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Magnetisches, schweres, buntes Glas ? (Beifunde beim Goldwaschen)

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-MartinS-:
Ich habe heute beim Goldwaschen einige Glasähnlich bunte Steine gefunden. Fundort: Bach "Gilsa" bei Densberg, Nordhessen. Die Steine sind etwas magnetisch - bleiben an Neodym Magnet haften. Sie ritzen Glas. Ich habe den Verdacht, es könnte sich um Schlacken handeln. Sie haben zwar unterschiedliche Farben (orange, bau, grün) aber ansonsten alle ähnliche Eigenschaften, blasige und streifige Strukturen. Die beiden Größten habe ich einmal umgedreht, und auch nochmal im Gegenlicht fotografiert. Der kleinere von beiden hat stellenweise eine hellblaue Oberfläche, scheint aber im Gegenlicht rosa/orange.
Sie sind alle überdurchschnittlich schwer - sind also beim Goldwaschen, in der Pfanne, auch durch ihr Gewicht "aufgefallen".

In dem Bach gibt es auch viele "typische" blaue, undurchsichtige Marienglas-Steinchen (jedenfalls waren die Undurchsichtigen die, die ich bisher kannte). Aber der Name Marienglas, weisst ja vielleicht auch schon auf transparente Steine hin.

Um was könnte es sich hier handeln ? Tatsächlich Schlackesteinchen ?
Das Papier hat 5mm Kästchen.



Gruß Martin
 

felsenmammut:
Glück Auf!

Das ist ein interessant zusammengestelltes Bild. Wenn ich den Untersuchungen, Argumentationen und Schlussfolgerungen in dem Artikel "Ursache der Blaufärbung von Mariensteinen aus dem Ahrtal (Eifel)" von A.K. Schmitt, R. Wirth, R. Klein und J. C. Harvey auf Seite 49 bis 57,  Aufschluss, Heft 2 von 2021 folge, dann zeigt das Bild Reyleigh-Streuung, die sich durch den unterschiedlichen Farbeindruck von blau im Auflicht und rotbraun im Durchlicht bemerkbar macht.

Der Artikel führt die Blaufärbung der Schlacken auf Reyleigh-Streuung an tröpfchenförmigen Phasenentmischungen zurück. Die Blaufärbung ist besonders intensiv, wenn die Tröpfchen um die 100 nm groß sind. Ab 300 nm wirken die Schlacken grau. Im Durchlicht ist ein rotbraun bis rotorgange zu sehen.

Wie sehen die Schlackestücke aus, wenn sie auf schwarzem Untergrund fotografiert werden?

Das Bild ist es Wert, ins Lexikon aufgenommen zu werden. Es wäre daher sehr erfreulich, wenn Du das Bild in guter Auflösung im Lexikon hochladen und der Fundstelle zuordnen kannst. Wenn das Bild einmal hochgeladen ist, kann man falls noch nötig bei den Einträgen und Verlinkungen helfen.

Und um die eigentlichen Fragen zu beantworten: Ja, die Steine sehen alle aus wie Schlacke.

Mit freundlichen Grüßen

Das Felsenmammut

Fabian99:
Hallo,

schönes Stück und schönes Foto! Der Erklärung vom Felsenmammut schliesse ich mich voll an - bei diesem Stück.

Vielleicht ein paar Worte zur Streuung im Gegensatz zur Absorption:
Der Farbeindruck entsteht im Gehirn aufgrund des Lichts das vom Sensor Auge erfasst wird (bla bla der Farbschulungen).

Bunte Farbe (im Gegensatz zu weiß-grau-schwarz) hat merkbare Lücken in der spektralen Verteilung der Intensität. So entsteht der blaue Farbeindruck durch Licht um 470nm, 410nm ist deutlich violett und 510nm ist grün. Fällt weisses Licht auf einen "Stein" geschieht als erstes eine teilweise Reflektion des Lichts, der Glanz. das restliche Licht dringt in den Stein ein. Wir kann nun ein Teil des Lichts wellenlängenabhängig "verschluckt" werden. Es wird absorbiert und ist weg. Das gilt dann im Durchlicht als auch an einfach streuenden Proben im aus der Probe herauskommenden Licht (remittiertes Licht).

Also Beispiel blau: Die komplementäre Lichtfarbe, also gelb, wird absorbiert - meist auch noch mehr, z.B. rot.
Es bleibt also nur Licht der Farbe blau über.

Bei der Streuung ist der Effekt von der Größe und der Größenverteilung des Streuzentrums abhängig. Meist sind das kleine Kügelchen wie im Opal oder in dieser Schlacke. Sind die Partikel sehr groß im Verhältnis zu Wellenlänge, kommt nur "etwas" wellenlängenunanhängige Streuung bei rum. z.B. Kreide.

Werden die Partikel kleiner, entstehen Resonanzen im Inneren der Partikel. Das ist der Bereich der Mie-Streuung und wird bei technischen Weisspigmenten angestrebt. Mit der Verteilungsbreite und Größe der Partikel kann dann etwas am Farbort gespielt werden. Aber auch hier ist es durch Mehrfachstreuung so, dass blaues Licht schon  messbar stärker gestreut wird.

Nun zum Bereich kleiner Partikel, kleiner als 1/2 Wellenlänge, wobei das auch von den Brechzahlunterschieden abhängt. Hier wird das kurzwellige Licht, also Blau/Violett, besonders stark im Verhältnis zu rot gestreut. Fällt rotes Licht auf den Stein geht es durch. Fällt blaues Licht auf den Stein wird es merklich gestreut und so aus der Richtung gebracht. Also es wird kein Licht
 im Idealfall absorbiert!

Daber erscheint der Stein im Durchlicht rot und seitllich oder von "oben" blau.
Auf schwarzem Papier siehst du im wesentlichen den blauen Schimmer.
Ein blauer Saphir absorbiert rot und ist daher einfach nur blau - ohne Unterschied ob Auflicht oder Durchlicht.
Es gibt zwar noch ein paar Farb-Effekte wie Pleochroismus oder Alexandrit-Effekt, aber die basieren alle auf Absorptionen.

Wenn du das Bild für das Lexikon machen möchtest: Nimm nur die Probe mit dem deutlichen blau-rot Effekt und dann einmal im Durchlicht und einmal auf weiss.

Danke fürs Zeigen! + LG

Klaus Schäfer:
Hallo Fabian,
 
--- Zitat ---... Es wird absorbiert und ist weg ...
--- Ende Zitat ---

Der Energieerhaltungssatz gilt auch hier: Energie verschwindet nicht - sie wird umgewandelt. Im einfachsten Fall erwärmt das Licht das Objekt. Die absorbierte Energie kann aber auch Effekte der Lumineszenz hervorrufen. Bei der Photosynthese wird die absorbierte Energie zum wesentlichen Bestandteil einer chemischen Reaktion u.s.w.

Gruß von Klaus

Klaus Schäfer:
Hallo Fabian,


--- Zitat ---
--- Zitat --- Also Beispiel blau: Die komplementäre Lichtfarbe, also gelb, wird absorbiert - meist auch noch mehr, z.B. rot.
Es bleibt also nur Licht der Farbe blau über.
--- Ende Zitat ---

--- Ende Zitat ---


Licht mischt sich additiv (je mehr farbiges Licht, desto heller). Licht mischt sich im RGB-Modell aus Rot, Grün und Blau. Damit eine Substanz Blau erscheint, muß Rot und Grün (deren Mischung Gelb erst ergibt) absorbiert werden.

Gruß von Klaus

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