hat, z.B. bei der BGR in Hannover, GDMB, RDB, Bundesverband deutscher Geologen etc....
-- Wie kommt es zu dieser Art des Unwissens in einem Fachministerium ???
Ich bin ziemlich schockiert
Mit sehr nachdenklichen Glück Auf
Thomas
Walpurgin:
Mit der Überschrift ist schon alles gesagt !
geomueller:
Ich hatte auch schon die Ehre ;D an einer Anfrage einer Bundestagsfraktion zum Thema Wismut-Sanierung mitzuwirken. Hier, wie auch schon zu anderen Gelegenheiten, habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass eben WWW-gläubige Mitarbeiter schnell dabei sind Internet- oder Datenbankabfragen zu starten und dann das ungeprüfte und oftmals aus dem Zusammenhang gerissene "Wissen" als Antwort in die Runde geben in der Annahme, dass das WWW ja alles weis.
Hier liegt für mich auch eine riesige Gefahr für die Zukunft. Es machen sich nur noch wenige und in Zukunft noch weniger Leute die Mühe die wahren Quellen des Wissens (erfahrene Beteiligte, Museen, Bibliotheken, Archive usw.) zu nutzen. Schließlich ist es ja viel einfacher und zeitsparender mit einem Tastendruck zum "Wissen" zu kommen, und Zeit hat ja angeblich keiner mehr.
Wenn da einer mit 44 Jahren Betriebszugehörigkeit und 30 Jahren Wismut-Sanierungs-Erfahrung Antworten zusammenstellt kommt da schon was anderes mit Hintergrund heraus auf das man sich dann auch verlassen kann.
Glück Auf, Jürgen
Geomartin:
Sogar der USGS weiss da mehr nach kurzer Google Suche (Hessen ab Seite 31):
https://pubs.usgs.gov/sir/2010/5090/u/pdf/sir2010-5090-U.pdf
popeye:
Hallo!
Ist Euch bekannt, dass das Wort Dilettant (schreibt man übrigens so!) als Begriff ursprünglich nicht ausschließlich negativ besetzt war, sondern folgendes bezeichnete und immer noch bezeichnet: " Als Amateur oder Laie übt er eine Sache um ihrer selbst willen aus, also aus Interesse, Vergnügen oder Leidenschaft und unterscheidet sich somit von einem Fachmann. Dabei kann er vollendete Kenntnisse und Fertigkeiten erlangt haben..." ( Zitat Wikipedia, also www, keine Primärquelle, dann vielleicht eher https://www.dwds.de/wb/dwb2/dilettant ("Grimmsches Wörterbuch", aka Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung )). Ich denke, Du meinst eher die abwertende Zweitbedeutung. So gesehen bin mindestens ich noch nicht mal ein vollendeter Dilettant in Sachen Mineralogie und mit mir wohl die Mehrzahl der Mitglieder hier. Ein Profi bin ich hoffentlich in meiner Profession, also meinem Beruf. So gesehen: Ja, hast wohl Recht, wenn Du das meinst. Du bist scheinbar so vertraut mit der Materie, dass ich Dir als Dilettant trotzdem nicht folgen kann.
Deine Aussage inhaltlich verstehe ich nämlich nicht, wo ist die Unstimmigkeit, die Du kritisierst? Ich kenne mich im Hessischen nicht aus, aber rein logisch gesehen, bedeutet für mich, dass selbst das reichliche Vorkommen eines Rohstoffes nicht automatisch bedeutet, dass sich ein Abbau/Förderung, obwohl er technisch machbar wäre, auch ökonomisch, politisch, ökologisch realisieren ließe. Das ist ja in Summe keine geologische Entscheidung. Aus meiner dilettantischen Sicht fließen in die Relevanz eines Vorkommens auch Dinge wie Widerstände in der betroffenen Region, Umweltaspekte, Kosten für Energie, Folgekosten eines Abbaues, Kosten des auf dem Markt alternativ erwerbbaren Konkurrenzproduktes uvm ein. Meines Erachtens ist doch Abbauwürdigkeit auch eine Funktion des Zeitintervalles/der Zeitphase, in der ein Abbau durchgeführt wird. Was vor 50 Jahren relevant war, muss es nicht heute noch sein, kann in weiteren 50 Jahren aber schon wieder ganz anders gewertet werden.
Das https://docplayer.org/163681360-Hessischer-landtag-kleine-anfrage.html ist übrigens der link zur Antwort auf die kleine Anfrage im Landtag.
Aber vielleicht habe ich Dich mißverstanden, geht es Dir nur darum, dass der Mineralienatlas als "www"(Sekundär-)Quelle genannt wird? Dann ist Dein Beitrag im www und grade hier ja erst richtig lustig. Dann Schwamm drüber und vergiss meinen Kommentar. Wobei.... ::)
T.
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