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Fadenquarz vs Gwindel

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Ulrichxy:
Anlässlich der Diskussion "Rauchquarz - Fadenquarz vs Gwindel" möchte ich einen leicht rauchigen Quarz vom Fedenstock zu Diskussion stellen. Der Faden ist leicht zu erkennen. Gleichzeitig hat das "Gebilde" aber auch die typische Krümmung eines Gwindels.

Klaus Schäfer:
Hallo Ulrich,

Auf den ersten Blick widerlegt dieses Stück die Aussage "Fadenquarze können keine Gwindl sein". Laut den gängigen Theorien schließen sich die Fadenquarzbildung entlang des präexistenten Fadens und die Ausbildung eines Gwindls  (Rotation senkrecht zur C-Achse) durch Verschleppung eines Baufehlers (Eshelby-Twist) aus.
Der nächste Schritt wäre, die vermeintlichen Eigenschaften des vorliegenden Stückes zu verifizieren und zu vermessen. Erst wenn beide Vermutungen (Faden + Gwindl an einem Stück) überprüft sind, müsste man den nächsten Schritt gehen. Der würde darin liegen, das gängige Theoriegefüge zu verändern.

Josef 84,55:
Hallo,

Stücke, die die gängigen Theorien widerlegen sind immer spannend, nur so kann man diese weiterentwickeln.
Bei diesem Fadenquarz würde ich aber nicht so weit gehen. Es gibt öfters Fadenquarze die auch eine Krümmung zeigen, die aber hier aus der nicht geraden Öffnungsrichtung der Kluftwände entstanden ist.
Ich denke ein wichtiges Merkmal der Gwindel zeigt dieser Fadenquarz nicht, und das währe die S-förmig gekrümmte Kante zwischen den oberen Prismenflächen. Bei echten Gwindeln zeichnet sich hier der zentrale Bereich an der Oberfläche ab, der für die Drehung und Verzerrung verantwortlich ist.

Grüße Josef

Ulrichxy:
Danke für die bisherigen Antworten. Wenn der Faden nicht wäre, hätte ich keinerlei Zweifel, dass es ein Gwindel ist. Die Verdrehung ist absolut typisch. Es ist schwer das zu fotografieren, die Breite des Stücks ist nur 4 cm. Aber vielleicht könnt ihr es ja doch auf den Fotos erkennen.

Josef 84,55:
Hallo Ulrich,

ist die trübe Zone flächig, in fast der ganzen Dicke des Kristalls?
Falls ja, könnte es doch auch ein verheilter Riss in einem Gwindel sein.

In dieser Reihenfolge währe es schon möglich. Ein Gwindel wächst zuerst ungestört, der zentrale Bereich auf dem Prismenflächenpaar bestimmt das Wachstum, vom ihm aus wachsen die "Schichten" nach außen. Später, noch in der Wachstumsphase, riss das Gwindel z.B. durch eine tektonische Bewegung in der Kluft, und der entstandene Spalt wuchs mit vielen Einschlüssen wieder zu. Der Effekt der Gwindelverzerrung wird von dem Riss weiter unten nicht beeinflusst, er findet ja nur auf der Oberfläche des Prismenpaars in einem begrenztem Bereich in der Mitte statt.
Wenn man sich jetzt vorstellt dass diese aus Strukturdefekten entstehende Verzerrung gleichzeitig mit einer Fadenbildung konkurrieren müsste... Nehmen wir nur mal an, die beiden Prozesse würden die selbe Geschwindigkeit haben, selbst das würde nicht lange so funktionieren weil sich früher oder später die Richtung dieser beiden so zueinender ändern würde, dass zwei getrennte Bereiche entstehen würden, oder ein Prozess den anderen verdrängt.
Aber soweit, dass diese zwei Prozesse gleichzeitig auf einem Quarz vorhanden sind, wird es gar nicht kommen, denn nach dem das Quarzkorn im Gestein beim ersten Kluftriss zerbrach war gar kein Platz, dass sich beide Prozesse nebeneinander entwickeln konnten.

Soweit zur Theorie, ich würde mich aber sehr gerne von einem Stück eines Besseren belehren lassen. Ich dachte z.B. bis vor kurzem, dass im zentralen Bereich eines Gwindels keine Dauphinéer-Zwillingsgrenze möglich sei, doch bei einem Stück, welches ich auf der letzen Börse in München gekauft habe, schaut es sehr wohl danach aus.

Viele Grüße,
Josef

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