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Autor Thema: Praktikum in der Grube Messel.  (Gelesen 14468 mal)

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Offline Andries

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Praktikum in der Grube Messel.
« am: 05 Aug 05, 16:43 »
Dank der Hilfe von euch war ich in der glücklichen Lage, vor vier Wochen in der Grube Messel an einem Praktikum des Senckenberg Forschungsinstitut teilzunehmen.

Die Grube Messel gehört zum UNESCO Weltnaturerbe. In Deutschland ist die Grube Messel das einzige Weltnaturerbe! :D
In den neunziger Jahren wurde überlegt die Grube in eine Mülldeponie umzuwandeln.  :o
Dank engagierter Proteste von vielen Seiten konnte diese Fundstelle für die Nachwelt gerettet werden.

Die Grube Messel war ein Maarsee  ??? ->(ein mit Wasser aufgefüllter Krater, welcher bei einem Maarvulkanausbruch entsteht) ;D. Faulschlamm setzte sich am Boden ab,
und durch Entwässerung und Verfestigung entstand Schwarzpelit ("Ölschiefer").
Da der Seeboden sehr sauerstoffarm gewesen sein dürfte, ermöglichte dies die einzigartige Erhaltung der verendeten Tiere.
Zuerst wurde der Ölschiefer zur Ölproduktion oder Parafine abgegraben. Nachdem dies in den 70-Jahren zu teuer wurde, wurde die Abgrabung eingestellt.
Trotz gelegentlicher Funde von Knochen und Fischen war die Ausbeute sehr gering. Arbeiter sammelten nur gelegentlich größere Teile ein und
deponierten diese dann in einen Sammelcontainer, welcher dann der Wissenschaft zur Verfügung gestellt wurde.

In den achtziger Jahren war die Grube für jeden zugänglich. Aus dieser Zeit stammen die meisten Messelfossilien, welche man heute auf dem Markt finden kann.
Auch renommierte Forschungsinstitute gruben vor Ort. Alsbald entstanden die ersten Pläne zur Mülldeponie und es wurden intensive Notgrabungen durchgeführt. Dies hatte viele Großfunde zur Folge.
Dank dieser Funde und vieler Proteste hat man die Grube für wissenschaftliche Forschung gesichert und zum UNESCO Weltnaturerbe erklärt. Somit ist diese einzigartige Fossilienfundstelle für die Nachwelt gesichert.
Momentan graben das Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum, das hessische Landesmuseum und das Fossilien- und Heimatmuseum Messel in der Grube.
Privatsammlern ist die Grube jedoch nicht zugänglich. :'(
Privatgrabungen sind STRENGSTENS verboten und werden strafrechtlich verfolgt!!

Daher entschied ich mich als ehrenamtlicher Helfer das Senkenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum zu unterstützen. :D
Das Senkenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum bietet für Studenten und ehrenamtlicher Helfer ein 4-wöchiges Messel-Praktikum an. Studenten werden bevorzugt und erhalten zudem einen geringen Arbeitslohn.
Jährlich gibt es vom Frühjahr bis zum Spätsommer 5 Termine, Die Termine während der Semesterferien sind jedoch oft ausgebucht. An den restlichen Tagen bestehen gute Möglichkeiten als ehrenamtlicher Helfer teilzunehmen.
Schlafmöglichkeiten werden kostenlos im Senkenberghaus angeboten. Verpflegung und Anreise gehen zu eigenen Lasten. Dafür stehen eine gute Küche und einen Aufenthaltsraum zur Verfügung.
Gegraben wird Montag bis Donnerstag zwischen 07:00 morgens bis circa 15:30, Freitags nur bis 12:30.

Das Praktikum.

Am ersten Tag ging es direkt gut los  ;)
Dank meines übersprudelnden Eifers bin ich direkt in die Grube gefahren. Nachdem ich dort kein Messelhaus fand und ich noch mal die Wegbeschreibung studierte, erkannte ich, dass das Messelhaus außerhalb der Grube liegt.  ::)
Durch diesen kleinen Umweg kam ich verspätet am Haus an. Dort wurde ich von Marion empfangen, Präparatorin und Sekretärin im Messelhaus.
Nach ein kurzen Hallo traf ich Michael, der zweite Praktikant. Leider waren wir nur zu zweit (maximal sind 8 bis 10 Leute möglich).
Also packten wir schnell unsere Sachen aus und alsbald ging es mit dem Messelbulli :)  los zur Grube.
Am 1. Tag waren wir zu viert, zwei Präparatoren und zwei Praktikanten.
Pro Grabungsbereich sollten mindestens vier Leute vorhanden sein. Während unserer Praktikumszeit wechselte unsere Gruppestärke von 4 bis 7 Leute.

