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Autor Thema: Neue Funde aus der Oberpfalz - silifiziertes Holz (Agathoxylon)  (Gelesen 1956 mal)

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Offline waldi

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Hallo
Könnt Ihr mir helfen! Brückenneubau der B299 über die B22 bei Erbendorf
Hier ein Stück aus dem Anstehenden. "Zwischen" Rotliegenden? und Gneis, fand ich in einer mulmig, erdigen Masse  eine
Linse mit diesem steinkohleartigen Material (Holz).
Außen ist eine dünne Haut aus Kohle, aber der Kern ist verquarzt.
Ist das nun versteinertes Holz, versteinerte Steinkohle, oder vielleicht Lydit?
Steinkohle und Lydit sind von diesem Ort bekannt.

waldi
 
 
« Letzte Änderung: 20 Nov 21, 17:09 von oliverOliver »

Offline Rockhounder

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Re: Re: Neue Funde aus der Oberpfalz
« Antwort #1 am: 19 Nov 21, 18:01 »
Ich glaub,das ist ein Fall für den Dr. Holzförster von der KTB. Frag den doch mal bei Gelegenheit.

Gruß Norbert

Online oliverOliver

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Re: Re: Neue Funde aus der Oberpfalz
« Antwort #2 am: 19 Nov 21, 20:40 »
hallo Waldi,
sicher kein Lydit.
"mulmige erdige Masse" klingt nach Paläosol, und das Rotliegend ist ja bekannt für Kieselhölzer. Und dass silifizierte Hölzer oft noch im Verband mit inkohlten Resten auftreten, ist auch recht üblich - auch noch in der miozänen Braunkohle. Diejenigen Anteile des Holzes, die nicht silifiziert wurden, inkohlten eben im Lauf der Zeit.
Also: silifiziertes Holz mit Steinkohle, keine "versteinerte Steinkohle" und, wie gesagt, sicher auch kein Lydit.
Gratuliere zu dem schönen Stück!
lg + ga
oliver
« Letzte Änderung: 20 Nov 21, 00:20 von oliverOliver »

Offline waldi

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Re: Re: Neue Funde aus der Oberpfalz
« Antwort #3 am: 19 Nov 21, 20:59 »
Servus
Danke Oliver für Deine ausführliche Antwort, und Norbert für Deinen Tipp.
Waldi


Online oliverOliver

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Re: Re: Neue Funde aus der Oberpfalz
« Antwort #4 am: 20 Nov 21, 00:07 »
hallo Waldi,
nix zu danken -  :)
aber noch eine Frage dazu: wenn Lydit von dort verbürgt ist, müssten noch mehr geol. Einheiten als der Gneis und das Rotliegend auf der "Brückenbaustelle" vorkommen - denn die Ablagerungs- bzw. Bildungsbedingungen von (Stein-)Kohle und Lydit schließen sich gegenseitig aus.
Während Lydit definitionsgemäß ein schwach bis mäßig metamorph überprägter Radiolarit ist, also ursprünglich ein marines Sediment größerer Wassertiefen (obwohl es auch da fließende Übergänge gibt - z.B. "Radiolarienhornstein" mit auch noch anderen Mikrofossilien als nur Radiolarien, als Bildung etwas seichterer mariner Environments) sind Kohleablagerungen (inkl. silifizierter/permineralisierter Hölzer) ja einem terrestrisch-lakustrinen Millieu (bis maximal "Küstensümpfen") zuzuordnen.
Wenn es also von dort wirklich Lydit ("Kieselschiefer") gibt (ich kenne leider das dortige geol. setting überhaupt nicht), müsste es noch andere (paläozoische) geologische Einheiten geben - oder der "Lydit" ist eine Fehlbestimmung. Aus deiner obigen Beschreibung schließe ich aber, dass das Rotliegend dort direkt über dem Gneis - also wohl mit einer Erosionsdiskordanz als Unterkante - liegt.
Gibts da eventuell diesbezügliche Literatur dazu? Wäre interessant!
lg + ga
oliver

p.s.:
wenn es dich nicht stört, würde ich die Kieselholz-Beiträge als eigenes Thema abtrennen und zur Paläobotanik verschieben - die haben ja mit den "allg. Mineralien-Diskussionen" wenig zu tun ...
edit:
siehe auch https://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,54712.msg371668.html#msg371668 (von diesem Thema abgetrennt)
« Letzte Änderung: 20 Nov 21, 17:10 von oliverOliver »

Online Axinit

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Servus Walter und Oliver,

obwohl ich kein fundiertes Wissen ueber Paleoboden oder versteinerte Hoelzer habe moechte ich mich doch kurz hierzu melden.

Ich denke, dass ich den gezeigten Fund im Fruehjahr bei Walter in den Haenden hatte. Per Augenschein schien mir eine genaue Einordnung als Kieselholz wahrscheinlich, aber auch Lydit war nicht voellig auszuschliessen.

