Hallo alle,
ich möchte hier mal kund geben das ich auch Vereinsvorsitzender eine Kleingärtnervereins, gemeingefährlicher

ich meine gemeinnütziger eingetragener Verein, bin. Ich kann ein Liedchen davon singen was in unserem Staat alles für bürokratischer aufgeblähter Unsinn veranstaltet werden muss um solch einen Verein zu gründen, zu führen und möglichst ohne große Kosten am Leben zu erhalten. Schließlich bilden in Deutschland die Vereine zu einem gewissen Teil die Daseinsberechtigung für Notare, Amtsgerichte, Landratsämter, Rechtsanwälte, Versicherungen, Finanzämter usw., alle wollen bedient und befriedigt werden auf Kosten der ehrenamtlichen Tätigkeit ein paar Verrückter die eigentlich nur einer Freizeitbeschäftigung nach gehen wollen. Soviel nur mal zur ersten Abschreckung

So nun sachlich. Nichts desto Trotz ist der gemeinnützige eingetragene Verein wahrscheinlich die einzige Rechtsform die für den Mineralienatlas/Fossilienatlas sinnvoll wäre, auch wenn mir noch nicht so richtig klar ist warum wir unbedingt ein eingetragener Verein sein müssen! Wenn schon dann muss es aber ein gemeinnütziger Verein sein, weil mit dieser Form auch die weitgehende Steuerbefreiung einher geht.
Was ist nötig einen gemeinnützigen eingetragenen Verein zu gründen und zu führen:
-Es wird eine Satzung benötigt in der u.a. klar die Ziele, der Zweck und die Gemeinnützigkeit definiert sind. Diese muss durch einen Notar beglaubigt und durch das zuständige Finanzamt, das zuständige Landratsamt (Sitz der Geschäftsführung der Verein ausschlaggebend) und das zuständige Amtsgericht bestätigt werden.
-Der Verein muss durch das Amtsgericht in das Vereinregister eingetragen werden.
-Der Verein braucht einen Vorstand, mindestens bestehend aus Vorsitzenden, Stellvertreter, Schriftführer und Kassierer. Außerdem brauchen wir eine Revisionskommission die die Buchführung, insbesondere die Kasse überprüft. Der Vorstand muss alle zwei Jahre in einer einzuberufenden Wahlversammlung neu gewählt bzw. bestätigt werden.
-Der Verein braucht einen Geschäftsort, bzw. Geschäftsadresse, dieser ist ausschlaggebend für die zuständigen o. g. Ämter! Günstig wäre in unserem Fall wenn die Vorstandsmitglieder örtlich relativ nah beieinander wohnen!
-Mindestens einmal jährlich muss eine Vorstandssitzung und auch eine Mitgliederversammlung abgehalten werden. Hierüber sind Protokolle zu führen die auch noch eine bestimmte Form aufweisen müssen. Jährlich ist ein Rechenschaftsbericht über die geleistete Vereinsarbeit zu verfassen.
-Die Kassenführung ist ein ganz wichtiger Punkt. Der Kassenbestand muss lückenlos nachgewiesen werden. Das Geld darf nur satzungsgemäß und vereinzweckgebunden verwendet werden. Ein gemeinnütziger Verein darf keinen Gewinn erwirtschaften! Eventuelle jährliche Überschüsse müssen ausgewiesen und innerhalb zweier Jahre zweckgebunden eingesetzt werden. Ganz wichtig, es dürfen keine Aufwandsentschädigungen für Mitglieder gezahlt werden! Weil Aufwandentschädigungen von den Finanzämtern (jedenfalls in Sachsen) als Einkommen der betreffenden Mitglieder gerechnet werden die dann jeder bei seiner persönlichen Steuererklärung angeben müsste. Das kann man umgehen wenn man das ganze nicht Aufwandsentschädigung sondern Kostenrückerstattung nennt.
-Alle drei Jahre verlagen die o. g. Behörden alle Protokolle, Kassenabrechnungen, Rechenschaftsberichte, Beschlüsse usw. zur Bestätigung der Gemeinnützigkeit und der Steuerbefreiung, und wehe da stimmt was nicht dann wird’s richtig fies. Dann muss man sich nämlich gegen die Behörden durchsetzen.
-Jede Satzungsänderung und jede personelle Veränderung im Vorstand muss notariell beglaubigt und beim Amtsgericht gemeldet werden, und jeder Kontakt mit Amt und Notar kostet richtig Geld (regional sehr unterschiedliche Gebühren).
-Eine Rechtsschutzversicherung ist sinnvoll weil man sich schnell in Steiterein vor Gericht wieder finden kann, auf jeden Fall ist das ein sinnvoller Schutz für den Vorstand der ja letztlich verantwortlich ist und auch zur Verantwortung gezogen werden kann.
Weiterhin gibt es sicher noch Tausend Dinge die noch so bedacht werden müssen. Aber ich will euch ja nicht die Stimmung vermiesen.
Folgendes ist mir in unserem speziellen Fall noch völlig unklar:
Ist es überhaupt in unserm Fall, einer reinen Internetbeziehung, möglich einen Verein zu gründen und zu führen?
Sind wir berechtigt ausländische Mitglieder aufzunehmen?
Dürfen wir aus dem Ausland Geld einnehmen?
Dürfen wir Spendenquittungen ausstellen?
Bringen wir es auf die Reihe die nötigen Vorstands-, Mitglieder- und Wahlversammlungen an einem zentralen Ort zu organisieren? (Wenn nicht einmal für ein Forumtreffen Interesse da ist?

?)
Wer macht die ganze bürokratische Arbeit, ich weis als Vereinsvorsitzender von was ich spreche. (Und unser Gartenverein ist nur ein kleiner Verein und zentral an einem Ort, und nicht verstreut in ganz Europa!)
Müssen wir überhaupt ein eingetragener Verein sein und uns die zusätzlichen Kosten und den bürokratischen Aufwand aufzwingen lassen? Oder geht es nicht auch anders, z. B. mit einer konsequenten Aufgaben- und Verantwortungsteilung?
Ich könnte die Fragenliste noch endlos fortführen!
Ich hoffe nur ich habe jetzt nicht alle verschreckt, ich habe nur aus der Arbeit eines Vereinvorsitzenden geplaudert. Ach und übrigens der ganze Wahnsinn ist ehrenamtlich und dient der Erhaltung der deutschen Bürokratie!
Gruß Jürgen, der bewusst provokant geschrieben hat