Wie stellt man sich am besten ein Grabungsalltag vor?
Gegen 06:15 bis 06:30 ist aufstehen angesagt (nix für Langschläfer!), schnell in die dreckigen Klamotten, die Lunchbox fertig machen und gegen 07:00 Treffen vor dem Präparationsraum. Gut´n Morgen, Sachen packen und rein in den Messelbulli. Kühlboxen und die Motorsäge müssen mit. Der Rest wird vor Ort in Metallhütten gelagert.
Nach circa 10 Minuten ist man am Grabungsbereich.
Zuerst wird das Sonnensegel (gleichzeitig Regenschutz) aufgebaut und die Schubkarren, Stühle sowie Grabungsutensilien rausgeholt.
Diese bestehen aus Keile, Vorschlaghammer, Schaufeln, mehreren Fleischermesser und diversen Sprühflaschen.
Wenn alles fertig ist wird als nächstes Ölschiefer abgebaut. Buddeln  ;D
Entweder gibt es natürliche Klüfte (Keile und Vorschlaghammer), oder man sägt mit der Motorsäge passende Stücke aus dem Ölschiefer. Die Brocken werden in handliche Stücke von 5 bis 15 kg zerlegt und dann in die Schubkarren geladen.
Da der Ölschiefer schnell zerfällt wird immer nur stückweise abgebaut. Sobald man mehrere Schubkarren hat geht es zum spalten.
Dazu werden die Schubkarren unter das Segel gefahren und jeweils zwei Personen spalten eine Schubkarre (Fortgeschrittene auch eine).
Mit dem Fleischermesser spaltet man den Ölschiefer je nach Beschaffenheit auf 1 bis 0,5 cm Dicke. Manche Platten lassen sich gut spalten, während "muschelige" Platten nur "zerreißen" und kaum gleichmäßig spaltbar sind.
Kleine Funde werden in einem mit Wasser gefüllten Eimer gesichert, während größere Funde gleich eingepackt werden.
Am Tag findet man meistens mehrere Pflanzenteile/Blätter, Insekten und ein bis zwei größere Fische.
Pro Grabungspraktikum findet man dazu noch mehrere besondere Teile und zweimal im Jahr gibt es auch einen großen Fund.
Während der Grabung hat man eine kurze Frühstuckpause und eine längere Mittagspause. Am Ende packt man alles wieder zusammen und fährt zurück.
Glücklicherweise gibt es im Messelhaus Duschen. :)
Vorher schaut man noch schnell bei Bruno ;) oder einen anderen Präparator vorbei, der einen die Funde der letzte Tage oder der Vorgängergruppe zeigt.

Abends gibt es leider wenig zu tun, besonders wenn man nur zu Zweit oder alleine ist. Literatur gibt es reichlich, dazu ein Fernseher mit 2 Sendern (ARD und HR3). Ein Telefon gibt es zwar, aber man kann nur Anrufe entgegen nehmen. Man sollte also irgendetwas zur abendlichen Beschäftigung mitnehmen.

Die vier Wochen waren sehr abwechslungsreich. Durch die Mithilfe der Mitarbeiter (Präparatoren) haben wir zudem einen schönen Tag im Senkenbergmuseum in Frankfurt verbracht, das hessische Landesmuseum besucht, an einer Führung durch die gesamte Grube teilgenommen und bei der Präparation mehrerer Funde über die Schultern schauen dürfen. Wir Praktikanten waren jederzeit herzlich willkommen und wir durften vieles anschauen. Fragen stellen war erwünscht. Selber präparieren ging leider nicht.  :'(