Hierzu muss man wissen, dass vom Kambrium bis Silur im Grossraum Erbendorf und auch weiter noerdlich marine Sedimente zur Ablagerung kamen. Diese sind heute oft nur noch reliktisch als Lesesteine (Lydite !) nachweisbar. Wurm (Geologie von Bayern; 1928) stellt diese Lydite ins Silur. Es gibt in Wetzldorf, wenig NO von Erbendorf die beruehmte Wetzldorf-Abfolge aus autochthonen (silurischen ?) (Meta)sedimenten.

Lydite sind extrem verwitterungsresistent und sind vor allem im Paleozoikum des Frankenwaldes sehr verbreitet.

Es erscheint  plausibel, das Vorkommen reliktischer, mariner palaeozischer Kieselschiefer im Raum Erbendorf als gegeben anzunehmen. In der suedlichen Oberpfalz wurden Lydite mit Fossilgehalt nachgewiesen; diese kamen im Zusammenhang mit graphitreichen Lagen vor.

Ich bin  mit dem gegenwaertigen Stand der Forschung nicht vertraut und kann zur  altersmaessigen Stellung der Kieselschiefer keine belastbare Aussage machen. Hier ist Dr. Holzfoerster sicher der geeignete Ansprechpartner.

GA

Harald

Offline waldi

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Servus Harald
Danke für Deine, meines Erachtens, gute Einschätzung.
Bin gespannt was Dr. Holzförster, wenn ich einen Temin bekomme, dazu sagt!
Gruß Walter

Online oliverOliver

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hallo Harald,
danke für die ausführlichen Erläuterungen!
Rein vom Foto her hätte ich mich auch nicht getraut, da einen klaren Standpunkt zu beziehen - es war, wie oben geschrieben, die Kombination mit Kohle, die mich dazu brachte.
Und ich bin mir doch sehr sicher, dass Waldi Steinkohle nicht mit Grafit verwechselt  ;)
Dass es in dem Gebiet aber sogar noch autochthone altpaläozoische (Meta-)Sedimente gibt, und nicht nur die üblichen Erosionsreste, finde ich extrem spannend! Falls es mich irgendwann wieder einmal in die Gegend verschlagen sollte, muss ich mir das unbedingt anschauen!
lg + ga
oliver

Online oliverOliver

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Bin gespannt was Dr. Holzförster, wenn ich einen Temin bekomme, dazu sagt!

hallo Waldi,
das bin ich auch!
Ich hoffe, du teilst es uns gegebenenfalls hier mit  :)
lg + ga
oliver

Offline waldi

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Hallo Oliver
Dieser Aufschluss ist, wegen der Fertigstellung der Brücke, leider nicht mehr da (zugeschüttet).
waldi
Deutschland/Bayern/Oberpfalz, Bezirk/Tirschenreuth, Landkreis/Erbendorf, Stadt/Brückenbau B299 - 2021
Neue Funde aus der Oberpfalz - silifiziertes Holz (Agathoxylon)

Online oliverOliver

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Dieser Aufschluss ist, wegen der Fertigstellung der Brücke, leider nicht mehr da (zugeschüttet).
waldi

Hallo Waldi,
ja, das ist mir klar -
sieht aber trotzdem beeindruckend aus!

(mit ansehen müssen meinte ich die von Harald angesprochene Wetzldorf-Abfolge)

lg + ga
oliver

Offline Geomaxx

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Servus waldi,
stammt das -nennen wir's mal so- "silifizierte Holz?" aus der mit Bermen versehenen Baugrubenböschung und ggf. von welcher Stelle?
Das dürfte ja derjenige Baugrubenaufschluss südlich der B22 sein, der auch im Umweltatlas des LfU Bayern unter Objekt-ID 6138AG015016 aufgeführt ist (leider ohne Schichtdaten)...
Die Gneise im Aufschluss gehören der ZEV (Zone Erbendorf-Vohenstrauß) an, darauf liegt Rotliegendes (mit ggf. etwas Oberkarbon) des Erbendorf-Beckens, hier wohl mit Unterrotliegendem, die Schichten fallen generell nach WNW ein. Das ganze ist aufgrund der Nähe zur Störungszone der Fränkischen Linie (wenige 100m) mehr oder weniger stark gestört.
Pflanzenreste und somit auch Hölzer sind in den Unterrotliegend-Sedimenten in der Gegend nachgewiesen. Die inkohlten Restanhaftungen sprechen nach meinem Dafürhalten auch dafür. Wäre einen Anschliff wert...
Grüßle und Glück Auf!
GEOMAXX

Offline waldi

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Hallo Geomaxx
Danke für Deine Antwort.
Habe die genaue Fundstelle im Bild markiert.
MfG. waldi

 

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