Glück Auf!
mir erscheinen in den Bildern vier Verdachtsmomente, die mich eher auf Calcit schließen lassen:
- Rosa Fluoreszenz ist bei Calcit weit verbreitet. Die häufigsten Fluoreszenzfarben bei Anglesit und Phosgenit sind Gelbtöne.
- Die besonders im Bild DSC08886.jpg den Betrachter anspringende, deutliche Doppelbrechung
- Die ebenfalls in Bild DSC08886.jpg angedeutete Zwillingsbildung. Für Anglesit und Phosgenit sind mir keine Zwillinge bekannt.
- die stellenweise eher für Calcit typischen Flächenkombinationen aus (als solche gedeutete) Rhomboederflächen
Es würde sich daher wohl lohnen einen Karbonattest mit ein paar Tropfen Salzsäure auf einem Glasträger an ein paar kleinen Bruchstücken durchzuführen. Ein Kubikmillimeter reicht völlig aus, um zu sehen, ob da massenhaft Gasblasen (Calcit und Phosgenit, wobei Phosgenit langsamer reagiert) entstehen oder sich die Feststoffsubstanz gar nicht oder nur sehr langsam und dann ohne Gasentwicklung (Anglesit) auflöst. Wenn man die Tropfen in Ruhe eintrocknen lässt, bilden sich bei Phosgenit weiße/(farblose) Nadeln aus Bleichlorid. Bei Calcit bleibt nur eine krümelige Masse aus Calciumchlorid zurück. Die Ausbildung der Feststoffrückstände ist vor allem mit einem Mikroskop gut zu erkennen. Manchmal sieht man aber auch schon mit bloßem Auge ein paar vom Rand des eingetrockneten Tropfens ins Zentrum gewachsene nadelige Aggregate.
Wenn die großen Kristalle einfache Calcitrhomboeder wären, dürften eigentlich keine rechten Winkel zwischen den angrenzen Flächen beobachtbar sein. Bei Phosgenit (tetragonal) und Anglesit (orthorhombisch) stehen alle Achsen senkrecht aufeinander und man hat in der primitivsten Kristallform einen Quader (wobei bei Phosgenit zwei Kantenlängen gleich sind). Sind höherindizierte Flächen beteiligt und ungleichmäßig ausgebildet, kann es schnell schwierig werden, aus Tracht und Habitus auf eine Kristallform zu schließen.
Wenn am Rand der Stufe beschädigte Kristalle zu finden sind, lohnt es sich nach Spaltflächen zu suchen. Calcit zeigt ausschließlich Spaltflächen und diese ausschließlich in Rhomboederstellung. Bei Anglesit und Phosgenit gibt es häufig muscheligen Bruch. Spaltflächen können aber auch auftreten. Sind verschiedene Spaltrichtungen ausgebildet, so stehen die Spaltflächen bei Anglesit und Phosgenit eher senkrecht aufeinander. Je nach dem, wie gut man die Spaltwinkel zwischen verschiedenen Spaltrichtungen abschätzen kann, bleibt da mehr oder weniger Restunsicherheit.
Ein spezifisch hohes Gewicht der Stufe kann auf die Matrix und nicht zwangsweise auf die aufsitzenden Kristalle zurückzuführen sein.
Mit freundlichen Grüßen
Das Felsenmammut