In den vier Wochen haben wir unzählige Insekten und Pflanzenteile gefunden sowie mehrere Fische. Am häufigsten fanden wir Koprolithen. Fast in jeder Platte gab es Rückstande. Glücklicherweise brauchten wir diese jedoch nicht zu sammeln.
Bei den Insekten und Pflanzen wurden nur komplette Teile geborgen. Dies trifft auch bei Fischen zu, wobei aber seltene Arten grundsätzlich mitgenommen werden.
Teile, welche nicht mitgenommen werden, werden entsorgt. Entsorgte Teile mitzunehmen ist grundsätzlich verboten und wird sofort zum Ausschluss aus dem Praktikum führen. Zwar schade, aber leider sind diese Maßnahmen notwendig.
Absoluter Highlight war die Babyschildkröte, welchen wir in der 3. Woche gefunden haben. Ein wirklich schönes Stück. Bruno hat dieses Stück gleich von der Unterseite her freigelegt. Mir bot sich dabei die einzigartige Gelegenheit sie unter dem Binokular anschauen zu dürfen. :D
Unglaublich  :o wie man Knochen und Hautschatten erkennen kann. Leider fehlte der Kopf. Zwar könnte dieser noch auf der Oberseite des Panzers liegen, aber es wäre auch gut möglich, dass es komplett fehlt.
Des Weiteren haben wir einen Vogel (dessen Art entweder noch nicht oder erst sehr selten gefunden wurde), einen Barsch, einen Krokodilzahn, mehrere komplett erhaltene Insekten (mit zwei außergewöhnlichen Raubwanzen) und eine Blüte mit Pollenkammer (ein einmaliges Teil) gefunden.

Die Qualität der Bilder bitte ich zu entschuldigen :-[, aber aus rechtlichen Gründen, stelle ich absichtlich nur verzerrte/kleine Bilder rein.

Ein herzlicher Dank geht an Dr. Harms, Marion, Uta, Michael und Bruno, welche mir dieses Praktikum ermöglicht bzw. es betreut haben.


Offline Andries

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Re: Praktikum in der Grube Messel.
« Antwort #1 am: 05 Aug 05, 17:01 »
1. Unser Arbeitsplatz

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Re: Praktikum in der Grube Messel.
« Antwort #2 am: 05 Aug 05, 17:02 »
2. westliche Seite der Grube Messel, der Rote Klecks sind wir

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Re: Praktikum in der Grube Messel.
« Antwort #3 am: 05 Aug 05, 17:04 »
3. bei der Arbeit

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Re: Praktikum in der Grube Messel.
« Antwort #4 am: 05 Aug 05, 17:07 »
4. Bruchkante

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Re: Praktikum in der Grube Messel.
« Antwort #5 am: 05 Aug 05, 17:09 »
5. Spalten ist das Gräbers Lust  ;D

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Re: Praktikum in der Grube Messel.
« Antwort #6 am: 05 Aug 05, 17:09 »
6. noch mehr buddeln...


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Re: Praktikum in der Grube Messel.
« Antwort #7 am: 05 Aug 05, 17:12 »
7. das Wetter war auch immer toll


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Re: Praktikum in der Grube Messel.
« Antwort #8 am: 05 Aug 05, 17:32 »
8. Koprolith

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Re: Praktikum in der Grube Messel.
« Antwort #9 am: 05 Aug 05, 17:35 »
9. Ein Käfer, wahrscheinlich Zykade. (leider muss ich das Bild verzerren)
10. Ein Kurzflügler, super erhalten.
11. Fischzahn

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Re: Praktikum in der Grube Messel.
« Antwort #10 am: 05 Aug 05, 17:37 »
12. Ein schönes Blatt
13. Cyclurus
14. Termite

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Re: Praktikum in der Grube Messel.
« Antwort #11 am: 05 Aug 05, 17:38 »
15. Hautflügler
« Letzte Änderung: 05 Aug 05, 17:40 von Andries »

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Re: Praktikum in der Grube Messel.
« Antwort #12 am: 05 Aug 05, 17:41 »
16. Raubwanze

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Re: Praktikum in der Grube Messel.
« Antwort #13 am: 05 Aug 05, 17:42 »
17 Ein Ast

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Re: Praktikum in der Grube Messel.
« Antwort #14 am: 05 Aug 05, 17:44 »
18: eine Fischschuppe in frischer Fundzustand, leider zerfällt sie sehr schnell zu einen unansehliche gelbes Etwas.

 

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